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Ein rascher Notenschlüssel…

*ohne Gewähr


Mehr Vorarbeit - weniger Korrekturzeit

Wie man eine GUTE Klassenarbeit konzipiert 16.12.2010, 02:09

Diagramm: Korrekturaufwand im Verhältnis zum Konzeptionsaufwand bei einer Klassenarbeit (Vorschaubild)

Wer Klassenarbeiten sinnvoll konzipiert, spart sich eine Menge Korrekturaufwand - und führt eine konstruktive, angemessene und transparente Leistungsbeurteilung durch. Der Mehraufwand für die Konzeption der Klassenarbeit lohnt sich in jedem Fall. Sie finden hier einen Vorschlag für das korrekte Vorgehen: zu prüfende Themenbereiche auflisten, Aufgaben formulieren und bepunkten, Punkte-Notenschlüssel festlegen. Diese Anleitung betrifft alle Fächer und Schulstufen.

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  • (geändert: )

Eine gute Klassenarbeit bzw. Klausur hat folgende pädagogischen und organisatorischen Anforderungen zu erfüllen:

  1. Es dürfen ausschließlich Inhalte geprüft werden, die im Unterricht gelernt/ geübt wurden oder die definitiv vorausgesetzt werden können (z.B. Inhalte früherer Klassenstufen).
  2. Die Klassenarbeit muss unterschiedliche Schwierigkeits-/ Anforderungsniveaus bedienen. Entsprechend muss die Notengebung / Punkteverteilung schon im Vorfeld transparent sein.
  3. Die Klassenarbeit muss in jeder Hinsicht ökonomisch durchzuführen sein. Das heißt auch: Der Korrekturaufwand muss so niedrig wie möglich sein - bei höchstmöglicher Objektivität.

Um diesen Anforderungen zu genügen muss ein gewisser konzeptioneller Aufwand getrieben werden, der sich jedoch rechnet: Der Korrekturprozess wird wesentlich einfacher, Missverständnisse in der Kommunikation mit Schüler/innen können minimiert werden. Damit lässt sich sagen: Je mehr Zeit Sie in die Entwicklung einer Klassenarbeit investieren, desto angenehmer wird der Rest (durchführen, korrigieren / bewerten, besprechen) für alle Beteiligten.

Es empfiehlt sich folgendes Vorgehen:

1. Anforderungskatalog formulieren

Überlegen Sie zu Beginn detailliert, welche Themen in der Klassenarbeit geprüft werden sollen. Fertigen Sie eine möglichst differenzierte Liste an. Zeigen Sie diese Liste im Vorfeld den Schüler/innen: “Diese Kenntnisse/ Fähigkeiten erwarte ich von euch.” Alle in der Liste auftauchenden Punkte sollten eindeutig mindestens einer gehaltenen Unterrichtsstunde zugewiesen werden können (oder einem Lehrplaninhalt früherer Klassenstufen). Auf der Liste darf nichts stehen, was die Schüler/innen nicht bei Ihnen oder in einer früheren Klasse gelernt haben.

Betrachten Sie die Liste genau und machen Sie sich noch einmal klar, dass Sie nichts bewerten dürfen, was nicht auf der Liste steht!

2. Aufgaben formulieren

Formulieren Sie Aufgaben, die einzelnen Punkten Ihrer Liste eindeutig zuzuordnen sind. Die Aufgaben sollen dabei unterschiedliche Leistungsniveaus abdecken. Als Hilfestellung können Sie dabei an besonders gute und schlechte Schüler/innen denken: Würde er/sie diese Aufgabe bewältigen?

Richten Sie die Aufgaben auf bestimmte (Unter-)Themenbereiche aus. Je begrenzter diese Themenbereiche sind, desto klarer ist die Erwartung an die Antwort. Viele Aufgaben können so in korrigierfreundlichen (halb-)geschlossenen Formaten (z.B. Multiple-Choice, Lückentext) gestellt werden.

Als Faustregel gilt: Je mehr die Aufgaben auf bestimmte (Unter-)Themen fokussieren, desto besser ist die Arbeit zu korrigieren.

