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Familienstruktur verantwortlich

Schweiz: Kinder aus Patchworkfamilien sind am kriminellsten 22.03.2009, 20:28

Eine aktuelle Studie aus des Schweizer Kriminologie-Professors M. Aebi vergleicht die Delinquenz von Kindern aus verschiedenen Familienkonstellationen. Ergebnis: "Patchworkfamilien" bringen die meisten Problemkinder hervor.

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  • (geändert: )

Definition “Patchworkfamilie”

Der Begriff “Patchworkfamilie” (auch: Stief-Familie) bezeichnet Familienstrukturen, die vom klassischen Modell (Vater, Mutter, Kind/er) abweichen. Die meisten Patchworkfamilien entstehen nach einer Trennung/Scheidung; entweder werden die Kinder von den getrennt lebenden Eltern (und evtl. deren neuen Partner/innen) im Wechsel betreut, oder ein alleinerziehender Elternteil und sein/e neue/r Partner/in (evtl. mit eigenen Kind/ern) gründen eine neue Familienstruktur. In der Schweiz weisen 15% der Familien eine Patchworkstruktur auf (Österreich: 9%, Deutschland: 13%).

Deliktverhalten 13- bis 16-Jähriger in der Schweiz

In einer aktuellen Studie “Selbst berichtete Delinquenz” wurden Jugendliche zu ihrem Deliktverhalten befragt. Zu den häufigsten Delikten gehören Gruppenschlägereien, Vandalismus und Ladendiebstahl. In den meisten Kategorien (u.a. Schlägereien, Diebstähle, Drogenhandel, Vandalismus) liegen Kinder aus Patchworkfamilien vorne. Die Kinder Alleinerziehender führen nur in der Kategorie “Computer-Hacking”. Diese Angaben setzen voraus, dass die Jugendlichen über ihr eigenes Deliktverhalten korrekte Angaben gemacht haben. Möglich wäre auch die Interpretation, dass Kinder aus Patchworkfamilien mehr als andere dazu tendieren, sich mehr mit kriminellen Taten zu brüsten.

Ursachen für das Problempotenzial der Patchworkfamilien

Prof. Aebi macht in erster Linie zwei Faktoren für die Ergebnisse der Studie verantwortlich:

Aebi betont, dass nicht der Familientyp an sich problematisch sei, sondern Faktoren, die er in einigen Fällen mit sich bringen kann: Fehlende Familienregeln und eine schwache Bindung an die Eltern. So gaben 21 Prozent der befragten Patchwork-Kinder an, eine schwache Bindung zu mindestens einem leiblichen Elternteil zu haben – bei Kindern aus traditionellen Familien sagten dies nur 6 Prozent.

Basler Zeitung 22.03.2009: Nachwuchs aus Patchworkfamilien: Die neuen Problemkinder, Hervorhebung Lehrerfreund

Es stellt sich die Frage, ob diese “Faktoren” tatsächlich von der Familienstruktur entkoppelt werden können: Dass eine/r der Erziehenden vom Kind bevorzugt wird, dürfte sich in den meisten Fällen nicht gezielt vermeiden lassen. Auch die gemeinsame Absprache von Regeln ist z.B. bei getrennt erziehenden Elternteilen schwierig. Wir können Prof. Aebi also getrost widersprechen: Tatsächlich ist in den meisten Fällen die Familienstruktur verantwortlich für die “neuen Kummerbuben”.

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Kommentare

6

Zum Artikel "Schweiz: Kinder aus Patchworkfamilien sind am kriminellsten".

  • #1

    Also ICH BIN EIN “PATCHWORK-Kind” und ich gebe der Stude / Befragung - wie auch immer man es sehen möchte - RECHT!

    Ich bin jetzt 21 und glücklicherweise nur für eine meiner Straftaten rechtlich zur Verantwortung gezogen worden. (Computer Betrug) Doch müsste ich aufzählen wie viele Diebstähle ect.  ich begangen habe - ich könnte es nicht. Es waren einfach zu viele.

    Eltern möchte ich eines zu Bedenken geben: Es ist zwar natürlich, dass es ab einem gewissen Alter Dinge gibt, die zu “intim” sind um sie den Eltern mitzuteilen und sicher, ist ein aufbrausendes Wesen in der Jugend, auch auf den sich umstellenden Hormonhaushalt zurück zu führen, ABER nicht immer ist es so einfach.

    Gerade Kinder mit Bindungsproblemen ziehen sich schnell zurück und haben nur zu oft durch die Trennung ihrer “ursprünglichen” Familie gelernt, dass auf die Eltern kein Verlass ist. Probleme ausgerechnet an sie heranzutragen macht also keinen Sinn - nicht aus Sicht des Kindes. Wutausbrüche sind dann nur die Vorboten von Selbsthass und aus Heimlichkeiten werden Lügen.

