Unterrichtsmaterial

Millenniumsziele: Unterricht mit Weblogs und Fotoblogs 13.09.2005, 13:21

Unterrichtsmaterialien der Caritas international zu den Millenniumszielen der Vereinten Nationen, geeignet für Sek II in den Fächern Geschichte, Gemeinschaftskunde, Sozialkunde, Politik.

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logo von Caritas international

Die Millenniumsziele sind in diesem Jahr immer wieder Thema bei Regierungskonferenzen. Um SchülerInnen die - für ihre Lebenswelt eher abstrakten - Ziele zu vermitteln, empfiehlt sich das didaktische Prinzip der Personalisierung. Anhand von Weblogs und Fotoblogs von Betroffenen in Lateinamerika, Afrika und Asien können sich die Schülerinnen und Schüler mit den Zielen auseinandersetzen und sie bewerten.

Neben den Links im Text hat learn:line (Bildungsserver NRW) ein umfangreiches und sehr gutes Dossier zu den Millenniumszielen zusammengestellt.

Den folgenden Text können Sie auch als pdf-File zum Ausdrucken herunterladen:

Weblogs und Photoblogs zum UNO Millennium+5 Gipfel von 14.-16. September 2005

Zusammenfassung

Fächer:Politik, SOWI, Gemeinschaftskunde, Religion, Englisch
Stufe:Sekundarstufe 2
Thema:    Die Millenniumsziele der UNO, Weblogs und Photoblogs
Quellen:Internettagebücher von Betroffenen, Caritasmitarbeiterinnen und -mitarbeitern, Website von Venro und der UNO

 

Mögliche Unterrichtsgestaltung

 

 

Folgende Fragestellungen können im Klassenraum besprochen oder als Projekt erarbeitet werden:

 

  • Warum gibt es die Millenniumsziele?
  • Was soll mit ihnen erreicht werden?
  • Mit welchen der Millenniumszielen beschäftigen sich die Weblogs?
  • Was beschäftigt die AutorInnen?
  • Was unterscheidet die Weblogs von andere Reportagen und Textgattungen?

 

Die Schülerinnen und Schüler können im Internet recherchieren, unter anderem auf folgende Websites

 

 

Weiterhin können Sie mit den Fotografinnen und Fotografen der Fotoblogs aus Äthiopien Kontakt aufnehmen (Fächerverbindung mit Englischunterricht).

 

Hintergrund

 

Die Millenniumsziele

 

  1. Hunger und extreme Armut beseitigen
  2. Grundschulbildung für alle Kinder
  3. Gleichstellung und stärkere Beteiligung von Frauen
  4. Kindersterblichkeit verringern
  5. Die Gesundheit von Müttern verbessern
  6. HIV/Aids, Malaria und andere Krankheiten bekämpfen
  7. Nachhaltigen Umgang mit der Umwelt sichern
  8. Aufbau einer weltweiten Partnerschaft für Entwicklung

 

Siehe auch: www.2015.venro.org

„Millenniumsziele“ – das Wort hat man im Zusammenhang mit dem Konzertereignis Live8 und dem G8-Gipfel in Gleneagles häufig gehört. Sie werden wieder im September in den Vordergrund treten, wenn den UNO Gipfel Millennium+5 stattfindet. Was aber verbirgt sich dahinter? Ein Millenniumsziel heißt zum Beispiel Verringerung der Kindersterblichkeit um zwei Drittel. Wenn sich die bisherige Entwicklung in Afrika fortsetzt, dann könnte dieses Ziel frühestens im Jahr 2165 erreicht werden. Die acht „Millenniumsziele“ („Millennium Development Goals“), die von den Vereinten Nationen im Jahr 2000 formuliert wurden, sollen aber schon bis zum Jahr 2015 umgesetzt werden. An dieser Diskrepanz wird deutlich, wie wichtig und dringend ein weltweites Engagement für diese Ziele ist. Die internationale Staatengemeinschaft hat sich mit den Millenniumszielen u.a. dazu verpflichtet, die Armut in den Entwicklungsländern bis 2015 zu halbieren und Hunger, Kindersterblichkeit und HIV/AIDS stark zu reduzieren. In diesem Jahr wird auf dem Millennium+5 Gipfel der UNO vom 14. bis 16. September erstmals eine Zwischenbilanz gezogen. Der Druck auf die Regierungen und Entscheider ist groß. Gerade Nicht-Regierungsorganisationen (NGOs) wie Caritas international haben erkannt, dass man jetzt handeln muss.
 

