Medienerziehung

Sprache und Medien - Klausur 04.05.2006, 14:02

Klausur zu den Themen "Infotainment" und "Sprachliche Analyse von Medien". Ein Bildzeitungsartikel soll analysiert werden. Mit Erwartungshorizont.

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In der vorausgehenden Unterrichtseinheit wird der Begriff “Infotainment” behandelt (Definition, Ausprägungen, Intentionen) und anschließend Websites und Zeitungsartikel auf gestalterische und sprachliche Besonderheiten untersucht. Der Schwerpunkt liegt auf der sprachlichen Analyse.

Das Thema bietet sich für den fächerübergreifenden Unterricht an. An einem fächerübergreifenden Projekt können z.B. folgende Fächer beteiligt werden: Kunst (Layout/Gestaltung von Zeitungsartikeln und Webseiten), Informatik (Gestaltung von Webseiten, Technologien aufdringlicher Werbeformen (Flash, Pop-ups, usw.)), Englisch/Französisch (Zeitungen/Websites aus dem englischsprachigen/französischsprachigen Raum), betriebswirtschaftlich orientierte Fächer an beruflichen Schulen (Kommunikationsstrategien, Kundenbindung).

Inhalt der Klassenarbeit:

Klassenarbeit „Infotainment“ / „Sprache in Medien“

1. Definieren Sie den Begriff „Infotainment“ und erläutern Sie ihn anhand eines selbst gewählten Beispiels.

<10 Punkte>


2. Analysieren Sie den folgenden Artikel von bild.de in sprachlicher Hinsicht: Welche sprachlichen Mittel können Sie entdecken, mit welcher Absicht werden sie eingesetzt?

<20 Punkte>

 

Screenshot des Bild-Artikels 'Hakenkreuz im Pflaster', Analysegegenstand der Klassenarbeit

Inhaltlicher Erwartungshorizont

Aufgabe 1: Definieren Sie den Begriff „Infotainment“ und erläutern Sie ihn anhand eines selbst gewählten Beispiels.
1. Infotainment = Verschmelzung der Begriffe „Information“ und „Entertainment“
2. Informationen werden unterhaltsam verpackt bzw. (seltener) Unterhaltung mit Information versehen.
3. Absicht: Bindung der Konsumenten ans Medium (TV, Zeitung, Webangebot usw.) durch emotionale Dimension; damit werden bestimmte Ziele (Geld verdienen, verkaufen, informieren, manipulieren usw.) verfolgt. Einige dieser Ziele entsprechen der Funktion v. Medien (KUBIK).
4. Je nach Zielgruppe und Angebotsabsicht unterschiedliche Gewichtung der beiden Komponenten
+ Beispiel anhand der Punkte 2-3, evtl. 4 analysieren

Aufgabe 2: Analysieren Sie den folgenden Artikel von bild.de in sprachlicher Hinsicht: Welche sprachlichen Mittel können Sie entdecken, mit welcher Absicht werden Sie eingesetzt?
- „Es ist eine Schande!“ – Ausruf zu Beginn des Artikels, kein Informationsgehalt, nur Aufrüttelung der Leser.
- „Hakenkreuz-Skandal“ – Dramatisierung, simuliert Ungeheuerlichkeit
- Wdh. „Schande“/“Schand-Fleck“ -> Aufrüttelung, Dramatisierung (= Skandal!) um Interesse zu wecken
- „prangte“, „einen halben Meter groß“ -> theatralisch, simuliert Auffälligkeit, dabei war das Hakenkreuz so klein wie zwei Schulhefte; „prangte“ auch bei Bildunterschrift, großes Bild“
- „58000 Einwohner“ – macht den Skandal größer, ‚das Volk schaut weg’ (Bild und Bild-Leser (!) schauen hin)
- Ausrufezeichen -> macht den Skandal größer, weckt mehr interesse
- „rauskloppen“ -> niedere Sprachebene/Umgangssprache: Endlich kümmert sich das Volk (in Gestalt des Bürgermeisters) darum -> Auflösung des Skandals? Nein, siehe folgenden Absatz (Bauunternehmen).
- Worte der Information: „machte ein Leser … aufmerksam“, „BILD informierte“ -> BILD setzt sich für Recht und Ordnung ein, Leserbeteiligung wird simuliert.
- „Leser“ macht aufmerksam: Identifikation für Leserpublikum
- „Bauunternehmen … drei Subfirmen“ -> Personalisierung, Sündenbock für Leser; evtl. hier auch „Zwei Bauarbeiter“
- Unwesentliche Informationen: z.B. „Es ist eine Schande!“, „grauschwarze Granitsteine“, „drei Subfirmen“
- Einfacher Satzbau (ein Nebensatz in ganzem Artikel!)

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