Film im Unterricht

Spielfilm im Unterricht: Neue Bücher. Teil 1: Konzepte und Methoden der Filmbildung 11.11.2006, 14:05

Herr Michael Staiger, Experte für Filmdidaktik an der PH Freiburg, stellt neue Bücher zum Thema "Spielfilm im Unterricht" vor (Teil 1: Konzepte und Methoden der Filmbildung).

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Vor wenigen Tagen ging der Kongress Vision Kino 06: Film – Kompetenz – Bildung mit einem „nachhaltigen Plädoyer für die Stärkung der Filmbildung als wichtigen Bestandteil der kulturellen Kinder- und Jugendbildung“ zu Ende. In erster Linie ging es hier darum, ein vorläufiges Resümee aus den Bemühungen um die Vermittlung von Filmkompetenz in der Schule seit der Veröffentlichung des Filmkanons im Jahr 2004 (wir berichteten) zu ziehen. Die Ergebnisse der Tagung werden demnächst auf der Homepage von VisionKino veröffentlicht, wir ziehen schon einmal vorab ein Fazit im Hinblick auf die erfreulich große Anzahl von Buch-Neuerscheinungen zum Thema Filmbildung.

Bergala: Kino als Kunst. Filmvermittlung an der Schule und anderswo.

Kino als Kunst - CoverDie Bundeszentrale für politische Bildung verfolgt das Thema Filmbildung intensiv weiter. Neben den Filmheften und dem Filmkanon-Buch (wir berichteten) liegt jetzt eine deutschsprachige Ausgabe des französischen Standardwerks „L’hypothèse cinéma“ vor. Unter dem Titel „Kino als Kunst. Filmvermittlung an der Schule und anderswo.“ berichtet Alain Bergala von seiner zweijährigen Tätigkeit als Kinoberater des französischen Bildungsministers Jack Lang. Die weit verbreitete Praxis, Spielfilme vor allem als Diskussionsimpulse für im Unterricht behandelte Themen einzusetzen, ist ihm ein Graus. Das bedeutet jedoch nicht, dass ein spezielles Schulfach für Filmkunde eingerichtet werden soll: Laut Bergala kann der Film nicht Gegenstand eines einzelnen Faches sein, sondern muss als Kunst – und somit als „das Andere“, das sich regelgeleitetem Lernen grundsätzlich entzieht – ein „gutes Objekt“ werden, dass Schüler und Lehrer „zu lieben lernen“. Kunst kann letztlich nicht unterrichtet werden, man muss ihr begegnen, muss mit ihr experimentieren. Im Hinblick auf den Film und das Kino bedeutet das: Schule soll für Kinder und Jugendliche die Möglichkeit zur Begegnung mit Filmen schaffen, sowohl im Sinne eines analytisch-interpretativen Umgangs mit ihnen, als auch im Sinne einer ästhetisch-genussvollen Erfahrung. Bergalas Ansatz versammelt vieles, was sich als Leitlinien einer möglichen schulischen Filmbildung inzwischen auch bei uns in Deutschland herumgesprochen hat: das Zusammenspiel von Theorie und Praxis im Umgang mit Filmen, also die Analyse von Filmausschnitten oder ganzen Spielfilmen und die Eigenproduktion von kurzen Filmen durch die Schüler/innen; der Aufbau von DVD-Sammlungen in Schulen mit „wertvollen“ Filmen. Das Buch „Kino als Kunst“ gibt insofern einige gute Denkanregungen für Lehrer/innen, wenn auch der stellenweise sehr pathetische Ton der Ausführungen nicht immer leicht zu verdauen ist.

  • Bergala, Alain: Kino als Kunst. Filmvermittlung an der Schule und anderswo. Aus dem Französischen von Barbara Heber-Schärer. Marburg: Bundeszentrale für politische Bildung/Schüren Verlag 2006. 144 Seiten. Erhältlich bei amazon oder bei der bpb.

Barg et al.: Jugend - Film - Kultur. Grundlagen und Praxishilfen für die Filmbildung.

Jugend:Film:KulturIm kopaed-Verlag ist kürzlich das Handbuch „Jugend:Film:Kultur“ erschienen, das „Grundlagen und Praxishilfen für die Filmbildung“ verspricht. Auffallend ist hier zuallererst der Medienverbund: Dem gedruckten Buch ist eine Video-DVD beigelegt, die in medial adäquater Weise in die Filmsprache und Filmanalyse einführen will. Begleitend hierzu handelt Werner Barg in einem einleitenden Aufsatz wichtige Grundbegriffe der Filmästhetik aus historischer Perspektive ab. Die DVD selbst wurde von Studierenden der Deutschen Film- und Fernsehakademie Berlin (dffb) konzipiert und entwickelt. Interessant an diesem Projekt ist die Tatsache, dass hier Grundbegriffe der Filmanalyse nicht einmal mehr an den immer wiederkehrenden gleichen Beispielen aus Filmklassikern veranschaulicht werden, sondern anhand von Kurzfilmen, die von den Studierenden selbst gedreht wurden. Somit wird aus der Sicht der Produzenten die Filmrezeption und die intendierte Wirkung der jeweils eingesetzten filmästhetischen Mittel reflektiert. Für den Unterricht wird hier eine Fülle von interessanten Filmausschnitten und Kommentaren bereit gestellt. Die weiteren theoretischen Beiträge umreißen wichtige Aspekte der Filmtheorie und Medienpädagogik wie beispielsweise Fragen der Filmwirkung und der Filmsozialisation. Für Lehrer/innen sind wiederum die Berichte aus der Praxis besonders hilfreich: Björn Maurer stellt in seinem Beitrag sehr übersichtlich und strukturiert die wichtigsten Methoden des Umgangs mit Filmen in der Sekundarstufe zusammen, Jan Schmolling und Maria Weyer dokumentieren außerschulische Projekte zur Filmbildung wie den Deutschen Jugendvideopreis und das KINOmobil. Abgerundet wird das Handbuch durch zwei kurze Einzelfilmanalysen („Titanic“ und „Oi! Warning“ ) und ein Glossar zum filmsprachlichen Vokabular. Alles in allem also ein ausgewogenes Verhältnis von theoretischen Zugängen und Praxisbeispielen.

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