Alter Hut

Bildungsserver auf dem technischen Stand von vorgestern 14.01.2007, 23:04

RSS-Feed-Icon, durchgestrichen

Durch ihre Bildungsserver präsentieren sich die Bundesländer im Internet. Die Kommunikation mit interessierten Bürgern funktioniert aber mit veralteten Mitteln: RSS-Feeds oder auch Newsletter sucht man meist vergeblich.

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kmk.org und die Wilde 16

Es gibt in Deutschland 16 Bundesländer, die alle ihr eigenes Bildungssüppchen kochen und damit auch 16 Bildungsserver (-> Lehrerfreund: Liste aller Bildungsserver). Außerdem gibt es da noch den Webauftritt der Kultusministerkonferenz (kmk.org).

Die Gestaltung und Architektur der meisten dieser Sites ist veraltet; besonders bitter ist die Tatsache, dass nur drei Bildungsserver eine automatisierte Verarbeitung von News wie Pressemitteilungen oder Ausschreibungen (z.B. via RSS) unterstützen: Nordrhein-Westfalen, Hessen und Brandenburg. Ein Newsletter wird nur von den Bildungsservern Niedersachsen, Berlin und Baden-Württemberg angeboten. Links siehe unten.

Bürgerferne Kommunikationspolitik


Das heißt: 10 Bildungsserver und die kmk.org bewegen sich hinsichtlich ihrer Newskommunikation auf Wegen des Web 1.0 und liegen damit technologisch weit hinter dem billigsten Blog jedes 14-jährigen Schülers. Das ist besonders ärgerlich, da über die Bildungsserver auch die “unteren Reihen” der Bildungslandschaft erreicht und integriert werden könnten. Darüberhinaus stellt das Internet in Zeiten der Politikverdrossenheit die hoffnungsvollste Schnittstelle zwischen PolitikerInnen und BürgerInnen dar:

Das Internet als Impuls
Die neuen Medien, so eine gängige These, könnten diese Entwicklung bremsen und die Bevölkerung wieder stärker mobilisieren.[...] Wird die politische Partizipation der Bürger dank des Internet zunehmen und sich die Kommunikation zwischen Politik und Wähler verbessern? [...] Beate Hoecker [...] sieht [...] die Hoffnung, dass mit Hilfe des Internets die Zahl der Politikinteressierten steigt und sich neue Formen eines basisdemokratischen politischen Aktionismus entwickeln.

politik-digital.de 11.01.2007: Internet wirkt gegen Politikverdrossenheit (Rezension)

Mögliche Gründe für den verheerenden Zustand der Bildungsserver

  1. Es fehlt an Geld.
    Wahrscheinlich fehlt es nicht an Geld, sondern an der Bereitschaft, es in soziale Infrastruktur zu investieren.
    Ein umfassender Webauftritt eines Bildungsserver inklusive Konzeption und Backendprogrammierung durch einen externen Dienstleister dürfte unter 20.000 Euro kosten - damit hätte man eine tragfähige Lösung auf einige Jahre, mit der man die Zielgruppe (z.B. Lehrpersonen, Verwaltungsbeamte ...) effizient erreichen und in die Contenterstellung integrieren könnte. Und 20.000 Euro sind von jedem Landesetat für Bildung abzwackbar (z.B. Hessen: ca. 4.6 Mrd. Euro Bildungsausgaben im Jahr 2003).
     
  2. Es fehlt an Knowhow.
    In den administrativen Strukturen des Bildungswesens sitzen in erster Linie PolitikerInnen oder Beamte - aber keine Experten für Trends im Web. Das sollte sich schleunigst ändern, denn eine solche Änderung würde sich auch in den meist schwachen Fortbildungs- und Curriculumskonzepten für die Integration neuer Medien in die Schulen niederschlagen.

Lösungsansätze

Wahrscheinlich verhindern die administrativen Strukturen des Bildungsapparats eine entsprechende Ergänzung oder Neubesetzung der relevanten Stellen. Die einfachste Lösung wäre es, sich von einem autonomen Experten konzeptionell beraten zu lassen, und nicht nur immer im eigenen Saft zu schmoren. Ich empfehle einen Webconsultant, der sich auf den Bereich Kundenkommunikation spezialisiert hat (wie z.B. Achim Schlemmer (a/schlemmer e/consult)).

RSS-/Newsletter-Angebote der Bildungsserver

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