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Spitzenreiter Deutschland, Dänemark, Österreich

Lehrer-Gehälter in der EU im Vergleich, 2009/2010 08.10.2011, 21:33

Ausschnitt: Diagramm Lehrergehalt in der EU

Beim internationalen Vergleich von Lehrergehältern wird meistens vergessen, die Arbeitszeit (Deputatsstunden) und das nationale Lohnniveau einzurechnen. Der vom Lehrerfreund weiterinterpretierte EU-Bericht kommt trotzdem zu erwartbaren Ergebnissen: Deutschlands und Österreichs Lehrer/innen verdienen ziemlich gut. Am besten hat man es als Lehrer/in in Dänemark.

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  • (geändert: )

Die EU-Kommission hat am 04.10.2011 einen knapp 100-seitigen Bericht Teachers' and School Heads' Salaries and Allowances in Europe, 2009/10 (PDF) (Gehälter und Zulagen von Lehrern und Schulleitern in Europa, 2009/2010) vorgelegt. Im Bericht werden alle Stufen der Vorschule, Primarstufe und der Sekundarstufen abgedeckt und die altersbedingten Gehaltsentwicklungen und Zulagen berücksichtigt (nur öffentliche Schulen, keine Privatschulen). Es wurden die Gehälter von Lehrer/innen in den 27 EU-Mitgliedstaaten betrachtet, außerdem in Island, Liechtenstein, Norwegen und der Türkei.

Als zentrale Ergebnisse nennt die Europäische Kommission:

In fast allen europäischen Ländern liegen die Brutto-Eingangsgehälter für Lehrer unter dem nationalen Pro-Kopf-BIP – und nur in einigen wenigen Mitgliedstaaten verdoppelt sich ihr Einkommen im Laufe ihres Arbeitslebens. [...]

Soweit Zahlen verfügbar sind, lässt sich feststellen, dass – unter Berücksichtigung von Grundgehalt und Zulagen – die Lehrer in Luxemburg, Dänemark und Österreich die bestbezahlten in der EU sind. Am anderen Ende liegen die Lehrer in Bulgarien und Rumänien. Sechs Millionen Lehrer sind derzeit in den Mitgliedstaaten beschäftigt. [...]

Der Bericht zeigt, dass ­das Brutto-Eingangsgehalt von Lehrern in allen Mitgliedstaaten außer Deutschland, Spanien und Portugal unter dem nationalen Pro-Kopf-BIP liegt. Nur in drei Ländern (Zypern, Portugal und Rumänien) haben Lehrer die Chance, im Laufe ihres Berufslebens ihr Grundgehalt zu verdoppeln. Aber selbst in diesen Ländern dauert es mehr als zwanzig Jahre, in die höchste Gehaltsgruppe aufzusteigen.

In den meisten europäischen Ländern gibt es neben dem Grundgehalt eine Reihe von Zulagen; aber nur in der Hälfte der Länder werden spezielle Zulagen für fachliche Höherqualifizierung und besondere Leistungen gewährt.

In der Praxis liegen Lehrergehälter einschließlich Zulagen nahe am oberen Rand der Einkommensskala in vielen Ländern. Dies liegt an der alternden Lehrerschaft und an den Zulagen. In Dänemark (61 804 EUR), Griechenland (22 817), Finnland (44 775 EUR) und England (35 580 EUR) nehmen die Lehrer dank dieser Zulagen im Durchschnitt sogar mehr mit nach Hause als alle anderen. [...]

Eingangsgehälter von Lehrern nicht attraktiv, so ein Bericht (EU-Kommission 04.10.2011)

Vergleich der Lehrergehälter in der EU fast unmöglich

Die Daten sind im Bericht akribisch zusammengetragen und ausgewertet. Dennoch sind die Zahlen kaum auswertbar: Zulagen, Unterrichtsverpflichtung, regionale Unterschiede, Anzahl der unterrichteten Schüler/innen, Abhängigkeit von Ausbildungsdauer und Lehrerfahrung etc. machen den Vergleich zwischen den einzelnen Ländern fast unmöglich. Ein besonders eindrückliches Beispiel sind die Anmerkungen zu den Lehrergehältern in Lettland:

The minimum and the maximum basic gross annual statutory salaries are calculated on the basis of 18 pedagogical hours per week. The rate of the monthly tariff-based salary for teachers without any qualification category and established education amounts to 8.9- 9.5 of the basic monthly salary and is applied irrespective of the length of their teaching service. In addition to class contact hours (in the event that the teacher has 18 class contact hours per week), tariff-based salaries for teachers additionally include hours for checking of pupils‘ written work (from 0.5 to 2.5 hours depending on the subject and the number of pupils in class), performance of the role of a class(group)master or class(group)mistress (from 2.5 to 5 hours depending on the number of pupils in class), preparation for lessons (3.5 hours) and other additional activities.

Teachers' and School Heads' Salaries and Allowances in Europe, 2009/10 (PDF), S. 48

Für die folgende Auswertung wurden deshalb die im Bericht angegebenen Durchschnittswerte für die einzelnen EU-Staaten genommen. Wenn diese nicht vorhanden waren, wurde aus den Minimal- und Maximalwerten der Grundgehälter ein Durchschnitt gebildet (der als absolute Zahl nicht immer genau zutreffen wird: In Deutschland gibt es viele ältere Lehrer/innen, so dass das durchschnittliche Gehalt eher höher liegt). In den folgenden Grafiken wurden die Länder, bei denen das durchschnittliche Gehalt so geschätzt wurde, mit einem Stern (*) versehen.

