Anzeige
Anzeige
🔑

Ein rascher Notenschlüssel…

*ohne Gewähr


Lehrergehalt

Institut der deutschen Wirtschaft stellt leistungsbezogenes Lohnmodell für Lehrer vor 10.11.2008, 18:33

Nach dem (in Focus online vorab vorgestellten) Lohnmodell erhalten Lehrer/innen jährliche Sonderzahlungen in Höhe von bis zu mehreren tausend Euro. Wer die Prämien bekommen will, muss sich mit der Schulleitung arrangieren. Warum das eine gute und schlechte Idee zugleich ist.

Anzeige
Anzeige
  • (geändert: )

Eines der Top-Themen 2008 im Bildungssektor ist die leistungsbezogene Bezahlung von Lehrkräften. Eine entsprechende forsa-Umfrage vom Oktober 2008, nach der sich 80% aller Lehrer/innen eine leistungsbezogene Entlohnung wünschen, wird der GEW scharf kritisiert:

Die Fragestellung [... dieser Studie] ist nach Ansicht der Bildungsgewerkschaft “eher interessengeleitet als an objektiven Tatsachen orientiert”. Laut GEW ist die Umfrage zudem nicht repräsentativ.

GEW 07.11.2008: GEW kritisiert forsa-Lehrerumfrage; s.a. Offener Brief der GEW zur forsa-Lehrerumfrage (pdf)

Am 11.11.2008 wird das Institut der deutschen Wirtschaft Köln ein leistungsabhängiges Lohnmodell für Lehrer/innen vorstellen, das Sonderzahlungen in Höhe von eineinhalb Monatsgehältern jährlich vorsieht, abhängig von Kriterien, die Lehrer/in und Schulleitung gemeinsam getroffen haben. Der Focus weiß schon heute:

Das Geld für die Boni sollen die Schulleitungen von den Kultusministerien erhalten. Die Höhe hängt davon ab, ob die Schule ihrerseits zuvor festgelegte Ziele erfüllt hat, etwa ein gutes Abschneiden bei Pisa-Tests.

Focus: Schule online 10.11.2008: Lohnmodell - Leistungsprämien für Lehrer

150%  eines Monatsgehalts sind - je nach Gehaltsstufe - brutto 4.000-6.000 Euro, netto dann (im Realisierungsfall: natürlich voll versteuert) 2.000-4.000 Euro, monatlich also 180 Euro aufwärts mehr Nettogehalt.

Gute Idee!

  • Das Jahresgehalt erhöht sich um eineinhalb Monatsgehälter. Das wäre für LehrerInnen natürlich schon ein Anreiz, sich in die Riemen zu legen.
  • “Individuelle Vereinbarungen” bedeutet: Weg von einer starren, vorgabenbezogenen Pädagogik, hin zu Unterrichtskonzepten, die sich an konkreten Anforderungen orientieren.
  • Prüfstein der Prämie sind “festgelegte Aufgaben”. Damit umgeht man das unsichere Instrument der direkten Evaluation (durch SchülerInnen, Schulleitung ...); außerdem werden diese Aufgaben Projekte, AGs und Unterrichtsqualität mit sich bringen.

Schlechte Idee!

  • Wer wird - bei eh schon ordentlicher Bezahlung - für 200 Euro mehr im Monat 20 Stunden mehr schuften?
  • Die Schulleitung wird nach unten gestärkt (= die Macht, Lehrer/innen zu belohnen), nach oben jedoch geschwächt (= Abhängigkeit von der Gnade von Schulämtern/Ministerien). Diese Pseudoselbstverwaltung wiederum stärkt das existierende, unflexible Schulsystem, in dem nicht die Praktiker, sondern die Politiker Entscheidungen treffen.
  • Innerhalb des Kollegiums wird sich ein ungesunder Konkurrenzdruck aufbauen - Schleimen bei der Schulleitung wird zum Tagesgeschäft.
  • Die Schulleitung entscheidet über die Vergabe der Prämie. Auch unter den Rektor/inn/en gibt es viele Soziopathen. Bekommt eine Lehrer/in die Prämie ungerechtfertigterweise nicht, dürfte die Motivation und damit die Unterrichtsqualität deutlich unter das Anfangsniveau sinken.

