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Ein rascher Notenschlüssel…

*ohne Gewähr


Rechtschreibung in Firefox

Firefox-Erweiterung übersetzt Webseiten in die alte Rechtschreibung 02.04.2007, 12:21

Die RechtschreibreformgegnerInnen geben nicht auf. Die Firefox-Erweiterung "classgerman" übersetzt Webseiten in die alte Rechtschreibung.

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  • (geändert: )

Inzwischen bedienen sich alle Pressehäuser der neuen Rechtschreibung, und ganz Deutschland hat sich mit der Rechtschreibreform abgefunden.

Ganz Deutschland? Nein.

Eine kleine Gruppe reaktionärer Personen leistet verzweifelt Widerstand, z.B. mit der Website Deutschland kehrt zurück!. In Ermangelung eines Zaubertranks hat man nun die Erweiterung "ClassGerman" (xpi) für den Browser Firefox erstellt, die alles Neue, Logische wieder in den alten Wahn umwahndelt:

Aus "dass" wird "daß", aus "muss" wird "muß". "Hierzulande" gilt auch wieder zu Wasser, das Känguruh erhält sein "h" zurück. Die meisten Reformschreibungen, die das Lesen behindern, können mit ClassGerman automatisch in die lesefreundliche klassische Schreibweise umgewandelt werden. Damit machen Webseiten wieder Spaß! Ein ausgefeiltes Erkennungssystem für fremdsprachige Webseiten sorgt dafür, daß Webseiten, die nicht in deutscher Sprache verfaßt sind, nicht angetastet werden.

deutschland-kehrt-zurueck.de - Firefox-Erweiterung ClassGerman

Schuss ins Knie

Dumm ist nur, dass das Plugin jegliche Diskussion um die Rechtschreibreform in völligen Nonsense verwandelt. Allerdings auch sämtliches Unterrichtsmaterial zur neuen Rechtschreibung ...

Screenshot einer mit ClassGerman in die alte Rechtschreibung umgewandelten Webseite

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Kommentare

33

Zum Artikel "Firefox-Erweiterung übersetzt Webseiten in die alte Rechtschreibung".

  • #1

    @Frieda
    Ein wirklich treffender und liebreizender Kommentar.

    schrieb Hartmut Beil am

  • #2

    An das unsägliche “im Voraus” - Was zur Hölle ist “ein Voraus”?!? - werde ich mich nie gewöhnen und an andere Großschreibungen von nichtsubstantivierten Adjektiven (“bei Weitem” - welche Weite?) ebenso wenig. Warum soll man schreiben “Sie kam als Erste durchs Ziel, die anderen folgten später”? Warum nicht “die Anderen”? Warum “im Übrigen” - welches Übrige? - , aber “unter anderem”? Warum “im Einzelnen”, wenn der “Einzelne” gar keine Person ist, sondern es nur eine Aufzählung ist? Macht jedes “im” aus einem beliebigen Wort ein Nomen? Wohl kaum.

    Außerdem verstehe ich das mit “rückwärtsgerichtet” nicht. Schreibweisen sind doch kein eindimensionales Problem mit nur zwei Richtungen, sondern hochgradig mehrdimensional. Und wenn “man” heute die Großschreibung von vor 300 Jahren übernommen hat, was soll daran “fortschrittlich” sein? Liest sich “Messsysteme” besser oder “Meßsysteme”? Ist “Kon-struktion” sinnvoller getrennt oder “Kons-truktion”? Waren Kommas zwischen Hauptsätzen zur besseren Lesbarkeit eingeführt worden oder als reine Schülerinnen-Schikane? Warum werden aus Kinderbuch-Klassikern massenweise Kommas entfernt, so daß die Texte sogar nach heutiger “Norm” falsch geschrieben sind?

    Aber andererseits ist es natürlich ein riesiger Fortschritt, wenn es “Auto fahren” heißt und nicht mehr “autofahren”, wie beim “Fahrrad fahren”. Das wiegt natürlich sämtliche Nachteile auf. Und daß der Guru und das Känguru etymologisch verwandt sind, wußte ich schon immer. Und ob das Wetter greulich oder gräulich ist, muß man halt raten., das stärkt das Hirn.

    schrieb Frieda am

  • #3

    Die hier zu lesenden Schreibweisen „RechtschreibreformgegnerInnen“ und „LehrerfreundInnen“ entsprechen so weder den alten noch den neuen Schreibregeln. Welche Begründung gibt es für ihre Verwendung entgegen den geltenden Regeln? Wird damit nicht zugestanden, jeder Schreiber könne sich jederzeit frei für irgendeine Schreibweise entscheiden, sogar für eine, die so noch nie richtig war?

    schrieb Theo Grunden am

  • #4

    Ja, ist klar. Wer sich zuviel mit Likör beschäftigt, bekommt die Rechtschreibung natürlich nicht mehr auf die Reihe.

    Nun habe ich mir geflissentlich den Duden Band 1 in der 20. Auflage von 1991 besorgt. Laut http://de.wikipedia.org/wiki/Duden ist das die letzte unverbastelte Auflage. Danach wurde das Dudenmonopol durch höchstamtliche Legasthenie gebrochen (»ohne daß es eine plausible Erklärung wie eine generelle Minderbegabung oder schlechte Beschulung gibt«, http://de.wikipedia.org/wiki/Legasthenie), und schon war die deutsche Rechtschreibkatastrophe fährtig. Solange sich der Rat für deutsche Rechtschreibung (man hat ja hierzulande anscheinend sonst keine Sorgen, außer Falschschreibungen für verbindlich zu erklären) selbst nicht darüber im klaren ist, welche Rechtschreibung denn nun die gerade gültige sein soll, und daher alle paar Jahre das gerade Geänderte wieder erneut geändert wird, sollte nach zurzeitigem Stand der Dinge die Rechtschreibung der Einheitsausgabe des klassischen Dudens von vor 20 Jahren noch immer als das Maß aller orthographischen Weisheiten betrachtet werden. Nicht völlig umsonst steht ja gleich auf dem Einband geschrieben »Maßgebend in allen Zweifelsfällen«, und die Rechtschreibreform ist mit Sicherheit ein solcher Zweifelsfall; das kann man wänden wie man will.

    Überraschung: »Rußland« schreibt man laut 20. Auflage tatsächlich mit ß, und ich dachte, weil es sich hier um einen Eigennamen handelt, wäre das doppelte s dort vielleicht doch schon immer richtig plaziert gewesen. Da bin ich nun selber mal (aber nicht ausschließlich) auf den Neuschrieb (oder heißt es Neuschreib?) reingefallen.

