Digitale Bibliothek

DVD-ROM “Deutsche Literatur von Luther bis Tucholsky” - Rezension und Praxistest 08.11.2005, 23:11

In der Reihe "Digitale Bibliothek" ist (auch) für DeutschlehrerInnen ein wahres Kleinod erschienen: Eine DVD mit insgesamt 600.000 Seiten Textmasse. Wir haben das Teil in Hinblick auf Bedienerfreundlichkeit unter die Lupe genommen.

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Die Ausgabe wurde uns freundlicherweise von der Digitalen Bibliothek zu Rezensionszwecken zur Verfügung gestellt. Wie immer weisen wir darauf hin, dass diese Nettigkeit keinerlei Einfluss auf die Objektivität unserer Bewertung hat.

Cover der DVD-ROM 'Deutsche Literatur von Luther bis Tucholsky'
Die CDs/DVDs der Digitalen Bibliothek sind für ihre Materialfülle bekannt. Die DVD-ROM “Deutsche Literatur von Luther bis Tucholsky” hat einen neuen Rekord aufgestellt: 600.000 Seiten Literatur - das entspricht 70 Regalmetern. Vertreten sind alle Autoren und Werke bis zur Weimarer Republik, von denen man jemals gehört hat.

Bei dieser unglaublichen Textmenge stellt sich vor allem die Frage nach der Bedienbarkeit und der Ergonomie der Oberfläche.

1. Konzept und Inhalt der DVD
2. Textauswahl
3. Nutzen für den Unterricht
4. Praxistest: Bedienung der Programmoberfläche
5. Tipp zur effektiven Suche
6. Überblick: Features und Screenshots

1. Konzept und Inhalt der DVD

Wir geben hier die Presseinformation des Verlags wieder (Hervorhebungen Lehrerfreund):

Eine Bibliothek der Superlative
Digitale Sammlung deutscher Literatur erstaunt durch schieren Umfang
600.000 Seiten, 2.900 teils mehrbändige Werke, 970 Werk- und Gesamtausgaben: das sind über 1.300 dünne bis sehr dicke Romane, Erzählungen und Autobiographien, rund 2.000 Prosatexte, circa 23.000 Märchen und Sagen, 600 Essays und theoretische Schriften, über 500 Dramen und mehr als 60.000 Gedichte. Das ergibt eine Bibliothek von weit mehr als 70 Regalmetern, und ein Mensch wäre über 4 Jahre lang 8 Stunden täglich beschäftigt, um sämtliche Bücher zu lesen. Er hätte sich dann alle Werke angeeignet, die in der deutschen Literaturgeschichte einen wichtigen Platz einnehmen und einen repräsentativen Querschnitt derjenigen Werke gelesen, die zwar heute heute nicht mehr zum »Kanon« gehören, die aber in sonst einer Weise eine Rolle in der Geschichte der deutschen Literatur gespielt haben und denen deshalb in gängigen Literaturlexika einige Beachtung geschenkt wird.

Da in einer schnellebigen Zeit wie der heutigen kaum mit einem derartigen Lektüreeifer zu rechnen ist, erscheint diese Bibliothek nicht in dicken Buchkassetten in 300 Lieferungen, sondern kompakt auf einer DVD. Das bedeutet nicht nur Platz- sondern auch Zeitersparnis. Durch die Erfassung aller Werke in einer großen Tabelle lässt sich blitzschnell nach Werken und Autoren suchen, und die Volltextsuche leistet in einem solch umfangreichen Textbestand wahre Wunder. Querverbindungen tauchen dabei zwischen den verschiedenen Werken und Autoren auf, die selbst einer literaturwissenschaftlich geschulten Spürnase nicht ohne weiteres in den Sinn gekommen wären.

Da finden sich je nach Sucheingabe interessante Charakterisierungen Mozarts und Schuberts in zeitgenössischen autobiographischen Schriften, ein Ringelnatz-Gedicht über Karl May oder z.B. 257 Fundstellen zum Thema Menschenrechte. Sebastian Brants »Narrenschiff« ist das früheste enthaltene Werk, Kurt Tucholskys in der »Weltbühne« veröffentlichten satirischen Schriften setzen den zeitlichen Schlusspunkt. Einige besonders umfangreiche und seltene Werke liegen hier seit ihrer Erstveröffentlichung zum ersten Mal im Neusatz vor, wie z.B. Daniel Casper von Lohensteins 3.130 Buchseiten umfassender Roman »Großmüthiger Feldherr Arminius« oder Herrmann Goedsches 1.500-Seiter »Sebastopol«.

