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Ein rascher Notenschlüssel…

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5 Tipps

Eltern-Lehrer-Konflikte professionell lösen 13.02.2016, 18:00

Gespräch zwischen Lehrerin und aufgebrachtem Elternteil
Bild: Shutterstock

Als Lehrer/in steht man im Zentrum der elterlichen Aufmerksamkeit. Die Kommunikation mit den Eltern kann leicht sehr anstrengend werden. Fünf Tipps, wie Sie sich in Konfliktsituationen verhalten, um negative Vibrationen möglichst zu vermeiden und zu konstruktiven Lösungen zu kommen.

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  • (geändert: )
Originalbeitrag vom 05.12.2011, leichte Überarbeitung 13.02.2016

95 Prozent der Konflikte zwischen Lehrer/innen und Eltern drehen sich um die zwei immer gleichen Punkte:

  1. Noten (Lehrer/in gibt schlechte Note, Eltern halten das für ungerecht)
  2. Disziplinarische Maßnahmen (Lehrer/in bestraft Schüler/in, Eltern halten das für ungerecht)

Die soziale Dynamik ist also vorgegeben: Lehrer/in handelt als Pädagog/in, Kind bzw. Eltern fühlen sich ungerecht behandelt.

Nun ist im Konfliktfall häufig nicht klar festzustellen, wer denn nun Unrecht hat. Hat die Lehrer/in als Pädagog/in unprofessionell gehandelt (indem sie/er z.B. eine unangemessen schwierige Klassenarbeit geschrieben und damit für eine schlechte Note gesorgt hat), oder sind die Vorwürfe der Eltern tatsächlich abstrus (indem sie die völlig gerechtfertigte "Mangelhaft" für ihren inkompetenten und faulen Sprössling anfechten)?

Eltern vertreten grundsätzlich die Interessen ihrer Kinder; Lehrer/innen vertreten grundsätzlich ihre Entscheidungen. Deshalb sind Lösungen oftmals nur schwer zu finden, wenn nicht eine oder gar beide Seiten kompromissbereit sind.

Dennoch können Lehrer/innen Konflikte entschärfen, indem sie transparent handeln, auf ein ausgewogenes Kommunikationsklima achten und im Zweifelsfall auch mal eigene Entscheidungen rückgängig machen.

Der taktische Weg: Nachgeben

Völlig verwerflich und nur kurzfristig befriedigend ist der konfrontationslose, taktische Weg. Fast jeder Konflikt mit Eltern kann umgehend ausgeräumt werden, indem die Note verbessert oder die disziplinarische Maßnahme zurückgenommen wird ("Oh! Da habe ich das Notenbuch falschrum gehalten. Das war dann doch eine Zwei und keine Fünf, verzeihen Sie vielmals. Zum Glück haben Sie es bemerkt!")

Es gibt nicht wenig Lehrer/innen, die grundsätzlich gute Noten verteilen, weil sie den Konflikt mit Schüler/innen und Eltern vermeiden wollen.

Leider machen Sie sich damit zum Spielball niederer Geister und leiten eine Inflation in Ihrer Notengebung ein. Es wird sich rasch herumsprechen, dass man Sie nur einmal etwas lauter anschreien muss, und schon bekommt man die bessere Note. Es wird sich auch rasch herumsprechen, dass Sie Strafarbeiten sofort zurücknehmen, sobald nur von einer aufgebrachten Mutter die Rede ist.

Damit verkommt Ihr pädagogisches Handeln zu einem einzigen Witz, aus dem Sie nicht das geringste Maß an Erfolg oder Befriedigung ziehen werden. Wenden Sie den taktischen Weg also nur an, wenn es unumgänglich ist (z.B. als Referendar/in unmittelbar vor der letzten Lehrprobe).

Der professionelle Weg: Kommunizieren

Professionelle Konfliktlösung setzt professionelle Kommunikation voraus. Dazu gehören immer zwei, aber Sie als professionell ausgebildete Lehrperson können die Situation maßgeblich so beeinflussen, dass die Wahrscheinlichkeit für einen konstruktiven Dialog steigt. Dies gelingt nur, wenn beide Konfliktparteien 
a) sich gegenseitig ernstnehmen und
b) an einer gemeinschaftlichen Lösung interessiert sind.

