Unterrichtsvorbereitung

Erster Weltkrieg: Ursachen, Schlieffenplan, Weihnachtsfriede 1914 - Unterrichtsskripte 28.09.2009, 10:35

Stichwortskripte zum Thema 'Erster Weltkrieg', die zur Unterrichtsvorbereitung (Lehrer/innen) oder zum Lernen (Schüler/innen) benutzt werden können. Themen: Ursachen des Ersten Weltkriegs, Schlieffen-Plan, Weihnachtsfriede 1914/15.

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Diese Karten “Erster Weltkrieg” verwenden wir mit freundlicher Genehmigung von Keudell-Geschichts-Karten. Zu den wichtigen schulischen Geschichtsthemen gibt es dort (ausgedruckte) Karteikarten-Sätze zu erwerben, die nicht ganz billig sind, ihr Geld aber wert sein dürften: Der Autor gibt in ultrakomprimierter Form Inhalte der wichtigsten Standardwerke wieder. Entgegen aller Erwartung beinhalten die Karten nicht vorrangig Listen von Ereignissen, sondern fassen aus der Vogelperspektive wesentliche Strukturen, Machtverhältnisse und Entwicklungen zusammen. Viele Anekdoten und interessante Details sind für die Erwähnung im Unterricht Zucker, so z.B.: “[Schützengräben im Ersten Weltkrieg: ...] Unausgesprochene Übereinkunft -> keine Angriffe beim Latrinengang (menschenunwürdiges Sterben mit heruntergelassenen Hosen), keine beim Frühstück (Ausgabezeiten mit Brett angezeigt)”

Der stichwortartige Stil und die Abkürzungen sind etwas gewöhnungsbedürftig, für eine effizienzorientierte Verwendung (z.B. Unterrichtsvorbereitung) ist das jedoch eher nützlich, zumal die meisten Inhalte bereits eine didaktische Reduktion erfahren haben. Damit: uneingeschränkte Empfehlung für Lehrer/innen der Sek I und II: Keudell-Geschichts-Karten

Ursachen des Ersten Weltkriegs

Nr. 10 des Satzes “Erster Weltkrieg”, Karte “Ursachen” 1 von 2
Vorschaubild: Karte 'Ursachen des Ersten Weltkriegs' aus Keudell-Geschichtskarten (Karte 10), Ausschnitt

Diskutieren Sie Ursachen für den 1.Weltkrieg (I)

Entwicklungstrends (Mommsen)

  • Imperialistische Bestrebungen der Großmächte + expansive Ambitionen kleinerer Mächte
       -> Interessen der dt. Wirtschaft nicht vermehrter Kolonialbesitz, sondern ungestörter Ausbau des dt. Handelsimperiums in Europa und Übersee
       -> Diskrepanz zwischen wirtschaftl. Potenz D’s und magere Ausbeute der Weltpolitik-> permanent steigender Druck auf Reichsleitung
  • Rüstungswettlauf der Großmächte -> Aufbau der Schlachtflottenaufbau und Landheer, hochkomplizierte Aufmarschpläne reduzieren Flexibilität der Diplomatie
       -> self-fullfilling prophecy “der Krieg wird so oder so kommen”->Ausbau der russischen Westbahn und Glaube an russischen Angriffskrieg 1916/17 als Bedrohung empfunden
  • Versäulung der Bündnissysteme -> ursprünglich defensive Zielsetzung zunehmend zur Absicherung imperialistischer Aktionen
  • Regierungen geraten gegenüber aufstrebenden bürgerlichen Schichten in Defensive -> unpopuläre außenpolit. Entscheidungen zu treffen immer schwieriger
       -> konservative Parteien sehen kraftvolle Weltpolitik als Mittel um SPD zu zerstören
       -> Reichsleitung hat nicht auf Krieg hingearbeitet->Präventivkrieg aber populär

weitere Ursachen

  • europäische Machtpolitik (Schulin)
       -> kein Staat war in seiner Existenz gefährdet (aber: Existenzangst Ö-U’s)
       -> kein Staat hätte Prestigeverlust hingenommen, um Krieg zu verhindern
       -> Staaten hielten Krieg für unumgänglichen kurzen (?) Schock, um jeweils eigene Lage zu verbessern
  • europäische Mächte hätten sich anders verhalten können->aber: niemand hatte so konsequent auf Krieg hingearbeitet wie D (Winkler)

Schlieffenplan

Nr. 13 des Satzes “Erster Weltkrieg”, Karte “Schlieffenplan” 1 von 2
Vorschaubild: Karte 'Ursachen des Ersten Weltkriegs' aus Keudell-Geschichtskarten (Karte 10), Ausschnitt