Vorläufiges Fazit

Ob das vorgestellte Modell leistungsbezogener Entlohnung von Lehrer/inne/n tatsächlich zu einer Verbesserung der Unterrichtsqualität führt, dürfte zu bezweifeln sein - zu viele Lehrkräfte mit Beamtenstatus könnten in Boykotthaltung gehen. Und diejenigen, die sich tatsächlich engagieren (würden), könnten durchaus an der Willkür einer praxisuntauglichen Schulleitung scheitern (es gibt Schulverwaltungsbezirke, in denen mehr als 90% aller Schulleiter/innen aus den Schulämtern kommen!).

Es ist erstaunlich, mit welchem Aufwand in Deutschland an Modellen zur Verbesserung der Unterrichtsqualität (bisher: erfolglos) herumgedoktort wird: Evaluation, Prämien, Bildungspläne. Mehrfach wurde schon die Ansicht geäußert, dass all diese Konzepte zum Scheitern verurteilt sind, so lange ein großer Teil der beteiligten Lehrkräfte verbeamtet sind. Und das dürfte sich angesichts der Lehrer-/Juristenmassen in den Parlamenten so schnell nicht ändern (vgl. z.B. bundestag.de, Berufsstatistik (= ca. 12% Lehrer/innen, 23% (meist verbeamtete) Jurist/inn/en)).

Anzeige

Newsletter

14189 Empfänger/innen

Sie erhalten eine Mail mit Bestätigungslink und weiteren Informationen. Mehr dazu in unserer ausführlichen Datenschutzerklärung.

Kostenlos und etwa alle zwei Monate - seit 20 Jahren. Tragen Sie Ihre Mail-Adresse ein.
Ob sich das lohnt? Das schreibt einer auf Twitter:

Der Lehrerfreund-Newsletter ist der einzige, den ich regelmäßig lese und nicht ungeöffnet in den Papierkorb befördere.

Ihr Kommentar

zum Artikel "Institut der deutschen Wirtschaft stellt leistungsbezogenes Lohnmodell für Lehrer vor".



Wir speichern Ihren Kommentar dauerhaft ab (was auch sonst?). Mehr dazu in unserer ausführlichen Datenschutzerklärung.

Kommentare

22

Zum Artikel "Institut der deutschen Wirtschaft stellt leistungsbezogenes Lohnmodell für Lehrer vor".

  • #1

    @ Hugo:
    Sie bestätigen doch alles, was ich schreibe. :)

    Wenn ich meine, dass das Beamtentum kontraproduktiv ist gilt dies natürlich genauso für Führungspositionen. Auch hier muss es möglich sein unfähige Leute absetzen zu können, denn hier kann, wie von Dir auch angemerkt, der schlimmste Schaden enstehen.

    schrieb Ingenieur jetzt Lehrer am

  • #2

    @Ingenieur, jetzt Lehrer

    Zitat: “Die Lehrerverbände vertreten uns nicht.”
    Das ist für mich das Hauptproblem im deutschen Bildungswesen. Die Lehrerverbände arbeiten gegeneinander, teilweise mit Fisimatenten, verglichen damit ist das Handeln eines sechsjährigen Kindes, das nicht ins Bett will, originell, überlegt und zielgerichtet. Bei uns in Bayern ist es z. B. so, dass an Grund- und Hauptschulen überwiegend Schulleiter und Stellvertreter den Personalrat bilden. Was für ein Witz! Leider muss ich zu meiner Schande gestehen, dass ich in einem Lehrerverband eine Funktion ausübe, Schadensbegrenzung heiße ich das, aber es
    ist ein Kampf gegen Windmühlenflügel!

    Zitat: Wie wäre es, (Komma eingefügt) z. B. in Parallelklassen gemeinsam Arbeiten zu schreiben (mit gemeinsamen Stoffverteilungsplänen).

    Ronald Reagan sagte einmal, sinngemäß übersetzt: “Es gibt Leute, die kommen mir vor wie ein Hund, der auf einem Kaktus sitzt und heult, weil es so weh tut.” Und weiter: “Aber den Hintern zu heben und sich daneben zu setzen, dazu sind sie allerdings zu faul!”

    Ich muss meine “Mitarbeiter” geradezu zu gemeinsamen Schulaufgaben zwingen. Dabei ist die Arbeitserleichterung enorm.
    Bei jeder Arbeit hast Du mindestens einen Nachschreiber. In
    sechs Parallelklassen erstellt ein Lehrer die Schulaufgabe mit Lösungserwartung und eine Lehrerin den Nachtermin ...

