Arbeitszimmer

Lehrer-Arbeitszimmer ab 2007 steuerlich nicht mehr absetzbar 01.07.2006, 09:07

Der Beschluss ist gefasst: LehrerInnen können ihr Arbeitszimmer ab 2007 nicht mehr absetzen. Haben wir uns nicht genügend gewehrt?

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Beschluss: Arbeitszimmer nicht mehr steuerlich absetzbar

Vorgestern (29.06.2006) hat die schwarz-rote Regierungskoalition das Steueränderungsgesetz 2007 beschlossen. Neben Streichungen z.B. bei der Pendlerpauschale oder beim Sparerfreibetrag sind auch berufsrelevante Arbeitszimmer betroffen: Ausgaben für das häusliche Arbeitszimmer werden steuerlich nur noch dann berücksichtigt (Achtung, jetzt kommt's:) "wenn es den Mittelpunkt der gesamten betrieblichen und beruflichen Tätigkeit bildet”. Deutlich mitgemeint sind Lehrer/innen - sie können ab sofort ihr Arbeitszimmer nicht mehr steuerlich absetzen. Es werden bis zu 300 Millionen Euro pro Jahr mehr Steuereinnahmen erwartet (Wiesbadener Kurier 30.06.2006: Kürzungen für Pendler, Kleinsparer und Familien).

Die Unterschriften-Aktion der GEW, die von der Lehrerfreund-Redaktion maßgeblich gestützt wurde, hat wirklich überhaupt nichts gebracht.

Lehrerschaft ist politisch impotent

Das Schwert der BeamtInnen gleicht einem stumpfen Zahnstocher. Das konnte man zuletzt deutlich bei den gut gemeinten Demonstrationen gegen diverse Deputatserhöhungen sehen: Fäuste reckend und Trillerpfeifen blasend versammelten sich hier regelmäßig zahllose Lehrpersonen. Die Politiker nahmen diese Aktionen bestenfalls schulterzuckend zur Kenntnis, während die breite Öffentlichkeit sich in geheimer Schadenfreude übte.

Entsprechend verschnupft gibt sich die GEW, der ein weiteres Mal vor Augen geführt wurde, dass sie die wesentlichste Funktion einer Gewerkschaft zu erfüllen nicht in der Lage ist - nämlich die Durchsetzung der Interessen ihrer Klientel.
Die Lehrergewerkschaften haben an dieser Durchsetzungsunfähigkeit keine Schuld, da Lehrpersonen in vielen Bundesländern verbeamtet sind und ihnen somit die politischen Mittel für offensive Druckbildung (wie z.B. Streik) verwehrt sind.

Interessanterweise zeigt sich hier, wie sehr das gesamte deutsche Schulsystem von hierarchischen Zwängen durchwuchert ist. Kultusministerien - Oberschulämter/Regierungspräsidien - Direktionen - LehrerInnen - SchülerInnen: Der Boss gibt den Ton an. Gibt der Klassensprecher der Klassenlehrerin eine Unterschriftenliste, auf der sämtliche SchülerInnen für sofortiges hitzefrei unterschrieben haben, so wird die gute Frau müde lächeln, die Kinder recht süß finden und mit den Lateinvokabeln fortfahren. Die totale Analogie zur Unterschriftenaktion der GEW.

Und nun?

Es wäre nicht schön, sich an dieser Missachtung zu rächen, indem man die fehlenden Kohlen durch illegale Modifikationen der nächsten Steuererklärung zurückgewinnt.
Es wäre nicht schön, den Frust an den SchülerInnen auszulassen und einfach eine Arbeit pro Klasse und Halbjahr weniger zu schreiben.
Es wäre nicht schön, einfach vier Tage pro Jahr krankzumachen und in diesen vier Tagen das Gelddefizit durch Schwarzarbeit auf dem Bau wettzumachen.

Frage an unsere LeserInnen: Was wäre denn eine schöne Reaktion?

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