Das schnelle Vergessen

Studie: Grundschüler/innen denken kaum an Unterrichtsinhalte 14.04.2009, 11:59

Grundschüler/innen wurden über ihre Eindrücke vom Unterricht der Vorwoche befragt. Ergebnis: Die Kinder erinnern sich mehr an formale Aspekte als an Inhalte des Unterrichts. Vielleicht ist das weder verwunderlich noch schlimm.

Anzeige

Diese Studie wurde von Prof. Maria Fölling-Albers, Universität Regensburg mit 30 Schüler/innen aus dritten und vierten Klassen durchgeführt. Die Studie wird nach einem Bericht von sueddeutsche.de demnächst (Jahr 2009) in der Zeitschrift für Pädagogik veröffentlicht werden.

Formale Aspekte - der Ablauf des Unterrichts, Hefteinträge, Arbeitsaufträge - dominieren. Vor allem die leistungsschwächeren Schüler rekonstruieren den Unterricht als Serie formaler Ereignisse und Oberflächenmerkmale; “bei diesen Kindern konnte man oftmals nicht erkennen, ob sie verstanden hatten, was der Zweck des Unterrichts war”.
[...]
Die Forscherinnen interpretieren ihre Befunde so, dass der Schulbesuch bereits für Dritt- und Viertklässler eine Routine ist, die in hohem Maße unter formalen Gesichtspunkten betrachtet wird.

sueddeutsche.de 14.04.2009: Kaum Erinnerung an den Unterricht

Man beachte, dass die Studie (zumindest nach der Darstellung von sueddeutsche.de) nichts darüber aussagt, wie viele Lerninhalte tatsächlich behalten wurden. Auf jeden Fall scheinen organisatorische Maßnahmen im Aufmerksamkeitsfokus der Grundschüler/innen zu stehen. Das ist keine umwerfende Erkenntnis, denn natürlich muss gerade bei jüngeren Schüler/innen (wie eben in der Grundschule) mehr Energie in Aufrechterhaltung der Disziplin und organisatorische Maßnahmen investiert werden.

Dennoch würde man von “gutem” Unterricht intuitiv erwarten, dass die Schüler/innen als erstes rufen: “Ich erinnere mich daran, dass wir gelernt haben, warum eine Kuh muht!” (und nicht: “Ich erinnere mich, dass Herr Schmitt vergessen hat, den Overheadprojektor auszuschalten!”).

Aber das war schon immer das Problem der Schule: Sie vermittelt Inhalte, die für viele nicht interessant sind. Für den einen Schüler ist es das Rechnen, für den anderen das Schreiben, für den nächsten das pressende Trocknen von Blättern (“Hebarium”). Später sind es dann die Französische Revolution, das Integral oder die Mendelschen Gesetze.

Ganz sicher tragen fehlerhafte Schul- und Unterrichtskonzepte an diesem Phänomen Mitschuld. Durch Methoden, die sich an den naturgegebenen Interessen und der Neugier der Schüler/innen ausrichten, die selbstständiges Arbeiten und damit die Motivation fördern, lässt sich eine größere Zahl von Schüler/innen besser aktivieren und für die Unterrichtsinhalte begeistern.

Allerdings sollte diese Studie nicht (ein weiteres Mal) dazu dienen, den Fetisch moderner Methoden blindlings zu erhöhen. Die abstürzende Tafel ist eben einfach lustiger als die Ständepyramide.

Anzeige