3. Punkte den Aufgaben zuweisen

Bepunkten Sie die einzelnen Aufgaben gemessen am Schwierigkeitsgrad und Bearbeitungsaufwand. Dabei gilt:

Je weniger Punkte zu vergeben sind, desto weniger Korrekturaufwand ist zu erwarten. Warum sollten Sie bei einer Aufgabe, bei der Sie drei Nennungen erwarten, 15 Punkte vergeben und dann darüber brüten, ob Sie für einen halbrichtige Nennung 2 oder 3 Punkte vergeben? 6 Punkte für die drei Nennungen genügen völlig: pro korrekter Nennung 2 Punkte.

Verteilen Sie die Punkte so differenziert wie möglich. Niemand hält Sie davon ab, für die Stringenz der Darstellung (sofern geübt) ebenfalls Punkte zu vergeben - das machen Sie bei Fließtexten unterbewusst sowieso. Dann geben Sie für die drei korrekten Nennungen 6 Punkte und für die Stringenz der Darstellung nochmals 3 Punkte.

Wichtig: Weisen Sie die Punkte getrennt aus (maximal differenzierte Punktevergabe)! Vergeben Sie im genannten Beispiel für die Aufgabe nicht “8 Punkte” oder “3 Punkte”, sondern “Korrekte Inhalte (Ereignisse, Fakten, Kriterien ...): max. 6; Stringenz der Darstellung: max. 3”

Durch diese Technik minimiert sich der Korrekturaufwand enorm: Die Kalkulation “2 richtige und eine halbrichtige Nennung, aber schlechte Darstellung” ist wesentlich komplexer und unsicherer (und damit: anstrengender) als die Kalkulation “2 richtige = 4 Punkte, 1 halbrichtige = 1 Punkt, schlechte Darstellung = 1 Punkt” (vgl. auch Korrektur von Deutscharbeiten wird mit Excel leichter).

Die maximal differenzierte Punktevergabe hat einen weiteren Vorteil: Schwächen der Schüler/innen können viel gezielter erkannt und gefördert werden. Was bringt einer Schüler/in schon die Aussage: “Aufgabe 1: 6 von 9 Punkten”? Wesentlich konstruktiver ist die Feststellung, dass die Inhalte zwar gewusst/gelernt sind, die Darstellung jedoch unstrukturiert und abscheulich ist.

4. Noten-/Punkteschlüssel im Vorfeld festlegen

In vielen Fällen empfiehlt es sich, eine Punkteverteilung zu wählen, die direkt auf die Notenskala umgelegt werden kann (z.B. 12 Punkte, 60 Punkte). Ansonsten verwenden Sie zum Umrechnen den Notenschlüsselrechner online.

Legen Sie den Punkte-/Notenschlüssel im Vorfeld fest und ändern Sie ihn auch während des Korrigierens nicht mehr! Sie haben eine Liste erstellt (s.o. Punkt 1), in der Sie festgehalten haben, was genau Sie an Kenntnissen und Fähigkeiten erwarten. Sie haben den Aufgaben Punkte zugewiesen, die dem Schwierigkeitsgrad entsprechen.
Wenn Ihnen beim Korrigieren auffällt ...

  • ... dass der Durchschnitt der Klassenarbeit bei 2.0 liegen wird (“Viel zu gut!!!”, werden manche sagen), dann freuen Sie sich darüber, dass Sie gemeinsam mit der Klasse die Lernziele Bildungsstandards realisiert haben.
  • ... dass der Durchschnitt der Klassenarbeit bei 4.75 liegen wird, dann überlegen Sie, ob Ihre Klassenarbeit/Punkteverteilung nicht realistisch war und die Schüler/innen überfordert hat. Ist dies der Fall, drehen Sie am Notenschlüssel und geben das der Klasse auch bekannt (“Sorry, die Arbeit war wohl etwas zu schwer.”). Sind Sie aber überzeugt davon, dass Ihre Klassenarbeit und die Bepunktung angemessen war, dann haben Sie ein Problem (denn entweder ist Ihre Klasse außergewöhnlich faul und unbegabt - oder Sie haben ein außergewöhnlich schlechtes Einschätzungsvermögen).