Lehrer/innen in Luxemburg, Dänemark und Österreich verdienen die meisten Euros

Von den absoluten Zahlen her gesehen (Euro-Beträge, brutto, Jahresverdienst) sind die Lehrer/innen in Luxemburg, Dänemark und Österreich am besten dran. Man beachte auch die teilweise großen Unterschiede zwischen den Schulstufen: In Österreich verdienen Lehrer/innen in der Primarstufe (Grundschule) deutlich weniger als in den Sekundarstufen; in Dänemark verdient man in der Sekundarstufe II rasch mal jährlich 15.000 Euro mehr als in der Primarstufe und der Sekundarstufe I.

Lehrergehälter in der EU (brutto jährlich, in Euro; 2009/2010)

Natürlich sind absolute Beträge nicht besonders aussagekräftig. Einerseits muss berücksichtigt werden, wie viel Arbeitszeit für das (hohe oder niedrige) Gehalt investiert werden muss. Eine solche Rangliste haben wir auf Grundlage eines OECD-Berichts bereits erstellt, allerdings sind die Daten auf dem Stand von 2005. Hier kamen Luxemburg, Japan, Korea und Deutschland auf die vorderen Ränge, was das Verhältnis von Arbeitszeit und Gehalt betrifft. Mehr: Lehrerfreund 19.10.2008: Lehrer-Arbeitszeit im internationalen Vergleich.

Lehrer/innen in Dänemark, Deutschland und Österreich am besten bezahlt

Außerdem ist natürlich zu fragen, wie das Gehalt im nationalen Durchschnitt zu sehen ist. Als Vergleichsgröße bietet sich hier das BIP an (Bruttoinlandsprodukt).
Präziser wäre die Verwendung des BNE (Bruttonationaleinkommen); da BNE und BIP jedoch in den meisten Staaten nur wenig von einander abweichen, ist das BIP als Vergleichsgröße durchaus sinnvoll. Eine Ausnahme bildet Luxemburg (wegen der vielen Grenzgänger); das tatsächliche BNE liegt hier deutlich niedriger, als die Statistiken nahelegen.

Im folgenden Diagramm werden die Lehrergehälter in Bezug zum BIP pro Kopf gesetzt. Dargestellt ist die Abweichung in Prozent. So liegt der Verdienst einer Lehrer/in in der Sekundarstufe II (grüner Balken) in Dänemark 160% über dem dänischen BIP.

Auch in Deutschland und Österreich ist der Verdienst von Lehrer/innen im Verhältnis zur nationalen Wirtschaftssituation außergewöhnlich hoch, wobei in Österreich der Primarbereich ziemlich abgeschlagen ist. In Deutschland liegt die Unterrichtsverpflichtung dabei deutlich über dem OECD-Schnitt, während in Österreich und Dänemark das Gegenteil der Fall ist.

Ganz düster sieht es für Bulgarien, Rumänien, die Slowakei, Ungarn und die Tschechische Republik aus - hier liegt das Gehalt von Lehrer/innen deutlich unter dem nationalen Durchschnittseinkommen.

Lehrergehälter in der EU in Relation zum BIP (Bruttoinlandsprodukt)

Fazit

Ein Blick auf die Grafiken zeigt, dass Lehrer/innen in den östlichen EU-Staaten eher schlecht verdienen, auch gemessen am niedrigeren Lohn-Niveau dieser Länder; das trifft auch für die Staaten zu, die hier aus ökonomischen Gründen weggelassen wurden, im EU-Bericht aber behandelt werden (Lettland, Litauen, Slowenien etc.). In den anderen EU-Staaten liegt der Verdienst jedoch (teilweise deutlich) über dem jeweiligen nationalen Durchschnitt, wobei die Lehrergehälter in Italien, Frankreich und Griechenland nicht übermäßig üppig ausfallen.

Letztlich muss als Vergleichsgröße neben dem nationalen Lebensstandard auch immer noch die Arbeitszeit herangezogen werden, die sich in den einzelnen Staaten der Erde deutlich unterscheidet. Der OECD-Vergleich 2005 zeigt eine Spanne von 505 (Japan) bis 1080 (USA) Unterrichtsstunden, die pro Jahr zu unterrichten sind.

Anhang: Tabellen

Die Diagramme sind erstellt auf den Daten, die der Bericht der EU-Kommission (PDF) enthält. Das BIP für 2010 nach der Statistik BIP je Einwohner (PDF) der Wirtschaftskammern Österreichs (WKO).

 Primar-stufe Sekundar-stufe I1 Sekundar-stufe II BIP/Kopf
 ø Gehalt (€)% BIPø Gehalt (€)% BIPø Gehalt (€)% BIP(€)
Bulgarien4271-60,14271-60,14271-60,110711
Rumänien5063-54,05063-54,05063-54,011004
Slowakei9363-48,99363-48,99471-48,318307
Ungarn8538-46,28538-46,210156-36,015859
Tschechi-sche Republik11372-43,411372-43,412170-39,420086
Estland9607-39,29607-39,29607-39,215812
* Türkei10142-9,010142-9,010142-9,011142
Griechen-land228185,9228185,9228185,921543
Italien272448,12971917,93096622,825212
* Frank-reich3347427,53588136,73635238,526250
England3479527,63849941,13849941,127277
* Nieder-lande4179731,14328835,85201063,231870
Luxem-burg8831532,810147152,610147152,666509
Portugal2986552,63152761,13152761,119573
* Spanien3504141,54001861,64255671,924762
Finnland4008843,74477560,54987578,827898
Österreich4058533,15766389,05766389,030503
* Deutsch-land4479254,05001571,95469888,029087
Dänemark61804109,261804109,277108161,029544
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Kommentare

30

Zum Artikel "Lehrer-Gehälter in der EU im Vergleich, 2009/2010".

  • #1

    Die Tabellen wurden von der OECD so veröffentlicht.

