Kulturfach

Interview: Warum Latein ein wichtiges Schulfach ist 14.05.2009, 10:37

Interview mit dem Lateinlehrer Peter Glatz (Österreich) über Sinn und Inhalte des Lateinunterrichts.

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Schon viele Schüler/innen haben sich die Sinnfrage gestellt, wenn sei lateinische Vokabeln pauken oder einen A.c.I. (Accusativus cum Infinitivo) suchen und finden mussten.

Das oberösterreichische Nachrichtenportal nachrichten.at berichtet von einer deutlichen Zunahme der Schulfächer Latein und Altgriechisch an Gymnasien und interviewt aus diesem Grunde den österreichischen Lateinlehrer Peter Glatz, 43 - einen von insgesamt rund

200

1000 Lateinlehrer/innen in Österreich.

Im Interview sagt Peter Glatz aus, dass Lateinlehrer/innen gar nicht so anders seien als andere Lehrer/innen:

OÖN: Wie muss man sich den typischen Lateinlehrer vorstellen? Ist das einer, der sich hinter Geschichtsbüchern vergräbt und von der Moderne kaum etwas mitbekommt?

Glatz: Ich protestiere. Natürlich ist ein typischer Lateinlehrer von der Vergangenheit begeistert. Aber in der Methodik ist er sehr modern und zeitgemäß. Latein ist ja nicht nur ein Sprachfach, sondern ein Kulturfach. Wir bringen die kulturellen Inhalte, die für ein modernes Europa relevant sind. Da kann man kein verschlafener Gestriger sein.

nachrichten.at 14.05.2009: Die Sprache Latein lebt wieder auf, Lehrer für den Unterricht fehlen

Interessant ist auch die Frage nach der Lernmotivation - für viele Schüler/innen ist Latein ein Schulfach, das mit der Realität herzlich wenig zu tun hat. Dass die Lateinmühle für den späteren Erwerb weiterer (v.a. romanischer) Fremdsprachen gute Dienste leistet, wird bestenfalls als angenehmer Nebeneffekt gesehen. Peter Glatz postuliert jedoch (wahrscheinlich zu Recht), dass die akribische Textarbeit im Lateinunterricht von nicht zu unterschätzender Bedeutung für die Entwicklung von Lesekompetenz ist:

OÖN: Wie begeistert man Jugendliche für eine Sprache, die sie praktisch kaum anwenden können?

Glatz: Ich muss wieder protestieren. Vielleicht nicht anwenden im Sinne des täglichen Sprechens. Aber praktisch anwenden im Sinne dessen, dass ein Lateiner komplexe Texte viel schneller erfassen und analysieren kann. Er ist geschult darin. Und er ist kulturell ganz anders zuhause, wenn er in Rom vor einem Tempel steht oder sich Faust II ansieht: Er weiß, worum es geht.

nachrichten.at 14.05.2009: Die Sprache Latein lebt wieder auf, Lehrer für den Unterricht fehlen

Ganzes Interview: nachrichten.at 14.05.2009: Die Sprache Latein lebt wieder auf, Lehrer für den Unterricht fehlen

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