Sachsen und die Zigarette

Halbfreiwillige Rauchverboterei in Sachsen 08.09.2006, 11:25

In Sachsen sind inzwischen 62% aller Schulen rauchfrei. Steigt diese Quote bis Sommer 2007 nicht auf 75%, droht ein gesetzliches Rauchverbot an allen Schulen. Vor allem Berufsschulen haben Probleme mit der Durchsetzung des Rauchverbots.

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Immer mehr Schulen in Sachsen ohne Rauch
Der Anteil der rauchfreien Schulen ist von 39% im Januar 2006 auf 62% im August 2006 gestiegen. Von 1498 Schulen sind 923 ohne Rauch. Das ist das Ergebnis einer aktuellen Erhebung des Kultusministeriums. Damit rückt das Ziel von 75% bis Sommer 2007 in greifbare Nähe. Werden die 75% verfehlt, droht, laut Kabinettsbeschluss von 2005, ein gesetzliches Rauchverbot an allen öffentlichen Schulen in Sachsen.
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Berufsschulen haben es besonders schwer mit der Schaffung rauchfreier Schulen. Im Durchschnitt haben 60% der Schüler dort ein gefestigtes Rauchverhalten. Bisher hat es noch keine Berufsschule geschafft, das Kriterium “Rauchfreiheit im Schulhaus als auch auf dem Schulgelände” zu realisieren. Dennoch gibt es Berufsschulen die bereits über ein rauchfreies Schulgebäude verfügen. Bewährt haben sich außerdem Raucherinseln zum Schutz der Nichtraucher.

Die wichtigsten Gründe, die rauchfreie Schulen verhindern, sind unter anderem rauchende Lehrkräfte und technische Mitarbeiter, mangelndes Interesse und Passivität der Eltern gegenüber ihren rauchenden Kindern, verhaltensauffällige, schwer erreichbare Schüler sowie Schwierigkeiten im Gymnasial- und Berufsschulbereich, da Rauchen gemäß Jugendschutzgesetz ab dem 16. Lebensjahr gestattet ist. Die rauchenden Jugendlichen fassen das Rauchverbot als Eingriff in die Persönlichkeitsrechte auf.

Sächsischer Bildungsserver, Pressemitteilung vom 06.09.2006: Immer mehr Schulen in Sachsen ohne Rauch (Hervorhebungen Lehrerfreund)

“Rauchfrei” bedeutet: “Weder Lehrer, Schüler, Angestellte noch Besucher rauchen im Schulgebäude sowie auf dem gesamten Schulgelände.” So einfach ist das.

Das Kultusministerium Sachsen legt sich schwer ins Zeug und versorgt uns ein weiteres Mal mit Argumenten, die zwar schon bekannt, nach wie vor aber erschütternd sind:

Zigarettenkonsum stellt gegenwärtig in den Industrienationen das bedeutendste einzelne Gesundheitsrisiko und die führende Ursache frühzeitiger Sterblichkeit dar. Sowohl die Krankheitsbelastung durch Zigarettenkonsum als auch der Einfluss auf die Gesamtsterblichkeit sind in ihrem Ausmaß historisch beispiellos. Der Tabakkonsum verursacht in Deutschland jährlich mehr Todesfälle als Aids, Alkohol, illegale Drogen, Verkehrsunfälle, Morde und Suizide zusammengenommen.

Kinder und Jugendliche machen heute ihre ersten Erfahrungen mit dem Rauchen in einem sehr frühen Alter: Jedes zehnte Kind hat bereits vor Erreichen des zwölften Lebensjahres die erste Zigarette geraucht. Das Durchschnittsalter beim Rauchen der ersten Zigarette liegt zwischen 13 und 14 Jahren. Am Ende der Schulpflicht, im Alter zwischen 16 und 17 Jahren, rauchen bereits 44 Prozent, von denen sich knapp ein Viertel als ständige Raucher bezeichnen.
Sächsischer Bildungsserver: Rauchfreie Schulen im Freistaat Sachsen (kein Datum, ca. Jan. 2006), Hervorhebungen Lehrerfreund

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