Zweifelhafte Zahlen

Studie: US-Jugendliche/Kinder früh sexuell aktiv? 16.04.2009, 15:30

Einer Studie der Universität von Texas aus dem Jahr 2009 kommt zu der Erkenntnis, dass 12% aller 12-Jährigen bereits Sex hatten: vaginal, anal, oral, in vielen Fällen auch mal ohne Kondom. Diese Zahlen sind anzuzweifeln. Trotzdem stellt sich die Frage, ob und wie man der allgemeinen Tendenz zur Unsittlichkeit begegnen soll.

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Wissenschaftler/innen der Universität von Texas haben herausgefunden, dass zwölfjährige Schüler zu 12% bereits Sex hatten, davon 8% Oralverkehr und 6% Analsex, während 4% bereits alle drei Variationen zumindest einmal praktiziert haben. Die texanische Studie berichtet weiterhin davon, dass 70% der mit HIV infizierten Jugendlichen in den USA schwarz seien, obgleich diese nur 17% der US-Teenager ausmachten.

Diese Ergebnisse sind nach Angaben der Studienleiterin Christine Markham Grund zur Sorge, da es einen Zusammenhang gäbe zwischen frühem Sex und späteren Lebensproblemen.:

Jugendliche, die Sex haben, bevor sie 14 sind, haben mit einer höheren Wahrscheinlichkeit auch später zahlreiche verschiedene Sexualpartner, konsumieren eher Alkohol und Drogen vor dem Sex und schützen sich beim Geschlechtsverkehr nicht. [...] Damit sind sie alle einem höheren Risiko ausgesetzt, sich mit sexuell übertragbaren Krankheiten zu infizieren oder schwanger zu werden.

Focus Online 09.04.2009: Sexualität - Schon Zwölfjährige haben Analverkehr”

Die Studie hat zwei wesentliche Schwachpunkte:

1. Glaubwürdigkeit
Für die Studie wurden eigene Aussagen texanischer 12-Jähriger ausgewertet. Schon hier sind massive Zweifel angebracht, ob nicht bei vielen Wunschdenken mit eingeflossen ist.

2. Dubiose Interpretation
Dass sexuelle Aktivität bei Jugendlichen und Kindern immer früher einsetzt, ist unbestreitbar - unabhängig von der Richtigkeit der angegebenen Prozentwerte. Den Interpretationen der Studienleiterin Christine Markham liegt eine Moralvorstellung zu Grunde, deren Gültigkeit diskutiert werden sollte:

  • Die Schlussfolgerung, dass sexuell aktive Jugendliche später eher zu Promiskuität neigen und betrunken unsicheren Sex praktizieren, legt nahe, dass man Jugendliche durch eine keusche Adoleszenz vor späteren Entgleisungen schützen könne. Dies impliziert einen ursächlichen Zusammenhang zwischen präpubertärer sexueller Aktivität und einem verantwortungslosen, unmoralischen weiteren Lebensweg. Wird ein Kind, das durch übermäßigen Pornokonsum auf dem Pausenhof seinen ersten Geschlechtsverkehr im Alter von 12 Jahren hat, zwangsläufig ein verantwortungsloses, verkommenes Subjekt?
  • Auch die Frage, ob Sex mit wechselnden Partner/innen notwendigerweise einen verantwortungslosen Umgang mit Sexualität bedeutet, sollte differenziert betrachtet werden. Eine alternative Sichtweise bestünde darin, die Sexualmoral der neuen Generation zu akzeptieren und sie eher zum Gebrauch von Kondomen zu animieren. Das wäre vielleicht nicht edler, aber doch realistischer als der Versuch, Treue und Enthaltsamkeit wieder aufleben zu lassen - in einer Zeit, in der Zwölfjährige Analverkehr betreiben.
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