 

Die Quellen: Weblogs und Fotoblogs geben den Millenniumszielen ein Gesicht

 

Mit Internet-Tagebüchern, so genannten „Weblogs“, nimmt Caritas international die an Live8 und G8 geäußerte Kritik ernst. Dort waren anfangs keine Vertreter vom afrikanischen Kontinent oder aus anderen Entwicklungsregionen eingeladen gewesen, was bei vielen Menschen auf Befremden stieß. Es ist wichtig, nicht nur über die Entwicklungsländer zu sprechen und über die Köpfe der Menschen dort hinweg zu entscheiden, sondern sie selbst zu Wort kommen zu lassen. Genau das hat Caritas international mit seinen Weblogs erreicht. Und die Menschen kommen nicht nur zu Wort, sondern man kann sie auch in ihrer alltäglichen Umgebung sehen und mit ihnen diskutieren. Damit hat Caritas international den abstrakten Millenniumszielen ein Gesicht gegeben.

 

 

 

Äthiopien
20 Jahre nach der großen Hungersnot von 1984 hat Caritas international 19 Äthiopierinnen und Äthiopier mit Digitalkameras ausgestattet und sie gebeten, bis zum Ende dieses Jahres ihre Fotos in ein Internettagebuch einzustellen. Die Fotografen kommentieren auf der Website ihre Bilder und erzählen mehr über ihren Alltag in Äthiopien.Foto des Fotoblogs aus AethiopienEs besteht sogar die Möglichkeit, den Teilnehmern zu schreiben und sich mit ihnen auszutauschen. In Äthiopien und in ganz Afrika hat sich in den letzten 20 Jahren vieles in eine positive Richtung entwickelt, aber manche der Millenniumsziele sind jetzt schon nicht mehr erreichbar. Gleiche Chancen in der Ausbildung von Jungen und Mädchen sollte das Ziel für dieses Jahr sein. In Afrika kann davon noch nicht die Rede sein.

„Ich bin froh dabei zu sein, um Geschichten über mein Leben und mein Land zu erzählen“, sagt Ashenafi Gudeta, einer der Fotografen, der sich von diesen Fakten nicht entmutigen lässt. Er lebt mit seiner Familie in Addis Abeba und interessiert sich fürs Filmemachen. Zur Zeit erprobt er sich auf der Bühne in einem Musik- und Theater-Workshop. Mit ihren Aufführungen will die Gruppe AIDS-Aufklärung betreiben, damit die Menschen bewusster und offener mit diesem Thema umgehen. Somit trägt er aktiv dazu bei, dass ein Millenniumsziel erreicht wird. Wie alle anderen hat auch Ashe zuvor an einer Schulung mit einer professionellen Fotografin teilgenommen. Beim Transport innerhalb des Landes wird er von Caritas Ägypten unterstützt. Die Bilder sind teilweise atemberaubend, teilweise überraschend und manchmal auch schockierend, aber auf jeden Fall geben sie Einblick in ein Äthiopien ‚mit seinen Augen’.

 

 

 

 

„Alltägliche Probleme“
In drei weiteren Weblogs schildern Caritasmitarbeiter und Straßenkinder, Aids-Patienten, Krankenpfleger und Sozialarbeiterinnen aus Afrika, Asien und Lateinamerika, warum die Umsetzung der Millenniumsziele so wichtig ist und wie die Arbeit vor Ort konkret aussieht. Sie erzählen von Menschen und Begebenheiten aus ihrem Projektalltag, von ihren Schwierigkeiten, Erfolgen und Wünschen. „Für uns ist es sehr wichtig, an diesem Weblog teilzunehmen und uns so auch über die Situation in anderen Ländern zu informieren. Kenntnisse, die uns helfen können, die alltäglichen Probleme in unserem Land zu lösen“, erklären Magno Batista und Isabela Regina, zwei Jugendliche, die in Recife/Brasilien zu einem Netzwerk gehören, das Straßenkinder unterstützt. Sie arbeiten für die Umsetzung des Millenniumsziels, weltweit Kindern und Jugendlichen bessere Lebensbedingungen und eine allgemeine Schulbildung zu ermöglichen.

