Keine Trendwende

Familienreport 2009: Rückbesinnung auf die Familie 26.02.2009, 10:15

Mitte des Monats stellte Ministerin Ursula von der Leyen den Familienreport 2009 vor. Ein Raunen ging durch die deutschen Medien, denn in der Bundesrepublik kommen wieder mehr Kinder zur Welt.

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Junge Eltern wollen Wohlstand und Nachwuchs. Darauf hat die Bundesregierung reagiert und damit die Zeichen der Zeit erkannt. Das seit 2007 gültige Elterngeld ist wegweisend, aber nur ein Schritt auf dem Weg zu mehr Familienfreundlichkeit. Eine repräsentative Umfrage belegt, dass sich die Konditionen der Lebensform Familie zwar „in den letzten drei, vier Jahren verbessert“ haben (Familienreport 2009 (pdf, 3.4MB), S. 4), doch eine gesteigerte Geburtenrate macht noch lange kein kinderfreundliches Land. Deshalb verlangt das Volk flexiblere Arbeitsmodelle für Eltern, Maßnahmen zum Wiedereinstieg ins Berufsleben und eine generelle Unterstützung junger Familien. Daher „ist Familienpolitik unverzichtbarer Bestandteil einer guten Wirtschaftspolitik“, meint Prof. Straubhaar, Direktor des Hamburgischen WeltWirtschaftsInstitutes (Familienreport 2009 (pdf, 3.4MB), S. 15).

Einen wichtigen Beitrag dazu leistet der Ausbau von Betreuungsmöglichkeiten, sprich Kindergarten, Schule und Hort. Bis 2013 soll 35% der unter 3-Jährigen ein derartiger Platz zur Verfügung stehen. Für die alten Bundesländer wäre solche eine Aufstockung ein bemerkenswerter Erfolg, in den neuen Ländern sind Kinderkrippenplätze längst gang und gäbe und doppelt berufstätige Eltern keine Seltenheit.

Der Besuch einer Kindertagesstätte hat nachweislichen Einfluss auf den Schulstart, weil das Erlernen von Sprachfähigkeit, sozialen Kompetenzen und elementaren Grundfertigkeiten bereits in den ersten Lebensjahren vor dem Übergang zur Schule unterstützt werden kann.

Bundesministerkum für Familie, Senioren, Frauen und Jugend: Familien Report 2009 (pdf, 3.4MB), S. 72)

Diese Erkenntnis legitimiert die gesellschaftliche Akzeptanz von Beruf und Familie.
Dafür ist es Zeit, höchste Zeit. Nicht ohne Grund nimmt sich der Staat der Problematik an. Drohen doch in nächster Zukunft Vergreisung der Gesellschaft, Fachkräftemangel und sinkende Steuereinnahmen. Gut ausgebildete Frauen können keine drei Jahre mehr dem Arbeitsmarkt fernbleiben, was der Vorgänger „Erziehungsgeld“ ermöglichte.

Zwar lobt der Report das jetzige Elterngeld als Instrument nachhaltiger Familienpolitik, berücksichtigt aber nicht den Zahlungszeitraum. Es wird Eltern nur 12 und Alleinerziehenden 14 Monate gewährt und stabilisiert den Familienetat nur kurzfristig. Väter und Mütter gelangen erst danach in die Bredouille. Bekommen sie ihr Kleinkind betreut, hadern sie als nächstes mit den Öffnungszeiten der Einrichtung. Diese Problematik verschärft sich mit dem Schuleintritt. Kein Arbeitgeber hat Verständnis für sechs Wochen Sommerferien oder den dritten Noro-Virus der Saison. Solange flächendeckend Kinderkrippen, Ganztagsschulen und Horte fehlen, bleibt es eine Illusion Kind(er) und Job wuppen zu können.

Da hilft es wenig, wenn junge Väter den Nachwuchs für sich entdecken und in Elternzeit gehen. Bis die Wirtschaft gleiche Löhne zahlt und die Stärken von Arbeitnehmer/innen mit Kind erkennt, geschieht keine Trendwende.

Der Familienreport erscheint jährlich im Auftrag des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend. Er enthält umfassende politische Informationen sowie Daten und Fakten zur Familie.
Bundesministerkum für Familie, Senioren, Frauen und Jugend: Familien Report 2009 (pdf, 3.4 MB)

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