    Aber vielleicht liegt ja hier die Reform der Katastrophe begraben: Wir schreiben das Eszett schlicht wieder als sz - wenn es doch schon so genannt wird -, also muszte, wuszte, Strasze, Flusz, biszchen und so weiter. Das funktioniert auch in GROSZSCHRIFT ohne auf Sonderzeichen angewiesen zu sein, sieht zudem fetzig aus, und könnte genau das sein, worauf Deutschlernende im Ausland schon lange gewartet hatten. Eine wirklich dringende Angelegenheit, denn hier http://typophile.com/node/48746 versucht man sich gerade an diversen großgeschriebenen scharfen ß, wobei diese großgeschriebenen scharfen ß den kleingeschriebenen scharfen ß doch noch etwas zu ähnlich zu sehen scheinen, und daher den Leser vermutlich noch nicht so recht überzeugen können. Vielleicht sollte man da diesbezüglich mal einen Design-Wettbewerb veranstalten. Eventuell könnte man sich ja auch bei den Russen oder bei den Griechen adäquat etwas ausleihen. Das Zeta in alt-koptischer Schreibweise (entfernt ähnlich einem großen Z) wäre da womöglich gar nicht mal so ganz unpassend.

    Wie auch immer, mitsorge um die Lesbarkeit, und mitblick auf eine möglichst verständliche Schreibweise: Die bevorzugte Rechtschreibung sollte immer diejenige sein, bei der der Leser am wenigsten ins Stolpern gerät und obendrein nicht allzulange darüber nachzudenken braucht, was denn nun tatsächlich gemeint sein könnte. Andererseits ... genauer betrachtet ... ein ganzes Buch in stolperanfälliger Rätselform zu verfassen, wäre vielleicht gar nicht mal die übelste Idee von allen, also etwa so:

    Inzwischen [von etwas Gebrauch machen mit 8 Buchstaben] sich alle [Unterkünfte von denen aus schriftliche Nachrichten verbreitet werden mit 12 Buchstaben] der [bisher nicht benutzt mit 5 Buchstaben] [System genormter grafischer Symbole die Sprache sichtbar machen mit 15 Buchstaben], und [nicht teilweise mit 4 Buchstaben] [Land östlich Frankreichs mit 11 Buchstaben] hat [in eigenem Bezug mit 4 Buchstaben] mit der [abrupte Neuerung des Systems der genormten grafischen Symbole die Sprache sichtbar machen mit 18 Buchstaben] [ohne innere Überzeugung gebilligt mit 10 Buchstaben].

    Wer erfolgreich ausgeknobelt hat, um was es im vorangegangenen Satz geht, dem dürfte die Art der Schreibung anschließend schon weitestgehend egal sein.


    Schöne Grüsze

    schrieb Schreibmaschine am

  • #5

    Am besten wäre es, man schreibt in der ganz klassischen Rechtschreibung von der Orthographischen Konferenz 1901. Wie seriös das erst wirkt, wenn man die erlaubten Varianten Shawl (Schal), Liqueur (Likör) und Britte (Brite) verwendet! Wann gibt es denn die Erweiterung dafür?

    schrieb Interessierter Leser am

  • #6

    Also nee, nee, nee,

    wer auf Deutsch wirklich wichtige Dinge schriftlich mitzuteilen hat, der sollte sich hierfür, soweit irgend möglich, lieber der klassischen deutschen Schriftsprache bedienen. Texte in klassischer Rechtschreibung wirken im Allgemeinen gleich um einiges seriöser und glaubwürdiger, nicht so sehr, wie die noch etwas unausgereiften Schreibübungen eines Grundschüler. Schreiber, die sich in ihren Texten der reformierten Schreibung bedienen, hinterlassen auf den Leser leicht den vagen Eindruck, wie: Schau her, ich mache kritiklos jeden Unfug mit, der an mich herangetragen wird, daher könnte der Inhalt meiner Texte gerade so ein Unfug sein.

    Worin lag doch gleich nochmal der Grund dafür, daß nun neumodischerweise da, wo ein scharfes ß gesprochen wird (z.B. mußte), nun keines mehr geschrieben werden darf? Stattdessen »mus..ste« (husten), im Gegensatz zu »Stras..se« oder »aus..sen«, wo das doppelte s sprachlich noch eher am rechten Platz wäre? Hat da eventuell jemand eine erhellende Erklärung dafür? Könnte es möglichenfalls daran liegen, weil es noch nie ein scharfes n (oder m, oder l) gegeben hat (wie sollte das auch gesprochen werden?), und daher das Schriftbild des scharfen ß zwangsweise, einer vermeintlichen Logik nach, an das Schriftbild von »konnte«, »rammte«, »wollte«, etc. angeglichen werden sollte, ungeachtet dessen, daß eine Schriftsprache in erster Linie eben nicht dazu da ist, gesamtheitlich logisch zu sein? Nun logisch oder nicht, das Wort »Fluss« lese ich immer wie »Fluus«, und »muss« klingt bei mir wie das »mus« in »Apfelmus« (bei »dass« fällt es nicht so auf). Zwei weiche s ergeben nun mal kein scharfes ß. Die Regel lautet daher: Ein scharfes ß wird immer da geschrieben, wo auch ein scharfes ß gesprochen wird (sollte eigentlich logisch sein, oder?). Ausnahme: ß wird zu ss, wenn man es - ohne dabei ins Stottern zu kommen - auch so aussprechen kann (Beispiel »las..sen«, »wis..sen«, ist ohne weiteres mit zwei einfachen s zu sprechen; aber grundsätzlich falsch ist »läs..st«, »gewus..st«). Da hatten sich unsere Altvordern schon etwas dabei gedacht, bei der Sache mit dem ß. Nur der moderne Mensch hält sich leider wie so oft mal wieder für viel schlauer. Genauso gut könnte man die Mathematik reformieren, indem man 1 + 1 = 4 als »richtig« festlegt, weil 1 + 1 = 2 gerade nicht mehr »in« ist.

    Wäre das ß ganz abgeschafft worden, hätte das zu einer Buchstabenersparnis von einem aus insgesamt dreißig Buchstaben geführt (abcdefghijklmnopqrstuvwxyz äöüß), was dann 3,33 Prozent weniger Buchstaben entsprochen hätte, und somit nicht der Rede wert gewesen wäre. Selbst wenn man nur die deutschen Sonderzeichen (äöüß) rechnete, hätte das eine Ersparnis von einem aus vier Buchstaben bedeutet, was immerhin schon satte 25 Prozent Reduzierung ergeben hätte. Da aber das scharfe ß als solches keineswegs vollständig beseitigt wurde (die Schweizer waren da durchaus radikaler, ob es ihnen dadurch allerdings seither besser geht, sei dahingestellt), ist die Ersparnis an bereitzustellenden Buchstaben gleich Null. Dem gegenüber ist die Anzahl der zu schreibenden Zeichen, die benötigt werden, um einen bestimmten Gedanken schriftlich zum Ausdruck zu bringen, aufgrund des ständigen Schreibens von ss statt ß nun größer den je.