Die DVD-ROM »Deutsche Literatur von Luther bis Tucholsky« ist noch bis zum 31. März 2006 zum Subskriptionspreis von 75 Euro im Handel erhältlich. Danach wird die Ausgabe 90 Euro kosten. Weitere Informationen sowie das komplette Inhaltsverzeichnis sind unter www.digitale-bibliothek.de einzusehen. Das Inhaltsverzeichnis in gedruckter Form kann kostenlos beim Verlag angefordert werden.

Das Inhaltsverzeichnis gibt es auch online.

2. Textauswahl

Wir geben hier Auszüge von digitale-bibliothek.de wieder (Hervorhebungen Lehrerfreund).

Die DVD-ROM “Deutsche Literatur von Luther bis Tucholsky” bietet einen Längsschnitt durch das Werk von über 500 Autoren und Autorinnen vom Beginn des 16. Jahrhunderts bis in die Zeit der Weimarer Republik.
Die Auswahl der Autoren und der Werke orientierte sich an folgenden Kriterien:

  • Berücksichtigt wurden vornehmlich jene Schriftsteller, die Belletristik im engeren Sinne verfasst haben. Aus diesem Grunde fanden Autoren, die ausschließlich Briefe, Tagebücher, Reisebeschreibungen, politische Werke oder Übersetzungen geschrieben haben, keine Aufnahme. Ausnahmen hiervon bilden einige frühe neuhochdeutsche Schriften, etwa die Traktate Luthers, die zur Ausbildung eines deutschen Prosastils beigetragen haben, sowie einige zentrale dichtungstheoretische Schriften, etwa Blanckenburgs »Versuch über den Roman«, und Libretti zu bedeutenden deutschsprachigen Musiktheaterstücken.
  • Der Zeitrahmen ist auf der einen Seite durch das erste Auftreten von Autoren gesetzt, die Literatur in neuhochdeutscher Sprache publizierten. Im Unterschied zu diesem Ausgangspunkt um 1500 ist der Endpunkt durch das geltende Urheberrecht bestimmt: Es konnten nur jene Autoren berücksichtigt werden, die vor mehr als 70 Jahren verstorben sind, deren Werk also gemeinfrei ist. Das bedeutet: Alle Texte können frei kopiert und verwendet werden (Anmerkung Lehrerfreund)
  • Drei Fragestellungen waren bei der Auswahl der Werke leitend: a) die ästhetische Qualität des jeweiligen Textes, b) die Verarbeitung zeitgeschichtlich bedeutsamer Themen, c) die zeitgenössische bzw. zeitübergreifende Wirkung.
  • Wenngleich das belletristische Werk im Mittelpunkt der Ausgabe steht, schien es zwingend, diesen Rahmen immer dann zu erweitern, wenn von einem Verfasser von Romanen, Erzählungen, Gedichten und / oder Dramen auch autobiographische, essayistische oder politische Texte überliefert sind.
  • Private Briefe und Tagebücher wurden nicht in die Edition aufgenommen, weil sie in aller Regel ohne detaillierte Kommentare unverständlich bleiben. Reisebeschreibungen wurden aus Gründen des Umfangs nur in Ausnahmefällen berücksichtigt.

3. Nutzen für den Unterricht

Die Sammlung beinhaltet nur urheberrechtsfreie Texte. Das heißt, alles kann kopiert, vervielfältigt und verwendet werden. Für den Unterricht ergeben sich z.B. folgende Verwendungszwecke:

  • Im Literaturunterricht können theoretische Schriften verwendet werden (wie z.B. Schiller “Was kann eine gute stehende Schaubühne eigentlich wirken?”, “Vom Erhabenen” oder “Über das Pathetische”).
  • Beim Unterricht einzelner Epochen können Auszüge anderer Werke/Autoren zum Vergleich bzw. zur Veranschaulichung herangezogen werden.
  • Die Volltextsuche erlaubt es, nach einzelnen Stichwörtern oder Themen zu suchen. Die Suchfunktion ist komplex (und deshalb auch etwas kompliziert), so dass zu beliebigen Themen Stellen gefunden werden können (z.B. Fortschritt, Liebe usw.)
  • Über die Volltextsuche können Texte einzelner Autoren über andere gefunden werden. Dabei muss im Suchbereich nur der Name eines Autors eingegeben werden. Dann findet sich z.B. das oben erwähnte Ringelnatz-Gedicht über Karl May.
  • Zu jedem Autor findet sich eine Bibliographie.

