Konkurrenz

Bundesländer werben sich gegenseitig Lehrer/innen ab 14.12.2008, 23:23

Der aufkeimende Lehrer/innenmangel führt dazu, dass sich die deutschen Bundesländer gegenseitig Lehrer/innen abwerben. So wird z.B. Baden-Württembergs Kultusminister Rau 375.000 Euro für eine Werbeaktion springen lassen, mit der er angehende Lehrer/innen v.a. aus Ostdeutschland abwerben will.

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Wer zuerst kommt, mahlt zuerst. Diese Weisheit gilt besonders für den Lehrermangel in den deutschen Bundesländern: Ist eine offene Stelle in einem Verwaltungsbezirk einmal besetzt, bleibt sie es mit Glück auch die nächsten 30 Jahre.

Da bis in 15 Jahren eine wahre Lehrer-Dürre herrschen wird, müssen sich die Bundesländer jetzt noch grabschen, was sie kriegen können - bevor sie dann zu Notmaßnahmen greifen werden (z.B. Unterricht bis 70, Einstellung Fachfremder und Quereinsteiger).

(Süd-)Westliche Bundesländer wie Baden-Württemberg, Bayern oder Hessen können den Trumpf des Berufsbeamtentums ausspielen: Komm zu uns, dann wirst du verbeamtet. Das könnte eine/n Referendar/in aus Ostdeutschland schon locken. Aber wer lockt besser - und vor allem: schneller?

Baden-Württembergs Kultusminister Helmut Rau (CDU), nicht verdrossen, tätigt einen geschwinden Griff ins Landessäckel und plant eine überregionale (!) Anzeigenkampagne, ein Schwerpunkt liegt auf ostdeutschen Zeitungen und Hochschulen (Plakatwerbung). Dieses Vorgehen ist nicht ganz unbekannt:

Eine ähnlich große Abwerbeaktion hat im Frühsommer bereits Hessen durchgeführt - zum Ärger und zu Lasten von Baden-Württemberg. Im Südwesten ausgebildete Lehrkräfte seien dieses Jahr “in verstärktem Umfang” von den Nachbarländern Rheinland-Pfalz und Hessen abgeworben worden, heißt es in Stuttgarter Regierungskreisen.

Stuttgarter Nachrichten online 12.12.2008: Land ködert bundesweit Lehrer

Helmut Rau schlägt zurück, und das ist das Klügste, was er tun kann. Das ändert nichts daran, dass wir hier einen weiteren Beweis für die Unsinnigkeit eines streng föderalen Bildungssystems haben. Das ist ungefähr so, als würde Ihr Fuß die Hand dafür bezahlen, dass sie den Schuh bindet.

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