Texterörterung/Lesekompetenz

Jugendliche finden Berühmtheit am wichtigsten (Arbeitsblatt) 12.09.2011, 23:12

Germany's Next Topmodel (WikiCommons)
Bild: Wikimedia Commons: Germany's Next Topmodel

Für US-amerikanische Jugendliche sind Ruhm und Prominenz die wichtigsten Werte - weit vor Nächstenliebe oder Gemeinschaftsgefühl. Der Text eignet sich zum Üben der textgebundenen Erörterung und des Textverständnisses. Niveau Oberstufe.

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Der Text ist im Original beim Online-Magazin telepolis erschienen: Bei Jugendlichen ist Prominenz zum höchsten Wert geworden. Wir danken für die Erlaubnis zur Verwendung und empfehlen aus Überzeugung, den telepolis-Newsletter zu abonnieren.

Der Text umfasst 466 Wörter bei 2851 Anschlägen (ohne Leerzeichen). Der Text ist geradlinig strukturiert und verständlich geschrieben. Da die Inhalte jedoch eine gewisse Entwicklungsreife voraussetzen, kann er erst in der Oberstufe (oder in einer starken Klasse Ende der Sekundarstufe I, 9./10. Klasse) behandelt werden.

Die Bearbeitung des Textes sollte unbedingt vorentlastet werden: Welchen Stellenwert hat Prominenz/Berühmtheit in der heutigen Gesellschaft? Welche Rolle spielen die Medien dabei? Hier könnte sich ein Blitzlicht oder ein durch Metaplan gestütztes Brainstorming anbieten.

Für die ersten beiden Arbeitsaufträge muss den Schüler/innen das journalistische Konzept "Vorspann" zumindest bekannt sein. Eine kurze Lehrerinformation vorweg dürfte zur Not ausreichen.

Zur Vorbereitung der textgebundenen Erörterung spielen Aufgaben 2 und 3 eine wichtige Rolle: In Aufgabe 2 werden sich die Schüler/innen über ihre eigene Vorstellungswelt klar und formulieren u.U. Gedanken, die im Text so nicht vorhanden sind. Deshalb sollte nach der Bearbeitung von Aufgabe 2 eine Plenumsdiskussion folgen. In Aufgabe 3 bereiten die Schüler/innen einen Teil einer persönlichen Stellungnahme vor.

Aufgabe 4 (den Abschnitten Überschriften geben) dient dazu, den Argumentationsgang des Autors nachvollziehen zu können.

In Aufgabe 5 wird letztlich eine Erörterung des Textes gefordert.

Möglich wäre auch, den Text als Grundlage zur Sachtextanalyse heranzuziehen. Da der Autor jedoch im Wesentlichen Sachverhalte darstellt und eigene Gedanken relativ nüchtern anknüpft, ist der Text nicht sehr ergiebig, was bspw. rhetorische Mittel oder Fragen der Lesemanipulation betrifft. Interessant zu betrachten wäre jedoch möglicherweise der Aufbau des Textes und der Argumentationsgang.

Das Arbeitsblatt: Bei Jugendlichen ist Prominenz zum höchsten Wert geworden (PDF) enthält eineinhalb Seiten Text mit großzügigen Abständen für Anmerkungen und eine Seite mit Arbeitsaufgaben. Diese Arbeitsaufgaben bzw. die Auswertung können in methodisch unterschiedlicher Weise bearbeitet werden, z.B. als Plenumsdiskussion (Aufgabe 1, 3) oder als Partner- oder Gruppenarbeit (1, 3, 4). Bei den Aufgaben 3 und 5 empfiehlt sich in jedem Fall eine vorangestellte Schreibphase.

Inhalt des Arbeitsblattes "Bei Jugendlichen ist Prominenz zum höchsten Wert geworden" (PDF)

Florian Rötzer:
Bei Jugendlichen ist Prominenz zum höchsten Wert geworden

Drastisch hat sich nach einer Studie von US-Psychologen der Wertekanon der amerikanischen Jugendlichen seit Ende der neunziger Jahre verändert

In einer Mediengesellschaft, in der Aufmerksamkeit eines der wichtigsten und oft auch einträglichsten Güter ist, steht der Wunsch, berühmt und bekannt zu sein, bei vielen Menschen ganz oben. Dabei kann es mitunter auch völlig egal sein, mit was Aufmerksamkeit erregt wird, Hauptsache es wird Prominenz erzeugt und damit die Hoffnung, auch gesellschaftlich und finanziell die Sprossenleiter nach oben zu gelangen. Die Vielzahl der Castingshows ist Ergebnis und Verstärker dieses Trends. Versprochen wird, dass jeder ein Star werden kann, der ein bisschen was kann und einigermaßen aussieht.

