Projekt »Orbis«

Routenplaner für das Römische Reich 30.10.2012, 22:31

Im Projekt "Orbis" haben Wissenschaftler der Stanford University die Infrastruktur des Römischen Reichs in einer Multimediaanwendung nachgebildet: Straßennetz, Seerouten, Geschwindigkeiten zu Fuß, zu Pferd, zu Wagen. Entstanden ist ein Routenplaner, der leider 2.000 Jahre zu spät kommt.

Orbis-Routenplaner: Ausschnitt aus einer Route
Bild: ORBIS.stanford.edu
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In seiner Hochzeit umfasste das Römische Reich eine Fläche von etwa 8.300.000 km2 (zum Vergleich: Deutschland hat 357.000 km2), darunter den gesamten Mittelmeerraum. Mal einen Boten nach Spanien zu schicken oder ein Heer an die Levante dauerte seine Zeit.

Das Projekt Orbis hat den Reiseaufwand in einer Kartenapplikation fassbar gemacht. Ausgewertet wurden u.a. meteorologische Karten über Wind und Wellen, Berichte über Straßenverhältnisse oder die überlieferte Geschwindigkeit von Pferden, Ochsenkarren und Fußgängern.

Orbis umfasst 900 Seerouten mit einer Gesamtstrecke von 180.000 km und ein Straßennetz von 84.631 km. Dazu kommen 28.272 km Flüsse und Kanäle. Das Fluss- und Straßennetz bspw.:

Projekt Orbis: Straßennetz im Römischen Reich

Mehr über die Hintergründe beim Orbis-Projekt in den Bereichen "Credits" und "Introducing ORBIS".

So mit Daten gefüttert lässt sich Orbis als Routenplaner für das Römische Reich verwenden. Nach Klick auf "Mapping ORBIS" erhält man diese Maske:

Orbis: Routenplaner

Auf der rechten Seite können die abzufragenden Daten eingegeben werden. Wenn wir also im Monat Dezember mit einem Heer in einem Gewaltmarsch von Rom nach Damaskus reisen möchten, lässt sich das komfortabel über die Eingabemaske einstellen ...

Orbis: Beispiel für eine Suchanfrage

... und Orbis spuckt nach Klick auf "calculate route" das Ergebnis in Form einer Route auf der Karte aus. Wir erfahren, dass wir mit unserem Heer in 21 Tagen 3.248 km zurücklegen müssten.

Orbis: Ergebnis einer Routenplanung

Wenn wir übrigens nur auf dem Landweg reisen, benötigen wir 121 Tage für 3.660 Kilometer.

Für Geschichtslehrer/innen, die gerne mit interaktiven Whiteboards operieren, gibt es eine weitere, sehr nützliche Funktion: Die erstellten Routen können für Google Earth als KML-File exportiert werden. Klicken Sie dazu rechts oben auf "results grid", dann im Ergebnisfenster auf "download routes in KML format". An den Namen der gespeicherten Datei müssen Sie evtl. ein ".kml" hängen.

Orbis: Route für Google Earth speichern

in manchen Betriebssystemen/Browsern wird der Quelltext direkt angezeigt. Kopieren Sie ihn und setzen sie ihn in einen Texteditor ein. Löschen Sie evtl. Hinweise bis zu "<kml ..." und speichern Sie als irgendwas.kml.

Orbis: Speichern der KML-Datei

Nun können Sie die kml-Datei doppelklicken (Voraussetzung: auf Ihrem Rechner ist Google Earth bereits installiert), Sie können die Datei auch direkt von Google Earth aus öffnen. Nun können Sie die Route in Google Earth komfortabel behandeln:

Orbis-Route in Google Earth (Ausschnitt)

Das Projekt Orbis ist eine aufwändig gemachte, wirklich inhaltsstarke Multimedia-Applikation für den Bildungsbereich. Und wie nützlich wäre sie doch für die Einwohner des Römischen Reiches gewesen!

Denken Sie an einen reichen Einwohner von Londinium (London), der nach Alexandria reisen möchte, weil er dort geerbt hat. Wenn er nach einem Gespräch mit dem Dorfwirt den kürzesten Weg wählt, ist er 92 Tage und 4.118 Kilometer unterwegs. Auf der dreimonatigen Reise verbringt er mehr als zweieinhalb Monate im Sattel oder im Karren.

Mit dem Orbis-Routenplaner wäre das nicht passiert. Dort hätte der Mann sehen können, dass die Reise auch in 42 Tagen zu schaffen war (5.264 Kilometer), wenn man nämlich nur die Seerouten ausgiebig nutzt.

Wer nun auf eine mobile Version des Orbis-Routenplaner wartet, der kann sich auf eine längere Wartezeit einstellen. Homines sumus, non dei.

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