Es herrscht eine allgemeine Tendenz zur Mitte - 90% aller Klassenarbeiten und Klausuren haben einen Notendurchschnitt zwischen 2.5 und 4.0. Das liegt - entgegen dem landläufigen Glauben - nicht daran, dass die Leistungen der Schüler/innen eben grundsätzlich normalverteilt sind, sondern dass viele Lehrer/innen aus unterschiedlichsten Gründen davor zurückschrecken, Einsen und Sechser zu verteilen. Doch: Wenn Ihr Unterricht gut war und die meisten Schüler/innen der Klasse gut mitgearbeitet und gelernt haben - warum sollte eine Klassenarbeit dann nicht mal einen Schnitt von 1.3 haben?

Geben Sie die Punkteverteilung und den Punkteschlüssel auf dem Klassenarbeitsbogen schon beim Schreiben der Arbeit bekannt. Zum Lehrerfreund-Notenschlüsselrechner werden Kommentare gepostet wie dieser:

Hallo, wir haben 8.Klasse Gym. in Bayern. Fach Französisch als 2. Fremdsprache. In der ersten Schulaufgabe kamen jetzt 45 von 90 möglichen Punkte eine 5 (!) heraus. Kann das sein?

Kommentar von Kurt zu: Notenschlüssel online ausrechnen

Das ist nur eines von vielen Beispielen. Es sollte eine Selbstverständlichkeit sein, dass die Schüler/innen schon während des Schreibens wissen, welche Aufgabe wie viel wert ist und wie die Leistung gemessen wird. Viele Lehrer/innen halten sich ein Hintertürchen offen, indem sie den Punkteschlüssel erst bei Rückgabe der Arbeit veröffentlichen und so während der Korrektur am Ergebnis drehen können. Dieses Verhalten ist in Einzelfällen absolut legitim - in den meisten Situationen jedoch hochgradig unprofessionell (da intransparent).

5. Lösen sie die Klassenarbeit selbst

Nur wenn Sie die Klassenarbeit selbst bearbeiten, werden Sie Stolpersteine erkennen und angemessen Punkte verteilen können. Außerdem haben Sie dadurch einen perfekten Lösungshorizont, den Sie bei der Korrektur inständig zu Rate ziehen können.

Natürlich hat niemand Lust und Zeit, zu Hause drei Erörterungen zum Thema “Soll auf unserem Schulhof das Rauchen verboten werden?” zu schreiben oder zu erklären, wie ein Osmosekraftwerk funktioniert. Tun Sie es deshalb einfach während der Klassenarbeit. Sie sollten für die korrekte Bearbeitung der Aufgaben maximal 30% der Zeit benötigen, die Sie den Schüler/innen zugestehen. Also setzen Sie sich bei einer zweistündigen Klausur (90min) hin und bearbeiten Sie sie (max. 30min). Das spart Ihnen bei der Korrektur der Arbeit eine Menge Nerven.

Lohnt es sich, einen hohen Aufwand beim Erstellen von Klassenarbeiten zu treiben?

Der Mensch strebt nicht immer nach Arbeit. Kann man sich spontane Faulheit gönnen, resultiert daraus oft ein übermäßiger Arbeits- oder Energieaufwand. Das zeigt sich bei der Betrachtung der Frage, ob sich die Zeit für die Unterrichtsvorbereitung “lohnt” (Was ist anstrengender: Unterricht vorbereiten oder Tennis spielen?).

Es lohnt sich immer, in die Konzeption einer Klassenarbeit ein wenig Zeit zu investieren; die Leistungsprüfung wird so gerechter und transparenter. Als sehr, sehr angenehmer Nebeneffekt nimmt der Korrekturaufwand bei gut konzipierten Klassenarbeiten deutlich ab, wie das folgende Diagramm zeigt:

Diagramm: Korrekturaufwand im Verhältnis zum Konzeptionsaufwand bei einer Klassenarbeit
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Kommentare

17

Zum Artikel "Wie man eine GUTE Klassenarbeit konzipiert".