Attraktiv ist dies zumindest in einer von wachsender Ungleichheit gekennzeichneten Gesellschaft, die wenig durchlässig erscheint, so dass nicht Arbeit, Leistung und Belohnung, sondern Zufall und "Begabung" den einstig versprochenen Aufstieg vom Tellerwäscher zum Millionär oder heute Milliardär versprechen. Schließlich scheinen viele auch durch Zocken an den Börsen und Wagemut nach oben zu kommen, die anderen Seitenwege stehen manchen Sportlern und Künstlern offen. Sind Gesellschaften im Umbruch oder wankt die Ideologie des Erfolgs, dann öffnen sich mitunter andere Karrieren, die Abenteuer und eine andere Welt versprechen, wie dies gerade im arabischen Raum geschieht, aber auch die Jugend in den europäischen Pleiteländern erfasst hat. Aber solange in den fest gefügten sozialen System die Durchlässigkeit nach oben fehlt, wird der Kult der Aufmerksamkeit dominant, weil der Erwerb von Prominenz ein Ausbrechen aus der eigenen Schicht und einen Aufstieg zur herrschenden Schicht der Reichen und Superreichen verspricht und den Narzissmus fördert.


Kein Wunder, wenn Kinder auf diese versprochene Karriere setzen und sie attraktiv finden, scheint sie doch einen schnellen Sprung nach oben zu versprechen, was gerade in Zeiten, in denen die soziale Mobilität wieder geringer wird, verführerisch ist. Nach einer von Psychologen der University of California in Los Angeles durchgeführten Umfrage unter 9-11-jährigen Schülern, die Studie wurde in der Zeitschrift Cyberpsychology veröffentlicht, ist nun "fame" (Ruhm oder Prominenz) zum obersten Wert der Kinder geworden. Gebeten wurden die Kinder, den Darstellern der zwei jeweils in einem Jahrzehnt bei US-Teenagern beliebtesten
Fernsehserien (z.B. "American Idol" und "Hannah Montana" in 2007) Werte wie Tradition, finanzieller Erfolg, Popularität, Gemeinschaftsgefühl, Selbstakzeptanz oder Nächstenliebe zuzuordnen.

Die Veränderungen sind mitsamt der Karriere des Ruhms bemerkenswert. Bei früheren Umfragen lag Ruhm 1987 und 1997 noch an 15. Stelle. Zwischen 1997 und 2007 hat sich offenbar viel in der Kultur verändert, da hier Ruhm auf den ersten Platz emporstieg, während Nächstenliebe von zweiten auf den sechzehnten und Tradition vom vierten auf den fünfzehnten abfielen. Auch mit dem Gemeinschaftsgefühl geht es in der zunehmend individualistischen Konkurrenzgesellschaft abwärts. Es lag 1967, 1977 und 1997 noch an erster Stelle, 1987 an zweiter, 2007 aber nur noch an elfter Stelle. Und auch Spiritualismus hat ausgedient, ebenso wie Sicherheit oder Konformität. [...]

Quelle: telepolis 09.09.2011 (http://www.heise.de/tp/artikel/35/35358/1.html)

Arbeitsaufträge zum Text "Prominenz":

  1. Bevor Sie den Text durchlesen: Überlegen Sie, was in dem Text wohl drinstehen wird und halten Sie Ihre Überlegungen in Stichworten fest. Schreiben Sie einen Vorspann (50-100 Wörter).
  2. Lesen Sie den Vorspann (Z. 1-12). Vergleichen Sie ihn in inhaltlicher Hinsicht mit Ihrer Version (Unterschiede? Gemeinsamkeiten?).
  3. Lesen Sie den Text. Welchen Abschnitt (*1, *2 oder *3) finden Sie am interessantesten? Begründen Sie!
  4. Geben Sie den drei Abschnitten (*1, *2 und *3) aussagekräftige Überschriften.
  5. Erörtern Sie unter Verwendung des Textes die positiven und negativen Aspekte der skizzierten Entwicklung.
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