Konversationskurs für Lehrer/innen

3 Regeln für erfolgreiche Kommunikation mit Schüler/innen 21.06.2015, 17:01

Durch die Einhaltung von drei einfachen Regeln können Sie die Kommunikation mit Schüler/innen nachhaltig verbessern - was nicht nur Konflikte entschärfen hilft, sondern auch für ein angenehmes zwischenmenschliches Verhältnis zwischen Ihnen und den Schüler/innen sorgt: 1) Immer höflich bleiben, 2) Sach- und Beziehungsebene trennen, 3) Ich-Botschaften verwenden.

Pirat kommuniziert nicht gut in Klassenzimmer
Bild: flickr-User Kit: Arrrrrrrrrr! Talk like a pirate day! [CC by-nc]
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Die folgenden Regeln einzuhalten ist als Lehrperson grundsätzlich und immer sinnvoll - im Unterricht, auf dem Pausenhof, vor dem Lehrerzimmer, beim Einzelgespräch. Besonders wichtig sind diese Regeln in emotional gespannten Situationen (weil bspw. ein/e Schüler/in permanent den Unterricht stört oder man in der Diskussion über eine mündliche Note keinen Konsens finden kann). Deshalb beziehen sich die folgenden Beispiele tendenziell auf eher konfliktlastige Situationen. 

Regel 1: Immer höflich bleiben

Problem: Wenn Sie unhöflich zu Schüler/innen sind, entsteht schnell eine schlechte Stimmung, wodurch konstruktive Kommunikation vereitelt wird.

Als Lehrer/in sollten Sie den Schüler/innen immer Respekt zollen. Auch diejenigen, die vermeintlich böse und widerspenstig sind, verdienen einen rücksichtsvollen und respektvollen Umgang. Das ist Teil Ihrer Aufgabe als Lehrer/in. Es gibt keine Situation, in der Sie als Lehrer/in das Recht haben, unhöflich zu werden. Einen Schüler mit »Halt jetzt endlich die Klappe!« anzurotzen, ist äußerst unprofessionell und zeigt lediglich (auch dem Schüler!), dass Ihnen die Kontrolle über die Situation und sich selbst zu entgleiten beginnt.

Höflichkeit im Umgang ist nicht nur eine unverhandelbare Notwendigkeit zivilisierter Kommunikation, sondern hat auch einen ganz praktischen Vorteil: Wenn beide Kommunikationsparteien in einen unhöflichen Interaktionsstil abrutschen, verliert man schnell den Bezug zur Sache und gerät in eine Konfrontation, die auf argumentativer Ebene vielleicht gar nicht mehr so einfach zu lösen ist. Wenn jedoch mindestens Eine/r höflich ist, bleibt der Weg zur Lösung immer frei.

Höflich zu sein bedeutet nicht, dass Sie in der Sache lasch sein müssen.

»Ich habe dich bereits dreimal gebeten, den Unterricht nicht zu stören, und trotzdem machst du weiter. Ich würde dich um Verständnis darum bitten, dass ich dich bei der nächsten Störung zum Nachsitzen einbestelle. Ich persönliche sehe leider keine andere Möglichkeit mehr.«

transportiert den gleichen Inhalt wie

»Wenn du kleiner Stinker noch ein einziges verdammtes Mal deine unverschämte Klappe aufmachst, kannst du heute Mittag vier Stunden lang die Nachsitzhölle erleben!« 

⇒ Mittel der Höflichkeit können sein:

  • auf sprachlicher Ebene Respekt zeigen (keine Schimpfwörter, kein Schreien; höfliche sprachliche Formulierungen wählen)
  • keine Provokationen; kein Zynismus, kein Sarkasmus
  • freundlich sein
  • aktiv zuhören, konversationelle Rückmeldung geben durch verbale + nonverbale Signale (nicken, lächeln, Blickkontakt …)

Regel 2: Sach- und Beziehungsebene trennen

Problem: Wenn Sach- und Beziehungsebene sich in einer Diskussion vermischen, können Konflikte oft nicht mehr gezielt diskutiert und gelöst werden.

