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Ein rascher Notenschlüssel…

*ohne Gewähr


Knochenjob

Lehrer arbeiten 51 Stunden die Woche - jede/r Dritte ausgebrannt 12.10.2009, 22:11

Das aktuelle Heft "Psychotherapie im Dialog" zum Thema "Burnout" widmet sich dem Burnout bei Lehrer/innen. Demnach arbeiten Lehrer/innen im Jahresschnitt 51 Stunden pro Woche. Rund ein Drittel von ihnen leidet wegen beruflicher (Über-)Forderung unter starken gesundheitlichen Störungen.

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  • (geändert: )

Die Zeitschrift PiD - Psychotherapie im Dialog befasst sich im aktuellen Heft 03 mit dem Thema “Burnout”. Enthalten ist u.a. ein Artikel “Burnout bei schulischen Lehrkräften” (S. 251-255) des Freiburger Professors Joachim Bauer, der sich mit seinem jüngsten Werk “Lob der Schule” bei allen beliebt gemacht hat, die Buebs “Lob der Disziplin” ganz daneben fanden.

Der Artikel bestätigt die bereits bekannten Zahlen zu den Burnout-Quoten, die sich zwischen 25% und 35% bewegen. Außerdem wird ein weiteres Mal eine wöchentliche Arbeitszeit von über 50 Stunden genannt (außerhalb der Ferien). Ein Lehrer aus der Schweiz beschreibt es so:

29 Wochen harte Arbeit mit häufig über 50 Wochenstunden, acht bis neun Wochen unterrichtsfreie Zeit und vier bis fünf Wochen Ferien, die diesen Namen auch verdienen – das ist die korrekte Formel.

tagesanzeiger.ch 24.04.2009: Von wegen 13 Wochen frei – Ein Lehrer klärt auf

Auslöser für den Burnout bei Lehrer/innen häufig ein “Kränkungsereignis”

Doch die eigentlichen Ursachen für das gerade bei Lehrer/innen häufige Burnout liegen nicht in erster Linie in der schieren Arbeitszeit. Dienstjahre, Beanspruchungstyp, Konflikte mit Schüler/innen und die bürokratische Zwangsjacke spielen eine noch größere Rolle bei der Ursachenforschung. Sehr interessant ist die Aussage Bauers, dass

einem Burn-out meist ein “akutes Kränkungsereignis” voraus[geht] wie etwa ein schwerer Lehrer-Schüler- oder Lehrer-Eltern-Konflikt.

rp-online 12.10.2009: Im Durchschnitt 51-Stunden-Woche - Lehramt ist ein echter Stressjob

Es ist also kein Wunder, dass eine Zunahme der Belastung (durch Lehrermangel, neue staatsfinanzenfreundliche Schulstrukturen ...) sofort die Lehrergewerkschaften auf den Plan ruft - wie jüngst erst den BLLV, der sich allerdings eher mit dem Burnout bei Schüler/innen befasst.

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Kommentare

50

Zum Artikel "Lehrer arbeiten 51 Stunden die Woche - jede/r Dritte ausgebrannt".

  • #1

    Hallo (ins Nichts? Letzter Beitrag 2009)

    Wenn ich es so sagen darf: Unsere Burnoutprophylaxe beginnt mit der guten Lehrer-Schüler-Beziehung und einer möglichst hohen intrinsischen Eigenmotivation. Fachliche Kompetenzen fallen dabei unter die Rubrik Selbstverständlichkeiten. Wenn Hilfe gefragt ist, könnte ein Blick auf http://www.lehrer-handbuch.de vielleicht nicht falsch sein.

    Alles Gute

    Wolfi


    schrieb Wolfi am

  • #2

    Zum Thema “jeder kann mitreden”, da ja jeder irgendwann mal eine Schule von innen gesehen hat,  hilft bei mir immer folgender Vergleich: ich habe auch eine Steckdose im Haus und rede nicht den Elektrikermeistern rein, wie sie Kabel zu legen haben… natürlich kann man dieses Bildnis anpassen, je nach dem, mit wem man gerade spricht.

    schrieb alemanne am

  • #3

    Nun gut, die Selbstzerfleischung ist im vollen Gange, die Revolution frisst ihre Kinder, nur…hat die Revolution ja noch gar nicht angefangen.
    Ob es unreife, unfertige, verblendete, benagelte Menschen gibt, keine Frage für mich, dass es tolle, aufopferungsvolle etc. gibt, keine Frage für mich. Dass es normale, Job Erledigende, Nach Vorschrift (wonach sonst?)Dienst Tuende gibt, keine Frage für mich.
    Dass diese sich auch bei den LehrerInnen und in der Schule und im MK herumtreiben, ebenso in Politik, Wirtschaft, Sport und Presse…ja, selbst unter meinen Nachbarn, man mag es nicht glauben….
    GUT. Aber ist das das Thema?
    Burn Out, weil:
    Bedingungen mies, auch wenn einige es darunter trotzdem schaffen
    Klientel…mhm….anders, anspruchsvoller oder zuspruchsbedürftiger oder wie auch immer….anstrengender (weniger Fachwissen als früher…siehe Studien)
    Geld ...wie immer knapp, aber langsam ist der Grundstock halt marode….
    Ansprüche immer höher und weiter und besser und toller….ohne mehr Geld….also die kalten Glücksversprechen der Privatisierung: besser und billiger (siehe auch Sanieren von Abwasserkanälen und Pflegeheime).

    Unter diesen Umständen und dass es selten klare Arbeitsplatzbeschreibung und -konditionen gibt (falls das überhaupt möglich sein sollte) ist es für mich nur selten Wunder, dass Leute ausbrennen (ob sie nun schon vorher gebrannt haben oder nicht (siehe Studie dazu)), abschalten, auf Notakku schalten, Minimalisten werden etc.
    Wundern erzeugt bei mir der Mensch, der daraus noch Geniales, Neues, Kreatives erzeugt, ein tolles Eigenleben neben diesem Beruf hat und eine Sorglosfamilie im Eigenheim vor dem Städele aufzieht…. und der dann noch nicht einmal die anderen (LEGION) nicht heruntermacht, weil die nun mal nicht von Krypton kommen.

    Für mich ist es AUCH ein Job, keine Berufung, um mich selbst am Leben zu halten und zu einem erfüllten Leben zu führen. Dazu gehört auch Zufriedenheit im Beruf. Selbst Tausendsassa können doch nicht verleugnen, dass es viel besser ginge, wenn sich Strukturen und Mittel änderten…

    So, viel Spaß beim Weitermachen.
    lg

    schrieb Kaminkehrer am

  • #4

    Ich glaube kaum, dass ein Theorie-Lehrer dazu befähigt ist, handwerkliche Grundlagen bei Schülern zu schaffen, sie im praktischen Arbeiten an Dreh- und Fräsmaschinen zu unterrichten, Schweißlehrgänge zu halten, Verputzarbeiten zu erstellen, Stuckarbeiten instandzusetzen und und und. Nicht umsonst gibt es dafür Lehrberufe oder bekommt man das gesamte praktische Wissen (und Talent) im Studium gratis dazu? Vielleicht ist es ja tatsächlich so, dass jeder studierte Lehrer in der Lage ist, auf einem Containerschiff die Motoren instandzusetzen, ein Schwein fachgerecht zu zerlegen, ein Haus mit Mauerwerk und Dachstuhl zu erstellen oder eine Heizungsanlage zu montieren. Dann Hut ab!

    Viele der Theorie-Lehrer, mit denen ich das Vergnügen hatte, sind gleich nach dem Abi ins Studium und dann an die Schulen gegangen. Das echte Leben eines berufstätigen Menschen haben sie nicht kennengelernt. Und eine praktische (egal ob industriell oder handwerklich geprägte) Ausbildung wird in den meisten Fällen nicht vorausgesetzt.

    Das es sich bei meinen Bekannten (Mehrzahl!) um Lehrer (zweiter Klasse) an ein und der selben Schule handelt, die alle das gleiche berichten, wird es sich wohl nicht nur um einen “Thekenhelden” handeln. Nicht umsonst sind die von ihm durchgeführten Unterrichte vom Direktor mit glatt “Eins” bewertet worden. Diese Note, sowie das Gesamtergebnis aus Pädagogik und Didaktik (ebenfalls Note eins) habe ich selbst gesehen. Aber wahrscheinlich ist auch das erstunken und erlogen.
    Natürlich gibt es unter den Quereinsteigern gute und schlechte. Aber das gilt für die normalen Lehrer doch wohl auch.
    Zudem wollte ich nicht auf die Quereinsteiger, die Theorie-Unterricht geben hinaus, sondern auf die Lehrer der Fachpraxis. Die sind nämlich alle aus der Praxis für die Praxis und haben nie ein Staatsexamen.

    Aber diese Lehrer zieht niemand in Betracht. Denn echte Lehrer müssen ein Studium haben.

    schrieb mueumsfan am

  • #5

    Ich habe nicht gesagt, dass Lehrkräfte ohne Staatsexamen nichts taugen.
    Ich habe gesagt, dass UNSERE 5 Lehrkräfte ohne Staatsexamen nichts taugen.
    Noch vor Beginn dieses Schuljahres war ich gegenüber Quereinsteigern sehr offen, aber inzwischen habe ich eigene Erfahrungen mit ihnen gemacht und bin zu dem Eindruck gelangt, dass man z.B. eine Hauswirtschaftsmeisterin nicht den Hauswirtschaftsunterricht an einer Hauptschule machen lassen kann. Das ist für Schüler und sie selbst geradezu gefährlich. Der Native-Speaker kann an einer Hauptschule auch kein Englisch unterrichten und der Dipl. Sportler auch nicht usw. Nicht weil sie nichst von ihrem fach verstehen, aber sie verstehen einfach nichts vom Unterrichten. Dafür dass diese Quereinsteiger (ich spreche von unseren 5) den Job, für den sie eingestellt sind, nicht können haben sie auch das schmale Gehalt nicht verdient.

    Ich spreche hier zwar nur von unseren 5 Quereinsteigern, aber ich gebe zu, dass ich geneigt bin, daraus Schlüsse zu ziehen.

    Es kommt mit unseren Quereinsteigern noch viel besser:
    Nicht nur, dass sie gar nicht merken, dass es an ihnen liegt, dass die (eh schon nicht einfachen) Kiddies zu Monstern werden. Sie sind auch gegen jegliche Beratung von uns erfahrenen und ausgebildeten Lehrern vollkommen resistent. Die meinen wirklich uns erklären zu müssen, dass wir alles falsch machen würden, dabei sind die es bei denen der Unterricht nicht funktioniert und wir müssen es dann wieder ausbügeln, weil die Kids vollkommen durch den Wind sind.
    Da ist eine, die meint, es wäre richtig, wenn sie einer Schülerin sagen würde, sie sähe aus wie eine billige Hure.
    Eine anderen meint, sie müsse die “professionelle Distanz” auf die Spitze treiben und niemand könne von ihr verlangen, dass sie die Schüler mag (Warum wollte die nur diesen Job machen?)
    Sei mache keine Fehler, aber wir gingen zu freundlich mit den Schülern um.
    EIn anderer Quereinsteiger meint, es sei richtig, wenn er Schüler am Arm packt und eben mit Gewalt dorthin verfrachtet, wo er ihn haben will.
    Muss ich mit den wild gewordenen Quereinsteigern erst diskutieren, dass sie Schüler nicht anzufassen haben?
    Diese (unsere) Quereinsteiger sind nicht nur überbezahlt, sie sind auch vollkommen Fehl am Platz.