  • #1

    Guten Tag

    Ich freue mich sehr über diese Infos da ich als Referendarin eine Arbeit darüber verfassen muss.
    Meine Frage lautet daher: Gibt es Fachliteratur auf die sich dieser Artikel beasiert (und wenn ja, welche ist das?)
    Und eine weitere Frage: Kann jemand Bücher zum Erstellen von Klausuren (Tipps, Ideen, Vorschläge, pädagogische Begründung, verschiedene Aufgabenarten) empfehlen? Spezifisch für Psychologie wäre super, allgemein hilft mir aber auch sehr.

    So oder so recht herzlichen Dank. :)

    schrieb Sally am

  • #2

    Hallo,
    gibt es irgendwo sinnvolle Empfehlungen für Mindestpunktzahlen bei z. B. Proben/Schulaufgaben…?

    Je weniger Punkte es gibt, um so mehr besteht doch das Risiko, dass sich falsch gewichtete Aufgaben überproportional auswirken, oder?

    schrieb Fabian Müller am

  • #3

    Zunächst danke für den hilfreichen Artikel. Meine Gedanken gehen in eine ähnliche Richtung. Man kann aber nach meiner Erfahrung den Korrekturaufwand noch durch weitere Methoden erheblich verringern, u.a., indem man bei den Schülern eine Schreibhaltung verhindert, die ich “Panikschreiben” genannt habe. Mein Aufsatz zu diesen Erfahrungen ist zu umfangreich, als dass ich ihn hier als Kommentar posten könnte. Man findet ihn aber auf meiner Homepage:
    http://gerd-haehnel.de/deutsch/korrekturhilfen/

    Hier die Inhaltsübersicht des Artikels auf meiner Seite:

      1. Das Problem der Gerechtigkeit bei der Lehrerarbeitszeit
      2. Was mich beim Korrigieren belastet
      3. Können manche Schüler einfach nicht schreiben?
      4. Was ist professionelles Schreiben?
      5. In der Kürze liegt die Würze!
      6. Die Folienmethode: Schülertexte im Unterricht korrigieren
      7. Die Handymethode
      8. Gegen das Panikschreiben!
      9. Verschaffen Sie Ihren Schülern diese Zeit, indem Sie mit den Anforderungen der zentralen Klausuren argumentieren!
      10. Verschaffen Sie Ihren Schülern Ruhe durch Methoden der Streßbewältigung!
      11. Auch das Korrigieren selber können Sie sich erleichtern!
      12. Weiterführende Links und Ausblick
     
    Gerd Haehnel

    schrieb Gerd Haehnel am

  • #4

    Den Lösunghorizont “inständig zu Rate ziehen”? Inständig bedeutet nach Duden “sehr eindringlich und nachdrücklich; sehr dringlich”, z.B. “inständig bitten”. Hier ist doch wohl eher ständig gemeint ...

    schrieb Clemens am

  • #5

    Die Kommentare spiegeln viele Erfahrungen verschiedener Lehreransichten.
    Da ich mich besonders fuer das Thema “testen und pruefen “interessiere,wuerde ich eure Hilfe von grosser Bedeutung finden.
    Sonnige Gruesse

    schrieb Moussati am

  • #6

    “Zwischen 3,2und 3,8 darf der Schnitt liegen.”
    Ich erlebe es immer mehr, dass an Schulen die Vorstellung bezüglich Notengebung zwischen Schulleitung und Kollegium auseinanderdriften.
    Während die Schulleitung die unfähigsten und unwilligsten Schüler möglichst lange mitziehen möchte, bis die Eltern die Nachhilfestunden nicht mehr bezahlen wollen und selber merken, dass ein weiterer Schulbesuch eine Qual ist für ihre Kinder, sehen die “gewöhnlichen” Lehrer die Sache wesentlich realistischer. Dann heißt es eher:
    “Keinesfalls schlechter als 3,8, nach oben hin ist aber alles erlaubt!”