    Nun kann jemand natürlich durchaus der Meinung sein, das Schriftbild »Schuß« (ins Knie) sähe alt und nicht mehr zeitgemäß aus, während ein anderer eher zu dem Schluß kommt, ein »Schuss« (ins Knie) wäre für ihn am Ende eben doch nicht scharf genug gewesen (eher ein Schuus ins Knie). Jedenfalls das Fazit daraus lautet: Seit dem Durchdrücken der mißglückten Schreibreform steht ein ganzes Land ohne brauchbare, einheitliche Rechtschreibung da; dem einen zu altmodisch aussehend, dem anderen zu unleserlich anmutend, dem nächsten noch lange nicht gnadenlos verkorkst genug. Sauber hinbekommen, kann man da nur sagen, und sich dabei überlegen, ob das nicht sogar Absicht war (ein Land Teil seiner Kultur zu berauben). Wie auch immer, vielleicht wäre es doch besser gewesen, mithilfe (oder von mir aus auch ohnehilfe) der Reform ein großgeschriebenes scharfes ß einzuführen. An diesem mangelt es nämlich zurstunde und immomment (schreibt man das jetzt so?) auch heute noch.

    Tja, da hätte die Rechtschreibkommission lieber öfter mal einen Blick in den Duden werfen sollen, um herauszufinden, woran es faktisch wirklich fehlt. Apropos »werfen«: Sollte es im Bücherregal bei mir mal gar zu eng werden, werden Bücher in wertvoller historisch-klassischer Rechtschreibung wohl sicherlich die letzten sein, von denen ich mich trennen werde.

    Übrigens, es soll ja die Doppel-s-Schreibung ab 1879 in Österreich gegolten haben, bis 1902 mit diesem Experiment »ganz unerwartet« wieder Schluß war. So gesehen könnten wir dann ja schon rund die Hälfte des derzeitigen Spuks der Doppel-s-Schreibung hinter uns haben. Schade nur um all die Bücher, die währenddessen noch so (falsch) geschrieben werden (müssen), und die sich leider nicht mit einer regulären Erweiterung im Nachhinein so einfach wieder berichtigen lassen.


    Mit besten Wünschen und froher Hoffnung

    P.S.: Für den Flash-Player gibt es ja nicht zufällig auch so ein Plug-In? Leiden geflashte Texte doch genauso an chronisch falscher Rechtschreibung, wie all die anderen auch.

    schrieb Roman am

  • #7

    Für mich als Schweizer Deutschlehrer in Deutschland mit Vergangenheit u.a. auch als Autor und Texter für Web und Print-Werbung ist das ganze ein Witz.
    Es zeigt, wie hirnlos schliesslich jede Vorschrift von ganz oben durch das Volk übernommen wird.
    Für mich ist ganz einfach: Privat und halbprivat (d.h. alles, war nicht im einzelnen bezahlte Aufträge sind, also auch Protokolle, die ich für meine Schule schreibe und dgl. verwende ich - nach Schweizer Usanz - überhaupt kein ß.
    Das ß verwende ich nur für SchülerInnen der Grundschule und S-I, da ich denen beim Lernen der hier üblichen Regeln behilflich sein möchte.
    S-II-SchülerInnen haben mit gewissen kulturellen Unterschieden Bekanntschaft zu machen, die sie ohnehin spätestens dann kennenlernen, wenn sie eine Schweizer Zeitung lesen.
    Hinsichtlich Zusammenziehungen heisst es bei mir immer noch hierzulande, da hier zu Lande etwas anderes bedeutet. Genauso mithilfe oder mit Hilfe (wenn man etwas musikalisch liest, ist sofort klar, wo die Verwechslung liegt).

    Auch der Rhythmus und das Känguruh gibt es immer noch.
    Die sinnvollen Änderungen werden sich sowieso durchsetzen, und die sinnlosen verdienen es nicht, übernommen zu werden.
    Also: Lasst doch das Volk entscheiden. Die Rechtschreibung ist landläufig (oder Land läufig?) dermassen desolat, dass es schon toll wäre, wenn die Mehrheit der Deutschen sich wenigstens bei egal welcher Version deutscher Rechtschreibung bedienen würde. (Von Grammatik und Wortschatz wollen wir hier gar nicht sprechen!)

    Dass es für Firefox ein “Oldie-Tool” gibt, finde ich ganz toll.
    Das ermöglicht gerade im Deutschunterricht eine Analyse (nenne wir es einfach Vergleich) alter und deutscher Rechtschreibung.
    Wäre ein sinnvoller Inhalt für den Deutsch-, Geschichts- oder SoWi-unterricht in der S-II oder den oberen Klassen der S-I.

    schrieb helveticus am

  • #8

    > Ich habe mich an die Doppel-S-Schreibung gewöhnt, “daß” sieht für mich inzwischen “falsch” aus.

    Für mich sehen auch nach zehn Jahren des Versuchs einer Gewöhnung an den Neuschrieb Wortgebilde wie »bewusst«, »wusste«, »lässt« etc. immer noch falsch aus. Über Begriffe wie »zurzeit« oder »aufwändig« stolpere ich beim Lesen mit schöner Regelmäßigkeit noch immer. Das wird nur noch übertroffen von Wörtern wie »bisschen«, das ich automatisch immer erstmal als »bi-schen« wahrnehme, oder beispielsweise auch die Schreibe »Furcht erregend«, wobei letzteres nicht nur ein Stolpern verursacht, sondern mitunter ein mehrmaliges Lesen des Satzes erforderlich macht, um zu begreifen, was eigentlich gemeint ist, etwa so:

    Das Ereignis war Furcht

    Hä, was? Ein Ereignis, das Furcht war? Oder hatte sich Furcht ereignet?

    erregend ...

    Ach so, furchterregend war das Ereignis. Man kann also durchaus darauf kommen was gemeint ist, wenn man nur etwas länger darüber nachdenkt.

    Fakt ist, auf mich wirken die literarisch anspruchsvollsten Werke abgedruckt im Neuschrieb, einfach nur wie billiges Foren-Geschreibsel. Fast könnte man hier auf die Idee kommen, parallel mehrere Rechtschreibungen einzuführen, beziehungsweise zuzulassen. Eine Rechtschreibung z.B. für auf der Tastatur Geschriebenes, also für Foren oder sonstige Texte mit kurzem Verfalldatum im Internet. Hier käme es nur darauf an, den Inhalt halbwegs verständlich unter die Leute zu bringen. Das ß wird hier ganz gestrichen, zwei s tippen sich auf der Tastatur einfach schneller, als immer erst nach dem ß greifen zu müssen. GroßbuchstabInnen können hier auch weggelassen werden, das andauernde Drücken der Umschalttaste erfordert einfach zu viel Konzentration beim Schreiben, welche dann woanders für die wirklich wichtigen Dinge fehlt. Die klassische Rechtschreibung - fälschlicherweise des öfteren »alt« genannt - bleibt der in Buchform gedruckten Literatur vorbehalten. Das hinterläßt einfach einen seriöseren Gesamteindruck bezüglich dessen, was der Autor dem Lesenden mitzuteilen hat. Manche Buchinhalte haben das schon durchaus nötig. Und dann wäre da noch die dritte Variante der Rechtschreibung, nämlich die handgeschriebene Schreibung. Hier sollten alle Elemente eliminiert werden, die einen Text unnötig in die Länge ziehen. Es gibt hier keine doppelt geschriebenen Buchstaben mehr (dreifache schon gleich gar nicht), das h zur Dehnung fällt weg, genauso wie das s in Wortfugen oder unnötige Satzzeichen und Bindestriche. Leerzeichen - in diesem Fall eher Wortabstände - werden nur noch eingefügt, wo es absolut unumgänglich ist, um das Geschriebene später wieder halbwegs entziffern zu können. Der Verbrauch an Zeit, Tinte und Papier könnte dadurch merklich reduziert werden.

