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Rechtschreibreform

Reform der Rechtschreibreform - und das Affentheater geht trotzdem weiter 28.02.2006, 12:42

Passend zum Rosenmontag hat gestern der Rat für deutsche Rechtschreibung der KMK seine Empfehlungen für Nachbesserungen übergeben. Doch der Affentanz ist damit noch nicht zu Ende.

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Denn Ende letzter Woche verließ der reaktionäre Prof. Theodor Ickler, der in Vertretung des Schriftstellerverbandes PEN im Rechtschreibrat gesessen hat, diesen unter Protest. Die Reform der Reform sei ihm zu “unausgegoren”, man habe sich dem Zeitdruck und der Schul-/Wörterbuchlobby gebeugt und große Teile der reformierten Rechtschreibung gar nicht besprochen. Hans Zehetmair, Vorsitzender des Rats für deutsche Rechtschreibung, dem der Kompromiss selbst nicht weit genug geht, freut sich innerlich über das Ausscheiden Icklers, da dieser von Anfang an nur genervt hat:

Ickler sei für viele Mitglieder im Rat „eine Reizfigur” gewesen. Zur Demokratie gehörten aber Mehrheitsentscheidungen und damit auch Kompromisse. Eine „Alles oder Nichts-Position” sei dabei nicht durchsetzbar.

faz.net 24.02.2006: ‘Die Reform ist ein unausgegorenes Machwerk’

Der Austritt der Symbolfigur Ickler hat jedoch Konsequenzen für den Gang der Dinge. Denn Ickler agitiert im Zentrum der FDS (Forschungsgruppe Deutsche Sprache). Dort führt er unter anderem ein “Rechtschreibtagebuch” - eine Art Weblog, in dem blindlings und kompromisslos gegen die Rechtschreibreform gewettert wird, neuerdings auch gegen Zehetmair. Die Massen sind aufgepeitscht und kommentieren die Icklerschen Predigten im Chor.

Viele hätten sich über einen Kompromiss gefreut, wenn doch nur endlich das Ressourcen fressende Gezerre ein Ende hätte! Die stark betroffenen DeutschlehrerInnen sind inzwischen ganz stoisch. Eine Deutschlehrerin meint:

“nur das Feuilleton kämpft noch.” [...] Im schulischen Alltag an ihrem Leibniz-Gymnasium spielt Rechtschreibung ohnehin eine untergeordnete Rolle. “Diktate sind zur Leistungsüberprüfung nicht mehr zulässig”, sagt sie, “uns ist kommunikative Kompetenz wichtiger, als Schreibfehler zu kontrollieren.”

taz 28.02.2006: Das Aufregerthema ist längst keines mehr

Und sie tun gut daran, sich nicht aufzuregen. Denn nachdem im August 2005 die Übergangsphase alte - neue Rechtschreibung endete, beginnt eine neue einjährige Übergangsphase: Die reformierte Reformschreibung und die unreformierte Reformschreibung werden im schulischen Alltag koexistieren, Fehler nach reformierter Reformschreibung nicht gewertet. Und das führt natürlich zu noch mehr Verwirrung als bisher. Aber damit nicht genug: Im Kielwasser Icklers werden publicitysüchtige Medien wie z.B. die Springerpresse weiterhin die alte Rechtschreibung praktizieren und entsprechendes Getön von sich geben, und Ickler selbst hilft kräftig nach - er hält die Reaktion reformkritischer Medien für ausschlaggebend. Wenn viele Blätter (Springerpresse, FAZ) sich für die alte Rechtschreibung entscheiden, dürfte das aus seiner Sicht der Reform den Todesstoß versetzen.

Die Öffentlichkeit wird weiterhin stöhnen und jammern und sich als Opfer fühlen - nach einer Umfrage von Infratest war die Zustimmung zur Rechtschreibreform im Sommer 2005 so gering wie nie. Auf dem Trittbrett fährt die Tendenzpresse mit unrepräsentativen Umfragen wie “Umfrage: Fast 90 Prozent gegen die Vorschläge des Rechtschreibrates” (Deutsche Sprachwelt - Die Plattform für alle, die Sprache lieben).

So dramatisch, wie Medien und ReaktionärInnen es immer darstellen, sind die Veränderungen jedoch nicht. Angeblich sind bei der Rechtschreibreform zwar zwei Prozent des deutschen Wortschatzes betroffen, 80 Prozent der Neuerungen sind Fragen der Doppel-s- oder ß-Schreibung.

Interessant dabei ist, dass der aggressive Schreib- und Argumentationsstil webweit ausschließlich von den ReformgegnerInnen gepflegt wird. Man unterstellt LehrerInnen, Eltern, Schulbuchverlagen, Gewerkschaften eine perfide Lust an der Destruktion, die Gier danach, die Sprache zu zerstören.

 

LehrerInnen, Eltern, Gewerkschaften, Schulbuchverlage, Goetheinstitut - angeblich alles Lobbyisten. Dabei wollen diese braven Menschen einfach nur eins: einen Kompromiss, damit das kindische Streiten ein Ende hat.

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