Unterrichtsmaterial Lesekompetenz, Texterörterung

Das glücklichste Volk (Arbeitsblatt) 14.06.2012, 14:19

Glücklicher Mann
Bild: flickr-User Koshyk [CC by]

Zusammenfassung einer Studie über den Glückszustand verschiedener Nationen und Gruppen - wer ist am glücklichsten? Arbeitsblatt mit Fragen zum Textverständnis, Lesekompetenztraining durch Kreatives Schreiben, Vorschlag für eine Texterörterung (Niveau Sekundarstufe I/II).

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Der Text ist im Original beim Online-Magazin telepolis erschienen: Die Europäer sind am wenigsten glücklich. Wir danken für die Erlaubnis zur Verwendung und empfehlen aus Überzeugung, den telepolis-Newsletter zu abonnieren.

Der gekürzte Text (s.u.) umfasst 429 Wörter (ohne Überschrift) und ist leicht verständlich, da im Wesentlichen Studienergebnisse wiedergegeben werden. Deshalb kann der Text schon in der Sekundarstufe I verwendet werden. Die Erörterungsaufgabe ist nicht ganz einfach und sollte erst am Ende der Sekundarstufe I oder in der Sekundarstufe II behandelt werden.

Anmerkungen zu den Arbeitsaufträgen

1. Arbeitsaufträge Textverständnis

Die Schüler/innen lesen und verstehen den Text. Für die zweite Aufgabe (Überschriften finden) werden die am linken Rand verwendeten Absatznummern (mit Sternchen) verwendet. Diese Aufgabe ist sehr einfach, da die jeweiligen Inhalte offensichtlich sind und keiner Interpretation bedürfen.

Die mögliche Zusammenfassung von Absätzen in Aufgabe 3 bezieht sich auf die Absätze 2, 3 und 4 - hier geht es um die Frage, in welchen Ländern/Kontintenten die Menschen am glücklichsten sind, während in Absatz 5 Geschlecht, Alter, Einkommen und Bildungsniveau behandelt werden.

Aufgabe 4 fordert eine Visualisierung des Textes in Diagrammen; es empfiehlt sich in jedem Fall die Nutzung eines digitalen Mediums, um die Diagramme zu erstellen (z.B. Tabellenkalkulationsprogramm wie Excel). Eine sinnvolle Lösung wären zwei Diagramme: eins zur geografischen Dimension, eins zu anderen soziologischen Merkmalen (siehe Aufgabe 3).

In Aufgabe 5 müssen die Schüler/innen eine Transferleistung bringen, indem sie das Gelesene anwenden. Natürlich lässt sich keine verbindliche Aussage über den Glückszustand der einzelnen fiktiven Personen treffen. Doch zur Bearbeitung der Aufgabe muss der Text vollständig gelesen und verstanden worden sein.

2. Kreative Bearbeitung

Die Schüler/innen schreiben frei eine Erzählung (gerne auch: einen Roman, eine Fabel, ein Gedicht ...), in der sie die Erkenntnisse der Glücksstudie anwenden. Das ist eine Erweiterung von Aufgabe 5 (s.o.).

3. Texterörterung

Hier müssen die Schüler/innen eigene Gedanken zur Studie formulieren und sie an Beispielen aus dem Text belegen. Der Text muss dabei sehr genau gelesen werden. Zentrale Themen werden sein:

  • Wie kann es sein, dass die Menschen in armen Ländern glücklicher sind als in reichen?
  • Wenn ein Mensch sagt, er sei "glücklich" - ist er dann wirklich glücklich? Ist er nicht vielleicht auch "unglücklich" oder "sehr glücklich" (in Anlehnung an die Studienterminologie).
  • Wie groß ist der Unterschied zwischen "glücklich" und "sehr glücklich"? (Tendenz zur Mitte) 
  • Wie aussagekräftig sind die im Text genannten Prozentzahlen (Beispiel: Italien 13% "sehr glücklich", Deutschland 16%, USA 28%)?

Diese und ähnliche Fragen können zuvor auch mit den Schüler/innen diskutiert werden.