    Zitat: “Wichtig wäre es m. M. nach zudem z. B. das Beamtentum abzuschaffen.”

    Diese Aussage zeigt mir, dass sie noch nicht lange im Schuldienst sind. Schulleiter, die ihren Kollegen in Beschwerdefällen die Stange halten, können sie suchen wie eine Nadel im Heuhaufen.
    Durch Radfahren und A…..kriechen ist man nach oben gekommen, wie können sie von solchen Menschen erwarten,
    dass sie jetzt plötzlich Rückgrat zeigen? Viele ausgezeichnete Lehrer haben sich bei uns an eine andere Schule versetzen lassen, weil unser letzter Schulleiter ein ganz besonderes Weichei war, aber entlassen konnte er glücklicherweise keinen.

    Zitat: “ein paar wenige machen den Ruf kaputt”

    Ich habe Lehrer erlebt, die waren an unserer Schule ein Problem,
    nach der Versetzung an eine andere Schule mit einem guten Schulleiter, der ein wenig von Personalführung verstand, ging es steil nach oben. In jedem Beruf gibt es schwarze Schafe, die muss ein Kollegium mittragen, was soll das? Schlecht ist es allerdings, wenn der faulste und unfähigste Lehrer einer Fachschaft die beste Beurteilung bekommt! Den Ruf unserer Schule haben nicht irgendwelche faulen und unfähigen Lehrer, sondern die Parteibuchfuzzies und Verbandsheinis in Führungspositionen kaputt gemacht.

    Viele Grüße
    Hugo, der bald in Pension geht

    schrieb Hugo Schuster am

  • #3

    Was hat die leistungsbezogene Bezahlung in den USA für Folgen? Lehrer werden nach den Noten ihrer Schüler bezahlt. Folge: Lehrer üben mit ihren Schülern den Test, es gibt gute Noten, die Lehrer werden gut bezahlt, die Schüler lernen aber nix.

    schrieb GriasDi am

  • #4

    Sorry, aber das Jammern nervt wirklich.
    Wichtig wäre realisierbare Ideen zu entwickeln:
    Wie wäre es z. B. in Parallelklassen gemeinsam Arbeiten zu schreiben (mit gemeinsamen Stoffverteilungsplänen). Nach der Arbeit von Anfang spart dies später viel Zeit. Warum sind viele Lehrer Einzelkämpfer und keine Teamplayer?
    Man kann sich so gut gemeinsam entlasten? ... aber das nimmt ja die persönliche (pädagogische) Freiheit. Wenn ich das höre, wird mir schon schlecht.

    Jeder Beruf hat seine Stärken und Schwächen.
    Wichtig wäre, dass wir uns ENDLICH gemeinsam solidarisieren und gemeinsam auftreten und dass man sich nicht gegenseitig an die Gurgel geht.
    Die Lehrerverbände vertreten uns nicht. Das ist teilweise kontraproduktiv. Wenn ich sehe, wie immer wieder bei Beamten, vor allem in der Bildung eingespart wird (ganz schlimm derzeit: B)...Katastrophe!..aber niemand wehrt sich, dabei könnte man bestimmt Betriebe oder Eltern mobilisieren.

    Wichtig wäre es m. M. nach zudem z. B. das Beamtentum abzuschaffen bzw. so zu ändern, dass man Lehrer auch entlassen kann, denn ein paar wenige machen den Ruf kaputt und die SL und Kollegen sind machtlos (Stichwort: Wanderpokale).

    schrieb Ingenieur jetzt Lehrer am

  • #5

    Ich finde, es ist nur konsequent, dass die Wertmaßstäbe der freien Wirtschaft endlich auch im Schuldienst ankommen. Nicht Menschlichkeit und soziale Hingabe werden belohnt, sondern das (scheinbar) berechenbare Erfüllen von Aufgaben, die der Vorgesetzte einem gibt. Nur (echte) Leistung darf belohnt werden! Und Leistung ist halt nur das, was gemessen werden kann. Wie viele Leistungseinheiten sind denn die fehlenden Tränen eines suizidalen Teenagers wert? Wie viele Leistungseinheiten die Erleichterung einer Mutter? Wie viel ein Beratungsgespräch zu Drogenmissbrauch? Eben! Dann doch lieber klare Vorgaben der Schulleitung: Ranglistenverbesserung! Anzahl der Abschlüsse! Durchschnittsnoten! Dann kann auch der letzte Durchschnitts-BWLer endlich die Leitung von Lehrern ermitteln.