    Aber vielleicht gibt es da in Zukunft ja auch eine viel modernere Möglichkeit der multiplen Rechtschreibung.

    http://tinyurl.com/cwupac

    Der Easy Reader.

    Wenn bei so einem Reader einfach zwischen den verschiedenen Rechtschreibungen umgeschaltet werden könnte, dann wäre es das doch. Oder nein, noch besser: Jeder könnte seine eigene Orthographie in den Reader laden, welcher den Text dann dementsprechend anzeigt. Beispielsweise sich die Bedienungsanleitung des neuesten Handys in mittelalterlicher Schreibweise anzeigen zu lassen, wäre doch mal ganz drollig. Verstehen tut man das möglicherweise ja so oder so nicht. Es könnte auch sein, irgendein Text ist etwas zu lang geraten. Da drücken wir einfach die Telegramm-Stil-Taste, schon werden alle bestimmten Artikel wie »der, die, das«, oder so überflüssige Wörter wie »in, ein, einen, nur, ist, den, dem, als, auf, mit« usw. nicht mehr angezeigt, prompt ist ein Buch mal schnell um hundert Seiten kürzer.

    Aber ach was. Am besten wir werfen den ganzen Buchstabenkram gleich ganz über Bord, und drucken alle Bücher ab heute nur noch in Stenographie.

    http://tinyurl.com/declch

    Die so gesparte Zeit haben wir dann übrig für die nächste Rechtschreibreform.

    http://tinyurl.com/d976e8

    schrieb Veritas am

  • #9

    Ist das Fachblatt *Schweizer Journalist* nun reaktionär (in welchem Sinne auch immer), wenn da festgestellt wird: “Die verunglückte Rechtschreibreform hat zahlreiche Probleme hinterlassen”? Und wenn da Schweizer Zeitungen jetzt ihre Texte nach den Empfehlungen der Schweizer Orthographischen Konferenz (http://www.sok.ch) drucken?  Und wenn das *St. Galler Tagblatt* das mit dem dem Hinweis tut, daß “Schreiben für die Lesenden” sei (http://www.tagblatt.ch/index.php?artikelxml=1451979&ressort=tagblattheute/hintergrund&jahr=2008&ressortcode=tb-hi&ms;=) und der *Walliser Bote* (071231) meint: “Übrigens [...] erleben wir seit rund 10 Jahren eine absurde „Reform” der deutschen Rechtschreibung, die vollkommen unnötig und willkürlich war, riesige Kosten verursachte, in ein Rechtschreibechaos mündete und von Politikern – bei uns waren es die Politköpfe der Erziehungsdirektorenkonferenz EDK – als verbindlich erklärt wurden”?  Oder sind diese Institutionen des öffentlichen Lebens nur Aufgeber, die “alles Neue, Logische wieder in den alten Wahn” umwahndeln?
    Ich meine übrigens auch, daß bei Deutschlehrern bei Phrasen wie “die überwiegende Mehrheit” ein rotes Fähnchen aufspringen müßte, wie auch bei dem ganzen Satz “Die überwiegende Mehrheit der DeutschlehrerInnen steht der Reform positiv gegenüber”, auch bei “Ich bin Deutschlehrer, Sie können mir glauben.” (#5)  Ich bin Deutschlehrer, Sie können mir glauben.  Und ich unterscheide deshalb zwischen Lehrenden und - in der aktuellen Hinsicht unqualifizierten - Mitdiskutierenden, die ohne unterrichtsempirische Grundlage lamentieren (#17), daß Staatsbürger bei Sachen, die sie und die öffentliche Sache überhaupt angehen, eben kritisch mitdenken.

    schrieb Horst Ludwig am

  • #10

    Vielen Dank für den Tip mit der Firefox-Erweiterung. Ich habe sie jetzt installiert und bin sehr zufrieden damit.

    schrieb Herrmann Mueller am

  • #11

    Die sogen. Reformer sind die Reaktionären und sich dessen nicht einmal bewußt.
    Die neue Rechtschreibung ist ein erster Schritt die deutsche Sprache in die Bedeutungslosigkeit zu drängen. Die Werbung in Deutschland hat sich bereits auf das Englische verlegt und der mißglückte Versuch der Abschaffung des ß ist einfach ein Eingeständnis nicht begreifen zu können, was das Deutsche Schriftbild ausmacht.
    Tip und Stop sind internationale Wörter - Ich frage mich ob die reaktionären Reformer nun auch Stopp-zeichen in Deutschland einführen wollen. Nein, diese Reform ist ein Versuch die Sprache auf einen Stand des Mittelalters zurückzubringen und dieser Versuch ist immerhin gescheitert.
    Wer diese „Reformer“ unterstützt, versteht oder beherbergt ist selber Reaktionär und dürfte meines Erachtens keine öffentlichen Ämter ausführen. Die zwangsweise Einführung einer Schreibweise ist undemokratisch und zeigt das Versagen der deutschen Demokratie wie auch der Lehrerschaft.

    Und für Sie, Herr Lehrerfreund: Die Rechtschreibreform betrifft mehr als nur die S Schreibung in daß. Ihnen würde ich meine Kinder nicht anvertrauen, da könn’se drauf wetten.
    Wahrscheinlich wäre hier Dankbarkeit meinerseits angezeigt ... Anmerkung Der Lehrerfreund, 14.05.2007

    Ansonsten denke ich daß die letzten 10 Jahre gezeigt haben, daß sich eine Schreibweise nicht verordnen läßt, sondern einfach entwickelt. Die Leute schreiben vieles falsch, weil ihnen eine falsche Schreibweise über Reformiert wurde.

    Das wird sich ausbalancieren über die Zeit und man wird dann leider eine Unterklassenschreibweise vorfinden und die schreiben dann daß eben dass. Aber das mag vielleicht nur gerecht sein, denn es gibt ja ohnehin schon eine Unterklassen Sprechweise. 

    Hartmut

    schrieb Hartmut am

  • #12

    Ich verstehe es völlig - und ich respektiere Ihre Meinung (wenngleich ich sie nicht nachvollziehen kann, siehe meine Fragen oben). Aber ergibt die zitierte Umfrage nicht, dass mit der neuen RS insgesamt WENIGER Fehler gemacht werden?

    schrieb Der Lehrerfreund am

  • #13

    > vielleicht sogar besser zu erlernen ist als die alte RS

    Zum Schmunzeln noch schnell das Zitat eines Textes, gefunden auf einer Internetseite des Bayerischen Rundfunks:

    „Lichtdurchlässig, Wärme isolierend und selbst lüftend“

    schrieb Christian Lindemann am

  • #14

    Sehr geehrter Herr Lehrerfreund,

    bitte glauben Sie mir: Ich gönne Ihnen wirklich Ihre persönliche Überzeugung für die inzwischen mehrfachen Änderungen unserer ehemals gemeinsamen Rechtschreibung.