4. Praxistest: Bedienung der Programmoberfläche

Die Oberfläche ist insgesamt recht intuitiv; auf die wichtigsten Features kann einfach und schnell über Knöpfe zugegriffen werden kann.

Will man ernsthaft mit der Edition arbeiten, benötigt man auf jeden Fall etwas Eingewöhnungszeit, um sich in die Programmoberfläche und die Suchfunktionalitäten hineinzudenken; man sollte unbedingt das etwas knapp geratene Handbuch auf der CD konsultieren. Nach etwas Gewöhnung kommt man aber gut damit klar. Dies ist der Tribut, der der gigantischen Textmasse zu zollen ist.

Vor allem die Suchfunktion ist etwas verunglückt,  da über mehrere Zugänge gesucht werden kann (Inhalt, Register, Suche), was anfänglich sehr verwirrend ist. Es gibt zahlreiche Möglichkeiten, Suchanfragen zu stellen und einzuschränken, doch auch dieses Interface ist nicht besonders gelungen. Sowohl die einfache als auch die fortgeschrittene Suchsyntax entspricht den gängigen Konventionen (UND, ODER, Klammerung von Ausdrücken, Grep mit “^” etc.). Beachten Sie unseren Suchtipp weiter unten.

Abgesehen davon verfügt das Programm über sehr sinnvolle Features wie z.B.

  • Möglichkeit, Stellen zu markieren und zu kommentieren. Diese Markierungen/Kommentare können gespeichert und geladen werden.
  • Verschiedene Ansichtsoptionen sind möglich (nur Volltext auf einer/zwei/mehreren Seiten, geteilte Ansicht Inhalt/Text usw.).
  • Die Arbeit mit dem Text (kopieren, drucken) ist unkompliziert und einfach. Formatierungen werden in Word gut und ansehnlich übernommen.
  • Ein Bildbrowser; alle vorhandenen Bilder können auch über Schlagworte werden; zu fast jedem Autor ist ein Bild vorhanden. Die Bilder sind von guter Qualität und können ebenfalls unkompliziert verarbeitet werden. Auf einem Apple Mac (10.4.2) konnten wir die Großansichten der Bilder leider nicht aufrufen.
  • Es gibt die Möglichkeit, einzelne oder alle Bände auf die Festplatte zu kopieren. Dazu muss ein kleines Programm aus dem Internet geladen und installiert werden (gute Anleitung im Handbuch). Wer die DVD öfters benutzen möchte, sollte sie auf jeden Fall komplett auf die Festplatte kopieren, da die Reaktionszeiten sich so stark verkürzen.

5. Tipp zur effektiven Suche

In den meisten Fällen wird man nach einer Kombination aus Autor und Stichwort suchen wollen. Dies ist so einfach nicht möglich, da bei der Eingabe von “schiller geliebte” in die Volltextsuche nach Texten gesucht wird, in denen die Wörter “Schiller” und “Geliebte” vorkommen. Wenn Sie Ihre Suche auf einen Autor bzw. einen Teil oder einen Band seines Werkes einschränken wollen, müssen Sie die Auswahl im Inhaltsverzeichnis auf die gewünschte Kategorie einschränken (z.B. auf “Goethe”, “Goethe -> Dramen” oder “Goethe -> Dramen -> Götz von Berlichingen”). Das machen Sie so:

1. Im Bereich “Inhalt” die Option “Auswahl ermöglichen” anwählen

Auswahl ermoeglichen - 1

2. Die Auswahl für alle Werke aufheben (!)

Dieser Schritt ist nicht sofort zu entdecken, da hierzu ganz oben im Inhaltsbaum die Auswahl für alle Werke aufgehoben werden muss. Ein entsprechender Hinweis im Handbuch wäre schön gewesen.

Auswahl aufheben

3. Den gewünschten Suchbereich auswählen

Suchbereich einschränken

4. In der Volltextsuche nach Stichworten suchen

6. Features und Screenshots

Die Programmoberfläche

Programmoberfläche

Inhaltsverzeichnis: Hierarchiebaum, auf- und zuklappbar

Inhaltsverzeichnis: Hierarchiebaum

Ansichtsoptionen - mehrere Seiten

Ansichtsoption 4 Seiten

Ansichtsoptionen - noch mehr Seiten

Ansichtsoption: Mehrere Seiten

Bildersuche, hier nach Gryphius

Bildersuche

Suche nach Gedichtanfängen

Suche nach Gedichtanfängen

Markieren und kommentieren einzelner Textstellen

Markierung und Kommentar im Text

Volltextsuche, Beispiel “ich bitte dich, schweig”

Volltextsuche

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