Sie werden jetzt sagen: "Aber die meisten Eltern wollen gar keine gemeinschaftliche Lösung - sie wollen nur die bessere Note durchsetzen und ihren Frust über den faulen Herr Sohnemann an mir auslassen." Vergessen Sie nicht: Durch eine solche Schuld zuweisende Sichtweise verbauen Sie sich schon von Anfang an die Möglichkeit, einen konstruktiven Dialog zu führen.

Vielleicht haben Sie auch Recht mit Ihrer Vermutung. In diesem Fall muss der Kampf ausgefochten werden. Doch in der überwiegenden Mehrzahl der Fälle kann die Situation gerettet werden, indem Sie folgende Ratschläge befolgen:

1. Nehmen Sie die Eltern ernst.

Wenn ein Elternpaar in ihrer Sprechstunde sitzt und sich über die Drei im Zeugnis der Tochter aufregt, dann werden Sie vielleicht denken: "Mit welch einem Müll stehlen die mir die Zeit - eine Drei ist kein Beinbruch, außerdem hätte die junge Dame eigentlich eine Vier verdient. Was wollen die bloß von mir?"

Doch die Eltern haben ein Problem, sonst wären sie nicht zu Ihnen in die Sprechstunde gekommen. Tun Sie das Thema also nicht als Zeitdiebstahl ab, sondern lassen Sie sich darauf ein. Geben Sie den Eltern zu verstehen, dass Sie ihre Sorge verstehen und dass Sie selbst traurig sind über die Drei (über die Strafarbeit, über die mündliche Sechs wegen vergessener Hausaufgaben ...).

Viele Probleme scheinen für SIE als Lehrperson ein Klacks zu sein, Sie haben solcherlei schon viele Male erlebt. Die Eltern jedoch sind emotional aufgewühlt, also akzeptieren Sie das und handeln Sie entsprechend. Seien Sie bei Bedarf etwas theatralisch, indem Sie heftig mit dem Kopf nicken und sich betroffen geben. Das tut den Eltern gut und schafft eine gemeinsame Basis für das weitere Gespräch.

2. Nehmen Sie sich selbst ernst.

SIE haben eine schlechte Note gegeben oder eine Schüler/in bestraft (hoffentlich richtig). Noten geben oder Schüler/innen bestrafen gehört für Sie zum Alltag, deshalb quittieren Sie eine mündliche Sechs vielleicht mit einem verstohlenen Gähnen. Wenn Eltern das bemerken, bringt sie das zur Weißglut: Der Kerl mit den vielen Ferien gähnt, während er meinem Sohn eine Sechs reindrückt!

Sie haben pädagogisch professionell und reflektiert gehandelt. Sie haben sich einer moralischen Herausforderung gestellt und eine Entscheidung getroffen. Teilen Sie das den Eltern mit. Auch hier können Sie bei Bedarf unterstützend Körpersprache einsetzen, indem Sie Haltung annehmen und den Oberkörper etwas aufblähen.

3. Hören Sie zu.

Lehrer/innen haben den Ruf, viel zu reden und wenig zuzuhören. Auf manche Lehrer/innen trifft das tatsächlich zu. Vor allem bei Elterngesprächen, in denen man eigentlich gar nicht hören möchte, was die Eltern auf dem Herzen haben (denn es wird vielleicht Unangenehmes sein), neigen viele Lehrer/innen dazu, das Gesprächsruder sofort in die Hand nehmen zu wollen, um sich zu rechtfertigen und den Eltern die Situation zu erklären.

Die Eltern sind emotional aufgewühlt und haben Redebedarf. Geben Sie Ihnen den Raum, ihr Herz auszuschütten. Das schafft Vertrauen - und vielleicht können Sie die Beweggründe der Eltern anschließend besser nachvollziehen.

4. Elterngespräche nur zu bestimmten Zeiten.

Lehrer/innen werden häufig ruppig, wenn ein besorgter Vater sie vom Kochen abhält. Den dampfenden Topf in der Hand warten Sie darauf, dass der Monolog ein Ende findet. Sie sind genervt und nicht bei der Sache - das merkt jede Gesprächsteilnehmer/in sofort.