    schrieb Hugo Schuster am

  • #7

    @ Rainman

    Ja, auch ich sehe den GAUß als den größten Schwachsinn an, den man bei einer so kleinen Gruppe von 25-30 Leuten ja gar nicht anwenden kann.
    ABER: So abwegig ist das, was Hugo schreibt, dann auch wieder nicht. Ich weiß zwar nicht, woher das kommt,
    ABER: Es ist Fakt, dass abweichende Schnitte (zu schlecht, zu gut (man lasse sich das auf der Zunge zergehen: zu gut!) nirgendwo gerne gesehen werden. Ich selbst bin mittlerweile auf meiner vierten Schule, und in KEINER Schule gabe es in meinen beiden Fächern einen Fachbetreuer, der bei einem zu guten Schnitt nicht mal nachgefragt hätte, ob man es da den Schülern nicht etwas zu leicht gemacht hätte…
    Ich war mit 25 Referendarinnen und Referendaren zusammen im Seminar in der Ausbildung, die auch jeweils an mindestens 2 verschiedenen Schulen guten Unterricht gehalten haben. Von KEINEM einzigen hätte ich gehört, dass bei einer (zu) guten Arbeit etwa die Rückmeldung gekommen wäre: “Sie sind ein außerordentlich guter Lehrer, so ein guter Schnitt”. Nein, die Rückmeldung ist dann einfach “zu leicht”.
    Zwar ist es bei uns in Bayern explizit vorgeschrieben, dass man kriterienorientiert zu bewerten hat und sich auf keinen Fall an der Sozialnorm orientieren darf.
    ABER: die komplette Schulkultur ist auf die “richtigen Durchschnitte” getrimmt. Je nach Schule besser, je nach Schule schlechter. An meiner “schlimmsten” Schule hieß es diesbezüglich: Zwischen 3,2 und 3,8 darf der Schnitt liegen. Drüber oder drunter, dann haben Sie was falsch gemacht.
    Jetzt könnte natürlich einer sagen, das wären Einzelerfahrungen, aber ich rede ja viel mit vielen Kolleginnen und Kollegen, das ist an bayerischen Schulen Alltag, und das muss man einfach so feststellen.
    Rainman, an welcher Schule unterrichten Sie gut? So wie sich das anhört, sind es ja paradiesische Zustände, dürfen Sie auch Klassenarbeiten mit einem Schnitt von sagen wir mal 1,3 herausgeben ohne Ärger zu bekommen? Dann will ich dort hin.

    schrieb Peter am

  • #8

    @Rainman(9)
    Das ist noch nicht der größte Unfug, den ich erlebt habe. An unserer Seminarschule - vor vielen Jahren - wurden die Schüler nach Verhalten und Leistungstand den einzelnen Klassen zugewiesen. Die strebsamsten und artigsten waren z. B. in der 8A, solche, die viel Ärger machten, lernunwillig waren, mehreren Verweise hatten, aus einem problematischen Elternhaus stammten usw. schließlich in der 8D. In den D-Klassen durften schwerpunktmäßig Referendare, Austauschlehrer, Aushilfslehrkräfte usw. ihr Können erproben. Der Schulleiter, sein Stellvertreter und die älteren und erfahrenen Lehrkräfte wurden selbstverständlich nur in den A-Klassen eingesetzt. In diesem System konnte man auch auf-
    bzw. absteigen. Wer in der 8A ein paar Mal unangenehm aufgefallen war, kam im nächten Jahr in die 9B, dafür wechselte ein guter Schüler von der 8B in die 9A.

    schrieb Hugo Schuster am

  • #9

    @ Hugo (8)
    Vielleicht sollte man dieser Dienstaufsicht, die du erwähnst, einmal mitteilen, dass diese Vorgehensweise in der Pädagogik als Tendenz zu Mitte bezeichnet und als Fehler im Benotungsprozess betrachtet wird!!!
    Eine Gaußsche Verteilung/Glocke in der Notenverteilung erreichen zu wollen, sollte bitte hoffentlich spätestens bei den Mathematikern alle Alarmglocken klingeln lassen!
    Seit wann ist denn eine Klasse/Kurs eine statistisch relavante Gruppengröße!? Nur weit über solchen Größenordnungen wäre diese statistische Verteilung nämlich als Zielstellung gerechtfertigt!!!
    —> Das wär ja so, als hätte ich in ner Sportgruppe einen Kaderturner und damit niemand sonst die Chance ne gute Zensur zu bekommen.
    EIN WORT: SCHWACHSINN!
    Solche Schulleiter/Dienstaufsichtsbeamte gehören ihrer Ämter enthoben!