    Dabei sind die absoluten Zahlen ja nur ein Teil; interessant ist ja auch die Relation zur Arbeitszeit. Hier: Lehrer-Arbeitszeit im internationalen Vergleich

    schrieb Der Lehrerfreund am

  • #2

    Durch Zufall bin ich über ihre Seite gestolpert. Die Gehaltstabellen sind doch in allen EU-Ländern offiziell und von jedem prüfbar. Mir ist es daher ein Rätsel, dass ihre Angaben über die österreichischen Lehrergehälter so extrem falsch sind. Sie sind 2011 von einem Durchschnittsgehalt von 4.805 Euro ausgegangen. Das liegt über dem offiziellen Endgehalt von 2012. Selbst wenn sie die Überstunden dazu zählen (was verfälschend wäre) schaffen sie diese Zahlen nicht.
    Irgendwie wirkt das auf mich sehr eigenartig. Außerdem würde mich interessieren, von welchen Zulagen hier immer gesprochen wird. Ich bin seit 20 Jahren Lehrer. Abgesehen von einem Kinderzuschuss in der Höhe von 15,60 Euro bekomme ich nur dann eine “Zulage”, wenn ich zusätzliche Arbeiten verrichte.
    Lustig finde ich es auch immer, wenn dänische, deutsche, österreichische Gehälter mit jenen aus dem ehemaligen Ostblock verglichen werden. Dann müsste man aber auch vergleichen, wie viel ein Lehrer für seine Wohnung in Kopenhagen, München oder Wien verglichen mit einer Wohnung in Bukarest ausgeben muss.
    Schade finde ich es auch, dass die Gehaltstabellen von Liechtenstein, Schweiz oder Norwegen fehlen. Da können wir uns nämlich ganz hinten anstellen….

    schrieb Walter Kulha am

  • #3

    @ Hannah
    Genau das Pensum von dem ich auch geschrieben habe - als Lehrer.

    schrieb GriasDi am

  • #4

    Hallo Hannah,
    interessant wäre noch zu wissen, wieviel du verdienst?
    Grüße Josh

    schrieb Josh am

  • #5

    Ich wurde nach dem Referendariat nicht übernommen (Englisch, Französisch), habe ein Jahr an einer Privatschule gearbeitet und dann in der Industrie. Nach knapp acht Jahren, vielen Fortbildungen (zum guten Teil im Urlaub) leite ich das Marketing (2 Mitarbeiter) bei einer amerikanischen Firma. Meine offizielle Wochenarbeitszeit ist 40 Stunden, ich habe 28 Tage Urlaub (praktisch jedes Jahr verzichte ich auf 2-4 Tage). Ich habe pro Woche im Durchschnitt 10-15 Überstunden im Büro, nicht gerechnet sind Reisezeiten (z.B. Jan. und Feb. drei Flüge in Deutschland, zwei nach Frankreich, einer nach UK, einer US-Westküste immer ganz am Morgen oder abends nach 19:00, der Flug nach USA war am Sonntag hin und am Samstag zurück). Wie gesagt, diese Reisezeiten rechne ich nicht ein. Ich bin kein Einzelfall, alle in meiner Firma und viele bei unseren Kunden und Geschäftspartnern arbeiten so. Dazu kommt das kurzfristige amerikanische Denken, Mitte letzten Jahres wurden 18 Kollegen entlassen.

    Und dann lese ich hier die Rechtfertigungen der Lehrer mit 26 Stunden a 45 Minuten, die ungeheuren Vorbereitungs- und Korrekturzeiten und dass gegen Ende der großen Ferien ja auch gearbeitet werden muss. Und das als Beamte ohne Arbeitsplatzrisiko und mit Beihilfe.

    Einige meiner Freunde sind Lehrer, manche engagieren sich sehr und kümmern sich um einzelne Schüler. Es gibt aber genug, die ihren Unterricht machen, 2-3 Stunden pro Woche korrigieren und zusammenbrechen, wenn Elternsprechtag ist, weil sie dann bis 19:00 Uhr in der Schule bleiben müssen.In den Sommerferien werden 2-3 Tage investiert, um die Unterlagen auf Vordermann zu bringen.

    Der Job mit den vielen und teilweise schwierigen Schülern ist anstrengend, aber das ist mein Job auch. Ich kann das Gejammer vieler Lehrer nicht mehr hören!

    schrieb Hannah Ohl am

  • #6

    Hallo Hugo,

    dem kann ich voll zustimmen, was Sie da über “Nehmerqualitäten” sagen. Hat die/der LehrerIn diese Fähigkeit nicht, wird sie/er am meisten darunter leiden, und nicht wenige zerbrechen daran. Auf der anderen Seite ist eine gewisse Sensibilität in diesem Beruf unbedingt erforderlich, und dass weitere konstruktive und kreative Kompetenzen dazu kommen müssen, ist ja klar.
    Das ist hier nicht das Thema. Ich sehe auch ein, dass es nichts nützt, hier utopische Vorstellungen auszubreiten, die erstens nie realisiert werden (ich glaube, dass die assessment-center vorwiegend aus Kostengründen wieder verworfen wurden) und zweitens für die im Dienst befindlichen KollegInnen nicht hilfreich sind.
    Die große Mehrzahl dieser aktiven KollegInnen würden aber sich selbst und der Schule als solcher einen Gefallen tun, wenn sie die inkompetente Minderheit unter ihnen selbst vor’s Schienenbein treten und ihnen den Schutzschirm falsch verstandener Kollegialität verweigern würden. Denn letztere sind es, die das Image des ganzen “Standes” beschädigen. Was ein/e solche/r Versager/in kaputt macht, können drei Engagierte nur mühsam reparieren.
    Ich schließe mit den Worten meines allerersten Schulleiters, die er mir vor 41 Jahren als jungem Spunt mit auf den Weg gab. Worte, die mich damals schockiert haben und die ich nicht glauben wollte. Ich wünsche allen, dass sie sie als falsch oder übertrieben erleben:
    “Es gibt keinen Berufsstand, der das Wort ‘Kollege’ so oft im Mund führt wie die Lehrer. Und es gibt keinen Berufsstand, der so unkollegial ist wie die Lehrer.”