Brasilien
Zum Netzwerk gehört zum Beispiel auch die Gruppe "Ruas e Praças" ("Straßen und Plätze"). Das Team versorgt die Kinder und Jugendlichen nicht nur auf der Straße, sondern bietet auch zahlreiche kulturelle Angebote. "Casa de passagem", Haus des Übergangs, bietet einen Zufluchtsort und Unterstützung für Mädchen, die auf der Straße leben. Die Gleichstellung und stärkere Beteiligung von Frauen ist auch eins der acht Millenniumsziele. Andere Gruppen des Netzwerks arbeiten mit Eltern und Schulen, um dem hohen Gewaltpotenzial in der Familie und auf der Straße entgegenwirken zu können, oder machen Lobby- und Öffentlichkeitsarbeit zugunsten der Straßenkinder. Im Weblog Brasilien berichten sie über ihr Engagement, ihre Erfolge, aber auch über die Rückschläge bei ihrer Arbeit.

 

 

 

 

Südafrika
Die Mitarbeiterinnen von Marianhill stehen für das Millenniumsziel HIV/Aids zu bekämpfen. In manchen Dörfern der südafrikanischen Provinz KwaZulu Natal ist jeder zweite Mensch HIV-positiv. Caritas international unterstützt die Marianhill Missionsschwestern bei ihrer Arbeit in der Provinz. In einer Art Hauskrankenhilfe-Projekt wird den Aids-Betroffenen (nicht nur den Infizierten!) ganzheitlich geholfen: Ehrenamtliche Helfer – fast immer sind es Helferinnen – pflegen die Kranken und betreuen die Waisen, indem sie ihnen Beistand leisten oder sie in Erb-Angelegenheiten beraten. In einem Teilbereich des Programms werden neun bis 13-jährige Kinder als Familienvorstände ausgebildet, damit sie sich um ihre jüngeren Geschwister kümmern können. „Ich liebe Menschen, die HIV haben, weil sie Liebe brauchen“, erklärt der 13-jährige Precious im Südafrika-Weblog.

 

 

 

 

Südasien
"Heute ist ein symbolischer Tag!", sagt Fischhändler Syarifuddin, als er die neuen Eisboxen und Geräte von Caritas International erhält. Sein Kollege Suherman nickt feierlich: "Ab jetzt ist alles okay!" – so schreibt Christina Holzemer, Caritas-Mitarbeiterin in Indonesien, in ihrem Eintrag in den Südasien-Weblog aus Banda Aceh, einer der vom Tsunami am stärksten betroffenen Regionen. Noch ist nicht „alles okay“, aber hunderte Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des internationalen Caritasverbundes und anderer Organisationen sind am Wiederaufbau beteiligt.
Der Südasien-Weblog berührt thematisch fast alle Millenniumsziele. Nachhaltiger Wiederaufbau heißt, die Katastrophe als Neuanfang zu nutzen und nicht die vorher bestehenden schlechten Lebensumstände zu zementieren. So können einkommensfördernde Maßnahmen und Ausbildungen für Jugendliche Perspektiven schaffen und damit Armut und Hunger entgegenwirken. Mit der Bildung von Frauenselbsthilfegruppen, z.B. in Indien, gewinnen Frauen Selbstbewusstsein, das ihnen helfen kann, sich aus ihrer bisherigen gesellschaftlichen Position zu befreien. Die Umwelt wird geschützt, wenn beim Wiederaufbau mit einem Ökosiegel zertifiziertes Holz verwendet wird und kein illegal geschlagenes.

 

 

 

 

Letztlich wird die Summe aus all diesen Anstrengungen plus der Bereitschaft zur Umsetzung der Lippenbekenntnisse von Seiten der Regierungen der reichsten Länder darüber entscheiden, ob die von der UNO definierten Millenniumsziele bis 2015 erreicht werden oder nicht. Den Betroffenen nicht nur die Opferrolle zuzuschreiben, sondern ihnen eine Stimme in dem Entscheidungsprozess über ihre Zukunft zu geben, das ist die Idee hinter den Internettagebüchern von Caritas international.

 

 

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