Es ist üblich, dass sich in ernsthaften Konflikten Sach- und Beziehungsebene vermischen. Beispiel:

A: »Heute bist du mit Staubsaugen dran, Schatz.«

B: »Nein, du, Mausi.«

A: »Ich bin GANZ sicher, dass DU heute dran bist.«

B: »Und ich bin GANZ sicher, dass DU heute dran bist.«

A: »Ich weiß genau, dass wir das ausgemacht haben. Du willst dich nur wieder drücken.«

Weil A und B in der Sache nicht mehr weiterkommen, tragen sie den Konflikt auf die persönliche Ebene. Kein Wunder: Da A sicher ist, heute nicht dran zu sein, sieht er den Grund für das Verhalten von B auf der persönlichen Ebene. Und plötzlich streiten A und B darüber, wer sich immer drücken will und wer gelogen hat und wer immer noch absichtlich lügt und wer hier wen verarschen will. Dabei ging es doch nur um die Frage, wer heute Staubsaugdienst hat. Kurz: Das Problem, das diskutiert wurde, ist plötzlich aus dem Blick geraten - nun wird ein anderes Problem (mit)diskutiert.

In der Lehrer-Schüler-Interaktion muss die Lehrer/in diese beiden Ebenen immer getrennt identifizieren können. Das bedeutet NICHT, dass die Beziehungsebene nicht Gegenstand der Diskussion werden kann oder sollte (siehe auch unten: Ich-Botschaften); doch es bedeutet, dass die Lehrer/in immer die Kontrolle darüber haben sollte, auf welcher Ebene gerade diskutiert und Lösungen gesucht werden sollen. Im Beispiel oben steht nun eine Reaktion auf den Vorwurf "Du willst dich nur drücken." im Raum. B könnte bspw. nachfragen, ob A B grundsätzlich als Drückeberger wahrnimmt; so könnte man einer nachhaltigen Lösung des Problems vielleicht schon auf der Spur kommen. In jedem Fall muss aber klar sein, welches Problem wir gerade zu lösen versuchen: Die Frage, wer mit Staubsaugen dran ist (Sachebene) oder die Enttäuschung As darüber, dass B sich immer drücken will (Beziehungsebene). Sobald sich die Ebenen und damit die Probleme vermischen, steigt die Wahrscheinlichkeit immens, dass man aneinander vorbeiredet.

Vergessen Sie dabei niemals, dass Sie in Ihrer Rolle als Lehrer/in ein System (das Schul-, Unterrichts-, Bildungssystem) und seine Regeln vertreten. Wenn eine Schüler/in ihre Probleme mit diesem System und seinen Regeln abladen will, dann bekommen SIE das ab. Gemeint sind oft nicht Sie als Person, sondern Sie als Vertreter/in des Systems. Es ist eine Frage der Professionalität, dies zu erkennen und entsprechend sachlich zu bleiben. (Mehr dazu: »Nicht persönlich nehmen« - Konflikte mit Schüler/innen entschärfen)

⇒ Mögliche Kommunikationstaktiken, um Sach-/Beziehungsebene getrennt zu halten:

  • sich niemals provozieren lassen
  • Anschuldigungen nicht persönlich nehmen
  • Gespräch zum Ausgangspunkt zurückführen

Regel 3: Ich-Botschaften statt Du-Vorwürfe

Problem: Du-lastige Formulierungen können zu Abwehrhaltungen oder Missverständnissen führen.

Leherer/innen benutzen im Unterricht oder im Gespräch mit Schüler/innen oft Formulierungen wie:

»Hör endlich auf, mit dem Stuhl zu kippeln, oder du musst zum Nachsitzen kommen.«

»Wenn du nicht heute noch anfängst zu lernen, schreibst du in der nächsten Klassenarbeit eine Sechs.«

»Du hast dein Smartphone in der Schule benutzt und musst jetzt die Konsequenzen tragen.«

»Du bist mündlich eben bestenfalls ausreichend, deshalb bekommst du im Zeugnis eine Vier.«

In diesen Beispielen fallen zwei Dinge auf:

