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Beamte lieben die CDU

Bundestagsfraktionen lehnen Verbeamtung von Lehrer/innen ab 10.08.2009, 12:11

Vier der fünf Bundestagsfraktionen lehnen die Verbeamtung von Lehrer/innen ab. Nur die CDU/CSU spricht sich für den Beamtenstatus von Lehrer/innen aus. Allerdings sind das die Aussagen der bildungspolitischen Sprecher/innen - in den Fraktionen selbst dürfte unter der Hand eine ganz andere Meinung herrschen.

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  • (geändert: )

In den westlichen Bundesländern sind viele Lehrer/innen verbeamtet - und damit nur in außerordentlichen Verfehlungsfällen kündbar. Von Verbeamtungsgegner/innen wird dieser Zustand heftig kritisiert: Durch den Status der Unkündbarkeit müssten sich die Lehrer/innen nicht engagieren und könnten didaktisch und emotional miesen Unterricht halten.

Immer mal wieder steht die Frage des Beamtenstatus für Lehrer/innen zur Debatte. Allerdings gibt es zwei gewichtige Gründe dafür, dass die Verbeamtung für Lehrer/innen dort, wo es sie schon gibt, beibehalten wird:

1. Bundesländer ködern Lehrer/innen und Quereinsteiger/innen mit Beamtenstatus
Der Lehrermangel (v.a. im gymnasialen Bereich) hat dazu geführt, dass die Bundesländer aktuell und wohl auch in den nächsten Jahren um Lehrer/innen v.a. naturwissenschaftlicher Fachbereiche buhlen müssen. Als wichtiges Lockmittel hat sich seit 2008 der Beamtenstatus erwiesen. So haben einige westliche Bundesländern (z.B. Baden-Württemberg, Hessen) versucht, unter Betonung des Beamtenstatus und der damit einhergehenden besseren Bezahlung Lehrer/innen aus ostdeutschen Bundesländern abzuwerben. In Nordrhein-Westfalen wurde im Frühjahr 2009 die Altersgrenze für die Verbeamtung von 35 auf 40 Jahre angehoben. Auch Quereinsteiger lockt man mit der Verbeamtung.
2. In Bundesregierung und Landesregierungen wimmelt es von Beamten/Beamtinnen
Im aktuellen Bundestag (16. Wahlperiode, 2005-2009, 614 Abgeordnete: bundestag.de - Abgeordnete nach Berufen) sitzen mehr als 70 Lehrer/innen, die einen Teufel tun werden und sich den eigenen Ast absägen. Ähnlich wird es den anderen Beamten/Beamtinnen im Bundestag gehen - das sind rund 40% der Abgeordneten.
Nach Angaben von MVregio/Focus-Schule haben sich nun die Bundestagsfraktionen SPD, FDP, Bündnis 90/Die Grünen und Die Linke gegen den Beamtenstatus von Lehrer/innen ausgesprochen. Mehr: MVregio 10.08.2009: Mehrheit der Bildungsexperten der Bundestagsfraktionen gegen Beamtenstatus von Lehrern

Das klingt nach einem dramatischen Richtungswechsel - ist es aber nicht. Denn die bildungspolitischen Sprecher/innen positionieren sich auf gezielte Anfragen natürlich im Sinne ihres Parteiprogramms. Ob sie - gegen viele ihrer Kolleg/innen, s.o. Punkt 2 - einen entsprechenden Beschluss fassen und durchsetzen werden, darf ernsthaft bezweifelt werden.

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Kommentare

9

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  • #1

    zu den hintergründen der unsäglichen bildungspolitik und als argumentationshilfe empfehle ich die lektüre der “nachdenkseiten”.
    unter nachdenkseiten.de erreicht man eine fülle von informationen zu dem thema - tomaten-von-den-augen-purzeln inklusive ; )

    schrieb gegenöffentlichkeit am

  • #2

    “Nicht nur Sprüche, sondern Fakten”

    “oder die hochsubventionierte Industrie (i.d.R. 13 Monatsgehälter + “Gewinn"beteiligung), die von Staatsaufträgen (z.B. Airbus, Daimler) oder von Monopolpreisen (z.B. Stromversorger) lebt?”

    [2 Zitate von Mister M.]

    Anspruch und Wirklichkeit klaffen hier gewaltig auseinander. Du begibst dich haargenau auf das Niveau der Leute, die uns als bestbezahlte Halbtagskräfte brandmarken. Anstelle dumpfer Polemik würde dir ein größeres Maß an Sachlichkeit nicht schlecht zu Gesicht stehen.

    schrieb Speedy am

  • #3

    @Mann aus “freier” Wirtschaft:

    Dann outen Sie sich einmal, in welchem Bereich Sie arbeiten. Von uns wissen Sie es ja.