    schrieb Erik Hoffmann am

  • #7

    Lieber Herr Hoffmann,
    entschuldigen Sie, dass ich unterstellt habe, Sie seien kein Lehrer gewesen, aber es treiben sich in diesem Forum soviele Trolle herum, dass ich immer stutzig werde, wenn hier Aussagen kommen, die von einer gewissen “Blauäugigkeit” sind, die man zwar bei Eltern und Politikern, nicht aber bei erfahrenen Lehrern findet.
    Reden Sie doch einmal mit Praktikern, die diese assessment-center z. B. aus der freien Wirtschaft kennen. Richtig ist, dass
    Leute dabei viel Geld verdienen, die diese Tests durchführen.
    Wer ist für den Lehrerberuf geeignet?
    Meine Meinung: Jemand muss mit zwei Messern im
    Rücken aufrecht gehen können und Tritte aufs Schienbein wegstecken können, nicht resignieren und wieder aufstehen,
    wie ein Kegel auf der Kegelbahn, dann ist er für den Beruf geeignet. Verzeihen Sie das Beispiel. Sie haben Eiskunstläufer vor sich und aus diesen wollen Sie Personen auswählen und
    umschulen zum Eishockeyspieler. Wenn einer perfekt Schlittschuh läuft, ist das schon mal nicht schlecht, aber beim Eishockey braucht er keinen Rittberger, dafür aber Nehmerqualitäten ...
    Viele Grüße
    Hugo

    schrieb Hugo Schuster am

  • #8

    Hallo, Herr Schuster,

    ich entnehme Ihrem Beitrag im Grunde nur zwei Aussagen.
    1) Ich sei kein Lehrer gewesen. Das hätten Sie besser unterlassen, denn es ist eine persönliche Beleidigung, mir da eine Lüge zu unterstellen. Es ist exakt so, wie ich gesagt habe.
    2) Eine zielführende Auslese geeigneter Lehramtsbewerber sei unmöglich. Wenn Sie zur Begründung auf gute und sehr gute Prüfungsergebnisse von Referendaren hinweisen, die sich in der Folge als “Krücken” herausstellten, haben Sie mich überhaupt nicht verstanden. Es gibt garantiert brauchbare Verfahren, die man natürlich bereits auf den Unis anwenden müsste. Denken Sie mal an die assessment-center, mit denen man vor Jahren in Niedersachsen angehende Schulleiter auswählen wollte (Mit dem Hinweis auf die entscheidende Rolle der SchulleiterInnen haben Sie völlig recht.). Diese sind aber aus dem Modellversuch-Stadium nicht herausgekommen, warum auch immer.
    Was einen guten Lehrer - neben der fachwissenschaftlichen Qualifikation ausmacht, liegt auf der Hand, und r.werner hat’s im Wesentlichen gesagt. Keiner kann mir erzählen, dass man das mit entsprechendem Aufwand nicht bei den Lehramtsstudenten abtesten kann.  Man muss es wollen und man muss es bezahlen und man muss auch anschließend die LehrerInnen entsprechend bezahlen! Denn es werden die Besten der Besten sein.

    schrieb Erik Hoffmann am

  • #9

    Lieber Herr Hoffmann,

    Ich glaube zwar nicht, dass Sie ein Lehrer waren, aber anscheinend sind sie bildungspolitisch interessiert, und deshalb sollten Sie etwas dazulernen!

    Es gibt einen emeritierten Professor, ich glaube in Regensburg, der meint, bereits vor Beginn des Studiums feststellen zu können, ob jemand für das Lehramt geeignet ist.
    Ich habe da so meine eigenen Vorstellungen. Dass man als Lehrer oft harte Fouls von Schülern und Eltern einstecken muss, glaubt fast jeder Lehramtsstudent, der bei uns sein Praktikum ableistet. Die wirklichen Tiefschläge kommen aber aus einer ganz anderen Richtung. Schulen werden im Allgemeinen von Schulleitern „geleitet“, die diesen Job nirgends gelernt haben. Rationelle Abläufe im Büro, effiziente Konferenzen und eine motivierende Menschenführung, woher soll das kommen? Wer wagt es, einem Schulleiter das erforderliche Feedback zu geben? Gelegentlich einmal ein Elternbeirat, aber das war es dann auch schon.

    Wie wollen Sie die Problemfälle aussortieren? Wir hatten nicht wenige Referendare an unserer Schule, welche mit Spitzenergebnissen ihre Prüfungen abgeschlossen hatten. Jeder war froh, und zwar die Schulleitung, das Kollegium und vor allem die Schüler, als diese jungen Leute unsere Schule wieder verließen.

    Ich habe Kollegen kennen gelernt, die waren zu Beginn des Referendariats bereits brauchbar, haben sich aber in 30 Jahren kein bisschen weiterentwickelt. Und es gab andere, die an sich arbeiteten, und heute zu den besten Leuten an unserer Schule zählen, obwohl die ersten Jahre eine Katastrophe waren. Es gab Lehrkräfte, die im ersten Jahr hochengagiert waren und in jeder Hinsicht vorbildliche Arbeit leisteten. Unsere beiden damaligen Chefs brachten diese dazu, dass sie bereits im zweiten Jahr nur noch das Allernötigste taten. Es gibt im Schulwesen nämlich Gesetzmäßigkeiten, die nur die Insider kennen: „Wer einmal sein Talent zeigt, der ist ein Leben lang der Dumme!“ Welchen Lehrern gibt man denn die Problemklassen, und noch wichtiger, welchen Lehrern gibt man sie nicht?