    Und an die Überforderten hier:
    Und wer damit schon voll ausgefüllt ist, der brennt halt nur nicht richtig und ist schlapp, wie Frankfurter Bildungsforscher ja 2008 herausgefunden haben… Tja.

    schrieb Eckbert am

  • #6

    Ich will keine Mehrbezahlung für meine Arbeit! Ich will Arbeitszeitentlastung, damit ich auch noch Lebensqualität, d.h. ein Privatleben haben kann! Vielkorrigierer korrigieren oft mehr als 500 Zeitstunden pro Jahr, das weist selbst das Arbeitszeitgutachten des Ministeriums (Studie von Mummert und Partner) aus. So viel Zeit verbringt niemand mit der Pflege einer Sammlung.

    Gerne nehme ich für die Einhaltung meiner Arbeitszeit eine Anwesenheitspflicht in der Schule in Kauf! Gerne komme ich auch in den sogenannten “Ferien”. Dann aber mit einem Arbeitszeitkonto (NRW 1804 Stunden/Jahr). Voraussetzung: Die Schule ist für mich auch in den “Ferien” zugänglich, geheizt und ich verfüge dort über einen hinreichend ausgestatteten Arbeitsplatz (Platz für Bücher, Internetzugang, Telefongelegenheit, einen heilen Stuhl, ....)

    Vorteile:
    - Ich kann Freizeit, die auch Regenerationszeit ist, planen und ohne schlechtes Gewissen genießen.
    - Ich habe eine Chance, das Pensionsalter im aktiven Berufsleben zu erreichen.
    - Ich bin nicht regelmäßig überarbeitet und kann motiviert und gut vorbereitet in den Unterricht gehen.
    - Ich brauche keine Zeit dafür aufwenden, mein Arbeitszimmenr in Ordnung zu halten und einen Computer (als Laie zeitaufwendig) zu pflegen. (Welche schlichte Verwaltungskraft im Rathaus muss schon das eigene Büro putzen, Druckerpatronen einkaufen, auch noch vom eigenen Geld bezahlen und den Rechner selbst administrieren?) Uns kann man das nur zumuten, weil unsere Arbeitszeit nicht nach Stunden bezahlt wird. (Das ist betriebswirtschaftlicher Schwachsinn!)
    - Wenn dieser betriebswirtschaftliche Schwachsinn ernsthaft angegangen würde, hätte ich auch wieder mehr Zeit für meine Unterrichtsvorbereitung, SchülerInnengespräche,......
    - Zur Zeit unterrichte ich auch Hauswirtschaft, damit ich nicht gar so viele Korrekturen habe, aber muss denn wirklich ein Teil der Arbeitszeit einer A 13 Kraft für das Waschen von Geschirrtüchern und das Einkaufen von Mehl und Eiern draufgehen?
    - Ich kann den Schulweg locker und ohne schwere Taschen als Entspannungszeit genießen

    Zur Hauptschullehrkraft:
    Vor einiger Zeit wurde der Lehrer des Jahres gewählt. Er hatte ein beeindruckendes Projekt mit SchülerInnen sehr schülerorientiert, motivierend, didaktisch toll, ...... durchgeführt.

    Er unterrichtete eine Gruppe von 7 (sieben!!!) SchülerInnen, die Latein freiwillig als zusätzliche Fremdsprache gewählt hatten.

    Die Hauptschullehrkraft, der es gelungen ist, ein einziges Kind von einer kriminellen Karriere abzuhalten und es dahin zu bringen, dass es doch noch einen Abschluss schafft, wird bei solchen Würdigungen nie berücksichtigt.

    Fazit:
    Wir Lehrkräfte sollten uns derartigen Wettbewerben verweigern und ggf. solche Auszeichnungen nicht annehmen.


