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Junge Hirne brauchen Zeit

Studie: Hochgeschwindigkeits-Kommunikation im Web hemmt moralische Entwicklung 16.04.2009, 13:13

Der Trend im Internet geht zu schneller, dafür unreflektierter Kommunikation. Gehirnforscher aus den USA glauben in einer Studie herausgefunden zu haben, dass dadurch die Entwicklung der Gefühlswelt beeinträchtigt wird.

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  • (geändert: )

Synchrone und asynchrone Kommunikation verschmelzen

Noch vor wenigen Jahren war die strenge Trennung von synchroner und asynchroner Kommunikation Standard. Als “asynchron” bezeichnet man die Kommunikationsformen, in denen die einzelnen Kommunikationsschritte zeitlich versetzt erfolgen (z.B. Forendiskussionen, E-Mail-Kommunikation). “Synchrone” Kommunikationsformen dagegen sind durch Gleichzeitigkeit gekennzeichnet - die Kommunikationspartner/innen warten auf die Reaktion des Gegenübers und reagieren unmittelbar darauf (z.B. Chat, Videokonferenz).

Diese Kategorisierung wurde in den letzten Jahren aufgeweicht: Die Verwendung von News-Syndikation (RSS), Microblogging-Diensten oder Sharing-Plattformen hat zur Entstehung von Zwischenformen beigetragen. Prototyp für diesen Paradigmenwechsel ist Twitter, ein sog. Microblogging-Dienst. Hier verfassen die Benutzer/innen kurze Nachrichten in SMS-Länge (maximal 140 Zeichen) bzw. lesen und beantworten die Nachrichten anderer Benutzer/innen. Da die Response-Zeiten zwischen den einzelne Sprecher-Turns ausschließlich vom Verhalten und der technologischen Ausstattung der Kommunikationsteilnehmer/innen abhängt, nicht aber den Konventionen der klassischen Gesprächsführung folgt (“Jetzt muss ich warten, bis man mir geantwortet hat”), ist Twitter eine klassische Mischform.

Ähnlich verhält es sich bei den Kommunikationsgepflogenheiten innerhalb sozialer Online-Netzwerke wie facebook, schuelerVZ, studiVZ, meinVZ usw.

Kommunikation online: Geschwindigkeit wichtiger als Inhalt

Diese neuartige Infrastruktur hat dazu geführt, dass kurzen Reaktionszeiten in der Kommunikation ein sehr hoher Stellenwert eingeräumt wird. Es geht darum,

der erste zu sein, die theoretischen Vorteile von Twitter und Blogs auszuspielen, bevor es ein anderer tut, Themen zu verkürzen und die heisse Infosuppe so schnell wie möglich durch die Kanäle zu pumpen.

Blogbar 05.04.2009: Vorneweg und hintendran

Gehirnforscher/innen: Moralentwicklung wird durch Hochgeschwindigkeits-Kommunikation gebremst

Nach aktuellen Aussagen von Wissenschaftler/innen der University of Southern California (USC) besteht die Gefahr, dass solche Kommunikationsgewohnheiten gerade bei jungen Menschen negativen Einfluss auf die Entwicklung der Gefühlswelt nehmen. Da Nachrichten- und Kommunikationsfetzen in hoher Geschwindigkeit aufgenommen und verarbeitet werden müssen, bleibt dem Gehirn keine Zeit, ein moralisches Urteilsvermögen aufzubauen. Damit, so die Wissenschaftler/innen, werden exzessive Nutzer/innen von Twitter, facebook usw. unfähig zum Mitleid mit anderen Menschen.

Besonders gefährdet sind Kinder und Jugendliche, deren Gehirn sich noch in einem Stadium der Entwicklung befindet. Die Forscherin Mary Helen Immordino-Yang (USC) erklärt: “Gerade die moralische Beurteilung von sozialen und psychischen Zuständen anderer Menschen benötigt Zeit. Durch die hohe Geschwindigkeit, in der neue Erlebnisse vermittelt werden, fehlt die Zeit, die eigenen Gefühle zu reflektieren und zu erleben. Das hat Auswirkungen auf die Entwicklung des moralischen Urteilsvermögens.

Mail Online 14.04.2009: Twitter can make you immoral, claim scientists, freie Übersetzung von Lehrerfreund

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Kommentare

3

Zum Artikel "Studie: Hochgeschwindigkeits-Kommunikation im Web hemmt moralische Entwicklung".

  • #1

    Oh- während mein Kommentar in der Warteschlange war, ist mir rip zuvorgekommen.

    schrieb Andreas Kalt am

  • #2

    Bezüglich des zweiten Punktes (Moralentwicklung und Twitter & Co) scheint die Medienberichterstattung wenig mit den tatsächlichen Ergebnissen zu tun zu haben:

    But wait, how did they test the way that Twitter and Facebook and TV News “numb our sense of morality and make us indifferent to human suffering”? Um, well, they didn’t.

    Näheres im Beitrag Debasing the coinage of rational inquiry: a case study. Die dortige Darstellung ist nicht in allen Teilen mit Belegen untermauert, zeigt aber zumindest einige erhellende Aspekte bezüglich der Interpretation von wissenschaftlichen Daten durch die Populärmedien auf.

    schrieb Andreas Kalt am

  • #3

    Mark Liberman, Professor an der University of Pennsylvania, einer der Autoren des renommierten “LanguageLog”, hat sich dieses Themas angenommen. Er stellt fest, dass die Medien die Ergebnisse der eigentlichen Untersuchung dermaßen verzerrt und verdreht haben, dass man ihnen keinen Zusammenhang mit der wissenschaftlichen Grundlage mehr anmerkt. Unter anderem kamen Twitter und Facebook in der Studie überhaupt nicht vor, und eine Übertragung der Ergebnisse auf diese Web-2.0-Komponenten ist quasi der Fantasie eines Journalisten entsprungen. Libermans Posting vom 22. April 2009 trägt den Titel “Debasing the coinage of rational inquiry: a case study”, und sein Urteil über die Darstellung der Studie in den Medien lautet:
    “I haven’t seen such a spectacular divergence between evidence and science journalism since the infamous ‘email and texting lower the IQ twice as much as smoking pot’ case of 2005.”

    schrieb rip am

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