    Wenn Sie eine Fußballmannschaft übernehmen, die im vorigen Jahr abgestiegen ist, dann dürfen Sie auch ab und zu verlieren, jeder hat dafür Verständnis. Es gibt Damen bei uns, die stolz darauf sind, in 20 Jahren keinen einzigen Verweis ausgestellt zu haben. Ein sehr gute Kollegin hat sich von unserer Schule nur deswegen wegbeworben, weil sie keine Lust mehr hatte, ständig “den Feuerwehrmann” spielen zu müssen.

    schrieb Hugo Schuster am

  • #10

    Ich war fast 40 Jahre lang Lehrer und habe an Hauptschule, Realschule und Gymnasium unterrichtet. Zur Frage einer angemessenen Lehrerbesoldung möchte ich auf

    “r.werner” und seinen Beitrag vom 31.10.2011, 12:04 Uhr zurückkommen, denn mit seiner Einteilung der Lehrkräfte in drei Qualitätsgruppen hat er etwas Wahres und WESENTLICHES gesagt - selbst wenn man die Verteilung nicht auf die Goldwaage legen darf. Ich ziehe daraus für die Frage, wie Lehrkräfte zu besolden sind, folgenden Schluss:

    1) NEUE Lehrkräfte sind so zu besolden, dass sie zu den SPITZENVERDIENERN im Lande gehören!
    2) Auf der anderen Seite sind sie so sorgfältig auszulesen, dass die “Plattfußindianer” gar nicht erst eingestellt werden.
    3) Im selben Zuge müssen die Arbeitsbedingungen erheblich verbessert werden, d.h. die Lehrerinnen und Lehrer müssen von sinnlosen und stumpfsinnigkeiten Tätigkeiten entlastet und ihre Position gegenüber Eltern und Vorgesetzen aufgewertet werden.

    Dieser Dreiklang würde helfen, dass die BESTEN KÖPFE UND CHARAKTERE im Lande Lehrer/in werden!

    Aber - “schön, dass wir drüber geredet haben.”

    schrieb Erik Hoffmann am

  • #11

    @Mister M.

    Waaaas, wo steht das?

    Mir fällt allerdings gerade ein, dass ich das schon im Ref gehört habe. Die Berufsbezeichnung “Lehrer” sei keine geschützte und es gäbe für uns keine Arbeitsplatzbeschreibung (wie übrigens für die meisten Berufe) deshalb könnte sich jeder, der im weitesten Sinne irgend etwas lehrt Lehrer nennen.

    Welcher Thread ist das denn?

    schrieb Schülerfreund am

  • #12

    @Schülerfreund:

    Vielleicht ist er Fahrlehrer? Oder Fitness-Lehrer (Trainer)? Oder Nachhilfelehrer? Die zählen doch bei den Gehaltsvergleichen neuerdings mit (genauso wie Tagesmütter, siehe anderer Thread).

    schrieb Mister M. am

  • #13

    Günther, wo unterrichten Sie?

    ich unterrichte bei 40 Unterrichtswochen und 28 Stunden 1120 Stunden á 45 Minuten = 840 Zeitstunden!

    Sie unterrichten Jahr für Jahr das Gleiche? Ich habe unterschiedliche Jahrgangsstufen und tatsächlich unterschiedliche Schüler. Sicher kann ich alte Materialien nutzen, aber meist müssen sie ebenfalls aufbereitet werden.

    Und selbst wenn… Korrigieren Sie nicht? Es ist doch vollkommen egal, wenn ich ein und denselben Inhalt 20 Jahre machen würde, müssten ja doch auch Arbeiten korrigiert werden. Das entfällt doch nicht, auch wenn man es schon mehrfach durchgenommen hat???

    Günther, Hand auf´s Herz: Sie sind doch gar kein Lehrer ;-)

    schrieb Schülerfreund am

  • #14

    Wichtig wären hier auch die Erwähnung der Nettoarbeitsleistung und Nettolohn. Also auch die Frage von Bezügen und Pension. Das wollen viele Kollegen und Kolleginnen gerne mal vergessen. Bei 707 Unterrichtsstunden (á 45 Minuten) Sollte man mal auf dem Teppich bleiben. Und kommen sie mir nun nicht mit den ach so Unmengen an Vorbereitungen die für jede Stunde getroffen werden muss.

    Wir sind keine Wissenschaftler und lehren Jahr ein Jahr aus das gleiche.

    schrieb Günther am

  • #15

    Ich arbeite als Lehrer in einer privaten Berufsschule des DRK in einem Berufsbildungswerk (= Reha Einrichtung, Menschen mit meist psychischen Problemen). Ich bin Angestellter, Quereinsteiger mit Dipl. Abschluss FH,  und wurde bei meiner Einstellung im alten BAT erst mal 8 Jahre jünger gemacht. Der neue Tarifvertrag von 2007, den die Gewerkschaft verdi für uns “ausgehandelt” hat, beschert mir 9 Jahre und 9 Monate keine finanzielle Aufstiegsmöglichkeit innerhalb dieses neuen Konstruktes. Ich werde jetzt also einige Jahre Netto-Nullrunden aussitzen, da mir das Arbeiten mit jungen benachteiligten Menschen nach wie vor Spaß macht ... fragt sich nur wie lange noch. Und eins noch ... verdi ist sehr zu empfehlen:(

    schrieb Edmund Rieker am

  • #16

    @ Volker Kalisch

    Sie haben recht. Mein Eindruck ist, dass hier “Beamtenbrutto” angesetzt wurde, bei dem deutlich mehr netto bleibt. Der Balken für die Sek 2 liegt deutlich unter 60.000 Euro, etwa bei 55.000.