    Aber jetzt, verehrter museumsfan: Wer hat dir erzählt, Lehrer seien nur theoretisch ausgebildet?
    Und noch etwas: So etwas wie “praktisches Wissen beibringen” gibt es nicht. Man kann sie höchstens praktische Erfahrungen machen lassen. Wie will man denn “praktisches Wissen” jemanden “beibringen”?
    Und wer hat dir gesagt, Lehrer hätten keine Erfahrungen?
    Aber eine Erfahrung habe ich allemal: die Unterrichtserfahrung, Erfahrung mit Kindern und Jugendlichen. Ich verfüge über eine fundierte wissenschafltiche Ausbildung (theoretisch) mit eine Ref, in dem ich meine zuvor erworbenen theoretischen Kenntnisse und Fertigkeiten umzusetzen lernte.

    Zu deinem Bekannten: Wer erzählt denn, dass er das Aushängeschild an seiner Schule ist? Vermutlich er selbst! Wahrscheinlich berichtest du von einem Thekenhelden, der die Welt ganz allein rettet und ohne den die Schule einstürzen würde. Ein Schulleiter täte sich selbst und seinem Kollegium keinen Gefallen, wenn er einen einzigen Lehrer zum Vorbild erklären würde. Das ist unreifes Geschwätz.

    Nein, es gibt keine Zwei-Klassen-Gesellschaft an den Schulen. Es gibt aber leider reichlich unfähige und verblendete Quereinsteiger.

    Und zum Schluss: Soll ich etwa auch noch sog. Kollegen BETREUEN???? Sorry, bin ich denn Pflegepersonal? ich bin bereit, sie zu unterstützen, aber sie zu betreuen, ist nicht mein Job.
    Ein Burnout ist nicht auszuschließen. Wer weiß das besser als jemand, der täglich mit diesem Klientel umgeht. Umso wichtiger ist es, dass auch ein Quereinsteiger optimal darauf vorbereitet werden müsste. Es ginge allen besser, wenn die aber nicht so verblendet wären und ihre Grenzen erkennen würden.

    Wir echten Lehrer sind ganz und gar nicht empfindlich. ich frage mich nur langsam, wohin das führen soll.
    Unser Job kann angeblich jeder. Wenn er ihn aber nicht kann, ist es dann auch noch unsere Schuld?

    Dieses aufgeblasene Geschwafel von sich berufen fühlenden Amateuren geht mir langsam auf den Geist

    schrieb Schülerfreund am

  • #6

    Ich habe auch nicht behauptet, dass es sich dabei um Lehrkräfte mit Staatsexamen handelt. Aber zu behaupten, dass alle ohne Staatsexemen nichts taugen und überbezahlt sind, halte ich für vermessen. Und ich wage es zu bezweifeln, dass die rein theoretisch geschulten Lehrer in der Lage sind, Schülern praktisches Wissen beizubringen. Dazu braucht man nämlich auch Erfahrungen und nicht zwei linke Hände mit zehn Daumen. In Berufsschulen werden für diese Art von Unterricht nur Praktiker eingestellt. Und der Seminarunterricht, in dem Pädagogik und Didaktik gelehrt wird, hat eine hohe Qualität. Nicht umsonst ist mein Bekannter (ein Lehrer zweiter Klasse) in seiner Schule das Aushängeschild für pädagogisch anspruchsvollen Unterricht, den der Direktor auch für die hochstudierten Lehrer zum Vorbild erklärt hat.
    Scheinbar gibt es bei Lehrern nach der Ansicht von Schülerfreund eine zwei Klassengesellschaft. Und da die unfähigen Quereinsteiger es auch mit dem schwersten Schülerklientel zu tun haben, ist hier Burn-Out wohl auch nicht auszuschließen. Da sind nämlich diejenigen, die an den Hauptschulen aufgrund der guten Betreuung durch examierte Lehrkräfte gescheitert sein.

    Oder sind nur echte Lehrer so empflindlich, falls Quereinsteiger dieses Problem nicht haben dürfen?

    schrieb museumsfan am

  • #7

    Ich komme zwar nicht aus Niedersachsen, sondern aus NRW. Aber hier ist das Einstiegsgehalt A12. Das wird in Niedersachsen nicht weniger sein. Die, die weniger kriegen, sind keine ausgebildeten Lehrer.

    “Und zur Qualifikation: Alle sind Meister, Techniker oder Ingenieuere, die eine zusätzliche zweijährige Ausbildung zum Pädagogen gemacht haben. Also auch nicht ohne.”

    Ja, vielleicht nicht ohne, aber auf jeden Fall ohne Staatsexamen und somit Quereinsteiger und keine Lehrer.
    Kein Lehrer mit Hochschulstudium, Ref. und zwei Staatsexamen geht mit A9 nach Hause. Bevor ich das glaube, möchte ich die Bezügemitteilung und Examina sehen.
    DIe Quereinsteiger verdienen tatsächlich weniger, was ich angesichts dessen, was gerade die (5) Quereinsteiger an unserer Schule machen, noch immer zu viel finde. Es ist so deutlich erkennbar, dass sie dem Schulbetrieb nicht gewachsen sind. Die Arbeit an einer Hauptschule ist hart und die Eingewöhnung sicher auch hart, aber so viel Unfähigkeit wie bei unseren Quereinsteigern kann man kaum noch auffangen. 

    Niedersachsen gilt als ein Land, das mehr bezahlt als NRW. Wenn in Niedersachsen so wenig bezahlt würde, hätten wir in NRW nicht das Problem, dass unsere Lehrer dorthin abwandern (So blöd sind wir Lehrer ja nun auch wieder nicht.)
    Also bitte nicht auf Besoldungsfan schimpfen, sondern erst vernünftig differenzieren.

    schrieb Schülerfreund am

  • #8

    Moinse,

    also, ich oute mich mal mit burn-out. Stecke voll drin und finde es echt panne, was “Nicht-Lehrer” so dazu zu sagen haben.
    Ich habe eins gemerkt, im Net. herrschen sehr seltsame Ansichten über unseren Berufsstand. Ist ja auch logisch. JEDER MENSCH IN DEUTSCHLAND (Ausnahmen ausgenommen) geht zur Schule, ergo… weiß jeder besser darüber Bescheid, was der Lehrer alles “verkehrt” macht und wie alle anderen es besser machen können.

    Ich sage den Leuten dann immer: SCHÖN, in Deutschland kann jeder Lehrer werden? Dann werden Sie es doch und machen es besser…

    Ich bin auch am Desinteresse der Schüler und der “Erwartungshaltung” EINIGER Eltern, nicht aller, gescheitert.
    Hinzu kommen noch einige private Belastungen…

    Ich habe ganz nebenbei den Beruf der Bürokauffrau gelernt und zwar innerhalb von 1,5 Jahren (also könnte ich jetzt auch über die Azubis wettern, die es nicht schaffen…) und weiß, was es heißt 60 Stunden in der Woche im Büro zu arbeiten.

    Es ist eine andere Belastung. Die psychische ist weitaus weniger angegriffen… Es sei denn, Mobbing ist an der Tagesordnung.

    Aber was solls.

    Schlimm finde ich es auch, wenn man von Lehrern liest, die Schüler mobben… Aber wir sind nun mal keine Götter… und unsere Schüler erst Recht nicht…

    Ganz nebenbei. In Niedersachsen werden doch die Lehrer bei A12 eingestellt?? Zumindest bekomme ich das…

    gruß musikus, der/ die sich über ganz viele wirklich blöde Bemerkungen (z.B. emgs) geärgert hat…

    schrieb Musikus am

  • #9

    Und noch zu den angestellten Lehrern:
    Wer zu alt (über 40) oder über körperliche Defizite verfügt, zu denen Bluthochdruck, ungewöhnliche Blutwerte, Rückenbeschwerden, Übergewicht und vieles mehr zählen, wird nur Angestellter. Und bleibt damit bei Entgeltgruppe 9 mit der Möglichkeit der Beförderung nach E 10 oder E 11, aber die Stellen sind bekanntlich begrenzt.

    Es gibt halt nicht nur den klassischen studierten Lehrer sondern auch diejenigen, die mit Erfahrungen aus dem wirklichen Leben in der Wirtschaft unterrichten wollen.

    schrieb museumsfan am

  • #10

    Das ist in Niedersachsen Tatsache. Bei uns an der Berufsschule sind alle Fachpraxislehrer, die sich mit den Härtefällen auch ohne Schulabschluss “herumplagen” müssen, aber auch Hauptschüler, Realschüler, Fachabiturienten oder Techniker beschulen, erstmal A9. Da die Beförderungsstellen knapp sind, bleiben viele ihr Leben lang auf diesem Level. Und wie *besoldungsfan* ausführt liegt der Verdienst wirklich nur knapp über Aldi. In der mir bekannten Schule gibt es im fachpraktischen Bereich nur eine A11, 2 A10 und der Rest muss von A9 leben.
    Und zur Qualifikation: Alle sind Meister, Techniker oder Ingenieuere, die eine zusätzliche zweijährige Ausbildung zum Pädagogen gemacht haben. Also auch nicht ohne.
    So weit her war es also nicht mit den Kenntnissen von *besoldungsfan* ....

    schrieb museumsfan am

  • #11

    A9 - durchaus, wenn man Förderlehrer ist.
    Also glaubt ihm den Sch*** ruhig mal…

    A10 sind übrigens Fachlehrer, A12 GS und HS, A13 RS und GY.
    Wobei A10er und A13er aufsteigen können…

    schrieb Thomas am

  • #12

    *lol*
    Was ist denn das für ein Schwachsinn???! Lehrer, die als Beamte A9 bekommen?

    Man sieht an diesem Beispiel mal, dass sich hier Leute in die Diskussion mischen, die KEINERLEI Ahnung von der Materie haben. In NRW ist A9 nach ca. 10 Dienstjahren 2.200 brutto = netto nach Krankenversicherungsabzug 1.600. Die “Angestellten” (Lehrer) bekämen dann netto 1.300, also einen Tick mehr, als die Dame an der Supermarktkasse.

