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Verkehrte Welt

Bayern: »Burnout-Risiko« bei Schüler/innen nimmt zu 12.10.2009, 20:21

Eine Pressemeldung mit dem Titel "Burnout-Risiko an bayerischen Gymnasien steigt" hat der BLLV (Bayerischer Lehrer- und Lehrerinnenverband e.V.) veröffentlicht. Gegenstand sind die steigenden Anforderungen an Gymnasien. Interessanterweise steht bei der Pressemeldung der "Burnout" von Schüler/innen im Vordergrund.

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  • (geändert: )

Teile der Pressemeldung im Wortlaut:

Der Präsident des Bayerischen Lehrer- und Lehrerinnenverbandes (BLLV), Klaus Wenzel, hat in einer gemeinsamen Presseerklärung mit der Vorsitzenden der Gymnasialeltern Bayern e.V., Ulrike Köllner, vor einer Zunahme von Burnout- Symptomen bayerischer Gymnasiasten gewarnt. „Viele Schülerinnen und Schüler sind bereits wenige Wochen nach Schulbeginn erschöpft, müde und ausgebrannt“, erklärten beide heute in München. Besonders hart sei der schulische Alltag für die derzeitigen Schüler/innen der 11. Jahrgangsstufen, der erste G8-Jahrgang, der in die Oberstufe eingetreten ist: [...] „Jugendliche haben zum Teil bis zu viermal pro Woche erst um 17 Uhr Schulende und müssen häufig nach langen Schulwegen auch noch Hausaufgaben und Unterrichtsvorbereitungen erledigen.“ Auch Lehrerinnen und Lehrer an Gymnasien stehen unter Druck: „Ihre Arbeitsbedingungen haben sich aufgrund der hohen Schülerzahlen sowie des Mangels an qualifizierten Fachlehrern/innen extrem verschlechtert.“ [...]

Bayerische Gymnasiasten elfter Klassen sind mit Schuljahresbeginn in die sog. „Qualifikationsphase”, Q11, eingetreten. Zuvor nannte sie sich Kollegstufe. „Hatten die Vorgänger der Q11-Jahrgänge in der Kollegstufe (K12) gut 28 Unterrichtsstunden pro Woche, beläuft sich das Pensum der Schüler/innen, die die neue Qualifikationsphase Q11 besuchen, auf bis zu 38 Stunden“, rechnet Kirschner, der selbst eine Q11- Klasse im Fach Mathematik unterrichtet, vor.

[...] „Viele meiner Schülerinnen und Schüler haben dreimal Nachmittagsunterricht, manche auch viermal, von Montag bis Donnerstag, teilweise bis 17 Uhr. Da bleibt nicht viel Zeit für Vor- und Nachbereitung des Unterrichtsstoffes. Zeit für außerschulische Betätigungen wie Sporttreiben oder Engagement in politischen oder sozialen Gruppen wie Umweltschutz oder Jugendarbeit ist kaum noch vorhanden.“ [...]

BLLV 12.10.2009: Burnout-Risiko an bayerischen Gymnasien steigt

Burnout bei Schüler/innen?

Es ist durchaus richtig, dass der BLLV gegen die unzumutbaren und sinnlosen Belastungen des G8-Schüler/innen-Lebens wettert. Es ist jedoch höchst erstaunlich, dass die Lehrergewerkschaft BLLV (aktuell rund 54.000 Mitglieder) sich dazu der Schilderung des “Schüler-Burnouts” widmet. Intuitiv wird man geneigt sein zu fragen, ob es bei Schüler/innen tatsächlich immer öfter das Burnout-Syndrom zu beobachten gibt, oder ob der Begriff hier einfach synonym für depressive Verstimmungen/Depressionen, psychosomatische Beschwerden usw. verwendet wird. Tatsächlich ist eine undifferenzierte Verwendung des Begriffs “Burnout” in den letzten Jahren in Mode gekommen. Im sueddeutsche-Artikel Burnout bei Kindern wird von Depressionen bei Schülern berichtet; der Begriff “Burnout” kommt außer im Titel nur noch in den kontextsensitiven Anzeigen auf der Seite vor.