Die Schüler/in erfährt nicht, warum der diskutierte Sachverhalt (z.B. das eigene Verhalten) ein Problem ist
Viele Schüler/innen sind im Schulsystem mit zahlreichen Anforderungen konfrontiert, deren Sinn sie oft nicht verstehen: Sie müssen die Daten der Französischen Revolution auswendig können, sie müssen still sitzen, sie dürfen im Gang nicht rennen und sie müssen Hausaufgaben machen, die sie nicht kapieren. Sie nehmen weite Teile des Schulsystems als sinnbefreit war.
Wenn Sie als Lehrer/in nun etwas kritisieren, ohne den Grund für die Kritik zu nennen, dann kann es sein, dass die Schüler/in Sie als stumpfen Protagonisten des "Systems" ansieht - und nicht als jemanden, der helfen oder unterstützen möchte. Entsprechend widerborstig kann die Reaktion ausfallen.

Die Ursachen-/Schuldzuweisung geht ganz klar an die Schüler/in
Die Schüler/innen fühlen sich bei solchen Formulierungen schnell als Gegenstand und/oder Verursacher/in des Problems (selbst wenn Sie als Lehrer/in das gar nicht so gemeint haben). Entsprechend liegt es nahe, sofort eine Abwehrhaltung einzunehmen; die höchste Priorität liegt darin, aus dem "Du-bist-daran-schuld"-Fokus zu entfliehen, sei es durch Lügen, Schreien oder Kommunikationsverweigerung. Legen Sie den Fokus auf sich selbst, indem Sie SICH SELBST in den Fokus der Kommunikation stellen. Damit nehmen Sie gleich mal eine Menge Anspannung von der Schülerseele.

Beispiel

Auch bei scheinbar banalen Gesprächen, deren Ziel nicht die (Auf-)Lösung eines Problems ist, sind Ich-Botschaften ein gutes Mittel. Stellen Sie sich vor, die Schüler/innen fragen Sie, wie Ihnen das neue Titelbild der Schülerzeitung gefällt. Wenn Sie sagen:

»Das Cover Ihrer Schülerzeitung ruft in mir ein ungutes Gefühl hervor; ich finde die Blutspritzer makaber.«,

dann erfahren die Schüler/innen genau, was Sie kritisieren und warum - ohne dass Sie Ihre Meinung dabei den Schüler/innen aufdrängen.

»Die vielen Blutspritzer auf dem Cover sind völlig geschmacklos.«

hingegen unterstellt den Schüler/innen, geschmacklos zu sein. Dabei finden diese die Blutspritzer äußerst geschmackvoll. Durch Ihre Formulierung haben Sie das Konsenspotenzial rapide verringert - Herr Schmitt findet das Cover geschmacklos, wir nicht - also behalten wir es. Herrn Schmitt zu fragen bringt nichts, nächstes Mal fragen wir einen anderen Lehrer.

Aus zwei Gründen wirken also

Ich-Botschaften als Schweizer Taschenmesser konstruktiver Kommunikation:

  1. Ich erkläre das Problem und zeige der Schüler/in eine neue Perspektive auf: »Ich kann nicht so gut unterrichten, wenn jemand nebenher telefoniert.« (vs. »Hör sofort auf mit dieser Telefoniererei, oder es kracht.«).
  2. Das Problem wird als Mechanismus behandelt - und nicht auf die Unzulänglichkeit der Schüler/in bezogen. So fällt es der Schüler/in leichter, einigermaßen sachlich darüber zu diskutieren und vielleicht gemeinsam nach Lösungen zu suchen. Wenn eine Schüler/in sich diszipliniarisch nicht ausreichend kontrollieren kann, um genug zu lernen, dann darf es in der Diskussion darum nicht passieren, dass die Schüler/in Schuldgefühle bekommt - das bringt nämlich gar nichts.

⇒ Mögliche Verhaltensweisen

  • Probleme aus der eigenen Perspektive beschreiben
  • erklären, warum man selbst mit der Sache ein Problem hat
  • Schuldzuweisungen vermeiden
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