Green at Fifteen

PISA-Jugendliche: Ökologisches Bewusstsein ohne Fundament 06.04.2009, 22:01

Ergebnis einer Sonderauswertung der Pisa-Studie: Das ökologische Bewusstsein von Jugendlichen in den OECD-Ländern ist deutlich ausgeprägt. Allerdings haben die wenigsten eine Vorstellung über Ursachen und mögliche Lösungsansätze. Kein Wunder: Bei "Wer wird Millionär" wird man ja auch nie nach dem "Warum" gefragt.

Anzeige
  • (geändert: )

Jugendliche in Industrieländern halten Umweltschutz für wichtig. Dies geht aus einer Sonderauswertung der Pisa-Studie mit dem schmissigen Namen „Green at Fifteen?“ hervor, welche die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) vorstellte.

Allein 90% der Fünfzehnjährigen gaben an, Themen wie Luftverschmutzung, Artensterben, Atommüll oder Wassermangel als relevant einzuschätzen.

jetzt.de 31.03.2009: Gutes Umweltwissen - Neue Pisa-Auswertung: Deutsche Schüler liegen vorne

Schade jedoch: Obwohl beim Nachwuchs durchaus Umweltbewusstsein vorhanden ist, fehlt es ihm an Informationen zu zentralen Fragen. In Deutschland beispielsweise können 35-40% der Jugendlichen keine der Erklärungen für sauren Regen benennen. Pikanterweise hat die Bundesrepublik damit die Nase sogar noch recht weit vorne (was Politik und Teile der Presse zu frenetischem Jubelgeschrei veranlasst). In der Türkei beispielsweise sind gar etwa 75% unfähig, Ursachen für Umweltprobleme zu nennen.

Bei den in der PISA-Studie befragten Jugendlichen ist eine hohe Korrelation zwischen Umweltwissen und Zukunftspessimismus festzustellen:

Je besser die Schüler über „grüne“ Themen informiert sind, desto schwerer fällt es ihnen außerdem, optimistisch in die Zukunft zu sehen. Hierzulande glauben gerade einmal 15-20%, dass die Luftverschmutzung bis in 20 Jahren zurückgehen wird.

AFP 31.03.2009: OECD: Jugendliche trotz Interesses oft nur mit geringem Umweltwissen

In den USA hat diese Studie bereits Anklang gefunden. Die Vereinigung der US-Governeure hat angeregt an, den PISA-Test in den 50 einzelnen US-Staaten vergleichend durchzuführen. Jedoch erheben sich bereits Stimmen des Protests

Die renommierte „Brookings Institution“ kritisiert, die Studie sei ideologisch eingefärbt. So seien Fragen danach, ob man erneuerbare Energien den herkömmlichen vorziehe, keine Sache der Bildung, sondern der persönlichen Einstellung. Außerdem seien die Fragen nicht an einem Lehrplan orientiert, sondern an der Anwendung des Gelernten im praktischen Leben.

Die Presse.com 26.02.2009: PISA getestet: Zu schlecht für die USA?

Die OECD verteidigte die Studie: Erstens sei es von zentraler Bedeutung zu sehen, ob die in der Schule erworbenen Kenntnisse angewendet werden könnten, außerdem sei eine klare Trennung zwischen Wissens- und Einstellungsfragen vorgenommen worden.

Grundsätzlich ist es sicherlich sinnvoll, die nächsten Generationen in Bezug auf ihr ökologisches Gewissen abzuklopfen. Ob dabei jedoch Fragen zur Relevanz von Artensterben und Klimawandel schlüssige Hinweise auf ihr Verhalten im Alltag bieten, bleibt zu bezweifeln. Menschen, die angeben, dass Umweltschutz wichtig sei, zeigen nicht unbedingt ökologisches Bewusstsein, sondern lediglich, dass sie nicht seit ihrer Geburt blind und taub durch die Welt gehen. Kein Wunder also, dass 90% der Meinung waren, die Thematik sei von einer gewissen Bedeutung. Ob sie deshalb weniger Auto fahren werden, sobald sie den Führerschein haben? Wohl kaum. Sinnvoller wäre es gewesen zu untersuchen, ob die jungen Menschen ihren eigenen Lebensstil als direkten Einfluss auf die globale ökologische Situation erkennen, anstatt zu prüfen, ob sie bei absoluten Konsensfragen im Mainstream liegen.

Anzeige