    Also bitte glaubt ihm den Sch*** nicht.

    schrieb besoldungsfan am

  • #13

    Und zum Myhtos der überbezahlten Lehrer:

    Meine Bekannten sind Lehrer und bekommen als Beamte gerade mal A9. Das ist nicht mehr als jemand, der beim Finanzamt die einfachen Steuerbescheide erstellt. Dafür hat der dann aber keine Horde unerzogener Jugendlicher, keine Praktikumsbetreuung einschl. der Suche nach Plätzen, keine Termine bei Firmen auf der Suche nach Ausbildungsplätzen, keine Arbeitsgruppen zur Verbesserung der Zusammenarbeit mit der Wirtschaft und und und
    Schlimmer dran sind nur diejenigen, die “nur” Angestellte geworden sind. Deren Einkommen liegt noch gut 300€ unter dem A9er.

    schrieb museumsfan am

  • #14

    zu #35,
    Ich kann mich da nur anschließen!
    Allerdings möchte ich fragen: Seit wann ist Bildung gleich Wissensvermittlung? - Natürlich enthält der Begriff Bildung alle unter #35 aufgeführen Ziele!
    Allerdings sind die Schlachtrufe:
    - Kleinere Klassen, schalalalaa
    - Mehr Geld, olelelele
    schließlich nicht neu und werden seit Ewigkeiten ignoriert, eben weil sie Geld kosten und weil es für alle anderen Teile der Gesellschaft nur allzu leicht ist sich aus der Verantwortung für die Erziehung und Bildung herauszuziehen. Es ist eben alles andere wichtiger als die Bildung.
    Und dann kommen dabei eben Realschulabsolventen raus, die zwei Wochen vor der Bundestagswahl in einem Fernsehbeitrag feststellen, dass Angie bei der SPD ist.
    Ein Hoch auf die Zukunft unserer Demokratie, Dank unserer spitzenmäßig gebildeten Jugend! :lol:

    schrieb Lector am

  • #15

    zu #33,
    Völlig richtig! Hohe Schülerzahl = hoher Korrekturaufwand! Und noch viel schlimmer, schwindende Möglichkeiten pädagogischen Wirkens! Wer das leugnet, verkennt die Wirklichkeit!

    schrieb Lector am

  • #16

    @#30
    Oha, das alte humanistische Bildungsideal, dort war die Welt noch einfach und ideal mit klaren Linien…Gebt mir einen Hebelpunkt….die Zeiten des mechanistischen Weltbildes.

    Nun denn.

    Ich halte mich weder für den großen Selektierer (auch wenn dies natürlich von #30 nur auf Stoffauswahl gemünzt war…wie ich hoffe), noch für ein Kraft meines Amtes Bestimmenden, eher die neuere Rolle des moderaten Moderators, der selbstverantwortetes Lernen und ... ermöglichen möchte, unter den gegebenen oder gemachten Umständen leider dieses Ziel des mündigen Menschen immer stärker durch restriktives Lernen von Disziplin, erzwungener Motivation (morgens 8.20 Uhr in Deutschland…) etc. nur zu erreichen glaube.

    Die Frage, lieber Lector, bleibt indes: Was macht einen guten Lehrer aus und ihn zu diesem. In deinen Ausführungen gibt es einige Punkte, die ich hinterfrage. U.a. verstehe ich die Schule nicht als reine Wissensvermittlung, für die ich ein Maß finden könnte und mein primäres Ziel ist auch nicht der Abschluss, sondern tatsächlich (ja, ich habe blaue Augen ;)) der mündige, demokratisch-soildarische Mensch, der diese Gesellschaft tragen und freier und liebevoller erhalten kann in der Stellung, die er hier einnehmen möchte oder wird.

    Und im Publikum immer nur zu pfeifen und das Spiel anderen zu überlassen und dann nach dem Spiel dem Hooliganism zu verfallen (im besten Falle selbstzerstörerisch), dem Bier und der Fettsucht, sich aber für einen Sportler haltend (Vergleiche hier zu bekannten Fußballfans-Satiren), das kann es auch nicht sein. Das Spiel vorzeitig zu verlassen….hier hinkt die Analogie.
    Also bleibt: Welches Spiel will ich das nächste Mal sehen, will ich mitspielen, etc.

    Oder viel einfacher: Welche Schlachtrufe wollen wir wenigstens von den Tribünen erschallen lassen?

    Wir wollen mehr Notebooks
    Kleinere Klassen, schalalalaa
    Mehr Geld, olelelele
    oder 1 Hauptfach für 3 Nebenfächer
    Inspektor, wir wissen, wo dein Auto steht

    Einer kriegt noch, einer kriegt noch eine Eins


    Wie gesagt:
    Ich möchte einen eigenen Raum, kleinere Klassen und erst dann alles andere

    schrieb Kaminkehrer am

  • #17

    @tintenklecks:
    Wenn Sie mit Ihrer Arbeitsbelastung nicht zurechtkommen, dann müssen Sie sich bei Ihrem Vorgesetzten oder gleich dem Kultusministerium beschweren. Aber nicht über die Kollegen herziehen, die offensichtlich mit ihrer Arbeitszeit klarkommen. So ein Verhalten ist unkollegial.

    schrieb Mister M. am

  • #18

    Na großartig! Da wird eine offensichtliche und nicht schönzurechnende Mehrbelastung unter fachlicher Kompetenz und empathischen Fähigkeiten verbucht. Für die Korrektur einer Klausur oder Klassenarbeit braucht man Zeit und die wird einigen Kollginnen und Kollegen dreist von ihrer Freizeit abgezogen! Das ist ein klarer Missstand und wird sogar vom Philologenverband kritisiert und vom Schulministerium NRW anerkannt. Mit der ewigen Nörgelei von Lehrern hat das rein gar nicht zu tun! Oder würden Sie Gewerkschafter als notorische Nörgler bezeichnen?

    schrieb tintenklecks am

  • #19

    zu #29
    Danke für die Ergänzung meines Beispiels, kann mich da durchaus anschließen.
    Zum Thema “guter Lehrer” bin ich anderer Meinung. Für mich ist es recht klar, dass ein guter Lehrer derjenige ist, der es schafft unter Berücksichtigung der Eingangsvoraussetzungen seinen Schülern ein möglichst hohes Maß an Bildung zu vermitteln, das dann als Grundlage für einen entsprechenden Schulabschluss dient. Dieses nämlich ist der Sinn der Schule.
    Das Kernproblem sind jedoch die Eingangsvoraussetzungen. Diese werden durch den Werteverfall, die Demontage sozialer Strukturen, wie der Familie und durch das politische Desinteresse an der Verbesserung des Schulwesens seit Jahrzehnten verschlechtert.
    Das wichtigste, was wir Lehrer in dieser Misere tun können ist anzuerkennen, dass wir alleine nichts tun können. Wir sind nur Zuschauer im Stadion unserer Gesellschaft und so sollten wir wenigstens durch Pfeifen und Füßestampfen unseren Unmut über das miese Spiel kundtun.
    Leider gerät jede Diskussion über das Schulwesen und die Lehrerbelastung schnell in die Stundenzählerei und lenkt von den wirklichen Problemen ab, anstatt diese herauszuarbeiten.

    schrieb Lector am

  • #20

    zu #30
    Oha, Sartorius in Hogwarts est? (Der Rest meiner Latein Kenntnisse aus den WF Zeiten ist kümmerlich ;-) )

    schrieb Lector am

  • #21

    Ich möchte hier keine Philippika schreiben, aber es sei mir doch gestattet, ein oder zwei weitere Gedanken zu bringen. Zu meinem Erstaunen konzentriert sich ‘Tintenklecks’ auf die ihn bedrückende Arbeitsbelastung besonders im Verhältnis zu den sogenanaten Nebenfächern.

    Mir erscheint dies - mit Verlaub -  beckmesserisch. Man sollte nicht vergessen, dass gerade der Lehrer einen recht freien Arbeitsgestaltungsraum hat, Schwerpunkte setzen kann,mithin - per defintiomen magistri- autonom ist.

    Darin liegt eine der Stärken des Lehrers, zu selektieren, zu organisieren, zu strukturieren. Diese genannten Desiderata erfordern allerdings hohe fachliche Kompetenz, empathische Fähigkeit sowie ein dem Schüler zugewandtes Wesen und Verhalten.

    Wenn diese Grundvoraussetzungen gegeben sind und auch umgesetzt werden,gibt es keine Belastung, sondern nur ein Weitergeben der eigenen Fähigkeiten und Möglichkeiten.

    Über die sogenannte Arbeitsbelastung zu klagen und zu jammern erscheint mir hilflos und larmoyant, also wenig nützlich

    schrieb Sartorius am

  • #22

    Na liebe KollegInnen (die meisten werden ja welche sein=....zerfleischen wir uns jetzt selbst?


    Königsfächer und Bauernfächer, Arbeitszeiten voller Tatendrang oder Müßiggang…

    Um einige Punkte zu nehmen:
    Das Beispiel mit dem Ingenieur und den Traktorreifen gefällt mir so nicht ganz: Besser fände ich: Wenn er Flugzeuge und Traktoren in kürzerer Zeit mit weniger Budget und möglichst gleichzeitig unprofessionell weitergebildet mit unmotiviertem Personal bauen müsste…dann sollte man sich nicht wundern, dass die Flugzeuge an Aerodynamik einbüßen und die Traktoren nicht so bodenständig sind….
    Na ja.
    Was ich noch einwerfen möchte in die immer gleichen Reflexantworten: Ja, es gibt gute bis sehr gute LehrerInnen, ja, es gibt miserable, das ist natürlich in Menschengruppierungen und überall zu sehen. Selbst wenn man die Besten der Elite nähme und zu einem Thinkpad schweißte, würde es dort Abstufungen geben, die dem analog wären.
    Sehr gut bzw. gut ist halt eigentlich eine Definition von wenigen aus einer Masse.
    Und dann kann man nicht mit 1,5% (so ist der Anteil der IQ-Tops an der Bevölkerung, glaube ich) argumentieren, wenn 98,5% so wären, wäre alles gut bzw. sehr gut.

    Da hat der Vorredner hier Recht.

    Und zum Schluss:
    Was ist ein(e) gute(r) LehrerIn (unsexist. Sprachgebrauch ist so mühselig und so langweilig…)?
    Kann es sein, dass der sehr gute Lehrer in anderen Bereichen gar nicht so sehr gut ist? Dass er für bestimmte SuS nicht gut ist? Dass das schwankt nach Thema, Jahreszeit und Klasse?