Vielleicht läutet der BLLV damit eine neue Ära der Laien-Diagnostik ein: Zuerst waren in jeder Klasse drei “Legastheniker” (Kriterium: mehr als 20 Fehler im Diktat), dann gab es die unsäglichen “ADS-ler” (Kriterium: etwas aufgedreht) - und jetzt können wir uns in der Klassenkonferenz fachkundig über diese oder jenen “Ausgebrannten” auslassen. Was die völlig inakzeptablen G8-Zustände auch nicht ändern wird.

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Kommentare

6

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  • #1

    Huhu!
    Ich bin ebenfalls im Q11 und muss Johanna leider völlig recht geben…
    Ich hab auch 4x pro Woche Nachmittagsschule, im Durchschnitt bis 3 Uhr, muss dazu aber eben auch noch lernen und so weiter.
    Ein besonders krasses Beispiel ist meine jetzige Woche:
    Montags Schule bis 3, Dienstags Französisch Klausur und Unterricht bis 5, Mittwochs Unterricht bis 4, Donnerstags Sportklausur über Stoff, den wir am Dienstag erhalten haben und bis 3 Schule (da Drama entfällt, normal bis 5!) und Freitags schließlich Ethik Klausur. Schön, nicht? Vor allem, da ich letzten Freitag Geschichte und Sozialkunde Klausur hatte… ist ja auch nix zu lernen, ne!?
    Kann mir einer sagen, wo da noch Zeit bleibt für die Dinge, die im Leben eines K12/K13(Realschul/Hauptschul Jugendlichen normal sind!?
    Wo bleiben meine Hobbys da!?
    Wo bleibt mein Freund da!?
    Der macht Berufsschule und arbeitet und hat sogar mehr Zeit als ich!!! Den kann ich nur noch am Wochenende sehen, wenns gut geht!
    Abends bin ich echt oft so fertig, dass ich nicht mal mehr mit ihm telefonieren will, sondern nur noch ins Bett.
    Ich würde mich selbst als eher stressresistent bezeichnen, ich halte gut durch und ignoriere die Anzeichen von Erschöpfung immer gerne, daher finde ich es äußerst abnormal, dass ich in letzter Zeit immer öfters einfach Lust hätte laut los zu schreien oder zu heulen…gruselig…
    Aber mal ehrlich, wer würde das nicht wollen, wenn man zusätzlich zu 3 Klausuren in ner Woche, in der man jeden Tag bis 5 Schule hat, auch noch 7 Seiten unnötige Englischvokabeln zum Thema Umwelt auf hätte!?
    So nehmen unsere Lehrer nämlich Rücksicht auf unser enormes Arbeitspensum!!!
    Momentan bin sogar ich am Ende…
    Andere sehen das ganze vielleicht etwas relaxter, aber ich bin eben ehrgeizig und perfektionitisch und will einen 1, - Schnitt im Abi. Dafür muss ich arbeiten und wer da genauso denkt und handelt wie ich, der wird ebenfalls irgendwann wahnsinnig werden.
    Leute, das hier sollten die schönsten Jahre unseres Lebens sein! Wir sind JETZT jung! Aber was haben wir davon!? Gar nichts!
    Unsere Politiker, die mal ganz nebenbei gesagt absolut keinen blassen Schimmer von Kindern, Pädagogik und Schulalltag haben und trotzdem hier die Regeln festlegen, wollen ja Elitearbeitskräfte und das möglichst schnell.
    Wie es uns dabei ergeht, ist denen doch egal!
    Oder glaubt ihr etwa, die hätten nicht längst mitbekommen, wie es aussieht!?
    Aber einen so gravierenden Fehler zugeben, der auch noch prophezeit wurde, das ist natürlich ein Ding der Unmöglichkeit!
    Und diesen Wahnsinn dürfen wir jetzt ausbaden…
    DANKE an den bayrischen Staat, dass er mir 1. meine Jugend nimmt, 2. mich nervlich an meine Grezen treibt und 3. mir höchst wahrscheinlich auch noch meine Zukunft, die mit G9 wohl ein 1,5er Abi oder so gewesen wäre, versaut - dank Mathe im schriftlichen Abitur.
    DANKE.