    Seien Sie halt dankbar, daß es damals diese wenigen ‚Volksvertreterinnen’ und ‚Volksvertreter’ gab, die Ihnen dieses Glück bescherten - letzteres trotz aller Proteste und Einwände seitens der vielen Menschen, denen die Schriftsprache natürlich ebenfalls gehört(e) und denen die Beibehaltung des jahrzentelang als korrekt angesehenen Zustandes aus vielerlei Gründen am Herzen lag!

    Ich respektiere dann aber auch die Meinung derer, die in der sogenannten Rechtschreibreform - aus meiner Sicht zu Recht - keinen Vorteil sahen und sehen, und bezeichne sie - ungeachtet ihrer tatsächlichen und womöglich hervorragenden Rechtschreibkenntnisse - nicht als ‚Lamentos’ oder gar ‚Reaktionäre’.

    Weiterhin fällt mir- gerade bei “s-ß-ss” sowie Getrennt- und Zusammenschreibung - eine im ganzen Lande signifikant angestiegene Fehlerhäufigkeit auf, wobei ich nach wie vor der Auffassung bin, daß die (ordentliche) Rechtschreibung nicht ausschließlich Sache des Schulwesens ist (s. o.).

    Sie verstehen, was ich meine? ;o)

    Freundliche Grüße

    Christian Lindemann

    schrieb Christian Lindemann am

  • #15

    Lieber Christian,

    der einzige Grund, warum ich zu einem Lobbyisten der Rechtschreibreform geworden bin: Ich sehe, dass das Regelwerk in der Schule leichter vermittelbar ist. Ich habe nie behauptet, dass nur DeutschlehrerInnen die Wahrheit sagen, und ich habe mir nie angemaßt, über Sprachschönheit und Leseeffizienz zu philosohpieren - aber ich behaupte, dass eigentlich nur DeutschlehrerInnen beurteilen können, ob die Rechtschreibreform hinsichtlich der Erlernbarkeit und des Fehlerquotienten ein einziger Schwachsinn ist, oder ob man sich mit ihr abfinden kann bzw. sie vielleicht sogar besser zu erlernen ist als die alte RS.

    Und wenn ich durch die zitierte Umfrage scrolle, dann sehe ich viele Beiträge wie diesen:

    “Meine Erfahrung ist auch diese: Ich unterrichte seit 1979 Deutsch. Seit der Rechtschreibreform ist das subjektiv wahrnehmbare Chaos gestiegen - aber in der Schule habe ich weniger Fehler.”

    Und solche:
    “Für mich ist die Rechtschreibreform ein Beweis dafür, dass wir in Deutschland immer noch zu viel Geld haben, um die schwachsinnige Arbeit von Idioten zu finanzieren.”

    Dass ich Beiträge des zweiten Typs als Lamento bezeichne, dürfen Sie bitte nicht als negative Grundhaltung meinerseits interpretieren - ich finde es nur blöd, wenn auf eine Umfrage unter DeutschlehrerInnen ungefragt ... naja ... lamentiert wird.

    schrieb Der Lehrerfreund am

  • #16

    > Zählen Sie einfach

    Ich lese auf der Seite überwiegend kritische Beiträge, und durch eine zweite Aufforderung an mich, für Sie eine Gegenüberstellung von pro und contra zu kreieren, ändern Sie daran natürlich auch nichts.

    Das müssen Sie schon selbst erledigen, wenn Sie denn tatsächlich noch Ihre - ohnehin schon felsenfeste - Überzeugung mittels dieser von Ihnen angeregten Zählung untermauern wollen. Also, ich meine, wenn Sie denn tatsächlich die erforderliche Energie aufwenden wollen… ;o)

    > die ohne unterrichtsempirische
    > Grundlage lamentieren

    Warum sind Sie nur wieder so negativ eingestellt, Herr Lehrerfreund? Es wird wirklich Zeit, daß Sie das Ganze etwas lockerer sehen. Es darf doch außerhalb des kultusbürokratischen Systems, welches uns diesen Firlefanz eingebrockt hat, ohnehin jede(r) schreiben, wie sie/er gern möchte.

    Und warum überhaupt halten Sie so beharrlich an der These fest, daß lediglich Deutschlehrerinnen und Deutschlehrer entsprechend wahrheitsgemäße Schlüsse ziehen können? Ich möchte mich nicht wiederholen und verweise daher kurzerhand auf meinen zweiten Beitrag auf dieser Seite.

    Freundliche Grüße

    Christian Lindemann

    schrieb Christian Lindemann am

  • #17

    > Ich hingegen behauptete, die meisten der Beiträge würden Kritik gegenüber des Neuschreibs enthalten. So sind dann wohl eher Sie am Zuge, sehr geehrter Herr.

    Die überwiegende Mehrheit der DeutschlehrerInnen steht der Reform positiv gegenüber. Zählen Sie einfach, gönnen Sie sich die Freude. Sie müssen aber unterscheiden zwischen LehrerInnen und - in der aktuellen Hinsicht unqualifizierten - Mitdiskutierenden, die ohne unterrichtsempirische Grundlage lamentieren.

    schrieb Der Lehrerfreund am

  • #18

    > Ich verstehe, dass die äußere Form mit
    > den vielen Doppel-S schon von den Inhalten ablenkt

    Herrlich! Genau deshalb war ja auch die Doppel-s-Schreibweise zu Lasten des altbewährten Eszet ein ganz deutlicher Schuß in den Ofen.

    Aber den Vorteil des über viele Jahrzehnte gebräuchlichen Schluß-ß, den besseren Lesefluß nämlich, werden Sie mir jetzt wohl erwartungsgemäß und konsequent widerlegen, Herr Lehrerfreund. Ich darf gespannt sein… ;o)

    > Zählen Sie mal.

    Nun , Sie behaupteten zunächst, daß “die Deutsch unterrichtenden Lehrpersonen sich fast alle tendenziell positiv zur Rechtschreibreform” äußerten. Ich hingegen behauptete, die meisten der Beiträge würden Kritik gegenüber des Neuschreibs enthalten.

    So sind dann wohl eher Sie am Zuge, sehr geehrter Herr. Mir allerdings wäre das ja zuviel verschwendete Energie.

    Wie Sie bereits wissen, belustige ich mich ohnehin schon sehr darüber, daß sich die Rechtschreibung gerade bei Schülerinnen und Schülern, bei nicht wenigen Vertreterinnen und Vertretern aus der Presselandschaft und aus der Werbebranche sowie bei einigen junggebliebenen Älteren unter uns, die allzugern ‘richtiges’ Neuschreib anwenden würden, seit wenigen Jahren zusehens verschlechtert.