    Also: Nicht nur Sprüche, sondern Fakten. Wir sind hier nicht auf dem Verkaufsbasar der “freien” Wirtschaft.

    schrieb Mister M. am

  • #4

    ... und vergessen Sie nicht, dass Lehrer als “freie Angestellte” (was immer das auch sein mag) völlig gegen das Interesse der Arbeitgeber laufen.
    Das würde ja bedeuten, dass sie gehen könnten. Ein Beamter ist wahrer Sklave und muss machen, was der Dienstherr verlangt. Ein “freier Angestellter” kann sich nach Lust und Laune die Schule aussuchen und auch noch sein Gehalt frei verhandeln. In Zeiten immer größerem Lehrermangel eine äußerst komfortable Situation - für die Lehrer :-)

    Aber genau, dass es Lehrern gut geht, ist es ja, was niemand will :-)

    schrieb Schülerfreund am

  • #5

    @ Mann aus freier Wirtschaft

    Ich bin erst seit einem Jahr Beamtin, daher habe ich einen ziemlich guten Vergleich.
    Als Angestellte hatte ich zwar knapp 400€ im Monat weniger auf dem Konto, aber mein Bruttogehalt war ca. 800€ höher.
    Und das ist genau der Grund, warum Lehrer weiterhin verbeamtet werden. Die Beamten sind während ihres aktiven Dienstes deutlich billiger.
    Wenn man dann noch die Einkommensschere schließen müsste, würde es für die Länder noch mal teurer werden.

    Und wenn die Arbeitgeber Rücklagen für die Altersversorgung nicht regelmäßig veruntreuen würden, wäre auch das kein Problem. Aber wenn mit Pensionsgeldern Haushaltslöcher gestopft werden, dann kann man jammern, dass die Beamten ja soooo viel kosten. Arbeitgeber in der freien Wirtschaft gingen dafür ins Gefängnis, aber hier wird unisono auf die Beamten geschimpft und die einfältige Masse merkt nicht, dass die Arbeitgeber sich die knubbeligen Fäustchen reiben, weil man den Neid ja so schön am Kochen halten kann und kaum einer hinterfragt

    schrieb Schülerfreund am

  • #6

    OK, zu meinem Verständis: Lehrer = Banker = Ärzte = Architekten = Rechtsanwälte ? Imbissbudenbesitzer. Na das ist ja mal Schwarz-Weiß vom feinsten, bei der der dickste Teil der Zwiebel ausgegraut wird. Oder ich habe verpasst, dass in unserem Büro 40 Imbissbudenbesitzer um mich versammelt sind. Hoffentlich wird dies meinen Kindern nicht beigebracht :-)

    schrieb Mann aus freier Wirtschaft am

  • #7

    @Mann aus freier Wirtschaft:
    Definieren Sie einmal den Begriff “freie Wirtschaft” bzw. “freier Angestellter”:

    Meinen Sie damit die mit Steuerzahlergeld durchgefütterten Banken (i.d.R. 14 Monatsgehälter +  Bonuszahlungen) oder die hochsubventionierte Industrie (i.d.R. 13 Monatsgehälter + “Gewinn"beteiligung), die von Staatsaufträgen (z.B. Airbus, Daimler) oder von Monopolpreisen (z.B. Stromversorger) lebt? Oder gar die “Frei"berufler, die so ganz frei nach staatlicher Honorarordnung ihr Geld verdienen (Ärzte, Architekten, Rechtsanwälte,...)

    Oder vielleicht doch den kleinen Imbissbudenbesitzer? Wenn Sie so jemand sind, dann könnte ich sie verstehen…

    schrieb Mister M. am

  • #8

    Meiner Meinung nach dürfte es eine Verbeamtung in diesem Bereich schon lange nicht mehr geben. Aber wie schon erkannt wurde, die Lobby sorgt dafür, dass alles so bleibt wie es ist. Man nimmt das fehlende Geld lieber von “unten”, also von der ärmeren Schicht. Lehrer müssen, wie z.B. in der Schweiz, freie Angestellte werden.

    schrieb Mann aus freier Wirtschaft am

  • #9

    Es ist völlig uninteressant, was die Bundespolitiker sagen, denn:

    Bildung ist Ländersache (Kulturhoheit der Länder).

    Und: Die Länder stellen die Lehrer ein, nicht der Bund.

    Zudem: Der Beamtenstatus wird auf Lebenszeit verliehen und kann nicht einfach durch eine Gesetzesänderung “entzogen” werden (Grundsätze des Berufsbeamtentums).

    schrieb Mister M. am

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