»Gewalt im Web 2.0«

Studie: Konfrontation Jugendlicher mit Gewalt und Sex im Internet 04.03.2009, 23:59

Im Internet findet man nicht nur schöne flickr-Bildchen und nützliche Wikipedia-Informationen, sondern auch Unerfreuliches wie Pornographie, Schikane und Folter. Fast die Hälfte aller Jugendlichen haben schon eine Hinrichtung gesehen, ein Drittel wurde sexuell belästigt.

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Pünktlich zur Jugendmedienschutztagung in Hannover stellte Petra Grimm, Medienforscherin aus Stuttgart, eine Studie mit dem Thema „Gewalt im Web 2.0“ vor. Ihre Erkenntnisse bekräftigen den Fakt, dass Kinder und Eltern nahezu naiv das Internet nutzen und viele Untiefen nicht kennen (m&c 03.03.2009: Jugend-Studie: Viel Gewalt im Internet). Dabei bedeutet “Konfrontation mit Gewalt” auch: Konfrontation mit psychischer Gewalt durch andere Nutzer/innen oder Bekannte.

Hinterlistig und gemein lädt so manche/r Gauner/in Handyfilme hoch. Und dann wird gelästert, immer öfter werden Betroffene nach allen Regeln der Kunst fertig gemacht - auf ganz verschiedene Arten und Weisen:

Diffamiert wird nicht nur mit Wortbeiträgen in Foren, Blogs und Chats, immer öfter werden auch Videos, die andere Menschen demütigen, beleidigen oder bloßstellen auf vielbesuchten Plattformen wie youtube ins Netz gestellt.

ratgeber.ARD.de 21.02.2009: Mobbing im Internet - Beleidigt, bloßgestellt, verleumdet

Daher fordern Experten wie Friedrich Schindler von jugendschutz.net radikalere Kontrollen führender Web 2.0-Anbieter. Facebook, SchülerVZ, MySpace oder youtube müssten ihre Inhalte auf Gewalt und Pornographie prüfen. Wenn zum Einloggen persönlichen Daten wie beispielsweise Ausweisnummer angeben werden, könne man anonyme Täter eher ausfindig machen. Momentane Maßnahmen solcher Communities reichten nicht aus.

Doch kommt am Internet niemand mehr vorbei. „Kinder und Jugendliche sollen sich auch in virtuellen Welten bewegen und zurechtfinden. Sie dürfen nur dabei nicht allein gelassen werden.“, erklärt Niedersachsens Sozialministerin Mechthild Ross-Luttmann. Recht hat sie, und Sensibilisierung tut Not. Es ist vorrangig Aufgabe der Eltern, den Medienumgang und -konsum ihrer Sprösslinge zu schulen. Denn das Internet vergisst nie. Persönliche Spuren wie Fotos oder Meinungen in Profilen, Blogs sowie Chatrooms sind kaum zu löschen. Jahre später noch können sich solche Jugendsünden negativ auf Ausbildung oder Arbeitsplatz auswirken.

Virtuelles Lästern wird vom Nachwuchs oft als Spaß gesehen - so lange man selbst nicht davon betroffen ist. Spott und Hohn via Handy und E-Mail gehen nach Unterrichtsschluss weiter, die Technik macht es möglich.

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