    Freundliche Grüße

    Christian Lindemann

    schrieb Christian Lindemann am

  • #19

    > Ihren Hinweis auf die Beiträge Ihrer im Schulfach “Deutsch” unterrichtenden Kolleginnen und Kollegen kann ich ebenfalls nicht nachvollziehen. Die meisten der Beiträge enthalten doch - berechtigte - Kritik gegenüber des Neuschreibs.

    Ich verstehe, dass die äußere Form mit den vielen Doppel-S schon von den Inhalten ablenkt; erlauben Sie deshalb den Hinweis darauf, dass die Deutsch unterrichtenden Lehrpersonen sich fast alle tendenziell positiv zur Rechtschreibreform äußern. Zählen Sie mal.

    schrieb Der Lehrerfreund am

  • #20

    Sehr geehrter Herr Lehrerfreund,

    zuerst schrieben Sie

    > leistet verzweifelt Widerstand
    > ...
    > die alles Neue, Logische wieder in den
    > alten Wahn umwahndelt

    und jetzt schreiben Sie

    > Ich meinte einfach nur:
    > ...
    > Keine Wertung.

    Klingt verwirrend. Oder verwirrt. Vielleicht eine Folge des Neuschreibs. Ich jedenfalls verstehe Ihre Äußerungen weniger denn je.

    > Diese Aussage wird durch unsere Umfrage
    > aber ganz deutlich widerlegt.

    Ihren Hinweis auf die Beiträge Ihrer im Schulfach “Deutsch” unterrichtenden Kolleginnen und Kollegen kann ich ebenfalls nicht nachvollziehen. Die meisten der Beiträge enthalten doch - berechtigte - Kritik gegenüber des Neuschreibs. Und das Wort “verwirrend” kommt auch einige Male vor. ;o)

    Freundliche Grüße

    Christian Lindemann

    schrieb Christian Lindemann am

  • #21

    > “Leichter vermitteln” sehen die Lehrer und die Fehlerzahlen leider anders.

    Diese Aussage wird durch unsere Umfrage aber ganz deutlich widerlegt.

    Übrigens möchte ich ein weiteres Mal darauf hinweisen, dass ich gar nicht implizieren wollte, dass die BenutzerInnen der neuen Rechtschreibung irgendwie progressiv oder cool oder modern wären. Ich meinte einfach nur: Es gibt etwas Neues, manche wollen das Alte, manche akzeptieren das Neue. Vorwärtsbewegung, Rückwärtsbewegung. Keine Wertung.

    schrieb Der Lehrerfreund am

  • #22

    Das hier:

    >Inzwischen bedienen sich alle Pressehäuser der neuen Rechtschreibung

    ist übrigens falsch. Einige Pressehäuser bedienen sich einer Rechtschreibung, die sie für die “neue Rechtschreibung” halten, andere bedienen sich einer selbsterfundenen. Und einige verwenden die klassische Rechtschreibung.

    So ist das nun mal.

    Viele Grüße

    T. B.

    schrieb Tobias Bluhme am

  • #23

    Hallo.

    >Ich habe mich einfach an die Rechtschreibreform
    >gewöhnt und erkannt, daß sich das Regelwerk der
    >reformierten Rechtschreibung im Deutschunterricht
    >leichter vermitteln läßt als das der alten.

    Es scheint beim Bewöhnungseffekt zu bleiben. “Leichter vermitteln” sehen die Lehrer und die Fehlerzahlen leider anders.

    >Ich bin Deutschlehrer, Sie können mir glauben.
    >Aus meiner Sicht ein erträglicher Zustand.

    Es ist traurig, wenn man sich damit zufriedengibt, daß ein Zustand, mit dem niemand ein Problem hatte, durch einen lediglich “erträglichen” Zustand ersetzt wurde.

    Ich glaube nicht, das Gegner der gescheiterten Rechtschreibreform “rückwärtsgewandt” sind (ebensowenig wie ihre Befürworter vorwärtsgewandt sind; “vorwärts” zur Heyse-Schreibung aus dem 19. Jahrhundert??). Zumeist möchten sie einfach nur eine vernünftige Schreibweise haben. Und die klassische Schreibweise hat sich bewährt, (auch) weil sie eine lange Entwicklung hinter sich hat.

    Eine prime Sache übrigens, diese Erweiterung. Ich nutze sie auch!

    Viele Grüße

    T. B.

    schrieb Tobias Bluhme am

  • #24

    ...für die interessierten Leserinnen und Leser noch ein - etwas betagter - Beitrag zum Thema:

    http://www.dradio.de/dlf/programmtipp/kulturheute/546376/

    schrieb Christian Lindemann am

  • #25

    > mit Verlaub,

    Sehr gern.

    > Sie haben ja auch gar nicht auf
    > meine - mehrfach, sachlich
    > gestellte - Frage geantwortet

    Fragen? Sie meinten sicherlich folgende Feststellungen:

    Feststellung 1
    —————————
    “Mein Problem ist, dass ich nicht verstehe, wie und warum man sich dauerhaft darüber so aufregen kann.”

    Feststellung 2
    —————————
    “Und ich verstehe immer noch nicht, wieso man so viel Energie in <strike>reaktionäre</strike> rückwärtsgewandte Anstrengungen steckt.”

    Nun, in Ihren beiden Feststellungen verbirgt sich für diejenigen unter uns, die sich mit der Sache bereits beschäftigt haben, selbstverständlich der erneute Hinweis darauf, daß Sie partout nicht akzeptieren können, wenn es Menschen gibt, die - eben anders als Sie selbst - das Neuschreib konsequent ablehnen.

    Meine Betonung liegt auf ‘konsequent’, wobei Sie meiner Ansicht nach hieraus eigentlich nicht automatisch schließen können, daß die Überzeugung für diesen oder jenen Standpunkt zwangsläufig mit einem erhöhten Energiebedarf einhergehen müßte.

    Es ist meines Erachtens vielmehr so, daß einige unter uns _aktiv_ für oder gegen das Neuschreib votieren, andere _reaktiv_ (oder um gern auch mit Ihrem Worte zu sprechen - ‘reaktionär’; aber schauen Sie doch einfach mal im Fremdwörterbuch nach, wenn Sie sich der verschiedenen Bedeutungen nicht sicher sind… ;o)) und daß erwartungsgemäß nicht wenigen unter uns die heutige Rechtschreibung ähnlich wie auch schon jene bis 1996 jahrzehntelang unbestritten korrekte (Duden-)Schreibweise vollkommen schnuppe ist.

    Man kann zusammenfassen (oder etwa ‚zusammen fassen’?), daß Sie für Ihren Eingangsbeitrag Energie aufwendeten, weil Sie wohl nicht verstehen, daß Menschen für die Entwicklung jenes Rechtschreibkorrekturprogramms Energie aufwendeten. Das versteht zwar vermutlich niemand, ist aber so. ;o)

    > sondern versucht, mich [...] zu besiegen

    Herr Lehrerfreund, Sie bieten hier dankenswerterweise die Möglichkeit an, sich mit anderen über das eine oder andere Thema auszutauschen. Es mag vielleicht Ihr subjektiver Eindruck sein, ich hätte Sie rhetorisch oder gar argumentativ zu “besiegen” versucht. Daß ich Sie aber natürlich gar nicht “besiegen” respektive zum Umdenken bewegen kann, ist Ihnen höchstwahrscheinlich ebenso klar wie mir. Schon allein deshalb paßt der neuerliche Einwurf nicht.