    Zur Orientierung: einem Beamtenbrutto von ca. 52.000 Euro (Studienrat in BW, A13, 35 Jahre, verheiratet, kinderlos, priv. KK-Anteil 250 Euro bereits eingerechnet) entsprechen aktuell ca. 66.000 Euro soz.-pfl. (“normales”) Jahresbrutto bei etwa gleichem Nettolohn

    Damit liegt ein junger Studienrat, der noch mehr als 30 Dienstjahre mit entsprechenden Bezugssteigerungen vor sich hat, bereits deutlich über dem oben angegebenen Wert, mitunter also das Gros der Sek II-Lehrer insgesamt.

    @ Fakten etc, Mister M:

    Werfen Sie vor dem Hintergrund dieser Zahlen einmal einen Blick auf die Löhne in der Freien Wirtschaft. Im Durchschnitt sind die nicht so viel höher als die der Lehrer - ein paar Eckdaten:

    25% aller Elektrotechnik-Ingenieure in der Automobilindustrie mit 6-8 Jahren Berufserfahrung verdienen weniger als 47.580 Euro brutto.

    Das ist bereits deutlich mehr als ein angestellter Architekt mit 6-11 Jahren Berufserfahrung und Personalverantwortung in Baden-Württemberg (38.500 Euro Jahresbrutto, Stand 2007)

    Nur 25% aller Elektrotechnik-Ingenieure insgesamt in der Automobilindustrie verdienen mehr als 69.227 Euro brutto jährlich.

    @bre:

    Der Charme vom Jahresbrutto ist ja der, dass es so gut vergleichbar ist.

    Quellen:

    http://www.ingenieur.stepstone.de/content/de/de/gehaltsstruktur.cfm

    Diese etwas neuere Tabelle (2011) bestätigt die Größenordnung nochmal:

    http://www.lohnspiegel.de/dateien/wsimit_2011_01_LohnSpiegel_Ingenieure.pdf

    http://www.akbw.de/fileadmin/download/dokumenten_datenbank/AKBW_Merkblaetter/Architekturbuero_Bueroberatung-Buerobetrieb/Merkblatt18-Gehaltsumfrage2008.pdf

    schrieb Niccola am

  • #17

    Sehr, sehr interessant die Studie. Ich war Deutschlehrerin in Frankreich und ich hatte als Nicht-Beamtin mit voller Lehrverpflichtung (18 Stunden) 1450 Euro netto pro Monat, was sich nicht so schlecht anhört für französische Verhältnisse, DOCH diese 18 Stunden waren auf drei oder sogar vier verschiedene Schulen verteilt, was für den Schulalltag bedeutete: bis zu fünf Stunden reine Fahrzeit pro Tag und 3, manchmal sogar 4 Schulen pro Tag!!! Hier beispielsweise mein Montag noch vor drei Monaten, bevor ich endgültig kündigte: 1 Stunde Fahrzeit - 1 Stunde Unterricht erste Schule - 40 Minuten Fahrzeit - 1 Stunde Unterricht zweite Schule - 1 Stunde Fahrzeit - 1 Stunde Unterricht dritte Schule - 1 Stunde Fahrzeit nach Hause…Montag war noch ein guter Tag, muss man dazu sagen…Man kennt seine Kollegen nicht, hat keine Ahnung, was sich an den einzelnen Schulen abspielt und arbeitet unter enormem Druck. Im Winter, bei schlechten Fahrbahnverhältnissen ist ein derartiger Stundenplan sogar gefährlich, denn die Chefs bestehen dennoch auf Pünktlichkeit. Ich kann jedem nur empfehlen, nicht in Frankreich als LehrerIn zu arbeiten, selbst wenn der Lehrergehalt zumindest bei der Education Nationale höher liegt als der durchschnittliche Gehalt. An manchen Privatschulen verdient ein angestellter Lehrer gar nur etwa 1150 Euro netto bei voller Lehrverpflichtung, was nur 80 Euro über dem gesetzlichen Mindestlohn liegt. Ich frag mich in diesem System: Wozu studieren, wenn man als einfacher Arbeiter ohne Hauptschulabschluss (brevet) und vielleicht auch ohne viel Verantwortung den gleichen Lohn bekommt????
    Als Nicht-Beamter hat man ausserdem keine fixe Stelle, d.h. es kann durchaus sein, dass man im darauffolgenden Schuljahr Schulen zugeteilt bekommt, die etwa 2 Stunden von der letzten Arbeitsstelle entfernt liegen. Ich zog in den knappen drei Jahren, in denen ich für die Education Nationale arbeitete, 7 Mal um!!
    Ich erzähle all das, weil ich denke, dass auch die Arbeitsverhältnisse unbedingt mitberücksichtigt werden müssen.

    schrieb Monika am

  • #18

    Dividiert man den in obiger Tabelle angegebenen österr. Jahres-Bruttoverdienst (57663) durch 14 Monatsgehälter (Weihnachts- und Urlaubsgeld), kommt man auf einen Monatsbruttolohn von 4119 Euro.
    Diesen Lohn erreicht ein akademischer Lehrer der Sek. II nach 30 Dienstjahren (siehe Gehaltstabelle: http://www.bsa.at/bmhs/content/download/Gehaltstabellen_Lehrer_1101.pdf, Spalte L1, Gehaltsvorrückungen gibts alle 2 Jahre)

    ==> Der durschschnittliche österr. Lehrer ist ca. 55 Jahre alt und geht in 10 Jahren in Rente.

    schrieb bre am

  • #19

    @r.werner
    Man kann auch heute noch mit dem Feuerbohrer Feuer machen ...

