Buchrezension

“Sprache entdecken, üben, nachschlagen” (Rezension) 21.05.2004, 19:44

Mit der Reihe "Sprache entdecken, üben, nachschlagen" hat der Schroedel-Verlag einen ganz großen Treffer gelandet. Sämtliche Bände sind von illustren Fachdidaktik- und Methodengurus gestaltet. Bestechend ist die unkomplizierte Einsetzbarkeit im Unterricht. Wir besprechen hier unseren Lieblingsband für die Klassenstufen 9/10.

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Der fünfte Band der Reihe “Sprache entdecken, üben, nachschlagen” soll dem Deutschunterricht der Klassenstufen 9 und 10 (Gymnasium) dienen. Die behandelten Themen und die Art der Übungen und Materialien erlauben es aber auch, das Werk in anderen Klassenstufen oder Schulformen kompromisslos einzusetzen.

Neben den üblichen Verdächtigen Grammatik, Rechtschreiben und Interpretieren/Schreiben haben es uns vor allem zwei Bereiche angetan:

Sprech- und Kommunikationsübungen

Sprech- und Kommunikationsübungen dürfen in Zeiten von GFS (gleichwertige Feststellung von Schülerleistungen) und Powerpoint im sinnvollen Deutschunterricht nicht fehlen. Im Bereich “Praktische Rhetorik” finden sich einige scharfe Übungen zum Warmup und zum Überwinden von Sprechhemmungen vor größeren Gruppen. Sie eignen sich auch sehr gut bei der Einübung von Präsentationstechniken.
Die Übungen können auf fast allen Lernniveaus eingesetzt werden (auch z.B. in diversen Formen der Berufsschule).

Sehr hübsch ist die Übung, bei der die Schüler/innen selbst geschriebene oder gefundene Zitate kontrolliert vor der Gruppe vortragen und daraufhin frenetisch beklatscht werden. Besonders wird hier auf sekundäre Präsentationstechniken geachtet (Vorgehen zum Rednerpult, Aushalten des Beifalls usw.)

Im Zusammenhang damit finden sich auch zwei durchdachte Doppelseiten zum Vorstellungsgespräch (u.a. das Transkript eines Vorstellungsgespräches zum Analysieren).

Sprache in den Medien: Fernsehen

Ein sehr kompetent und schülernah gemachtes Kapitel (14 Seiten!) zur Medienanalyse. Die Beispiele entstammen dem Jahr 2001 (z.B. Daily Soap “Unter uns”). An gewissen Stellen verursacht das etwas Arbeit (sofern man nicht einfach das abgedruckte Fernsehprogramm von 2001 verwendet; hier ein Arbeitsblatt mit einem etwas aktuelleres Fernsehprogramm vom 21.4.2004 als PDF).

Vor allem der Bereich “Infotainment” besticht durch originelle und didaktisch wasserdichte Übungen und Materialien. So werden z.B. Bildschirmfotos von Nachrichtensendungen bei ARD und PRO7 verglichen oder mögliche Umsetzungsformen von dpa-Meldungen an praktischem Beispiel behandelt.

Leider macht sich auch hier der Fortschritt bemerkbar: Der Arbeitsauftrag “Suche im Internet unter www.dpa.de nach einer Pressemeldung und bearbeite diese für eine Nachrichtensendung im Fernsehen.” kann heute nicht mehr durchgeführt werden, da die dpa auf ihrer Site zur Zeit keinen (kostenlosen) Newsticker hat. Wenn man den Arbeitsschritt trotzdem durchführen möchte (was Der Lehrerfreund für außerordentlich sinnvoll hält), findet man im Web genügend dpa-Tickerdienste, z.B.


Diesem Kapitel folgt eine ebenso hochwertige und ausführliche Einheit “Zeitung”.

Fazit

Ein wirkliches Must. Das Manifest moderner Deutschdidaktik. Und die Materialien sind - zumindest für die genannten Bereiche - ausgesprochen dankbar im Unterrichtsalltag verwendbar. Und der zugehörige Lehrerband ist auch ganz hilfreich.

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