Inhalt des Arbeitsblattes

Das Arbeitsblatt "Die Europäer sind am wenigsten glücklich" (PDF) enthält den folgenden Text und die Arbeitsaufträge:

Florian Rötzer:
Die Europäer sind am wenigsten glücklich

Nach einer Ipsos-Umfrage in 24 Ländern ist Lateinamerika der glücklichste Kontinent, die Ungarn sind am unglücklichsten

Man würde ja meinen, dass in Ländern wie Mexiko, in dem der Krieg gegen die Drogen herrscht, jedes Jahr Tausende von Menschen getötet werden und die Kluft zwischen den Reichen und Armen sich aufspreizt, die Stimmung eher gedrückt ist. Aber weit gefehlt, zumindest nach einer Umfrage von Ipsos in 24 Ländern. Hierfür wurden im November 2011 in jedem Land 1000 bzw. 500 16-64-jährige Menschen gefragt, ob sie, alles in allem gesehen, sich als sehr, ziemlich, eher, nicht sehr oder gar nicht glücklich bzw. zufrieden (happy) bezeichnen würden. In Mexiko sagen 43 Prozent, sie seien sehr glücklich, ebenso viele wie in Indien. Nur in Indonesien sind mit 51 Prozent noch mehr Menschen sehr zufrieden.

In allen 24 Ländern bezeichnen sich 22 Prozent als sehr und 77 Prozent als glücklich. Als gar nicht glücklich sehen sich nur 4 Prozent. [...] Gegenüber 2007, als die Frage schon einmal gestellt wurde, sind die Menschen "glücklicher" geworden, damals sagten 20 Prozent, sie seien sehr glücklich.

Überhaupt scheint Lateinamerika der Kontinent mit den zufriedensten Menschen zu sein (32%). An zweiter Stelle kommt Nordamerika (27%), dann Asien und Afrika mit jeweils 24 Prozent. Die Europäer sind hingegen müde und vielleicht nostalgisch, nur 15 bezeichnen sich hier als sehr glücklich. Das hat natürlich auch mit den aktuellen Krisen zu tun, aber wahrscheinlich auch damit, dass Europa überaltert ist und seine große Zeit und damit auch die Zukunft vorbei ist. Bei den Ungarn ist die Unzufriedenheit am stärksten ausgeprägt. Nur 6 Prozent sind hier sehr glücklich und 18 Prozent, weit mehr als in allen anderen Ländern, bezeichnen sich als überhaupt nicht glücklich. [...]

In Russland drücken vielleicht die Lage und Putin auf die Stimmung (8%). In Spanien (11%) und Italien (13%) dürfte man Schlimmeres auf sich zukommen sehen. In Deutschland sind nur 16 Prozent "sehr glücklich" (ebenso viele wie in Japan, wo trotz Tsunami-Katastrophe die Stimmung besser als 2007 ist). [...] Blendend scheint es den Brasilianern und den Türken mit jeweils 30 Prozent "Sehr Glücklichen" zu gehen, aber auch die Australier und US-Amerikaner (je 28%) und die Kanadier (27%) liegen deutlich über dem Durchschnitt.
Das Geschlecht scheint beim Glücklichsein keine Rolle zu spielen, das Alter aber schon. Die Menschen unter 35 Jahren sind die glücklicheren, dann geht es mit der Zufriedenheit herunter. Glücklicher sind auch diejenigen, die verheiratet sind. Natürlich ist das Haushaltseinkommen wichtig. Je größer das Einkommen, desto mehr bezeichnen sich als sehr glücklich. Und wer die beste Ausbildung hat, ist auch öfter sehr glücklich als diejenigen mit niedriger Ausbildung. [...]

(Quelle: telepolis 12.02.2012 ( http://www.heise.de/tp/blogs/6/151409 ))

Arbeitsaufträge zum Textverständnis "Die Europäer sind am wenigsten glücklich":

  1. Was an dem Text findest du besonders interessant?
  2. Worum geht es in den einzelnen Absätzen (mit Sternchen + Ziffern markiert: *1, *2 ...)? Finde jeweils eine Überschrift.
  3. Wenn du Absätze zusammenfassen müsstest, welche wären das?
  4. Visualisiere den Text durch Diagramme. Wie viele Diagramme sind sinnvoll?
  5. Stelle dir folgende Personen vor:
    a. Spanierin
    b. Spanier
    c. Deutscher, 60 Jahre, nicht verheiratet, Metzgergeselle
    d. Deutsche, 20 Jahre, nicht verheiratet, Metzgergesellin
    e. Deutsche, 24 Jahre, nicht verheiratet, Ärztin
    f. Türke
    Versuche sie in eine Reihenfolge zu bringen (die wahrscheinlich glücklichsten  Personen zuerst). Begründe deine Wahl.

Kreative Bearbeitung

Schreibe eine Geschichte, in der eine sehr glückliche und eine sehr unglückliche Person vorkommen. Benutze dabei die Inhalte, die du im Text erfahren hast.

Erörterung

Im Text "Die Europäer sind am wenigsten glücklich" wurden Menschen darüber befragt, wie glücklich sie sind. Wie aussagekräftig sind die so gewonnenen Ergebnisse? Belege deine Gedanken durch Beispiele aus dem Text.

Download: Arbeitsblatt "Die Europäer sind am wenigsten glücklich" (PDF)

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