    schrieb Ohlala am

  • #20

    zum o.a.Thema: schulausstattung, ohp-folien…

    als ehemaliger amtsleiter einer großen schulverwaltung in einer landeshauptstadt ist vorab die bemerkung erforderlich: überall ist der schulträger für bau, instandhaltung, ausstattung v. schulen aller art verantwortlich, es müssen wirklich nicht immer gleich 20 folien etc. ausgereicht werden - über die didaktik v. folien wäre sehr viel zu sagen, noch besser nachzulesen…
    bsp.: ich kann sehr wohl mit weißer + farbiger kreide die endungs-morpheme an der tafel darstellen, ohne dafür 1 overhead-projektor einsetzen zu müssen, weiterhin der “irrsinn” von voll-electronischen whiteboards - die meisten lehrkräfte können die teuren wunderwerke nicht mal angemessen bedienen , und brauchen dafür natürlich teuer seminare i.d.lehrerfortbildung - am besten während der schulzeit - die ferien sind ja “heilig”...

    und wenn schulverwaltung mit schulleitung “kann”, so gibt’s in 1 jahr eben mikroskope, im nächsten jahr schutzbrillen f.d.chemieraum usw. - ist das denn wirklich soooooo schwer?

    eltern helfen gerne, wenn’s plausibel ist: vor 2,5 j. einen kleinen schulteich angelegt, ohne für teueres geld 1 firma über’s sva anzufordern - dazu macht man dann eben stullen, kuchen, coffee uw. -
    so ganz nebenbei kommt man sich näher!

    machen sie mal 1 schwatz m.d.abgeordneten in ihrem schulbezirk: was es da alles gibt - sie brauchen nur a bisserl fantasie + mut…

    schrieb r.werner am

  • #21

    servus, liebe kolleginnen und kollegen,
    nach mehr als 30 j. erfahrung im bereich schule, uni, ba, fh komme ich zu folgenden überlegungen:
    1. 1/3 aller lehrkräfte sind spitze, die sollte man verbeamten, weiterbilden + zu mentoren, schulräten, lehrkräften für lehramtsstudenten machen!

    2. ein weiteres drittel ist halt brauchbarer durchschnitt, keine verbeamtung + überprüfung sowie leistungslohn…

    3. bleibt 1/3, das absolut nix im schulwesen zu tun hat - sorry!

    4. profs, die nie vor 1 klasse gesrtanden haben, sind m.e. für lehrer-studenten ungeeignet, bsp.: als ich - zsm. m. anderen lehrkräften - einen in mainz lehrenden dt-prof. nach der fehlerhäufigkeit i.d. dt. schriftsprache befragte, hieß es ziemlich überheblich: “aber das ist doch nicht mein problem…”

    5. es fehlen unterrichtserfahrene, gestandene schulräte, die gleich zu beginn die ungeeigneten studierenden aussortieren…

    6. UND: du must die kinder/ teilnehmer “lieben” + selbst hoch motiviert bleiben - so einfach + doch so schwer isses!

    meint 1 “alter pauker”

    schrieb r.werner am

  • #22

    @FaktenFaktenFakten:
    “Diese Studien dienen meiner Meinung nach nur dazu, eine Neiddebatte anzuregen. Vielleicht um Stimmung zu machen für die Grausamkeiten, die der öffentliche Dienst dank Eurokrise noch zu erwarten hat?”

    Gut erkannt. Darauf läuft es hinaus. Spätestens wenn das “EU-Finanzministerium” kommt wird hier in D angepasst, und zwar nach unten!

    Man kann heute KEINEN Akademiker mehr empfehlen, in den öffentlichen Dienst zu gehen. Denn außer der nicht mehr (und in Zukunft erst recht nicht) konkurrenzfähigen Bezahlung, haben z.B. die Grünen massive Pensionskürzungen im öffentlichen Dienst angekündigt, wenn sie erst einmal an der Macht sind. Und das wird wohl ab der nächsten Bundestagswahl der Fall sein: Die Bundesländer werden sicherlich schnell nachziehen, da deren Belastung durch Pensionen und Besoldung / Gehälter deutlich größer ist als beim Bund (und Lehrer stellen in den Bundesländern die bei weitem teuerste Personalgruppe dar). Man wartet nur darauf, dass einer den Anfang macht.

    schrieb Mister M. am

  • #23

    In dem Bericht ist für Österreich angegeben (S. 58): Minimum für Grundgehalt (Sekundarstufe II): 30.804 Euro/Jahr = 2.567/Monat; Maximum (höchste Gehaltsstufe) = 65.188 Euro/Jahr = 5.432 Euro/Monat. Als “tatsächliches” Durchschnittsgehalt aller Lehrer/innen der Sekundarstufe ist für Österreich angegeben 57.663 = 4.805 Euro/Monat (das ist dann inkl. aller Zuschläge, Sonderzahlungen usw.).

    Die von Ihnen genannte Zahl ist für das staatliche Schulwesen anzuzweifeln. Wenn man eine Arbeitsleistung von 38 Stunden/Woche zu Grunde legt, wäre das ein Stundenlohn von 9.20 Euro brutto. Vergleich: Aktuell wirbt der Discounter Lidl Deutschland für Tätigkeiten als Kassierer/in und Kisteneinräumer/in mit Stundenlöhnen von 10.90 Euro.

    schrieb Der Lehrerfreund am

  • #24

    in Österreich braucht man als Lehrer derzeit 34 Jahre bis man das
    Höchstgehalt erreicht. Die erhobenen Daten müssen demnach von eher älteren Lehrer stammen. Als ausgebildeter Lehrer(Universität) für Kunsterziehung Sekundarstufe 2, verdient man in Österreich 1.398 Euro, brutto, bei einer vollen Lehrverpflichtung als Anfangsgehalt!!!!!!!

    schrieb mira am

  • #25

    Das BIP als Vergleichswert anzugeben ist eine Möglichkeit. Treffsicherer wäre ein Vergleich mit gleich qualifizierten Akademikern im Lande. Da wäre der Lehrerberuf wahrscheinlich nicht mehr so attraktiv.