    Mit meiner Reaktion auf Ihren bewußt provokanten Eingangsbeitrag hin habe ich _natürlich_ versucht, die agitatorischen Züge Ihres Beitrages etwas zu relativieren. Ob mir dies in irgendeiner Form gelungen ist, vermögen die geneigten Besucherinnen und Besucher ihrer Internetpräsenz sicher eher zu beurteilen als Sie oder ich.

    Ich führe gern erneut aus: Es amüsiert mich, daß und wie Sie hier die Besucherinnen und Besucher von den - aus meiner Sicht vermeintlichen - Vorzügen des (Duden-)Neuschreibs zu überzeugen versuchen, und deshalb lese ich immer wieder gern in Ihren Seiten.

    Ein bißchen Spaß muß sein! ;o)

    Freundliche Grüße

    Christian Lindemann

    schrieb Christian Lindemann am

  • #26

    Lieber Lehrerfreund

    Die Rechtschreibreform enthält einige sinnvolle Elemente.
    Da ich - obwohl Deutschlehrer - allerdings aus der Schweiz stamme, verwende ich seit jeher 2 Rechtschreibungen. Dass es jetzt 3 bis 4 sind, stellt nicht wirklich ein Problem dar.
    Für Schüler der Sek. I verwende ich ausschliesslich die neue, obschon ich solchen linguistischen Nonsens wie Schifffahrt grundsätzlich Schiff-Fahrt schreibe, damit das verdreifachte F halbwegs Sinn ergibt und die magnetisch wirkende Optik etwas gebrochen wird, mithilfe schreibe ich immer noch Mithilfe, das andere mit Hilfe (im Lat. würde hier ein sauberer Ablativ verwendet), etc.
    Privat schreibe ich immer noch meine - grösstenteils bisherige - Rechtschreibung: u.a. ohne ß. (Dessen komplete Abschaffung ist mittlerweile bald 100 Jahre alt!) Allerdings sind die meisten Kollegen bis heute der Meinung, das sei grundsätzlich falsch - notabene gerade diejenigen, die besonders fanatisch für die neue Rechtschreibung stimmen.
    Gemerkt? Hier lauert eine Schlangengrube voller Widersprüche.
    Und soll ich nun meine ca. 4000 Bücher nicht mehr für Unterrichtszwecke verwenden oder aber alle Texte überarbeiten??? So doof sind zahlreiche Kollegen. Ich halte es hier lieber mit der Lehrplan-Aufforderung, fachübergreifend zu unterrichten:
    Wenn ich einen Buchtext von 1954 vorlege, müssen sich die SchülerInnen mit den historischen Gegebenheiten bzw. Veränderungen auseinandersetzen.
    Meine Pflicht sehe ich hier nicht darin, einer (wie weiter oben bereits von einem anderen Kommentator genannten) Oligarchie nachzueifern und Texte neurotisch zu überarbeiten (vielleicht ist diese Energiebindung ja beabsichtigt, um den Intellektuellen die Energie für wirkliche Neuanstösse zu rauben?) sondern die Thematik der veränderten Schreibweise unter dem historischen Gesichtspunkt didaktisch zu thematisieren.
    Grundsätzlich kann ich hier nur sagen: Es ist nach wie vor peinlich, was alles sich das deutsche Volk bis heute unter dem Titel “demokratisch” verkaufen lässt.

    schrieb phantom am

  • #27

    Und ich verstehe es trotzdem noch nicht. Aber, mit Verlaub, Sie haben ja auch gar nicht auf meine - mehrfach, sachlich gestellte - Frage geantwortet, sondern versucht, mich argumentativ und rhetorisch zu besiegen.

    schrieb Der Lehrerfreund am

  • #28

    Sehr geehrter Herr Lehrerfreund,

    Sie schrieben:

    > Andererseits macht derjenige,
    > der heute “hin zu kommen” und
    > “weisse Farbe” verbricht,
    > anderswo zwei Fehler weniger.

    Ach so. Und weil’s stattdessen jetzt diejenigen falsch schreiben, die’s vorher richtig zu schreiben lernten, ...

    Diese Logik erschließt sich mir jedoch leider noch nicht.

    > Eigentlich ist doch alles gut.

    Na sehen Sie mal! Dann war ja Ihr Eingangsbeitrag völlig unnütz.

    Freundlichen Grüße

    Christian Lindemann

    schrieb Christian Lindemann am

  • #29

    Ja, Fehler wie das Deppenleerzeichen haben seit der Reform maßlos zugenommen. Ich habe ja auch niemals behauptet, dass die Rechtschreibreform nicht auch negative Seiten hätte. Andererseits macht derjenige, der heute “hin zu kommen” und “weisse Farbe” verbricht, anderswo zwei Fehler weniger. Ich bin Deutschlehrer, Sie können mir glauben. Aus meiner Sicht ein erträglicher Zustand. Und ich verstehe immer noch nicht, wieso man so viel Energie in <strike>reaktionäre</strike> rückwärtsgewandte Anstrengungen steckt. Eigentlich ist doch alles gut.

    schrieb Der Lehrerfreund am

  • #30

    Sehr geehrter Herr Lehrerfreund,

    Sie werden mir wohl recht geben, daß das landläufige Verständnis des Wortes “reaktionär” eher mit etwas Abwertendem in Verbindung gebracht wird als mit etwas (objektiv) Beschreibendem. Überhaupt, der ganze Satz “Eine kleine Gruppe reaktionärer Personen leistet verzweifelt Widerstand” liest sich recht (ab-)wertend. Und das sollte er ja wohl auch. Nun, man muß ja zwangsläufig den Eindruck bekommen, Sie befürchteten, daß diese kleine Gruppe Reaktionäre es tatsächlich schaffte, das von Ihnen so sehr verteidigte Neuschreib dort hinzubekommen, wo es im Grunde nicht nur ideell, sondern vor allem auch praktisch hingehört - in den kultusministerialen Altpapierkübel nämlich. ;o)

    Die Politik war und ist Teil des Geschehens und soll natürlich nicht ausgeblendet werden. Die Politik war aus Ihrer Sicht also nicht reaktionär. Demnach war sie dann wohl von dem anderen Dingenskirchen, dem Aktionismus, befallen, selbst nachdem sie den Unfug von oben herab verordnet hatte und erkennen mußte, daß das Volk (nach wie vor) nicht hinter dem beschlossenen Unfug stand. Oder wie soll ich das verstehen? “Augen zu und durch” könnte man diese Art und Weise am besten umschreiben. Es zeugt dann doch von lobenswerter Zivilcourage gegenüber der Obrigkeit, wenn sich Menschen für den Erhalt ihrer eigenen Kultur, hier der Schriftsprache, einsetzen. Ob sie nun mühevoll ein Gegenstück zu mancher automatischen „Rechtschreibüberprüfung“ basteln oder aber - sehr einfach - beim Schreiben das bislang Richtige weiterhin als richtig betrachten.