    Alles sind letztendlich Schlagwörter…Also schlagt euch doch nicht damit. Dann lieber auf #8 losgehen….
    By the way: Was ist denn nun mit euren Träumen? Wie wollen wir die Misere beenden, bevor wir in ihr verenden bzw. ausbrennen?

    schrieb Kaminkehrer am

  • #23

    zu #24 und #25,

    Super! Kaum versucht man mal zur Sprache zu bringen welchen gesellschaftlichen und politischen Müll Lehrer an der Schulen zu schippen haben, schaffen es zwei Götter vom Gymnasialolymp, die Diskussion darauf zu reduzieren, ob der NF oder HF Lehrer nun mehr zu korrigieren hat.
    Und da wundert man sich, dass die Probleme des Schulsystems im allgemeinen für lächerlich erachtet werden.  :down:

    schrieb Lector am

  • #24

    Volles akademisches Studium hin oder her: Es kann nicht angehen, dass einzelnen Fächern erhebliche Zusatzarbeiten auferlegt werden! Nur darum geht es: Mehrarbeit, die entweder bezahlt oder durch Reduzierung des Pflichtstundendeputats abgegolten wird. Natürlich hat auch ein Nebenfachlehrer ab und zu ein Stapelchen Oberstufenklausuren zu korrigieren, wer wollte das bestreiten?

    schrieb tintenklecks am

  • #25

    @lector: “Es kann jeder nachvollziehen, dass ein Kläranlagentaucher nicht 35, 41 oder mehr Stunden pro Woche in der Gülle schwimmen kann; das ein Jetpilot nicht 35 Stunden Pro Woche mit Überschall über den Himmel flitzt. “

    Ich fühle mich von Ihrer Argumentation missverstanden. Mir kam es darauf an, dass meine Arbeitszeitzählerei MEIN Gewissen beruhigt. Ich brauche mir nicht vorwerfen zu lassen, dass ich so viel Freizeit hätte, weil ich weiß, dass ich mehr arbeite, als ich müsste. Das und nichts weiter war meine Intention. Weil der Vergleich mit anderen stressigeren oder weniger stressigen Berufen sehr schwierig ist, beschränke ich mich auf das, was sich ganz leicht vergleichen lässt: Die Arbeitszeit.
    Übrigens sind nicht alle meine Arbeitszeitanteile so stressig. In der Nachmittags- und Abendzeit geht es ruhiger zu als während der Unterrichtsstunden. Aber es bleibt doch ein Stresseindruck, denn regelmäßig bin ich überrascht, dass meine gefühlte Arbeitszeit ein ganzes Stück über der gemessenen liegt.

    @Sartorius: “dass gerade im Gymnasialbereich - im LK und GK - Fächer wie Politik,Biologie usw. mindestens die gleiche intensive Arbeit erfordern wie Englisch und Deutsch. ”

    Das halte ich doch mal bis zum Beweis des Gegenteils für eine gewagte Behauptung. Ich unterrichte Deutsch und Reli (was vergleichbar mit Politik wäre) - der Vergleich ist interessant. Für die Kursstufe kann ich Ihre Behauptung nachvollziehen, aber dafür ist der Unterschied in der Unter- und Mittelstufe ekklatant: Reliarbeiten von 10ern oder 9ern sind im Vergleich zu Deutschaufsätzen schnell korrigiert, und es sind weit weniger. Oder unterrichten Sie nur Kursstufe?

    schrieb Dirk am

  • #26

    Dem ‘Tintenklecks’ sei ins Stammbuch geschrieben: es gibt keine Haupt-und Nebenfächer.
    Jedes Schulfach bedarf eines vollen akademischen Studiums, aber vielleicht ist es dem ‘Tintenklecks’ bisher entgangen, dass gerade im Gymnasialbereich - im LK und GK - Fächer wie Politik,Biologie usw. mindestens die gleiche intensive Arbeit erfordern wie Englisch und Deutsch.
    Möglicherweise hat ‘Tintenklecks’ noch nie mit Kollegen aus dem LK bzw. GK Bereich dieser von ihm angeführten Fächer Kontakt gehabt; denn sonst würde er nicht so leicht daher reden.
    Es wäre ihm zu wünschen,hier eine Art Horizonterweiterung zu erfahren.

    schrieb Sartorius am

  • #27

    Es ist völlig klar, dass man Lehrerarbeitszeit nicht exakt messen kann, diese hängt von vielen Faktoren ab, die für die meisten Kolleginnen und Kollegen gleich sind, z.B.: Jeder hat einmal eine schwierigere oder größere Klasse als ein anderer etc. etc.. Allerdings reagiere ich empfindlich, wenn mir (im Gymnasialbereich!) jemand weismachen will, ein Nebenfachlehrer (z.B. mit Biologie und Politik) habe so viel zu tun wie ein Hauptfachlehrer (z.B. mit Englisch und Deutsch) mit enormen Korrekturbergen und viel größerem Leistungsdruck (Reformen!). Die Leistungsschere ist einfach nicht mehr hinzunehmen und schlichtweg ein Skandal!

    schrieb tintenklecks am

  • #28

    Nach dem Versuch darzulegen, dass die Schule nur ein Spiegel unserer Gesellschaft und somit auch ihrer Probleme ist, möchte ich mich an die Kollegen wenden, die sich hier über die Arbeitszeit zu rechtfertigen Versuchen.
    Herzlichen Glückwunsch! Wenn Sie auf die Idee kommen Ihre Arbeitszeit mit Excel-Tabellen, Handys oder Sonstigem zu erfassen, um sich zu rechtfertigen bzw. Ihr Gewissen zu beruhigen, dann haben Sie es in der Deutschen Schullandschaft geschafft! Dann können Sie sich getrost mit anderen Akademikern vergleichen, über Arbeitszeiten, Überstunden und Vergütung debattieren, viel Spass dabei.
    Aber was Hilft die Tabelle einem Lehrer in Berlin Neu Köln? Wo in Ihrer Tabelle taucht die Belastung auf, der man unterliegt, wenn man in einem Bezirk arbeitet in den sich die Polizei nur im äußersten Notfall reintraut und sonst versucht durch Abwesenheit Eskalationen zu vermeiden?
    Wie wollen Sie die Kollegen vergüten, die unter solchen Umständen trotzdem gute Arbeit leisten und Hausbesuche in Gegenden machen, wo sich ein Weg durch die Häuserschluchten von 15 Min. wie ein Weg von zwei Stunden anfühlt, weil man sich im Dunkeln seines Lebens nicht sicher sein kann.
    Wer als Lehrer von Arbeitszeit und Vergütung spricht, der hat keine Probleme!
    Zudem bieten solche Zeitarbeitsargumentationen eine Ablenkung von den eigentlichen Problemen, denn bei unserer schwachsinnigen Politik ist es nur eine Frage der Zeit, dass irgend ein Parteiemporkömmling (... und da nehme ich keine Partei aus!) den Vorschlag macht die faulen Lehrer zu verpflichten solche Zeiterfassung zu führen.
    Denn die Weisheit des Altbauern:” Das Schwein wird nicht vom wiegen fetter!”, würde ich unserer Politik nicht zutrauen.
    Es kann jeder nachvollziehen, dass ein Kläranlagentaucher nicht 35, 41 oder mehr Stunden pro Woche in der Gülle schwimmen kann; das ein Jetpilot nicht 35 Stunden Pro Woche mit Überschall über den Himmel flitzt. Der Lehrer dagegen wird mit jedem Schreibtischhocker verglichen, so als ob der Beruf daraus bestünde Papier zu füllen?
    Es muss ein Bewusstsein in der Gesellschaft gebildet werden, einmal für die Bedeutung dieses tollen (ernsthaft!) Berufes einerseits und andererseits für die daraus erwachsenden Belastungen.
    Dann erledigt sich jede Zeitarbeitsdiskussion!

    schrieb Lector am

  • #29

    zu (#18)

    Sicher gibt es auch unter Lehrern einige die besser geeignet sind und auch andere. Allerdings sollte nicht in Vergessenheit geraten, dass ein Lehrer ein Studium von mindestens 4,5 Jahren und einen Vorbereitungsdienst von mind. 1,5 Jahren absolviert (dazu natürlich zwei Staatsexamen). Sie sollten mir glauben, dass diejenigen die gänzlich für den Beruf ungeeignet sind somit ziemlich sicher rausgefiltert werden.
    Das Problem ist, dass die Mängelwirtschaft im Bildungssystem den Lehrer dauerhaft vor Arbeitsbedingungen stellt, für die ihn kein Studium und kein Vorbereitungsdienst wappnen können. Denn dieses sind immer noch Ausbildungsgänge für den Lehrerberuf und nicht die Zauberschule zum Harry Potter Anwärter. So können auch Lehrer nur unter bestimmten institutionellen Voraussetzungen ihren Beruf kompetent ausüben und wer glaubt, dass diese in unserem Bildungssystem flächendeckend gegeben sind, der verkennt die Realität.
    Oder anschaulich: Würde der Airbus Ingenieur neben Armaturen für das Cockpit auch Traktorreifen und Rasenmäher entwickeln müssen, so würde kein Flugzeug den Boden verlassen.
    Zum Thema:”...für ihre Misserfolge geben sie allen anderen die Schuld.”
    Gott sei Dank schreibe ich hier als erfolgreicher und unter meinen Schülern geachteter Lehrer, der Freude an seinem Beruf hat, deswegen kann ich diese “Volksweisheit” mit einem Lächeln hinnehmen. In der Tat ist es jedoch so, dass das Misserfolgserlebnis eine Schlüsselrolle bei der Belastung im Lehrerberuf spielt. Demzufolge treffen solche Pauschalurteile besonders diejenigen, die es ohnehin schwer an den institutionalisierten Missständen zu tragen haben. Wie falsch diese Feststellung ist und, dass die Misserfolgszuweisung gerade den umgekehrten Weg nimmt, will ich an folgendem Extrembeispiel aufzeigen:
    Der Amoklauf von Winnenden, dürfte allen noch gut im Gedächtnis verhaftet sein. Kaum einen Tag nach dieser Tragödie gab es bei ARD ein Interview zu mit einer pensionierten Schulleiterin zu diesem Thema. Ihr Tenor lautete:”... schmeißt die schlechten Lehrer von der Schule!”.
    Der Irrsinn einer solchen Aussage wird erst bei näherer Betrachtung der Tatumstände deutlich. Ein Jugendlicher, der sich zeitweise in psychiatrischer Behandlung befand, wächst in einem Elternhaus auf in dem es ihm, trotz seiner psychischen Voraussetzungen, ohne Probleme möglich ist an eine Waffe und Unmengen von Munition zu gelangen. Er ist durch seine Erfahrung mit Waffen aus dem Schützenverein so geübt, dass er nicht nur in direkter Auseinandersetzung Polizisten erschießt, sondern auch fähig ist sie in fahrenden Fahrzeugen zu treffen. Im Anschluss an die Tat berufen sich die Eltern darauf, dass sie nichts von der Entwicklung ihres Sohnes mitgekriegt haben wollen,(wohlgemerkt handelt es sich hierbei nicht um eine Familie aus der ach sooo üblen Unterschicht, ganz im Gegenteil, der Vater ist ein Vertreter des ach soo soliden Deutschen Mittelstandes, der ja, wie wir alle wissen, die große Stütze der “realen Welt” ist!). Die Rolle und die Verantwortung des Schützenvereins werden mit keinem Wort erwähnt!
    Um den Irrsinn dieser Zusammenhänge mit meinem vorigen Beitrag (#17) zu verbinden:
    - wir sind eine Gesellschaft in der sich die Eltern der Verantwortung für ihr Kind mit dem Satz: “Wir haben davon nichts gewusst.” entziehen können, wohlgemerkt ohne dass dieses auch nur annähernd hinterfragt wird!
    - das Bildungssystem ist nicht das einzige institutionelle Mängelsystem, denn während der Polizei die Munitionskontingente und Zeiten für die Ausbildung und das Training beschnitten werden, kann ein Rotzlöffel im Schutzenverein besser schießen lernen als es den Beamten seitens des Dienstherren gewährt wird!
    - vor diesem Hintergrund weist eine Person im öffentlich-rechtlichen Fernsehen (wohlgemerkt, nicht im Kontext des “Harz IV”-Journalismus von RTL und co.) die Verantwortung für diese Tat den “schlechten” Lehrern zu, ohne dass diese irre Aussage auch nur mit einem Wort kommentiert wird!

