Ultimatum

Österreich verlangt Deutschtest von Islam-Lehrer(innen) 17.02.2009, 22:42

Das österreichische Unterrichtsministerium setzt bei ihren islamischen Religionslehrer/innen solide Deutsch-Kenntnisse voraus. Bis Ende April 2009 haben sie Zeit, einen Nachweis auf dem Niveau des deutschen Abiturs zu erbringen.

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Das Unterrichtsministerium in Wien vertritt einen wesentlichen Grundsatz: Alle Lehrer/innen, die ein Fach mit der Unterrichtssprache Deutsch lehren, müssen fließend die Sprache beherrschen. Nachdem diese Richtlinie der Islamischen Glaubensgemeinschaft mitgeteilt wurde, stimmte sie einer Überprüfung der Sprachkenntnisse der Lehrer/innen für Islamunterricht zu.

Nun werden sich also landesweit alle Islam-Lehrer bis Ende April einer derartigen Abfrage unterziehen müssen und hoffen, dass ihre Fähigkeiten einem Maturaabschluss gleichkommen. Ihr Deutsch soll den B2-Anforderungen des „Gemeinsamen Europäischen Referenzrahmen für Sprachen“ entsprechen. “B2” entspricht dabei ungefähr fünf Jahren Schulunterricht in der Fremdsprache (zur Veranschaulichung: Online-Übungen Sprachniveau B2, Deutsch als Fremdsprache). Mit einer Person, die B2 nicht erreicht hat, verläuft das Pausengespräch im Lehrerzimmer schleppend.

Unklar ist derzeit, wie viele der Islam-Lehrer die nun fixierten Anforderungen erfüllen können. Nach Angaben von Wiens Stadtschulrätin Susanne Brandsteidl (SP) habe man bereits seit dem Jahr 2006 im Zuge ihrer Neuanstellung 32 Lehrer überprüft. Fünf hätten den Test nicht bestanden und seien abgewiesen worden.

nachrichten.at 17.02.2009:Deutsch-Test für Islam-Lehrer

Diese Übung, die von den Betroffenen vielleicht als Schikane wahrgenommen werden könnte, hat durchaus ihren Sinn. Islam-Unterricht wurde mit dem Ziel eingeführt, Muslime dabei zu unterstützen, die islamische Religion in einem institutionellen Rahmen zu praktizieren und zu kultivieren (und dabei zu vermeiden, dass sich Parallelgesellschaften bilden). Durch Islam-Unterricht wird der Islam auch ein Stück weit mehr zur Normalität in der westlichen Welt - Fritz geht in den katholischen Religionsunterricht, Ahmed in den Islam-Unterricht, wen juckt’s?

Solche sinnvollen Integrationsbemühungen müssen jedoch scheitern, wenn die verantwortlichen Lehrpersonen nur gebrochen Deutsch sprechen. Insofern ist der geforderte Deutschtest grundsätzlich begrüßenswert. Problematisch ist die Frage nach der Objektivität der Tests: Das Ministerium überlässt Art und Weise der Kontrolle den Landesschulräten, in der Landeshauptstadt Wien testen die Schulleiter/innen selbst. Hoffen wir, dass die Schulleiter/innen sich alle gut mit DaF (Deutsch als Fremdsprache) auskennen.

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