    Ps.: Am Freitag den 12.01.10 finden in manchen Großstädten, zB. München, Streiks der Q11 Leute statt. Nähere Infos findet ihr auf facebook!

    schrieb Julia am

  • #2

    @Johanna
    “Da zählten die Klausuren ja eh doppelt so viel wie der Schnitt der mündlichen Noten. Doch bei uns ist das anders. Bei uns zählt das nun 1:1.”

    Dies solltest du aber als einen Vorteil verstehen. Kontinuierliche Mitarbeit lohnt sich mehr! Hatte früher ein S am Tag der Klausur einen Hänger und vielleicht sogar 0 Pkt, musste er im mdl. 15 Pkt (!!!!!!!!!!) haben, um die Hürde nicht zu reißen. DAS war ein Problem!

    schrieb Chrissi am

  • #3

    Zu viel Wochenstunden und Nachmittagsunterricht?
    Naja,ich als K12ler muss jeden Tag bis um 4 uhr in der Schule bleiben, und uns wirds mittlerweile so schwer gemacht, dass ich doch lieber in den “neuen” Jahrgang wechseln würde, jetzt leider unmöglich.
    Das Argument,dass es schwerer werden soll,trifft meiner meinung nach ganz und gar nicht zu, schlägt sogar ins gegenteil um, es wird einfacher( ich mein, wenn Klausuren jetzt nur noch so viel zählen wie Stegreifaufgaben/Rechenschaftsablagen, wo bleibt dann die Schwierigkeit sich noch zu retten? - Ich bin in schriftlichen Angelegenheiten meist grottig-schlecht, wunderbare Eigenschaft).
    Der Höhepunkt aber ist die Aussage einer Lehrkraft, die behauptete, das Ministerium schreibt vor, möglichst viele “Hürden” zu verteilen, damit der Abiturjahrgang nicht zu groß wird - zeigen tut es sich bereits - Mathe der großteil hat im ersten Semester bereits schon eine Hürde, und die schwierigeren Schulaufgaben stehen noch an.

    schrieb K12ler am

  • #4

    Haha cool. Ich bin auch Q11, hatte aber Glück mit meinen “nur” 34 Stunden, tja mein Freund (K12) hat dieses Jahr nur 30 Stunden und nächstes Jahr nur 22. Wirklich äußerst gerecht diese Politik. Ich habe also 12 Stunden mehr Schule pro Woche und dafür darf ich ein Jahr früher aus der Schule entlassen werden? Toller Preis, den wir hierfür zahlen. Ich komme jeden Tag um 16 Uhr nach Hause, mache Hausaufgaben bis 20 Uhr und lerne dann bis 23 Uhr auf die nächsten 10 stunden die mich am folgenden Tag erwarten. Wenn man nun einmal nicht lernt, und in einer Extemporale, die natürlich unangekündigt geschrieben wird, eine schlechte Note schreibt, war dies bisher in der alten Kollegstufe keine große Sache. Da zählten die Klausuren ja eh doppelt so viel wie der Schnitt der mündlichen Noten. Doch bei uns ist das anders. Bei uns zählt das nun 1:1. Tja bisher habe ich allerdings erst in jedem Fach eine mündliche Note, meistens eine schlechte, da ich einfach nicht mehr genug Zeit zum lernen habe. Okay wunderbar, jetzt habe ich in der Geschichte-Klausur 15 Punkte, mündlich jedoch nur 6 Punkte. Im G9 würde ich jetzt 12 Punkte ins Zeugnis bekommen, bei uns jedoch bekomme ich dann wahrscheinlich 10. Tolle Sache muss man schon sagen. Freizeit habe ich leider auch keine mehr. Über die Weihnachtsfeiertage habe ich noch anfallende Hausaufgaben und Bücher gelesen. Tolle Sache das G8 muss man schon sagen. Wenn wir manchmal mit unserem äußerst verständnisvollen Religionslehrer reden, äußert oft der ein oder andere eine Bemerkung, wie ob es denn einen Gott geben kann, wenn er solche Ungerechtigkeiten zulässt. Thedoziee eben. Ich selbst werde, wenn ich diese 2 Jahre überlebe (woran ich mächtig zweifle) Atheist werden. Und ich werde nie wieder in meinem ganzen Leben CDU wählen, danke ihr habt eure Jugend geschändet. In unserer Stufe sehen schon alle voraus, was mit uns geschehen wird, wenn wir einmal 30 sind, über unsere verschwendete/versaute (dank G8 versaute) Jugend nachdenken, und dann alle den berühmten Wahnsinn bekommen und uns massenweise von Brücken stürzen, danke danke danke G8! Ich hoffe, dass allen nachfolgenden Generationen eine solche Oberstufe erspart bleibt.