    Wer gibt hier also wem die Schuld?

    Und jetzt stellen Sie sich vor Sie sind Lehrer an einer Realschule und machen gewissenhaft einen guten Job, Sie freuen sich über jeden Schüler der einen Abschluss erlangt, weil Sie sich für diese verantwortlich fühlen und trotz aller institutioneller Missstände eine gute Beziehung zu ihnen haben. Zufällig sind Sie in Winnenden an der Realschule, wo ein Jugendlicher dessen nächstes Umfeld offensichtlich so absurd unsozial ist, dass Niemand bemerkt haben will, was er vor hat, Amok läuft. Am nächsten Abend hören Sie im Fernsehen den Satz:”... schmeißt die schlechten Lehrer von der Schule!”.
    Ich garantiere Ihnen, Sie werden Ihre gesamten psychischen Ressourcen brauchen um mit diesem Schwachsinn umzugehen ohne irre zu werden.
    Und wenn Sie nicht gerade in Winnenden Lehrer sind, dann glauben Sie mir, es nagt trotzdem an dem, was in diesem Beruf am wichtigsten ist, der Psyche.

    schrieb Lector am

  • #30

    @(#8), den Freund der REALEN WELT (obwohl es mir eigentlich zu blöd ist, sowas zu kommentieren).

    Kurz zum Thema “Seminarräume in den Ferien leer und danach wieder voll”:

    Bin selber kein Lehrer und nehme seit einiger Zeit an einer Weiterbildungsmaßnahme teil. Diese findet in den Räumen einer Schule statt. Abends, wenn kein Schüler mehr im Haus ist. Unser Institut zahlt auch Miete für die Benutzung der Räume.
    Trotzdem ist es am Abend relativ kalt, wir müssen maximal 15 Minuten nach offiziellem Kursende das Gebäude geräumt haben und in den Ferien dürfen wir nicht rein. In den Wintermonaten (d.h. Herbst-, Weihnachts- und Karnevalsferien) nicht wegen der Heizung - wir dürfen noch nicht mal am ersten Samstag Vormittag mehr, wenn am Freitag zuvor der letzte Schultag war - und in den anderen Ferien auch nicht, wegen Großputz, Renovierungsarbeiten, usw.
    Unsere Ausbildung würde sich deutlich verkürzen, wenn das anders wäre.
    Ein angedachter Wechsel an eine andere Schule war sinnlos, da es in anderen Kommunen genauso oder zumindest ähnlich ist.
    Das Anmieten anderer Räume ist zu teuer und müsste auf die Kursteilnehmer umgelegt werden, was natürlich auch auf wenig Begeisterung stößt, da wir das alles selbst zahlen müssen.

    - Ich gehe also mal davon aus, dass es bei Lehrerfortbildungen ähnlich ist und diese auch den Sparzwängen zumindest in den Ferien zum Opfer fallen.
    Das können aber Leute aus der “freien Wirtschaft” vielleicht gar nicht wissen, weil deren Fortbildungen oft vom Betrieb bezahlt und zur Arbeitszeit gerechnet werden. Die finden dann wohl auch öfters in großen Hotels statt,...
    Die Schulen und alles, was über Kommunen, Landkreise etc. läuft machen in den Ferien dicht, weil sie müssen, nicht aus Faulheit.

    schrieb ole am

  • #31

    Wieso gibt es eigentlich bei den “Top”-Arbeitsbedingungen einen Lehrermangel???
    Wieso werben die Bundesländer sich gegenseitig die Lehrer ab???
    Wieso gibt es massiv Quereinsteigerprogramme um einem Lehrermangel entgegenzuwierken???

    So sieht die Reale Welt aus!!!

    (#8) Warum nicht Lehrer???? Weil es in der Wirtschaft lukrativer ist! Weil Sie sich der Schule nicht Stellen können und wollen!

    Planen Sie mal eine kleine Unterrichtseinheit (5 Unterrichtsstunden), ... nur mal so zum Spaß, damit Sie überhaupt mitreden können ... mit Planung von Tafelbilder, Erstellung von Arbeitsblättern, ... SO WIE SIE EINE KOMPETENTE UNTERRICHTSVORBEREITUNG ERWARTEN WÜRDEN .....
    (Zeitaufwand notieren!!!)
    Lehrpläne finden Sie im Internet.


    Wer schon mal bei Zahnarzt war, glaubt ja auch nicht, dass er über Zahnmedizin bescheid weis .... oder etwa doch?

    Bei Schule bildet sich jeder ein, er könne mitreden.


    P.S. (#8) Notieren Sie doch mal ALLE Aufgaben eines Lehrers in einer Liste mit den von Ihnen vermuteten Zeitaufwänden ....

    schrieb MuPL am

  • #32

    Bravo Lector! Ich hätte es nicht besser darstellen können! Das sind die Zustände in unserer Gesellschaft und unserem Bildungswesen!Man kann es nicht oft genug wiederholen! Jeder, der nach vielen Jahren des Studiums und der Ausbildung (zwei Staatsexamen!) als Lehrer/in arbeitet,ist in der Lage,sehr guten bis passablen Unterricht zu machen (auch bei einem weniger guten Lehrer kann man etwas lernen!). Das Unterrichten ist nicht das Problem, es geht um 30 Individuen, die für 45 Minuten in einen Raum eingesperrt sind und es bei ihren Eltern gewohnt sind, dass sich alles um sie dreht. Nun sollen sie sich in eine Gruppe einfügen und ihre Interessen zurückstellen! Dazu haben aber nicht alle Lust! Kinder sind auch gerne laut und es gibt keinen Aus-Schalter. Lehrer/innen haben kaum Zeit, sich um einzelne Schüler/innen zu kümmern. Aus diesem Grund ist die Arbeit so ungeheuer fordernd und schwierig. Jeder Lehrer, jede Lehrerin weiß, wovon ich rede. Sartorius rate ich dazu, einen Lehrer einmal einen Tag lang zu begleiten, besser noch eine Woche. Natürlich gibt es Pädagogen, die hinreißend sind! Aber man muss doch einmal realistisch sein:in allen Berufen sind die Spitzenleute dünn gesät, deshalb muss sich an den Rahmenbedingungen allerhand ändern. Warum prügelt man nur immer auf die Lehrer/innen ein? Die haben eine lange Ausbildung hinter sich und können unterrichten, aber nicht zaubern und alle Probleme dieser Gesellschaft lösen!

    schrieb tintenklecks am

  • #33

    Manche Lehrer jammern, weil sie einfach für diesen Beruf nicht geeignet sind, dies zwar erkennen, aber auf die Annehmlichkeiten, wie Ferien und Beamtenstatus nicht verzichten wollen. Daher kämpfen sie sich durch den schulischen Alltag und für ihre Misserfolge geben sie allen anderen die Schuld.
    Hinzu kommt, dass bei einigen Lehrern eine fachliche und pädagogische Eignung kaum zu erkennen ist.
    Fachliche Kompetenz, pädagogische Eignung und Durchsetzungsfähigkeit durch Überzeugung sind häufig Mangelware.

    schrieb Sartorius am

  • #34

    Die Begrenzung auf 5000 Zeichen hat einen Grund!  :P
    Aber meine eigentliche Aufmerksamkeit gilt dem Freund der “realen Welt”. Diese hat nämlich einige Vorteile, mein Freund. In Eurer “harten” Welt muss sich kein “hart” arbeitender, armer, armer, armer… mit den Folgen von Jahrzehnten gesellschaftlicher Demontage sozialer Grundstrukturen, wie z.B. Familie, zugunsten des “harten” Geldverdienens rumplagen. Folge ist, dass der soooo ausgeruhte Lehrer sich zunehmend einer Bande Dschungelkinder gegenüber gestellt sieht, die weder Respekt noch Regeln kennen und anscheinend 6 Jahre lang von den “hart” arbeitenden Eltern mit der Hoffnung auf baldigen Schuleintritt aufbewahrt wurden.
    Aber wozu eigentlich zu Respekt und Regeln erziehen? Der Lehrer ist ja Dank der modernen Pädagogik ein Entertainer für die lieben Kleinen und wenn sie kein Spass an der Schule haben, dann liegt das natürlich nicht daran, dass sie es viel geiler finden stundenlang PSP zu zocken (die sie ja nur allzu leicht von den “hart” arbeitenden Eltern erhalten, damit sie endlich Ruhe geben), sondern daran, dass der faule Lehrer zu blöd ist seinen Job richtig zu machen.
    Wenn die lieben Kleinen dann nach 10 Jahren Schulaufbewahrung faul und dumm die Schule verlassen und weder Regeln noch Respekt kennen, sodass sie daran im “harten” Leben scheitern, dann ist der Schuldige ja schnell gefunden - der faule Lehrer natürlich, denn schließlich wäre es seine Pflicht gewesen den Kinderchen auf amüsante und motivierende Weise beizubringen, dass sie überall ihre Pflichten zu erfüllen haben, auch wenn es keinen Spass macht (nur nicht in der Schule), und jeden Erwachsenen und Vorgesetzten als solchen respektieren haben (nur nicht den Lehrer).
    Wir alle (nicht nur Lehrer) ernten die Früchte von über 30 Jahren in denen Familie, Erziehung und Schulwesen jeglichem politischen Müll ausgeliefert war (und ist). Das fängt bei der scheuklappentragenden Emanze, die die Bedeutung der Familie für eine erfolgreiche Sozialisation verkennt, geht über den “realen” Wirtschaftsfuzi, der kreativerweise das Fundraising für die Schulfinanzierung vorschlägt, bis hin zum linksliberalen Pädagogikprofessor, der der Politik die Rechtfertigung für 30-er Klassen liefert, weil es den Lenrprozess ja sooo sehr erleichtert, wenn die lieben Kleinen (sozial, feundlich und interessiert wie sie sind) sich gegenseitig in vielen Kleingruppen unterstützen und bereichern.
    Und der Lehrer, mein Freund der realen Welt, ist in diesem Irrsinn nur die vorderste Linie. Und dass was er u.U. mitmacht ist mit keinem realen Gehalt und keiner realen Arbeitszeit zu vergleichen, denn in der realen Welt wäre ein solcher Irrsinn nicht möglich.

    schrieb Lector am

  • #35

    ich musste meinen langen Text so aufteilen, weil nur 5000 Zeichen erlaubt. Sorry, aber wie man sieht, Lehrer lassen sich auch und gerade am Wochenende von ihrer eigentlichen Korrigierarbeit gern mal ablenken ;)

    schrieb Kaminkehrer am

  • #36

    Danach erscheint unser Autor aber leicht widersprüchlich. Zum einen hält er ja ein grundsätzliches Plädoyer für mehr Engagement und motivierter Einsatz für eine Sache, spricht aber an dieser Stelle davon, dass, wenn der faule und doofe Lehrer keiner wäre, also kein Lehrer, denn die sind per se ja so, dann würde er erkennen, dass er mehr Geld verdienen könnte in der „freien Wirtschaft“
    (Schon mal aufgefallen, dass keiner in der freien Wildbahn wirklich leben möchte, aber die freie Wirtschaft unheimlich beschönigt wird?)

