Hohe Folgekosten

Bertelsmann-Stiftung will mehr in Bildung investieren 23.04.2009, 12:51

Die Bertelsmann-Stiftung wird in den kommenden Jahren verstärkt in den Bildungssektor investieren. Denn zu viele junge Menschen (v.a. mit Migrationshintergrund) hätten keinen adäquaten Zugang zu Bildung, was zu immensen gesellschaftlichen Folgekosten führe.

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Was will die Bertelsmann-Stiftung?

Die Bertelsmann-Stiftung versteht sich als unabhängige und parteipolitisch neutrale Stiftung. Die Stiftung will „konkrete Beiträge zur Lösung aktueller gesellschaftlicher Probleme“ leisten. Ihrem Leitbild nach sollen „die Grundsätze unternehmerischer, leistungsgerechter Gestaltung in allen Lebensbereichen zur Anwendung gebracht werden“, stets nach dem Prinzip „so wenig Staat wie möglich“. Fundament der Stiftungsarbeit sei die Überzeugung, „dass Wettbewerb und bürgerschaftliches Engagement eine wesentliche Basis für gesellschaftlichen Fortschritt sind.“ [Zitate von Bertelsmann Stiftung: Die Stiftung]

Wikipedia: Bertelsmann-Stiftung

Kurz: Die Bertelsmann-Stiftung sieht sich als Ergänzung (Alternative?) in den gesellschaftlichen und politischen Belangen, in denen der Staat versagt und ergreift entsprechend Eigeninitiative. Deshalb wird manchmal auch von der “Nebenregierung in Gütersloh” gesprochen.

Bertelsmann-Stiftung und Bildung

Von der “Bertelsmann Stiftung” sind - trotz des Deppenleerzeichens im eigenen Namen - oft unterstützenswerte Aktivitäten im Bildungssektor zu verzeichnen (Bertelsmann-Stiftung: Bereich Bildung), wenn die Erziehungsziele oft auch neoliberal angehaucht sind.

Nun will die Stiftung verstärkt in Bildung investieren:

“Die Bildungspolitik hat auf die steigende Anzahl von Menschen mit Migrationshintergrund und die wachsenden sozialen Unterschiede in der Gesellschaft bislang nur unzureichend reagiert. Immer mehr Kinder und Jugendliche haben keinen adäquaten Zugang zu Bildung und werden so von der gesellschaftlichen Entwicklung abgekoppelt”, sagte Thielen.
Um diese Probleme stärker ins Blickfeld zu rücken und Transparenz herzustellen, will die Bertelsmann Stiftung in den kommenden Monaten unterschiedliche Studien zu den Folgekosten unzureichender Bildung veröffentlichen. “Wir wollen mit Fakten belegen, wie teuer es ist, bei der Bildung zu sparen”, sagte Thielen.

Bertelsmann-Stiftung 21.04.2009: Bertelsmann Stiftung investiert stärker in Bildung

Da die Regierenden das natürlich wissen, aber aufgrund kurzer Legislaturperioden nicht entsprechend reagieren, ist es sehr sinnvoll, wenn durch das Bertelsmann-Vorhaben die öffentliche Diskussion um die Folgekostenabschätzung an Fahrt gewinnt (bzw. überhaupt erst aufgenommen wird). Dafür muss man die Bertelsmann-Stiftung wirklich loben.

Allerdings sollte man im Hinterkopf behalten, dass die Bertelsmann-Stiftung klar umrissene gesellschaftliche Ziele anstrebt, die teilweise schon als “ultra-neoliberal” oder gar “antidemokratisch” bezeichnet wurden. Die Einsparungsmöglichkeiten, die die Stiftung im Rahmen der angekündigten Studien aufzeigen wird, sollte man entsprechend genau betrachten.

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