    schrieb Johanna am

  • #5

    @Kathi:
    Du schilderst Probleme, die sicherlich die gleichen sind, die auch viele deutsche Schüler und Schülerinnen haben.

    Allerdings sind die Lehrkräfte die falschen Adressaten deiner Kritik: Als Lehrer muss man das umsetzen, was Bildungs- und Finanzpolitiker vorgeben. Konkret: Größere Klassen (über dreißig Kinder bzw. Jugendliche pro Klasse statt wie früher höchstens Anfang bis Mitte zwanzig), Verkürzung der Schulzeit bei gleichzeitig mehr Wochenstunden, höhere Unterrichtsverpflichtung der Lehrkräfte (die dann logischerweise weniger Zeit pro Schüler und Stundenvor-/nachbereitung haben) haben sich nicht die Lehrer ausgedacht, sondern Politiker unter dem Einfluss von Wirtschafts- und anderen Lobbyisten.

    Was kannst du tun? Entweder selbst (ggf. mit anderen) Einfluss auf die Politik nehmen (Briefe/Gespräche an/mit Kommunal-/Landes-/und Bundespolitikern, Proteste, Demonstrationen, Medien (Zeitungen, Internet)) oder in Verbindung mit deinen Eltern.

    Nimm deine Einflussmöglichkeiten wahr. Wenn sich viele Schüler und Schülerinnen sowie deren Eltern zusammentun, kann man etwas erreichen. Und wenn du mit der Schule irgendwann fertig bist, dann denke auch an die Bildungspolitik und deren angemessene Finanzierung, auch wenn du (noch) keine eigenen Kinder hast. Viele interessiert es leider nicht mehr, wenn sie erst einmal aus der Schule raus sind: Die Poltik nutzt das aus, und macht, was sie will.

    schrieb Mister M. am

  • #6

    ich bin Schülerin an einem Wiener Gymnasium und gehe in die 10. Schulstufe:
    ich kann eundeutig bestätigen, dass es den Kindern heute immer schwieriger gemacht wird. Sie werden teilweise wie Robeter behandelt und dann wundert sich die Gesellschaft, wenn die Jugend gewalttätig wird oder zu Drogen greift.
    Natürlich, den Schwächsten der Gesellschaft müssen gleich von Anfang an die Freude an derSchule/dem Leben genommen werden.
    1) Die Pausen sind sowieso zu kurz (Wanderklasse!)
    2) Die Lehrer nehmen keine Rücksicht auf andere Hausübungen “Das wirst du schon schaffen…”
    oder sogar “Na, und?”
    3)Die Unterreichtszeiten sind viel zu lang. Man ist oft froh, dass man überhaupt Zeit zum Lernen hat(!)
    4) Die Lehrer nehmen keine Rücksicht auf Unklarheiten “Im Buch steht’s eh”. Das Problem: Die Bücher sind unzumutbar zum Lesen (ewig lange sinnlose Sätze)
    Dann gibt es zB noch das Problem der Gesundheit, der Sozialkontakte (man kann mit der Familie keinen Sonntagsausflug machen, weil man in Arbeit erstickt)
    Wo soll das hinführen? Dass wir wie Roboter arbeiten müssen, dass es nur um die Leistung und nicht ums Leben geht?

    schrieb Kathi am

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