    Es geht also gar nicht darum, viele schöne Handys zu produzieren, um die Welt zu verbinden, Kommunikation zu erleichtern und Hilfe auf einsamen Landstraßen bei Autopannen zu bieten, nein, es geht nur um Geld.
    Ach so
    Na dann: Ist eine solche Sichtweise eigentlich volkswirtschaftlich….? Von betriebswirtschaftlicher Seite und den Finanzen gar nicht erst…. Lassen wird das lieber!

    Gut ein doppelter Zirkelschluss: Zum einen der des Lehrers => nicht faul=> dann aber auch kein Lehrer, zum anderen der gesamte: Vorwurf der mangelnde Motivation und Arbeitswilligkeit an sich=> Geldverdienen als Eigenwert => dann aber auch keine Motivation für die Sache an sich.

    Seine Schlussfolgerung: Wer…muss selbst behandelt werden.
    Nun, das wollen die Ausgebrannten ja auch, und der Rest möchte eine Behandlung im Sinne einer Kur und Genesung des darbenden Bildungssektors….

    Schlussteil: Stundenlang könnte er noch weiter schreiben, seine Thesen untermauern.

    Hier also eine implizit kritische Eigenreflexion: Seine Thesen sind nicht untermauert; mit einem Hauch Euphemismus: Er nennt Punkte seines „minutenlanges Schreibens“ Thesen.
    Etwas hyperbelhaft: „Ich denke“.
    Sein Fazit trage ich mit: Es war Zeitverschwendung

    (Hat mir aber auch Spaß gemacht, meine Zeit wiederum zu verschwenden ;))
    Ich werde „wieter“ in meiner eigenen Welt leben (in welcher auch sonst, bin ja nur ausgebrannt und nicht schizophren, unterscheide meine Realität ja nicht von anderen und lebe nicht in der Parallelwelt der kapitalistischen Betriebswirtschaft…)
    ‘*wein*’ ich habe doch nur diese eine Welt: Dafür bin ich doch mal Lehrer geworden, um anderen den Blick zu öffnen, dass wir alle nur diese eine Welt haben und wir irgendwie alle darin unterkommen müssen….’*weinen ende*’


    Gut gemacht: Die Identifizierung von „wer solche Gerüchte…“ zu „lebt ihr…“ und „sowas unterrichtet…“ So entstehen gute Hetzreden….

    Bleibt noch: Ja, wir unterrichten sie, und hoffentlich zeigen wir das eine oder andere, das dieser Zukunft mehr zeigt, als die Welt diesem Autoren gezeigt hat.

    PS: Rechtschreibfehler finden macht Spaß und gönne ich jedem, denn eine gute Orthographie ist doch auch ein Status

    schrieb Kaminkehrer am

  • #37

    Die folgenden Fremdwörter dürften zumindest für Gesellschaftslehre-Lehrer keine Fremdwörter sein, aber auch für einen Beamten und allzumal einem Lehrer auch nicht:
    Da sind die Finanzen: Die hört unsereins doch ständig, wenn wir begründet bekommen, warum kleinere Klassen etc. nicht möglich sind. Kennen wir!
    Da ist die Betriebswirtschaft: Für die sollen wir das doch alles machen: schnell, kompetent und nicht zu kritisch: sozialkompetent statt sozial…..Und die Schule als Betrieb ist doch momentan das Losungswort…. Wenn wir Pleite gehen oder zuviele Rückrufaktionen unseres Produktes durchführen müssen bzw. Ausschuss produzieren, den keiner in der Wirtschaft mehr haben möchte, dann gehen wir halt pleite, überlassen die Plebejer weiterhin RTL und PRO7 und Hartz IV und freuen uns, wenn wir die SMS und die Werbebotschaft nicht mehr verstehen (Englisch und Schreiben und Lesen),  uns das produzierte Handy nun nur noch geklaut leisten können, da keinen Job, von dem man leben kann (Mindestlohndebatte), oder halt auf Pump (Rechnen können wir ja auch nicht mehr), was in die Privatinsolvenz führt. Spätestens dort haben wir von der Wirtschaft gelernt….;).  Betriebswirtschaft kennen wir!
    Bleibt Volkswirtschaft:
    Nun, der Verfasser von #8 wie die meisten Betriebswirte und Politiker verstehen diese ja auch nicht.
    Sonst würden nicht so viele schreien: Wirtschaft soll man denen überlassen, die was davon verstehen, den Managern etc.  Betriebswirtschaftlich macht vieles Sinn, was volkswirtschaftlich tödlich verläuft. Viele zu entlassen oder ins Ausland zu gehen beispielsweise kann Sinn machen, ist volkswirtschaftlich aber weniger erträglich (Dies mindert den BIP, was die Zahlen der Koalition wiederum erklärt, 10% davon in die Bildung zu stecken…).
    Gerade volkswirtschaftliche Gedanken und Kritiken werden von den (meist eigentlich nur neoliberalen-erzkonservativen) Betriebswirtschaftlichen als kommunistisches Getümel, sozialistisches Gefasek, sozialromantischer Kitsch etc. abgetan.
    Mhm, ehrlich: Ich setze mich doch nicht so objektiv mit #8 auseinander, wie ich dachte. Ich baue mir gerade ein Feindbild: männlich, FDP-Jungerstwähler mit Erststimme CDU BWL-Student mit Nebenjob Wachmann in einer „Sicherheitsfirma“, Uniform selbst gereinigt….. NEIN.

    Nein, du sollst dir keine Bilder machen!

    Er kommt in der Mitte wieder auf die Einleitung zurück: Also zumindest hat er in der Schule doch etwas gelernt, natürlich nur trotz der Lehrer nicht wegen.
    Ein Allgemeinplatz als Appell getarnt: Jeder sollte in sich gehen und selbstkritisch fragen: Don’t ask what your country….
    Wir denken mal an „den Rest der Welt“....nein, doch nicht, nur an die hart arbeiten „Müßenden“.
    Also weder an die Sozialschmarotzer, ALGII-Erhöhungen-Habenwollende noch an die Beamten und Politiker, auf keinen Fall an Richter, Polizisten, auch nicht an die Krankenschwestern und Ärzten, er spricht nur von Industrie und Handel und ...ach nee, auch von der Wirtschaft, da gehören wir doch alle rein oder? Oder gehören wir zu seinem „ect“ (sic!)?
    (Ich sollte aufpassen: Wenn ich mich zu sehr lustig über Rechtschreib- und Tippfehler mache, fällt das auf mich zurück, wenn ich diesen Text nicht noch einmal korrigiere)
    Er meint ja auch nur Hartarbeitende, um im Bild zu bleiben (s.o.): dem mit nackten Oberkörper vor der glühenden Stahlesse mit einem Vorschlaghammer und Asbestschürze…..siehe DM-Cover von damals, wahlweise auch Propaganda der Nazizeit oder des Stalinismus….
    Da fällt mir wieder ein: War das damaligen Wahlprogramm der CDU nicht viel linker als das der heutigen Linke, kurz nach dem Ende des Weltkrieges? Hatte man dort nicht gelernt gehabt von der Gefahr des Großkapitals? Nun ja….Das ist ja alles lange her. Heute haben wir eine Initiative/Institut der „Neuen Sozialen Marktwirtschaft“, ganz weit vorne an der Politik dran….
    Ich bin schon wieder abgedriftet.

    Nun kommen Wertungen der übleren Art, aber doch von manchem Lehrerkollegen doch schon gehört, hier über Schüler ( sagte ich schon, dass ich mit der männlichen Form stets das Weibliche mitmeine, es sei denn, ich meine das anders?). Also warum sollte ich mich über stereotype, platte und plakative Äußerungen erregen. Außerdem meine ich das selbst ja auch oft.

    schrieb Kaminkehrer am

  • #38

    Dann räumt er ein, dass zumindest junge oder neue Lehrer noch einen gewissen Drang haben, etwas zu verbessern oder wirklich zu arbeiten, aber dann doch nach zwei Jahren abstumpfen und sich anpassen.
    Dazu bitte: Das ist richtig, siehe meinen Beitrag und viele andere über Anerkennung und Effizienz von schulischer Arbeit und Organisation.
    Nach zwei Jahren ist negativ gesehen ein Abstumpfen, positiv ein Einfügen in die gegebenen Bedingungen. Das passiert nach ca. zwei Jahren Einarbeitungszeit bei den meisten Betrieben. Ist also normal und keine negative, nur bei Lehrern und Beamten vorzufindende Einstellung oder Verhaltensweise.
    (Ach ja: Viele Lehrer sind gar keine Beamte….)
    (Ach ja ach ja; Meist hat man eine dreijährige Probezeit)

    „Dienst nach Vorschrift“
    Hier wie immer negativ konnotiert. Aber mal kurz real überlegt: Dienst nach was sonst? Wenn die Vorschriften negativ sind, wenn ein Dienst nach Vorschrift negativ ist, dann kann es doch nicht heißen, ich mache nur das Notwendige, richtig. Aber es kann auch nicht heißen, jetzt mache ich, was ICH will, gegen alle anderen, nach meinem eigenen Gusto (als Gegensatz zu Vorschrift). Die richtig erscheinende Antwort: Das kann nur heißen, Vorschriften zu ändern, das Regelwerk zu ändern. Vereinfachen,  verbessern, transparenter…wir kennen die Begriffe. Die FDP in Niedersachsen und nun im Bund macht das ja beispielsweise bei den Steuern, und die CDU sprach doch auch mal von der Steuererklärung auf einem Bierdeckel…. Die anderen Parteien nehme ich da nicht raus, jeder murkst, vorzugsweise auf Bierdeckeln notiert….und jeder kann augenscheinlich mitreden und mitbestimmen, was die Schule alles wie für wen zu leisten hat (für noch weniger Geld) und wie dann die Vorschriften auszusehen haben….Ach ja: CDU/FDP erhöht nun die Bildungsausgaben auf 10% des BIP, zumindest war das gestern tagesaktuell (Das ist sehr schön, lagen die doch bisher bei ca 4,8% (2006) und damit 1,2% unter OECD-Durchschnitt)
    (O_o: USA, die ach so Unsozialen und Bildungsfernen lagen 2006 bei ca 7,25%)