Legen Sie fest, wie und wann man Sie erreichen oder sprechen kann. In Ihren Sprechstunden oder in individuell abgestimmten Gesprächen sind Sie ganz für die Gesprächspartner/in da. Beim heimischen Kochen gibt es jedoch keine Elterntelefonate. Machen Sie den Eltern klar, dass Sie nur so eine gewisse Gesprächsqualität sicherstellen können. Wenn die Eltern wollen, dass Sie sich auf das Gespräch einlassen, müssen sie Ihre Zeiten akzeptieren. Diese organisatorische Kompromisslosigkeit ist nicht nur äußerst förderlich für Ihre eigene Psychohygiene, sondern den Eltern gegenüber auch ein deutliches Zeichen Ihrer Professionalität.

5. Handeln Sie im Schulalltag seriös und transparent.

Für Unterricht, Disziplinierung und (vor allem) Notengebung ist ein professionelles Verhalten erforderlich. Wenn Sie ungerecht bestrafen, in Klassenarbeiten nicht behandelten Stoff abfragen oder stets unvorbereitet und zu spät in den Unterricht kommen, dürfen Sie sich nicht wundern, dass die Eltern Ihnen (wahrscheinlich zu Recht) die Hölle heiß machen. Und dann helfen auch die anderen Tipps nichts.

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Kommentare

6

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  • #1

    Ich freue mich über alle Eltern, die bei mir vorsprechen wollen, telefonisch, in meiner Sprechstunde oder an den Sprechtagen. In den heiklen Fällen passiert das aber selten, selbst bei Vorladungen nicht. Zur Kommunikation gehören aber mindestens zwei Personen, die guten Willens sind. Dann wirken deine Tipps (Zuhören, ernst nehmen etc.) wirklich gut.
    Ich möchte einen weiteren Tipp dazu fügen: Stellen Sie Fragen! Bevor ich erkläre, warum ich welche Handlung, Note, Maßnahme etc. gesetzt habe, frage ich die Beteiligten (Kinder, Eltern) nach ihrer Meinung und lasse mir ihre Position darlegen. Mit Fragen lässt sich ein Gespräch führen, kann der Dampf abgeleitet werden und konkret auf ´die Antworten eingegangen werden. Daher beginnen meine Sprechstunden meist mit der Frage: “Was hat Ihnen Ihr Sohn/Ihre Tochter erzählt?”

    schrieb teacher am

  • #2

    Sie schreiben und darauf bezog ich mich: “Eltern vertreten grundsätzlich die Interessen ihrer Kinder; Lehrer/innen vertreten grundsätzlich ihre Entscheidungen. Deshalb sind Lösungen oftmals nur schwer zu finden, wenn nicht eine oder gar beide Seiten kompromissbereit sind”. Und damit bringen Sie eine für mein Empfinden zu stark polarisierende und die Motivation von Eltern unzulässig vereinfachende Haltung zum Ausdruck.

    Meiner Erfahrung nach stemmt sich ein nicht unerheblicher Teil der Eltern gegen das mitunter herzlos wirkende und am Entwicklungsweg des einzelnen Kindes reichlich desinteressierten System. Sie wollen aber nicht mit schnöder Systemkritik in der Schule vorstellig werden, denn damit würden sie bei ihrem Ansprechpartner allenfalls Schulterzucken bewirken. Für Beziehungsthemen und innerseelische Zerwürfnisse des Kindes sehen sich Lehrkraft auch nicht als zuständig an, so bleibt in der Selektionsinstitution unserer Leistungsgesellschaft nur ein Gesprächsthema übrig, und das sind die Noten. Kommen Mama und Papa nun in die Sprechstunde und setzen Leistungsthemen ihres Kindes auf die Agenda, dann ist das aber auch wieder nicht richtig. Spätestens an der Stelle klingt das für den Psychologen verdächtig nach Double-Bind ... So oder so, blöde Situation für alle Beteiligten, in der nicht nur die Eltern auf fremdem Parkett selten eine gute Figur machen. Aber immerhin: sie kommen und sie suchen dadurch den Kontakt; wohingegen Lehrer den nicht selten fliehen.