    schrieb Rainman am

  • #10

    Noch ein Tipp von mir. In manchen Fächern dürfen die Schüler das Angabenblatt erhalten. Sie bekommen dann einen Tag vor der Rückgabe eine
    “Lösungserwartung”. In dieser müssen Sie dann die Teile, die nicht vorhanden sind oder falsch waren markieren. In anderen Fällen achte ich peinlich darauf, dass die Angaben keinesfalls bei den Schülern verbleiben. Diese Arbeiten können durchaus wieder einmal verwendet werden. Nach der Korrektur schreibe ich einen kurzen Kommentar, z. B. “gut zu korrigieren, keine Zweifelsfälle” oder “recht aufwändig, so nicht mehr stellen”.
    Eine Sache wurde hier noch gar nicht angesprochen. Es gibt leider Schulen, an denen die Dienstaufsicht genaue Regeln vorgibt, welche Schnitte und welche Notenverteilungen zu erreichen sind. Dann gibt es ein “Einser-Brems-System”, ein
    “Sechser-Brems-System” und Aufgaben, bei denen man mit den Bewertungseinheiten ein wenig tricksen kann. Im Schulwesen gilt das Prinzip: “Gut gemeint, aber nichts gedacht, bewirkt stets das Gegenteil des Gewollten!”
    Für Schüler wirkt das oben genannte System äußerst demotivierend, ein Einser ist kaum zu schaffen, einen Vierer hat jeder, auch der überhaupt nicht gelernt hat. Die größte Dummheit, die je ein Schulleiter erdacht hat ist, dass schlechte Arbeiten wiederholt werden, bis der Schnitt stimmt, auch wenn offensichtlich eine Leistungsverweigerung die Ursache war.
    So etwas gab es an der Schule, an der ich Referendar war. Wir wurden von den Schülern
    richtiggehend erpresst!!

    schrieb Hugo Schuster am

  • #11

    @Raimann 6

    Was hier wirklich hilft, ist ein Sichtschutz (wie z.B. Timetex “Clausura”) - große, aufstellbare Pappen, mit denen man die Schüler/innen quasi hermetisch abschirmen kann. Somit unterbindet man zumindest den schnellen Blick ins Nachbarheft, was die notwendige Aufsichtsaktivität schon merklich reduziert.

    schrieb Der Lehrerfreund am

  • #12

    Eine wirklich gute Darstellung!
    Besonders die Probleme der Nachkorrektur der Punkteschlüssel habe ich selbst als Schüler häufiger erlebt.

    Kritisch sehe ich die Lösung der eigenen KL während die Schüler dies auch tun.
    Zwei Gründe:
    1. Finde ich “Stolpersteine, ist es nun viel zu spät um korrigierend nachzubessern.
    2. Im Ref wurde uns eingeschärft, dass wir Aufsicht zu führen haben! Heißt in jeder KL sind die gleichen Normen ähnlich ein Abiturprüfung einzuhalten.—> keine Nebenbeschäftigung, sondern AUFSICHT!

    schrieb Raiman am

  • #13

    “... ein Muster der Klassenarbeit ... Die Schüler wissen genau, was meine Anforderungen sind und müssen in der Arbeit nicht mehr kämpfen mit “Was will der eigentlich von mir?” “
    - Dabei besteht aber die Gefahr, dass sie sich auf solchen ‘Service’ verlassen, nicht mehr selbst die Aufgaben lesen und verstehen, sondern nach ‘Schema F’ abarbeiten.
    Die Macher des Mathe-Adventskalenders http://www.mathe-im-advent.de wirken recht genervt durch so ‘Verwöhnte’ (sorry, mir fällt kein besseres Wort ein):
    “Wir bitten alle sich die Aufgaben und die Spielregeln genau durchzulesen, da wir sehr viele Anfragen von Personen bekommen, die diese nicht genau gelesen haben.”
    Steht in diesem Jahr zum ersten Mal dort - und hat mich ziemlich erschreckt.

