Japan

Aufenthaltsort von Schüler/innen per iPhone ermitteln 26.05.2009, 23:37

iPad mit GPS
Bild: pixabay [CC0 (Public Domain)]

Apples iPhone kann seit 2008 auch GPS (satellitengestützte Navigation). In einem japanischen College ist man jetzt auf die Idee gekommen, Schüler/innen per GPS zu kontrollieren. Verlässt er/sie das Schulgelände in der Großen Pause? Liegt er/sie wirklich mit Grippe im Bett?

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Der Titel “Eine Petze namens iPhone” (telepolis) ist gut gewählt: An der japanischen Aoyama Gakuin Universität sollen in einer der angeschlossenen Schulen insgesamt 550 iPhones 3G (GPS-fähig) an Schüler/innen und Personal ausgegeben werden um zu ermitteln, ob und wann sie sich an der Schule aufhalten. Wenn das iPhone angeschaltet ist, kann es bei entsprechender Konfiguration geortet werden (gerne auch von einem anderen iPhone aus). Diese GPS-Ortung dürfte besonders dann zum Einsatz kommen, wenn es um “Raucherecken, Anwesenheitspflicht und ähnliche pädagogische Konzepte” (telepolis) geht.

iPhone mit GPS-Applikation
(flickr juangp, CC BY-NC 2.0)

Das Projekt ist die Fleisch gewordene Vision der totalen schulischen Überwachung. Den Möglichkeiten sind keine Grenzen gesetzt: Automatisch werden Schüler/innen erfasst, die zu spät zum Unterricht kommen, die in der Pause das Schulgelände verlassen oder die mal eine Stunde stemmen. Die Lehrer/innen brauchen das gar nicht mehr zu registrieren, denn eim dritten Vergehen erhält der Delinquent automatisch eine maschinell erstellte Verwarnung, danach Arrest, anschließend Schulausschluss. Die Lehrer/innen können sich derweil auf ihren Unterricht konzentrieren, den sie immer überpünktlich beginnen (denn auch ihr Zuspätkommen wird im iPhone des Schulleiters registriert).

Was die Überwachungssoftware registriert, wird gespeichert und kann bei Bedarf ausgewertet werden. So kann man sich eine Meinung von einer Person bilden, ohne sie je gesehen zu haben. In einem Kommentar in den telepolis-Foren wird das Thema “Bewegungsprofile” angesprochen: Beim zukünftigen Arbeitgeber, so fürchtet man, würden

die Bewegungsprofile aus der Schule überprüft: “Der stand in der Pause immer alleine rum, den sollten wir besser nicht einstellen, und der da war immer in der Raucherecke…”

telepolis-Forum, Beitrag von Stadtplaner (25.05.2009) - Elektronische Fußfessel für Schüler

Natürlich können die meisten Kontrollen theoretisch umgangen werden, indem der angeblich hoch fiebernde Schüler sein iPhone im Bett lässt und an den Baggersee fährt. Allerdings sind die Besitzer/innen von iPhones Sklav/innen ihrer Geräte: Sie empfangen damit Mails, hören Musik, lassen sich per GPS in der Stadt herumführen. Man kann es nur schwer zu Hause lassen. Deshalb ist die japanische Idee, gerade ein iPhone (und damit: DEN aktuellen Kultgegenstand des Gadget-Markts) zu verschenken, sehr clever: Sie macht die Schüler/innen abhängig von ihrer elektronischen Fessel.

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