    Sie meinen, die Probleme, die mit den verschiedenen Neudeutsch-Versionen einhergehen, seien Ihnen bewußt? Genau das ist der Punkt! Mir ist der inzwischen erreichte Tiefstand in Sachen Rechtschreibung ebenfalls bestens bekannt: So ist - von den Änderungen der Änderungen einmal abgesehen - „fest zu stellen“, daß heutzutage ohne Sinn und Verstand getrennt wird, quasi was die Leertaste am Rechner hergibt. Aus ursprünglich “weißer Farbe” wird bei einem Baumarkt, der auf alles “ausser” auf Tiernahrung 20% (Rabatt) gibt, plötzlich und unerwartet “weisse Farbe”. Und wenn Sie Verwandten oder Freunden eine Freude machen wollen, versenden Sie doch einfach mal einen “Blumengruss”. Sie können ja vielleicht gleich noch eine Packung Brennessel-Schnittkäse mitsenden lassen. Die Verpackung ist natürlich „wiederverschliessbar“. Bei der CMA erhalten Sie ein Heftchen mit dem Titel “Deutsch für Geniesser”, und wer bisher noch nicht allzu viel Gehirnschmalz „aufgewändet“ hatte, der wird eh alles GROSSSCHREIBEN, weil man dabei ja traditionell (!) kein Eszet verwenden würde.

    Ich (Nicht-Lehrer) finde diese Auswüchse der sogenannten Reform ja reichlich dumm - während Sie mir allen Ernstes weismachen wollen, daß Sie sich zum Beispiel an all dies “Doppel-s”-Neuschreib gewöhnt haben? Wo hört denn Ihr Zweckoptimismus zum Wohle der Reform auf? ;o)

    Abschließend sei zu fragen erlaubt: Warum sollte ich mich (jetzt noch) darüber aufregen, was uns allen damals übergestülpt wurde? Und was triebe mich (jetzt noch) dazu, im Internet andersdenkende Mitmenschen als „reaktionär“ zu beschreiben?

    Freundliche Grüße

    Christian Lindemann

    schrieb Christian Lindemann am

  • #31

    Lieber Herr Lindemann,

    ich bin - im Gegensatz zu Personen, die Firefox-Erweiterungen programmieren - gar nicht besessen. Ich habe mich einfach an die Rechtschreibreform gewöhnt und erkannt, dass sich das Regelwerk der reformierten Rechtschreibung im Deutschunterricht leichter vermitteln lässt als das der alten. Durchaus sind mir die mit der Reform verbundenen Probleme bewusst - die sind aus meiner Sicht aber nicht so schwerwiegend, dass ich unbedingt zur alten Rechtschreibung zurückkehren möchte.

    Noch rasch zum Verständnis des Wortes “reaktionär”, das ich im Kontext der aktuellen Diskussion häufig benutze: Ich verwende es nicht wertend, sondern beschreibend. Reaktionär ist jemand, der Anstrengungen unternimmt, einen früheren Zustand wieder herzustellen. Insofern kann man es beim besten Willen nicht auf die verantwortlichen PolitikerInnen anwenden, was immer man von ihnen halten mag.

    Ich habe mich an die Doppel-S-Schreibung gewöhnt, “daß” sieht für mich inzwischen “falsch” aus. Das war’s für mich. Mein Problem ist, dass ich nicht verstehe, wie und warum man sich dauerhaft darüber so aufregen kann. Vielleicht können Sie es mir - am besten möglichst sachlich und knapp - erklären. Ich verstehe es wirklich nicht.

    Beste Grüße
    Der Lehrerfreund

    schrieb Der Lehrerfreund am

  • #32

    Sehr geehrter Herr Lehrerfreund,

    Sie schrieben:

    > und ganz Deutschland hat sich
    > mit der Rechtschreibreform

    Eine Reform ist meines Wissens dazu da, etwas zu verbessern.

    Bei uns in Deutschland jedoch bringen, wie wir tagtäglich erfahren dürfen, Reformen stets eine gewisse Verschlechterung mit sich. Wie sagte doch einst die CDU-Kanzlerin Angela Merkel? Deutschland sei ein Sanierungsfall? Recht hat sie.
    In fordere Sie hiermit freundlichst auf, Frau Merkel: fangen wir gemeinsam bei der Politikerkaste an, aufzuräumen! Meine vollste Unterstützung haben Sie!

    Zurück zu Ihrem Beitrag, Herr Lehrerfreund:

    > Eine kleine Gruppe
    > reaktionärer Personen
    > leistet verzweifelt Widerstand

    Nun, als “reaktionär” würde ich eher den elitären Club ausschlaggebender Professoren, unterstützender Kultusministerkonferenzen und abnickender Ministerpräsidenten bezeichnen - hat man sich doch seinerzeit mit einer unglaublichen Dreistigkeit über den - im übrigen immer noch recht eindeutigen - millionenfachen Willen des Volkes hinweggesetzt und diesen Unsinn überhaupt ermöglicht.

    So wird eben in Deutschland “Demokratie” er- und gelebt. Oder wie hieß doch gleich das Fremdwort? Oligarchie? Man weiß es nicht, man weiß es nicht…

    Und, Herr Lehrerfreund, was Ihren Vorwurf der Verzweiflung angeht: Irgendwie tun Sie mir schon ein bißchen leid. Ob Ihrer eigenen Besessenheit sind Sie offenbar nicht in der geistigen Lage, Ihren Mitmenschen wenigstens auch deren Überzeugung für oder gegen etwas zu gönnen. Das ist bedauernswert.

    Aber um Ihnen eine kleine Beruhigungspille zu verabreichen: Weil ich schätze, daß das Rad - unserer unfähigen Politik sei Dank - ohnehin nicht wieder zurückgedreht wird, bin ich heute nicht mehr so sehr enttäuscht wie noch vor einigen Monaten, sondern mache mich inzwischen vielmehr darüber lustig, wenn jene Leute, die schon vor 1996 nicht richtig ihre Mutter(schrift)sprache lernen wollten, heute weder mit der guten alten und mehrere Jahrzehnte bewährten Form noch mit dem schlechten und innerhalb weniger Jahre bereits mehrfach überarbeiteten Neudeutsch klarkommen.

    Hurra, bald schreiben alle, wie sie sprechen!

    Freundliche Grüße und frohe Ostern,

    Christian Lindemann

    schrieb Christian Lindemann am

  • #33

    Sehr lustig.
    Nur leider ist das Problem an der Rechtschreibreform, dass sich, wie Sie selbst sagen, ganz Deutschland mit ihr “abfinden” musste; Weil sie zu unausgegoren war, sich mit ihr anzufreunden.

    schrieb Colin am

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