    Der direkte Vergleich von Bruttogehältern von Lehrern der EU ist gewagt. Auch ein deutscher Straßenbauer oder Harz IV-Empfänger wird deutlich mehr beziehen, als eine Vergleichsperson in Ungarn oder anderswo.

    Die Ausbildungsdauer in D ist sehr viel höher als in anderen EU-Staaten.
    Ein vierzigjähriger Lehrer in D kann deshalb in seinem bisherigen Leben deutlich weniger verdient haben, als ein gleichaltriger in einem anderen Land, wo die Ausbildung vier oder fünf Jahre kürzer ausfällt.
    In diesem Zeitraum hat der Kollege im Ausland schon 100.000 Euro verdient, die der deutsche L erst wieder reinholen muss.

    Diese Studien dienen meiner Meinung nach nur dazu, eine Neiddebatte anzuregen. Vielleicht um Stimmung zu machen für die Grausamkeiten, die der öffentliche Dienst dank Eurokrise noch zu erwarten hat?

    schrieb Fakten Fakten Fakten am

  • #26

    Das ist eine interessante Information. Eine OECD-Studie von 2008 kommt zu ähnlichen Verhältnissen (Lehrergehälter im internationalen Vergleich), wenn auch dort die absoluten Zahlen niedriger sind. Als mögliche Erklärung für die von Ihnen geschilderten Abweichungen wäre vielleicht vorstellbar, dass Privatschulen in Luxemburg die Lehrergehälter selbst festlegen?

    Die EU-Studie scheint auch beim genaueren Hinsehen äußerst gut recherchiert zu sein. Die Daten sind wohl aus der Quelle, die Sie ebenfalls anführen:

    Data on average actual salaries are from the Teacher remuneration tables of the Ministry of Education. Ref. year: 2010.

    Können Sie vielleicht einen Link zu der Übersicht posten?

     

    schrieb Der Lehrerfreund am

  • #27

    Wow! Als Luxemburger Lehrer kann ich da nur staunen. Ich bin jetzt seit 21 Jahren Lehrer im technischen Sekundarunterricht. Mein Endgehalt wird weit entfernt von dem in dieser Studie angegebenen Wert sein. Hier hat jemand ordentlich daneben gelegen. In Luxemburg sind die Löhne aller Staatsbeamten frei zugänglich für jeden. Natürlich hat diese Studie für Furore in Luxemburg gesorgt und es wurde schön brav in der Öffentlichkeit diskutiert. Leider Gottes nehmen sich die Leute heutzutage nicht mehr die Zeit Meldungen zu überprüfen. Im Ministerium unternimmt man natürlich nichts, denn sind die Lehrer und ihre Gehälter Gesprächsthema Nummer eins, denkt niemand mehr an die gescheiterte Bildungsreform 2008. :-(

    schrieb Max am

  • #28

    Was äußerst unterschiedlich ist und gerade als Soft Fact in die Arbeitsbedingungen und damit in die Arbeits-Energie-Bilanz einfließt: Die vorhandene oder mobilisierbare Schul- und Unterrichtsinfrastruktur. Und die dürfte in Dänemark vermutlich gerade noch einmal deutlich besser sein als in D. In der Schweiz (die im Vergleich wegzulassen erscheint mir sehr mutwillig, EU hin oder her) und in Österreich ist die Infrastruktur allgemein besser.
    In NRW in der Hauptschule ist sie zu fast 100% vom Schulträger abhängig. Bei Nothaushalt heißt das: Ausser Tafelkreide darf fast nichts beschafft werden. OHP-Folien werden uns von der Sekretärin abgezählt (10 Stk. auf einmal nicht toleriert, 5 oder 6 maximal), ebenso Laminierfolien (mehr als 3-4 Stück auf einmal gilt als unsittlich). Da ich Unterrichtsmaterial seit einigen Jahren grundsätzlich nicht mehr auf eigene Kosten anschaffe, heißt das: 99% Mangelverwaltung, weit weg von zeitgemäßem Unterricht.
    Der volkswirtschaftliche Schaden ist dadurch immens! Einerseits wenig Motivation, mehr zu arbeiten (ich bereite gerne Unterrichtsmaterialien vor, aber um zu optimieren, nicht um die staatl./schulträgerl. Verweigerung auszugleichen!) bei der vorhandenen Bezahlung, andererseits oft infrastrukturell in der Kernarbeit behindert.

    schrieb Lehrer in Deutschland am

  • #29

    Was natürlich auch noch (zumindest meines Erachtens) sehr wichtig ist, um einen guten Vergleich zu bekommen, wie stark oder schwach Lehrerarbeit in den verschiedenen Ländern “wertgeschätzt” (im Sinne von bezahlt) wird, ist die Ausbildungsdauer beziehungsweise der (finanzielle) Aufwand, den ein zukünftiger Lehrer betreiben muss, um ein Lehrer der Gegenwart zu werden…

    schrieb Peter am

  • #30

    Die Bruttogehälter sind wenig aussagefähig, weil sie nicht die unterschiedlichen Abgaben wie Steuern, Kranken- und Sozialversicherung, Lebenshaltungskosten berücksichtigen. Die Frage ist doch: Was bleibt netto vom Einkommen, und was kann man sich im internationalen Vergleich dafür leisten? Es erfordert im Vorfeld natürlich mehr Aufwand, diese Zahlen richtig zu gewichten und aufzuarbeiten. Aber nur so gelangt erhält man ein realistisches Bild.

    schrieb Volker Kalisch am

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