    Auch als Beamtin bin ich sehr motiviert und ruhe mich nicht auf meiner Position aus. Ich möchte gute Arbeit leisten. Dafür benötige ich aber Rahmenbedingungen, die es mir ermöglichen, mich auf meine Kernaufgaben zu konzentrieren.

    schrieb Vielkorrigiererin am

  • #7

    @ NLP Coach
    Ja, bitte, eine 40-Stunden-Woche! Für alle! (Also auch für die, die eigentlich schon nach 35 Stunden fertig wären…)
    Gerne von 8 - 17 Uhr in der Schule - den nötigen Arbeitsplatz dort richtet der Dienstherr uns Lehrern ja sicherlich gerne ein, kein Problem. Kostet ja nix. (Schließlich ist das Arbeitszimmer für Lehrer ja auch nicht mehr absetzbar.) Und dann hören meine Nachbarn und andere Ignoranten sicherlich auch auf mit dem dummen Gequatsche (wie bisher, wenn ich mal “schon” im 14 Uhr nach Hause komme).
    Au ja, Klassen mit 15-20 Schülern statt in der Regel 25-30.
    Ganztagschule - super Sache! Die Eltern werden noch weiter aus der Verantwortung genommen.
    Dürften wir Lehrer unseren Urlaub (6 Wochen stehen uns nämlich tatsächlich auch zu - der Rest ist unterrichtsfreie Zeit zum Vor-, Nachbereiten, Korrigieren etc.) dann auch wie “normale” Arbeitnehmer aufs Jahr verteilen und mal nicht gezwungen sein, fürs Doppelte ins überfüllte Hotel am Mittelmeer zu düsen?

    schrieb yulara am

  • #8

    Mal provokativ: 40 Stunden Woche, 6 Wochen Urlaub.
    Korrekturen in der Schule im Großraumbüro.
    8-17h arbeiten.

    Zulagen für die, die dann noch zusätzlich arbeiten an Abenden und Wochenenden.

    So denkt ein Nichtlehrer.

    Schulklassen mit 15-20 Schülern max.. Ganztagsschule etc. denke ich auch.

    schrieb NLP Coach am

  • #9

    Lieber Frank Meyer, als Antwort möchte ich Ihnen (google sei Dank!) einige Zitate liefern: 1) von Dr. Franz J. Schneider in “schul-management” 4/2008: “Es ist ein Rätsel, dass die vielen ein oder mehrere Korrekturfächer unterrichtenden Kollegen die deutlich höhere Belastung im Vergleich zu Kollegen mit beliebigen Kombinationen der folgenden Nebenfächer Biologie, Chemie, Erdkunde, Geschichte, Kunst, Musik, Pädagogik, Physik, Sozialwissenschaft, Sport, Theologie etc. tolerieren - bei gleichem Grundgehalt. Die diesbezüglichen Regelungen zum Ausgleich der erheblichen Differenzen mittels akribisch elaborierter Punktesysteme, wie sie derzeit an vielen Schulen gehandhabt werden, wirken nur wie ein Tropfen auf den heißen Stein.” Der Philologenverband formuliert tatsächlich Folgendes: Leittragende der permanenten Arbeitszeiterhöhung sind vor allem die
    Lehrkräfte, die als Korrekturfachlehrerinnen und -lehrer tätig sind. Lernstandserhebungen, Zentrale 10er Prüfung, Erst- und Zweitkorrekturen im
    Zentralabitur treffen diese Lehrkräfte in ganz besonderer Weise. In der Regel sind während eines Schuljahres zwischen 1.100 und 1.500 Klassen- und Kursarbeiten zu korrigieren. Kaum ein Wochenende ist „korrekturfrei“, große Teile der unterrichtsfreien Zeit sind durch Korrekturen
    ausgefüllt.” Das Institut der deutschen Wirtschaft Köln (IW)hat sehr beachtliche Vorschläge hinsichtlich einer gerechten Vergütung der Lehrerschaft erarbeitet (11. November 2008): “Dauerhafte Zulagen für Korrekturfächer sollen die systematisch höhere Arbeitsbelastung ausgleichen, die durch Klassen- und Kursarbeiten gegenüber anderen Fächern entsteht.” Im Grunde sind das Überlegungen, die auf Binsenweisheiten basieren. Fazit: Es besteht nur eine ungeheure Doppelmoral hinsichtlich der Belastungen in den einzelnen Fächern. Wer profitiert von dieser Regelung? Antwort: die meisten der geschätzten Kolleginnen und Kollegen und natürlich die Schulleitung, der es vor einer Differenzierung graut.  Dann doch lieber dem Kollegen mit dem Nebenfachunterstufenunterricht (man verzeihe mir die eigenwillige Wortwahl) eine A14-Stelle geben! Wohlverhalten garantiert! Deshalb die allseits beliebte Phrase: Du hast dir die Fächer doch ausgesucht! Diese Argumentation kann man in ihrer Stichhaltigkeit nur mit einem dezidierten “Mangelhaft” bewerten. So argumentiert eine Schulleitung? Nein danke!

