Turbo-Abitur

G8: Schülerleistung in Mathematik bricht ein 29.03.2010, 12:56

Wie der VDI im Jahr 2010 berichtet, führt die Verkürzung der gymnasialen Schulzeit ("G8") zu schlechteren Leistungen im Fach Mathematik.

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Der VDI (Verein deutscher Ingenieure) berichtet in seinem Nachrichtenmagazin vdi-nachrichten.com, dass sich die Verkürzung der gymnasialen Schulzeit von neun auf acht Jahre (“G8”) nachteilig auf die Leistungen von Schüler/innen im Fach Mathematik auswirkt. So hätten Schüler/innen nach einer Studie “Magdeburger Wissenschaftler” deutlich schlechtere Mathematikkenntnisse als Schüler/innen des G9.

Die Studie kommt zu dem Ergebnis, dass eine durchschnittliche Schulabgängerin im schriftlichen Turbo-Abiturfach Mathematik einen Punkterückgang von 8 % hinnehmen muss, während der Rückgang bei dem durchschnittlichen Abiturienten gegenüber dem Mitschüler mit G9-Abitur sogar bei 11 % liegt.

VDI-nachrichten.com 26.03.10: ‘Turbo-Abi’ verschlechtert Mathematikkenntnisse

Es sei zu erwarten, dass sich diese schlechtere Leistung auch in den folgenden Jahrgängen zeigen würde. Der VDI befürchtet, dass diese Entwicklung sich negativ auf den Arbeitsmarkt und die Ingenieurausbildung auswirken wird und übt harsche Kritik an der bildungspolitischen Linie der Regierung:

Dabei hatte Bundeskanzlerin Angela Merkel doch vor anderthalb Jahren in Dresden die “Bildungsrepublik” ausgerufen. Deutschland solle sich aufmachen, den stetig steigenden Bildungsanforderungen einer Industrie- und Wissensgesellschaft nachzukommen und verlorenen Boden gegenüber anderen konkurrierenden Ländern wettzumachen.
Die Magdeburger Wissenschaftler ziehen die Erreichbarkeit dieses politischen Zieles unter den aktuellen Bedingungen allerdings stark in Zweifel.

VDI-nachrichten.com 26.03.10: ‘Turbo-Abi’ verschlechtert Mathematikkenntnisse

Die Ergebnisse der Studie sind erstaunlich, da die Regierenden die G8-Pleite seit geraumer Zeit antzipieren und heftig gegensteuern. So berichtet der Bayerische Lehrerverband BLLV, dass das bayerische Kultusministerium Schulleiter/innen die versteckte Anweisung gegeben habe, G8-Schüler/innen so zu benoten, dass sie nicht schlechter abschneiden als G9-Schüler/innen (sueddeutsche: Kultusministerium unter Verdacht). Außerdem sorgt man (ebenfalls im imagebewussten Bayern) durch den “systemimmanenten Notenausgleich” für rosige Situationen:

Gute Nachrichten für die Abiturienten des Jahrgangs 2012:
Mit einer Drei in Kunst und ein paar Punkten in der mündlichen Nachprüfung lassen sich eine Sechs und zwei Fünfen im schriftlichen Abi ausgleichen. Systemimmanenter Notenausgleich nennt sich das, wie das Kultusministerium mitteilen lässt. Man muss dann noch ein bisschen herumrechnen und darf in keinem Kernfach ganz auf Null stehen, dann klappt es. Eine Sechs in Mathe lässt sich also gewissermaßen mit einer Drei in Kunst neutralisieren.

Am Rande der Bildung 21.10.2010: Drei in Kunst rettet Matheabi

Die Daten der vom VDI zitierte Studie wurden in Sachsen-Anhalt erhoben, die Verfasser/innen betonen jedoch, dass sich die Erkenntnisse auch auf andere Bundesländer übertragen ließen. Damit wäre das Desaster noch größer als erwartet: Trotz notenverbessernder Maßnahmen von höchster Stelle aus ist bezüglich der erreichten Punktzahl im Abitur ein Leistungsabfall festzustellen. Wie hoch würde der Unterschied ausfallen, wenn die Regierungen nicht geschönt hätten?

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