    schrieb Db am

  • #14

    :-)
    Ich gehe sogar noch einen Schritt weiter und gebe den Schülern eine Woche vorher ein Muster der Klassenarbeit (mit anderen Zahlen, leicht anderen Aufgaben).
    Gerade im Bereich Sek1 hilft das vielen Kindern, die Ängste vor einer Klassenarbeit abzubauen, die Aufgabenstellungen zu verstehen und sich intensiv vorzubereiten.
    Die Schüler wissen genau, was meine Anforderungen sind und müssen in der Arbeit nicht mehr kämpfen mit “Was will der eigentlich von mir?”

    schrieb Jan am

  • #15

    Schwieriger finde ich, den Erwartungshorizont mit der Klassenarbeit den Schülern zu geben.

    Jan, das Wort “Erwartungshorizont” im Artikel war nicht gut gewählt, es heißt dort jetzt “Anforderungskatalog”. Ein Erwartungshorizont enthält wohl konkrete Lösungsvorschläge zu den einzelnen Aufgaben (wie von dir in #2 beschrieben), der Anforderungskatalog dagegen ist nur eine Liste mit den Themen, die als gekonnt/gelernt vorausgesetzt werden.

    Den Erwartungshorizont (den man durchaus erst in Schritt 5 (s.o.) anfertigen kann) muss man tatsächlich nicht unbedingt austeilen - oft wird der Erwartungshorizont für die Schüler/innen nichts weiter als ein Instrument, um Korrekturfehler nachzuweisen.

    Den Anforderungskatalog würde ich aber IMMER herausgeben oder (dem Vorschlag von Peter in #1 folgend) gemeinsam mit den Schüler/innen erarbeiten.

    schrieb Der Lehrerfreund am

  • #16

    Vielen Dank für diesen Artikel.
    Ich bin (als Mathematiklehrer) ein großer Anhänger eines Erwartungshorizontes… geworden. Denn ich habe das selbst als Schüler nie erfahren und habe das erst bei einer Kollegin kennengelernt.

    Schwieriger finde ich, den Erwartungshorizont mit der Klassenarbeit den Schülern zu geben. Insbesondere bei Mathematikarbeiten wird der zwei Seiten lang - denn für jede Teilaufgabe gibt es ja differenziert Punkte für Rechenweg, Skizze, Lösung, erkennen eines bestimmten Zusammenhangs etc. Da würden die Schüler mehr im Erwartungshorizont schmöckern, als die Klassenarbeit bearbeiten.

    Toll fände ich, wenn ihr eine Beispielarbeit mit einem Erwartungshorizont hier präsentieren würdet - dann fällt der Sinn eines solchen Bogens noch viel leichter. :-)

    schrieb Jan am

  • #17

    Einen Liste mit den zu prüfenden Inhalte gebe ich beispielsweise nie heraus. Ich habe nämlich die Erfahrung in der Oberstufe gemacht, dass die Schüler oftmals nicht gelernt haben sich selbst mit dem Stoff so auseinander zu setzen, dass sie selbst eine solche Liste machen können. Im Studium wird das dann aber erwartet.

    Ich erstelle eine Liste für ich und erarbeite dann mit den Schüler eine Liste. So muss jeder Schüler eine Woche vorher eine Liste als Hausaufgabe erstellen. Im Unterricht werden die unterschiedlichen Listen dann zusammen geführt.

    Ich halte das für sinnvoller als einfach was Fertiges weiterzugeben.

    Ansonsten gebe ich dem Artikel aber mal wieder voll und ganz recht. Ein wirklich tolles und informatives Forum. Danke!

    schrieb Peter am

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