    schrieb tintenklecks am

  • #10

    Frank Meyer - Sie haben da einen wichtigen Punkt angesprochen - wie lebt es sich, wenn ich wegen einem tollen Projekt einen Schein mehr bekomme und zum Ausgleich habe ich den Neid der Kollegen gratis dazu bekommen?
    Oder muss alles hinter verschlossenen Türen besprochen werden? Raum für Spekulationen!

    Ich bin auf ein faires, nachvollziehbares Konzept gespannt - gegen mehr Kohle für messbar mehr Leistung habe ich nichts!

    schrieb smart am

  • #11

    Die wenigen Äußerungen hier zeigen vor allem eines sehr deutlich: dass schon die bloße Ankündigung einer leistungsbezogenen Zulage zu einem Streit auf dem Niveau “Ich arbeite viel mehr als du” führt. Und das innerhalb des Kollegiums einer Schule? Nein danke!

    Ich gehe davon aus, dass jeder Kollege und jede Kollegin sich sein/ihr Fach bewusst gewählt hat und sich sicher auch halbwegs darüber klar war, wie korrekturintensiv es ist. Letztlich gilt aber auch da, was für fast alle unsere Tätigkeiten gilt: Wer sich engagiert und gewissenhaft arbeitet, benötigt mehr Zeit - in jedem Fach! Und in jedem Fach führt großes persönliches Engagement zur Arbeit am zeitlichen Limit.

    Im übrigen stimme ich “Schüerfreund” zu: Die wirkliche Leistung und Belastung ist praktisch nicht messbar und in der Regel auch nicht vergleichbar.

    Und damit keiner mutmaßt, die Gegner eines leistungsbezogenen Zuschlags wären doch mit Sicherheit nur diejenigen, die nicht viel “Anrechenbares” vorzuweisen haben: Hier schreibt einer, der als Musiklehrer an einem Gymnasium mit Musikprofil jede Menge Möglichkeiten hat (und nutzt), seine über den normalen Unterricht hinausgehenden Leistungen nach außen - und damit natürlich auch der Schulleitung gegenüber - zu präsentieren.

    schrieb Frank Meyer am

  • #12

    Sie argumentieren nicht sauber und versuchen Tatsachen zu verdrehen: Sie haben vorher von der Vorbereitung von naturwissenschaftlichen Versuchen geschrieben, die zur regulären Unterrichtsvorbereitung gehören. Sammlungstätigkeit wird mit Entlastungsstunden “versüßt” oder gehört zum Arbeitsbereich einer A14-Stelle, während Korrekturen unbemerkt und ungewürdigt (es sei denn, man erlaubt sich einen Fehler!)im stillen Kämmerlein erledigt werden und höchstens zur Hälfte bezahlt werden. Was sagen Sie zu 28 Kurs- bzw. Klassensätzen Aufsatzkorrekturen von Arbeiten,die zum überwiegenden Teil in 2-4 Unterrichtsstunden angefertigt wurden? Für einen einzigen Kurssatz LK-Klausuren (25 SchülerInnen) brauche ich mit Klausurerstellung, Erstellung eines Bewertungsblatts mit Erwartungshorizont, Korrekturen mit individuellem Kurzkommentar allein 30 Zeitstunden (häufig genug kommt noch eine Nachklausur hinzu, die bei einem Schüler dann noch einmal 3 Stunden in Anspruch nimmt). In einem Schuljahr sind das 120 Stunden für eine Korrekturgruppe, d.h. bei einer regulären 40-Stunden-Woche bin ich allein 3 Wochen im Schuljahr nur mit dieser einen Korrektur beschäftigt. Ich habe noch nie von einem Naturwissenschaftler gehört, der 3 Wochen seiner Arbeitszeit mit Sammlungstätigkeit verbracht hat! Sie sehen, Herr Kollege, der Vergleich hinkt!