Problematisieren Sie den Schlieffenplan (I)

Ausgangslage

  • Angst vor Zweifrontenkrieg (E + F im W und “russische Dampfwalze” im O)->Präventivkrieg
  • Vorgänger Schlieffens: Sieg gegen F unwahrscheinlich (“Zeitalter der Millionenheere”, Moltke)
  • Graf Alfred v. Schlieffen arbeitet bis ins letzte Detail einen möglichen Angriffskrieg gegen F heraus

Der Plan

  • riesige Zangenbewegung durch Belgien um Paris herum -> Umfassung der franz. Armee
       -> Dauer der russischen Mobilmachung auf 40 Tage geschätzt -> 7/8 der milit. Stärke D’s können gegen F eingesetzt werden, bis 42. Tag soll Sieg errungen sein (Keegan)
       -> Durchmarsch durch Belgien -> Kriegseintritt E’s nicht erwartet aber in Kauf genommen (Annahme: E braucht lange, bis schlagkräftiges Heer auf Kontinent verfügbar ist)

Planungsschwierigkeiten

  • Vogesen und Festungswerke in Frankreich und Belgien
       -> zunächst Plan die franz. Festungswerke mit Artillerie auszuschalten (bis 1904 wäre kein Geschütz dazu in der Lage gewesen!), seit 1897 sie zu umgehen (Keegan)
  • Plan basiert auf exakten Zeitplan -> Verzögerungen ziehen Niederlage unausweichlich nach sich (v.a. Mobilmachungszeiten E und R bestimmen Zeitrahmen)
  • Straßenkapazität und Zeitplan -> Verhindern von Staus auf wenigen Straßen für enorme Armee

Weihnachtsfriede 1914/15

Nr. 31 des Satzes “Erster Weltkrieg”, Karte “Weihnachtsfriede” 3 von 3
Vorschaubild: Karte 'Ursachen des Ersten Weltkriegs' aus Keudell-Geschichtskarten (Karte 10), Ausschnitt

Skizzieren Sie den Weihnachtsfrieden von 1914/15 (III) - Verlauf und Beendigung

Verlauf

  • Beerdigung der Leichen soll organisiert werden -> größte gemeinsame Feier bei Fleurbaix
  • Ausbesserungen an Gräben -> helfen sich gegenseitig mit Handwerkszeug
  • Zu nahe an gegnerischen Unterständen -> Gefangennahme, außer wenn vorher Augen verbunden
  • Dt. Regimentskapelle spielt Weihnachtslieder und beide Nationalhymnen
  • Bei Rückkehr vom dt. Graben wird ein Engländer erschossen -> Bayern schicken Botschaft nicht sie, sondern “verdammt Preußen” links von ihnen wären es gewesen
  • Franzosen und Belgier empfinden als Verrat -> ihre Länder waren zum Großteil besetzt
       -> Weihnachtswunder beginnt bei Fremden -> Deutsche und Engländer
  • Gefreiter Hitler lag bei Wijtschate, verflucht Verbrüderungen mit dem Feind im Krieg
  • v.a. aufrechter Gang (kein Kriechen/Kauern!->auf Augenhöhe mit Gegner) und Ruhe (Vögel kehren zurück!) als befreiend empfunden

Beendigung

  • Soldaten weigern sich weiter zu schießen -> (unsinnige) Angriffe werden befohlen (mit hohen Opfern)
       -> bei St. Yvon: Sachsen bleiben im Niemandland stehen, Engländer schießen in Luft, Soldaten hören auch nicht auf Befehle eigener Offiziere, dt. Offizier wutentbrannt Engländern zu.: “Fire at them I can’t get the beggars in”
       -> manchmal werden auf eigene Leute geschossen, von Offizieren oder preußischen Soldaten
  • An manchen Abschnitten mussten Regimenter ausgetauscht werden, da sie sich weigerten anzugreifen
  • meistens hält Ruhe bis Jan 1915 an manchen Abschnitten länger, an wenigen sogar das ganze Jahr
       -> “Dienst nach Vorschrift”, keine Treffen im Niemandsland aber in Luft schießen
       -> immer vorher gewarnt “Morgen um 11Uhr muss es wieder los gehen”, oder Sachsen an Engländer: “Gentlemen, unser Oberst hat befohlen, ab Mitternacht das Feuer wieder aufzunehmen. Es ist uns eine Ehre, Sie darüber zu informieren.”
  • versehentlich während Waffenstillstand gefangene engl. Offiziere werden wieder freigelassen
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