    Äh wo war ich?
    Dienst nach Vorschrift ist doch eigentlich was richtig Gutes oder?
    Aber er meint ja was Anderes: Zeiten abreißen und ab nach Hause.
    Das würde ich mir auch oft wünschen. So wie in der „freien Wirtschaft“: Stemplen und dann Feierabend. Oder gleitende Arbeitszeiten… Oder einen guten Arbeitsplatz im Betrieb. Oder arbeitsfähige Arbeitsteams…
    Nun gut, er meint das natürlich auch wieder negativ (Ich stelle mir „ihn“ nicht nur als Autor, sondern auch als Mann vor….ja, auch ich habe Vorurteile und bin durch Sprache und Bilder beeinflussbar….wieder etwas Negatives, was man(n) (also er) nun auf Lehrer und Beamte münzen kann…;))
    Die „meißten“hätten den Bezug zur Realität verloren: Ja, das stimmt in etwa: Davon sprechen wir ja hier: Sie sind ausgebrannt oder dem anfällig. Dies geschieht häufig, wenn die eigenen Ansprüche höher sind, als es die „Realitäten vor Ort“ erlauben umzusetzen. Daran scheitern viele. In dem Sinne stimmt seine Aussage doppelt: Die „Kaputten“ gehen an ihrer Motivation und an ihren Zielen kaputt, weil sie den Bezug zur Realität verloren haben (in diesem System sind die meisten Worthülsen der Politiker, Profs,Wirtschaftler etc. nun einmal nicht umzusetzen), die anderen ziehen sich (vielleicht sogar) selbstschützend vor dieser Realität zurück und erledigen dabei aber immer noch den „Dienst nach Vorschrift“, mehr kann man nun wirklich nicht verlangen…
    Letzter Punkt zur Realität: Welche meint der Verfasser? Grenzt er Schule, Beamtentum aus seiner aus? Erzeugt er in bester Rhetorik-Manier ein impliziten „WIR“, an dem Lehrer und Beamte nicht teilhaben dürfen? Wenn dies übertragbar ist, ist es dann ein Wunder, dass sich Lehrer allein gelassen, ausgegrenzt fühlen und damit ausbrennen? Erzeugt er also mit seinem Denken genau den Zustand, den er verneint? Fragen über Fragen und keine Antworten…

    schrieb Kaminkehrer am

  • #39

    Mhm…
    schade, dass meine rosa Wolke wieder so schnell auf den Boden der Tatsachen geholten worden ist. Zum einen dadurch, dass ein „schön, dass du das gesagt hast“- Gefühl auftaucht, weil keiner darauf eingeht…
    Zum anderen, weil dieser Traum durch eine solche Reaktion wie bei #8, obwohl sie zeitgleich und damit keine direkte auf mein Schreiben war, zeigt, dass ein solcher Paradigmawechsel noch nicht in den Köpfen UND Herzen angekommen ist. Oder bescheidener: Die Notwendigkeit eines Paradigmawechsels.
    Zurzeit regieren hauptsächlich wirtschaftliche und finanzielle Überlegungen, Instrumentalisierung und Ökonomisierung von Bildung. Gedanken eines reinen Eigenwertes von Bildung in einem pluralistischen demokratischen humanistischen….Staat bzw. in einer solchen Gesellschaft sind keine pragmatischen Grundsätzen oder eine Antwort auf drängende wirtschafts-kapitalistischen Fragen.

    Das ist zwar mit Wertung geschrieben und gemeint, soll aber einfach eine objektive Feststellung sein: Paradoxon wie mir die Bildungspolitik und das damit verbundene Menschenbild auch oft eins zu sein scheint.

    In diesem Sinne oder so ähnlich verstehe ich die hinter #8 liegende Meinung oder das Gefühl.
    Schlagwörter wie notwendiger Neid in kapitalistischen Systemen (hier auf sicheren Arbeitsplatz, von außen als sehr frei zu gestalten empfundene Arbeitszeit und -inhalte etc.), festgefahrene Freund-Feind-Klischees (freie Wirtschaft vs. öffentlicher Dienst, Beamte vs. „ehrlich arbeitenden einfachen Mann von der Straße“) etc. zeigen eine zwar recht stereotype, aber immerhin Auseinandersetzung mit der Umwelt und dem vorherrschenden System ;)).
    Nun gut, aus diesem Grund ist es mir wichtig, #8 nicht zu emotional abzuwerten, nicht zu moralisch zu degradieren und nicht zu formal seine Äußerungen zu ignorieren.
    Ich möchte gern schauen, was er (kann doch auch sie sein….ich meine geschlechtsneutral den Autor) eigentlich sagt. Welche Argumente oder vielleicht auch nur Aspekte in seiner Kritik oder in seiner Empörung stecken.

    Als Einleitung zeigt sich die Stärke seiner emotionalen Betroffenheit (Humor und Lachen als Waffe der Ohmächtigen), es folgt die Aufnahme einiger Argumente wie Arbeitszeitbelastung, die er entkräftet, Ferienzeit sei nur unterrichtsfreie Zeit, dies werde aber nicht so gehandhabt (belegt durch ein Beispiel zu Fortbildungsseminaren).
    Hier meine Anmerkungen: „Wer schreibt solchen Schwachsinn“: Wissenschaftler, abgedeckt durch Studien, damit ein Expertenargument, nur zu hinterfragen, wenn man die Kritik erweitert (Wissenschaftskritik).
    Ob Seminarräume voll oder leer sind, welche das sind etc. kann ich nicht beurteilen. Ich nehme an, das wäre so. Dann ist mein Einwand: Oster- und Herbstferien sind oftmals „Korrigierferien“; ein anstrengender 51-Stunden-Job braucht Ausgleich, eine Weiterbildung Muße und Aufgeschlossenheit: Beides könnte sich in diesen Ferien widersprechen. In den Weihnachtsferien (viele Betriebe haben hier übrigens ihre Betriebsferien) finden nahezu keine Fortbildungen statt und in den Sommerferien sind sozusagen unsere ordentlichen 6-Wochen-Urlaub (zwangsgelegt in die Hauptsaison, dafür aber an einem Stück: Jeder wertet bitte selbst die Vor-und Nachteile).
    Also mir ist damit verständlich, warum Seminarräume in Ferienzeiten leer sind, wenn sie es denn sind.
    „Nach Schulbeginn sowort wieder voll“: Na, wann findet denn die Weiterbildung in Betrieben statt? An freien Tagen? (By the way: Betriebsausbildungen werden oft von Betrieben finanziert und organisiert und sind verpflichtende Arbeitszeiten….)

    Kritik an Arbeitszeiten wird wiederholt, diesmal sogar so, dass die Arbeit von Lehrern sowieso keine richtige Arbeit wäre (Dies ist das Klischee, das auch von nahezu allen Nachrichtenmagazinen gerne verbreitet: Geistige Arbeit und Verwaltung ist nicht so nutzbringend oder als Arbeit im wahrsten Sinne darstellbar, deswegen werden ja auch immer bei Arbeitsmarktdaten etc. Bilder vom Bau gezeigt, obwohl dieser kaum die Wertschöpfung in diesem Lande ausmachen)

    Da die Vorgabe einfach danach schrie: Doch, wir wissen meist, wie „Arbeiten“ geschrieben wird, im Gegensatz zu #8 bei „sowort“, „müßen“ oder „wegem kollektiven nichtstuen“.
    Wir lassen sogar oft „Arbeiten schreiben“, das Korrigieren ist dann auch oft unsere HauptARBEIT, bei der wir wieder viel SCHREIBEN.

    schrieb Kaminkehrer am

  • #40

    @Dirk:
    Nicht über den Troll Nr.8 ärgern.
    Das ist einer von den knallharten “freie Wirtschafts”-Vertretern, die jede Pinkelpause auf der Toilette und jedes Surfen mit dem Laptop in der Mittagspause beim Latte Macchiato unter Arbeitszeit verbuchen.

    Und die alles staatlich Organisierte und Finanzierte rigoros ablehnen… Es sei denn es ist gerade Wirtschaftskrise, dann wollen sie nur das Beste vom Staat… nämlich dessen (also unser aller) Geld.

    schrieb @Dirk am

  • #41

    @#8 Bitte bleibt in der realen Welt:
    Genau wegen solcher völlig unreflektierter Gedanken, die jedoch von vielen geteilt werden, die sich genau so wenig mit der Realität unseres Berufes auskennen, wie es offensichtlich Mister “Bitte bleibt in der realen Welt” tut, bin ich dankbar für unsere o.g.Regelung mit den 1804 Jahresstunden.
    Hey Junge, es stünde dir gut an, mindestens hier im Thread mal vernünftig zu lesen und dann nachzudenken, bevor du so einen Schwachsinn postest. Dass du vielleicht sowieso den Mund halten könntest von Dingen, von denen du ganz offensichtlich nichts verstehst, soweit will ich jetzt gar nicht gehen.
    :-) Dirk

    schrieb Dirk am

  • #42

    Moin,
    ich bin Alleinverdiener mit Kind und Frau, die gerade wieder studiert, zahle Bafög ab und Abschlussdarlehen, lebe in einem großen, nicht weltbestgedämmten und -ausgestatteten Haus mit Garten nahe der Schule und kleinstädtisch.
    Mir geht es finanziell richtig gut.
    Im Vergleich mit vielen Akademikern könnte es mir besser gehen, im Vergleich mit anderen (zB Sozialpädagogen) schlechter, gutbürgerlich möchte man sagen.
    Also mit mehr Geld (und ich zahle schon als Beamter auch den Arbeitgeberanteil für die gesetzliche Krankenversicherung mit…)könnte man mich nicht locken. Ich würde nie nicht nein sagen, klar, aber in erster Linie würde ich an dem ganzen Beruf die Klassengröße auf 12 haben wollen (utopisch, naiv, Wunschdenken…ja, aber möchte ich). Ich habe zwar einen Oberstufenkurs mit 8 Leuten in Deutsch und da klappt auch nichts und das nervt auch, aber ich glaube, dass sich diese “Abdecker” anders entwickelt hätten.
    Danach in einem weiten Abstand würde ich mir wünschen eine weltbeste Ausstattung in einem weltbesten Klassenraum zu haben mit Toilette und Ruheraum (und Büro für mich), sodass meine komplette Arbeit (außer Lesen und Recherche) in der Schule verbleiben könnte, keine schweren Bücher für 7 verschiedene Kurse an manchen Tagen, dazu Laptop und und und… weil man gar nicht den Weg ins Lehrerzimmer zwischendurch findet.
    Also einen eigenen Raum und die SchülerInnen wechseln (ist in einigen anderen Ländern so üblich), könnte ihn mir so einrichten, wie ich mich wohl fühle, was ich benötige, mit gutem Internet und Spiel- und Ruheecken für SuS. Diese müssten sich bei mir wie zuhause benehmen (in meinem Zuhause ;))), es wäre immer sauber und ordentlich, Verschmutzer würden sofort identifizierbar sein, Wertschätzung entstünde, alles würde länger halten, alles wäre vertraut und spontan als Unterrichtsmedium zur Verfügung. Ergebnisse blieben teilweise über Tage abrufbar an den Wänden… Hach ja. Toiletten wären sauber und benutzbar von SuS und Lehrern. Die Individualität der Lehrenden würde für alle sichtbar, Identifizierung und Respekt griffe Raum.