    Das Gesprächsanliegen von Eltern stellt also keineswegs allein das Mittel zum Ziel besserer Noten der eigenen Kinder dar, sondern ihm wohnt durchaus auch ein Selbstzweck inne. Hinter der Kommunikation des Lehrers sollte als Antwort auf diese Annäherung nicht nur eine sorgfältig einstudierte Technik zur Beruhigung überbesorgter überehrgeiziger Mütter und Väter stehen. Lehrer sollten vom aufrichtigen Bedürfnis getrieben sein, sich durch Verständigung dem einzelnen Kind im Klassenverband anzunähern. – Eine Aussage etwa in der Art hätte mich gewiss davon abgehalten, meinen beim zweiten Durchlesen ebenfalls etwas polarisierend wirkenden Kommentar online zu stellen ...

    schrieb Dipl.-Psych. Thorsten Kerbs am

  • #3

    Es wird hier ein Gegeneinander von Lehrern und Eltern als zwangsläufig gesetzt, das in der Form aber keineswegs unausweichlich ist. Das ist ja gerade die hohe Schule einer professionellen Kommunikation, Gegensätze durch Verständigung zu überwinden.

    Eigentlich versucht der Beitrag doch Möglichkeiten aufzuzeigen, wie ein solches Gegeneinander vermieden bzw. ausgeräumt werden kann?! Deshalb heißt eine Hauptüberschrift doch auch “Der professionelle Weg: Kommunizieren”.

    schrieb Der Lehrerfreund am

  • #4

    Schade. Der Beitrag erscheint mir angesichts der großen Bedeutung des Themas doch unschön schlaglichtartig und verrutscht geraten zu sein.

    Es wird hier ein Gegeneinander von Lehrern und Eltern als zwangsläufig gesetzt, das in der Form aber keineswegs unausweichlich ist. Das ist ja gerade die hohe Schule einer professionellen Kommunikation, Gegensätze durch Verständigung zu überwinden. Den in der Regel in Beziehungsfragen vollkommen unausgebildeten Eltern ist die Verantwortung dafür nicht zuzuschieben, professionellen Lehrkräften schon eher. Zudem werden in dem Beitrag gegensätzliche Positionen absolut gesetzt, die so gegensätzlich und unverrückbar gar nicht sind, hinter denen aber auf beiden Seiten berechtigte Interessen stehen.

    Und schlussendlich fällt kein Wort über den so eminent wichtigen Punkt, dass Kopfnoten nun einmal von Haus aus ungerecht sind (bzw. wissenschaftlicher formuliert: sie sind weder valide, noch objektiv, noch reliabel). Der Konflikt liegt also nicht nur im Umstand begründet, dass diese oder jene Partei in der Kontroverse im Recht oder Unrecht steht. Er gründet auch auf einem Benotungssystem, das einen denkbar schlechten, Effizienkriterien an erste Stelle setzenden Kompromiss abbildet und im Jahr 2016 aus der Zeit gefallen wirkt.

    Die Zumutung, sich solchen Betrachtungen zu stellen, müssen wir von Lehrern der weiterführenden Schulen fordern dürfen. Andernfalls läge eine fast infantil anmutende Denkverweigerung vor, die sie ihren Schülern nie und nimmer ungestraft durchgehen lassen würden.

    schrieb Dipl.-Psych. Thorsten Kerbs am

  • #5

    16 bis 18 Uhr? Geht’s noch?

    Eltern können mich vormittags in der Schule anrufen, um kurze Sachfragen zu klären. Für längere Dinge können sie gern einen Gesprächstermin vereinbaren. Freitags nach 16 Uhr.

    Damit reduzieren sich die Gespräche nach kurzer Zeit auf die wirklich relevanten Unterhaltungen.

    Notfälle, in denen man gerade ganz dringend abends einen Lehrer sprechen muss? Gibt es m.E. - zumindest an weiterführenden Schulen - nicht.

    schrieb Fred am

  • #6

    > Wenn die Eltern wollen, dass Sie sich auf das Gespräch einlassen, müssen sie Ihre Zeiten akzeptieren.

    Ich schreibe auf alle schriftlichen Mitteilungen an Eltern, dass ich Mo.-Fr. von 16:00 - 18:00 Uhr telefonisch erreichbar bin. Damit habe ich seit vielen Jahren sehr gute Erfahrungen gemacht. Außerhalb dieser Zeiten bin ich nur für wirkliche Notfälle zu sprechen.

    schrieb Jochen am

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