    Und ja es ist verdammt unbequem über diese Dinge nachzudenken und solche Entwicklungen in Betracht zu ziehen - doch wie sonst soll sich etwas ändern? Kinder sind nicht unendlich belastbar und nicht alles funktioniert unter der Prämisse “Was muss, das muss.”...

    schrieb Nina am

  • #2

    Oder noch besser: “Kinder aus Patchworkfamilien sind am kriminellsten, vermutlich meistens auch um einiges hässlicher”

    schrieb Die Stimme der Kritik am

  • #3

    Vorschläge für andere Überschriften zu diesem Beitrag:

    “Jugendliche aus Patchworkfamilien sind am sensibelsten”

    “Patchworkkinder lügen am meisten”

    :-)

    schrieb JAZZarov am

  • #4

    Auch das wäre möglich.
    Unterschiede können aber auch auf unterschiedlichen Kenntnisstand bezüglich dem Recht zurückzuführen sein.
    Wenn ein Kind aus einer Patchworkfamilie in einer Klasse - völlig korrekt - jede Beleidigung als Gesetzesverstoß anngibt, der Rest das aber (naheliegenderweise, da ihm die Idee nicht mal kommen dürfte) nicht macht, treibt dieses eine Knd den Durchschnitt für seine Gruppe ganz enorm hoch.

    Jetzt ahben wir schon “mal eben auf die Schnelle” zwei Gründe gefunden die das Ergebnis ebensogut oder schlecht deuten wie die gewagten und gefährlichen Behauptungen von Herr Aebi.

    Nur dass der diese Behauptungen als Ergebnis einer wissenschaftlichen Studie verkauft.

    Mit freundlichem Gruß
    Thomas
    http://www.politik-forum.eu

    schrieb Thomas am

  • #5

    Sie haben Recht. Dieser Aspekt wurde von uns jedoch ausdrücklich berücksichtigt:
    “Diese Angaben setzen voraus, dass die Jugendlichen über ihr eigenes Deliktverhalten korrekte Angaben gemacht haben. Möglich wäre auch die Interpretation, dass Kinder aus Patchworkfamilien mehr als andere dazu tendieren, sich mehr mit kriminellen Taten zu brüsten.”

    schrieb Der Lehrerfreund am

  • #6

    Ich finde die Überschrift reisserisch und bedenklich, denn sie ist falsch.
    Zum Verfahren besagt der Artikel doch ziemlich klar, dass die Studie auf Befragungen von Jugendlichen basiert.
    Und da setzt meine Kritik an.

    Die Studie fand nämlich im Rahmen eines Forschungsprojektes über die «selbst berichtete Delinquenz» von Jugendlichen statt.

    Aebi befragte dabei nichtmal selbst sondern Griff auf Fragebögen zurück mit denen andere Wissenschaftler insgesamt 3648 Schüler zwischen 13 und 16 Jahren an 70 Schulen in 20 Kantonen befragt haben.

    Umfragen/Befragungen sind ganz gut geeignet um ein Meinungsbild in einer Zielgruppe zu ermitteln, auch noch um Wahlprognosen zu machen oder den Erfolg einer Werbung zu untersuchen - als Basis für solche Aussagen sind sie aber - gerade wenn es um Jugendliche geht - absolut untauglich.

    Das einzige Ergebnis was Aebi wissenschaftlich fundiert aussagen kann, ist, dass Jugendliche aus Patchworkfamilien mehr Gesetzesübertretungen angeben.
    Über das warum kann er nur spekulieren.

    Genausogut kann amn behaupten, dass Jugendliche aus Patchworkfamilien ehrlicher sind wen es um Gesetzesübertretungen ging oder Gesetze besser kennen.

    Der eine Jugendliche wird vielleicht auch Beleidigungen als Gesetzesübertretungen angeben und so auf eine hohe Zahl kommen, der nächste kmmt nicht mal auf die Idee dass das eine Gesetzesübertretung sein könnte.

    Jugendliche, die aus Patchwork-Familien stammen, gaben in der Umfrage nämlich auch öfter an als andere Opfer von gesetzeswidrigen Handlungen zu werden.

    Darf man jetzt den Schluss ziehen, dass Jugendliche aus Patchworkfamilien damit beschäftigt sind zielgenau sich gegenseitig zu mobben, verprügeln und abzuziehen? :irony:

    Für die reisserische Aussage: “Kinder aus Patchworkfamilien sind am kriminellsten” bietet Aebis Studie überhaupt keine Grundlage.

    Genausogut könnte man behaupten ““Kinder aus Patchworkfamilien sind am ehrlichdsten bei Gesetzesübertretungen” oder “Kinder aus Patchworkfamilien kennenGesetze am Besten”.

    Es kann auch sein das Kinder aus Patchworkfamilien sich einfach mit einer hohen Zahl an Gesetztesverstößen in der Umfrage interessant machen wollten.

    Alles das kann Aebi nicht ausschliessen und er hat es auch garnicht überprüft.

    Von daher scheint mir der einzige Zweck der Studie zu sein die Vorurteile konservativer Kreise “wissenschaftlich” zu bemänteln.
    Belegt ist da nämlich nichts.

    schrieb Thomas am

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