    Träum.
    Danach würde ich sämtliche Blödverwaltungstätigkeiten einem Verwaltungsfachmann überlassen; also kein Vergeuden von akademischen Fachstunden für Blätter einsammeln und verteilen, auch nicht dafür, die Schule zu streichen und zu reparieren.
    Das wäre der nächste Wunsch: einen Raum, der gut klimatisiert ist, aber das gehört zu obigem Wunsch ;))
    (Ich arbeite zurzeit mit 22 SuS in einem Raum, der immer mindestens 24° c hat, im Sommer mehr; nichts wird hier geändert oder ist einstellbar. Stoßlüften ist “offiziell” nicht möglich, da die Fenster abgeschlossen sind…, habe aber mittlerweile auf Umwegen einen Schlüssel).
    Bevor jemand sagt: “WOW, 22 SuS nur.” Das liegt nicht an pädagogischen Überlegungen oder Liebesbezeugungen, sondern an der zu kleinen Raumgröße…
    Und wenn das alles wäre, dann würde ich mir eine Entscheidungshierarchie bzw. eine Weisungsbefugnishierarchie wünschen, damit Beschlüsse auch eine Effizienz erhielten, an der sich andere halten, Besprechungen ihren Sinn wiederfinden etc.

    Das wäre das Grobe…. Mhm, ja, denke schon.
    Noch mehr Wünsche, Begehrlichkeiten habe ich aber auch.
    Liebe grüße

    schrieb Kaminkehrer am

  • #43

    Ich hau mich in die ECKE :lol: , kann mich vor lauter lachen gar nicht halten.

    Lehrer haben eine 51 Std. Woche, wer schreibt den so einen Schwachsinn :lol:

    Bei der Anzahl von Ferientagen? Natürlich die werden ja zur Weiterbildung genutzt, alles Gerüchte,die möglichkeiten werden von den Lehrern doch nicht genutzt. In den Ferienzeiten sind die Seminarräume leer und direkt nach Schulbeginn sowort wieder voll, sehr merkwürdig!!!

    51 Stunden Woche, die Lehrer wissen doch gar nicht wie “Arbeiten” geschrieben wird. Junge Lehrer haben in den ersten zwei Jahren evtl. noch den Vorsatz die Welt zu verbessern, aber spätestens danach verfallen sie wie alle anderen in DIENST NACH VORSCHRIFT!!! Zeiten abreißen und ab nach Hause. Die meißten haben nach einigen Jahren, den Bezug zur Realität verloren. Volkswirtschaft, Betriebswirtschaft, Finanzen alles Fremdwörter für die.

    Burn OUT,, ich lach mich wech, weshalb denn?? Wegem kollektiven nichtstuen?? Ich kann echt nicht mehr 🐍

    Ich kenne viele Lehrer, ob es gibt mit sicherheit auch Ausnahmen, die gibt es immer, aber jeder von diesen Lehrern sollte mal in sich gehen und Ruhe drüber nachdenken wie es dem REST DER WELT ergeht.

    Alle die in der Wirtschaft, Industrie, Handel ect. schwer für ihre Brötchen Arbeiten müßen!!!! Die meine ich!!!

    Ein Lehrer ist von Natur gleich schon mal Faul, sonst würde er diesen Beruf gar nicht ausüben und wenn der Lehrer wüßte was er kann und mum in den Knochen hätte wüßte er das AUßERHALB DES Beamten daseins mehr Geld zu verdienen ist. Aber er ist ja Faul, und deshalb ist er Lehrer!!!

    Also Sorry, aber wer solche Gerüchte in die Welt setzt, müßte selbst behandelt werden!!!

    Ich könnte hier noch Stunden schreiben und meine Thesen fundiert untermauern, aber ich denke das wäre Zeitverschwendung!!!

    Lebt ihr mal wieter in eurer EIGENEN WELT!!!

    Und sowas Unterrichtet die Zukunft der Nation, na dann Prost!!!

    schrieb Bitte bleibt in der Realen WELT am

  • #44

    Liebe Kolleginnen und Kollegen,

    was mich immer wieder in diesen Duskussionen irritiert, ist die einseitige Fokussierung auf die Arbeitszeit einerseits und die Bezahlung andererseits.

    Wie sieht es mit den (speziellen) Belastungen unserers Berufs aus? Die werden durch bessere Bezahlung gar nicht (durch verringerte Unterrrichtsstunden schon eher) weniger.

    Wie sieht es mit dem Gefühl aus, das unser Schulsystem irgendwie an den Kindern vorbeiläuft?
    Wie steht es mit dem Eindruck, im Glücksfall mit einem kleinen Grüppchen Gleichgesinnter in eine ähnliche Richtung arbeiten zu können, während “das Ganze” irgendwie “ferngesteuert” vor sich hindümpelt?

    schrieb Moritz am

  • #45

    @ Dirk

    Ich mache es ähnlich. Ich habe ein Programm auf meinem Handy, das mir genau die Zeit mitzählt. Ich halte es sehr genau nach. Wie bei einer Stechuhr steche ich bei jeder Pause aus. Ich kam aber auf ein Jahressoll von 1886 Stunden. Kann es daran liegen, dass ich keine Feiertage berücksichtigt habe?

    Egal, ich bin auch über dieser Arbeitszeit, aber nicht so gewaltig, wie ich gedacht und gefühlt hätte. Das Problem ist sicher, dass wir keine wirklich gute Balance zwischen Arbweit und Ferien haben.
    Wir können uns aber nicht mit anderen Akademikern vergleichen, bei denen Überstunden nicht mehr abgegolten werden, denn die sind in einem anderen Gehaltsbereich. Um Überstunden ok zu finden, verdienen wir nicht genug. Das mag daran liegen, dass ich als Hauptschullehrerin “nur” A12 habe. Finde aber dennoch, dass ich keinen Hungerlohn habe

    schrieb Schülerfreund am

  • #46

    In Dänemark ist die wöchentliche Unterrichtsstundenzahl für Lehrer in Grundschulen von 26 auf 23,5 Stunden reduziert worden!!
    In den ersten beiden Jahrgängen findet der Sprach- und Matheunterricht wöchentlich für 8 Unterrichtsstunden in doppelter Besetzung statt.

    :roll: birgit

    schrieb Birgit am

  • #47

    @Tabea:
    Da läuft gar nichts anders.
    Genau deswegen finde ich es ja so einleuchtend, überhaupt nicht von Ferien oder Schulzeit zu reden, sondern von Jahresarbeitszeit. Ich arbeite in der Schulzeit deutlich über den 41 Stunden, in der Ferienzeit deutlich drunter - im Schnitt übers Jahr liege ich bei 110-115% der vorgeschriebenen Arbeitszeit - so ziemlich der ganze Juli (in BaWü beginnen die Ferien immer in der letzten Juliwoche) sind Überstunden.
    Das finde ich aber ok, denn das gilt so in etwa für alle Akademiker, die ich kenne, auch in der Wirtschaft. Und unsere Bezahlung ist ja so schlecht nun auch nicht. Aber wenigstens muss ich mir kein schlechtes Gewissen einreden lassen, weil ich theoretisch jedem, der es wissen wollen würde, mit Zahlen belegen könnte, dass ich nicht faul bin.
    :-) Dirk

    schrieb Dirk am

  • #48

    @Dirk

    Schülerferien sind doch aber nicht gleich Lehrerferien. Wir haben hier in Sachsen-Anhalt zum Beispiel eine Woche Herbstferien. Ich habe mir nur einen Nachmittag frei nehmen können (Winterkleidung mit eigenem Kind kaufen), habe die restliche Zeit korrigiert und obwohl die Ferien fast zuende sind, ist der Berg noch hoch und wird mit in die Schulzeit reingenommen werden müssen. Genauso ist das im Februar und im April/Mai, wo noch die Wochenenden wegen der Prüfungskorrekturen wegfallen. Im Sommer hören sich sechs Wochen Ferien auch toll an (sind sie auch); am Ende hat man aber mindestens zwei Wochen davon zu arbeiten.

    Ganz so einfach lässt sich die Rechnung also nicht aufmachen. Definitiv habe ich zum Beispiel richtig Ferien im Sommer und um Weihnachten herum. Die sind dann zwar relativ lang, aber man kommt zwischendrin schwer zur Ruhe, fühlt sich gehetzt. Ich wünschte mir manchmal einfach eine andere Verteilung der Aufgaben. Meinetwegen auch weniger Ferien, dafür dann aber richtige :-)

    Was läuft da bei Ihnen anders?
    Wie geht zurückschalten, wenn der Chef Termine setzt?

    Gruß Tabea

    P.S. Mittagspause (inklusive Essen) haben wir hier ca. 15 Minuten.

    Die Idee, das aufzuschreiben, werde ich mal übernehmen!

    schrieb Tabea am

  • #49

    Mir will die Rechnung nicht ganz einleuchten.
    Angesichts der relativ langen Ferienzeit kann doch nur eine Jahresleistung Grundlage sein. Wir haben hier in BaWü eine Regelung, die ich sher einleuchtend finde: Wir haben 1804 Jahresstunden zu leisten - das entspricht 41 Wochenstunden eines normalen Arbeitnehmers mit normalem Urlaubsanspruch und normalen Feiertagen.
    Seit mehreren Jahren haben wir diese Regelung, seitdem schreibe ich meine Zeit gewissenhaft, sogar großzügig auf (Z.B. Anwesenheit in der Schule ist Arbeitszeit, egal was ich dort mache). Das Ergebnis finde ich interessant: Ich arbeite mehr als ich muss, aber gar nicht so viel mehr, wie ich erwartet habe und wie es sich anfühlt. Man unterschlägt sehr leicht die Ferienzeit und die vielleicht dann doch mal recht lange Mittagspause.
    Mich jedenfalls beruhigt dieses Aufschreiben der Arbeitszeit: Ich habe immer im Blick, ob ich genug gearbeitet habe und kann dann auch guten Gewissens mal zurückschalten.

    Übrigens habe ich das Excel für die Zeiterfassung für Interessierte mal bereitgestellt:
    http://tinyurl.com/ykmtgd3

    :-) Dirk

    schrieb Dirk am

  • #50

    Ja, das Arbeitsaufkommen ist schon gewaltig! (Die GEW HH hat in einem Gutachten mal feststellen lassen, dass sich der DauerStress eines Lehrers auf gleichem Niveau befindet wie der eines Düsenflugzeug-Piloten beim Starten und Landen.  Interessant finde ich allerdings, dass in dieser Studie offenbar wieder nur mechanisch die Arbeitszeit als ein Faktor einerseits, und dann INDIVIDUELL ein traumatisches Erlebnis andererseits als Ursache für Burnout genannt wird.

    Ich habe viel eher den Eindruck, dass die ständigen Double-Binds (nach dem Motto: Wasch mir den Pelz aber mach mich nicht nass) des SYSTEMS Schule, zudem noch in Widerspruch zu dem, was die Gesellschaft an Bildungssystem eigentlich bräuchte und auch in Widerspruch zu dem, was engagierte Lehrer für professionelle Pädagogik und wertschätzende Kommunikation mit Kindern halten, als psychische Dauerbelastung mit also mehreren hoch konflikthaften Aspekten die Hauptursache ist. Ein aktueller Spitzenkonflikt im Einzelnen ist dann vielleicht bloß noch ein Auslöser.

    schrieb Lisa Rosa am

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