Deutsch mal anders

Klassiker in moderner Sprache - ein Frevel? 23.07.2004, 14:39

Schiller, Goethe und all die anderen Klassiker/innen befleißigen sich einer Sprache, die bei Schüler/inne/n häufig zu Stöhnen oder gar Unverständnis ganzer Passagen führt. Der Cornelsen-Verlag hat jetzt einige Werke sprachlich modernisiert - zum Entsetzen germanistisch gebildeter Personen.

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Einer der bekanntesten Sätze aus Theodor Storms "Schimmelreiter" ist dieser: "Die tote Katze musste ihm doch im Kopfe Wirrsal machen". In der modernisierten Version heißt das nun: "Die tote Katze musste ihn doch beunruhigen."

Eine Wonne für die einen (endlich verstehen die Schüler/innen die Bücher, die wir lesen), pures Grauen für die anderen (Verhunzung sprachlicher Kunstwerke) - polar sind die Meinungen zu diesen Neuausgaben. Bei Cornelsen erschienen sind in der Reihe “... einfach klassisch” bisher

  • Annette v. Droste-Hülshoff: Die Judenbuche
  • Johann Wolfgang v. Goethe: Götz von Berlichingen
  • Gottfried Keller: Kleider machen Leute
  • Friedrich Schiller: Wilhelm Tell
  • Friedrich Schiller: Die Räuber
  • Theodor Storm: Der Schimmelreiter

Ganz wüst wird es beim Verlag “moderne zeiten” mit der Reihe "klassik modern", wo das letzte Bisschen Niveau fallen gelassen wird - die ZEIT.de spricht fast schon angeekelt von "Ultralight-Versionen" klassischer Werke:

Zwei ehemalige Redakteure der Bild-Zeitung schreiben Goethe, Schiller und Shakespeare auf Groschenroman-Niveau herunter. Schillers Drama Die Räuber ist nun ein Roman mit Comic-Sprache: “‘Oh, Gott! Nein.’ - ‘Wie bitte?’ - ‘Ach, äh ... nein’”, lassen die Ex-Bild-Leute ihre Protagonisten stammeln.

Auch wenn die Meinungen auseinander gehen: Dem Gros der Bildungspersonen sträuben sich sämtliche Haare. Trotzdem verkauft sich die Reihe außerordentlich gut. Das finden wir ewig fettkrass.

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