    Mit besonders kollegialen Grüßen…

    schrieb tintenklecks am

  • #13

    @tintenklecks:
    Wenn Sie erst einmal Ihre unterrichtsfreien Stunden und Ihre Nachmittage in einer naturwissenschaftlichen Sammlung verbracht haben, dann können wir weiter reden.
    Gut, ich gebe zu, dass macht nicht jeder Lehrer, einige machen auch (fast) nur Unterricht mit Tafel und Kreide, aber das wäre dann auch mein Unterrichtsstil, wenn die “Korrekturfachlehrer” mit ihrer Idee durchkommen.

    schrieb Mister M. am

  • #14

    So wie Sie Ihre naturwissenschaftlichen Versuche vorbereiten, bereite ich meinen Deutschunterricht vor. Jeder Lehrer / jede Lehrerin bereitet (hoffentlich)seinen / ihren Unterricht vor und dafür wird auch im Fach Deutsch sehr viel Zeit benötigt, weil die ministeriellen Vorgaben ständig wechseln und man sich in immer neue und umfangreiche Literatur einarbeiten muss. Bei KorrekturfachlehrerInnen kommen aber noch die überaus umfangreichen und extrem zeitintensiven Korrekturen hinzu, die kaum verrechnet werden, weil Kollegen wie Sie dies mit obiger Argumentation zu verhindern wissen.

    Mit kollegialen Grüßen…

    schrieb tintenklecks am

  • #15

    Schön, wenn die Korrekturfachlerer und -innen gegen die “Ungleichbehandlung” vorgehen wollen. Heißt das dann, dass ich im Erfolgsfall keine naturwissenschaftlichen Versuche mehr vorbereiten muss? Sind ja keine “Korrekturfächer”, verdienen also keine Entlastung. Das hätte zudem den netten Nebeneffekt, dass man keine naturwissenschaftlichen Sammlungen mehr anschaffen und betreuen muss, was sicherlich auch eine Menge Geld spart.

    schrieb Mister M. am

  • #16

    Seit längerer Zeit lese ich hier mit und bin regelmäßig danach deprimiert. Heute möchte ich mich auch mal zu Wort melden.

    Ich unterrichte als angestellte Lehrerin in NRW an einer Hauptschule. Mich würde interessieren, was denn mehr Einsatz bedeuten soll? Ich bin mit vollem Deputat beschäftigt und habe die Klassenleitung einer 9ten Klasse, in der ich Mathe und Deutsch unterrichte. In der Stufe 10 habe ich zwei Deutschkurse (Typ A und Typ B) und habe eine Fachleitung.
    Was ist “Dienst nach Vorschrift”?
    Soll ich einer Mutter, die mich um 21Uhr verzweifelt anruft, weil ihr Drogenkind wohl wieder die NAcht nicht nach Hause kommt, sagen, dass ich Feierabend habe? Soll ich ihr sagen, dass das nicht Sache der Schule ist, was ihr Kind nach dem Unterricht macht, wenn ich sie vorher durch viel Zureden endlich dazu gebracht habe, sich den Problemen zu stellen?
    Worum geht es denn bei dieser Leistungszulage? Um Dienst am Menschen oder um Pöstchen?
    Bei uns an der Schule laufen viele Projekte, ganz besonders solche, die eine gute Presse bringen. Aber die vielen Gespräche nach dem Unterricht geführt werden und “nur” das Ziel haben, die Kinder so gut wie möglich ins Leben zu bringen, sieht keiner. Die haben auch keinen werbewirksamen Wert. Was soll ich dem Schüler sagen, der mich bittet, ob ich mit ihm zusammen zur Drogenberatung gehe, weil er sich alleine nicht traut, wenn ich doch heilfroh bin, dass er bereit ist, überhaupt dorthin zu gehen?

    Ich bin immer gewohnt gewesen, viel zu arbeiten und habe auch lange in der freien Wirtschaft gearbeitet, aber was ich im Schulalltag erlebe, spottet jeder Beschreibung. Die zeitliche Belastung mit drei Deutschkursen ist hoch, aber recht einfach zu bemessen, aber was ist mit der psychischen?

    In einer einzigen Mathestunde von 45 Minuten versuche ich gleichzeitig einem Schüler die halbschriftlichen Rechenverfahren im Zahlenraum bis 100 näher zu bringen, leistungsstärkeren Schülern genügend Futter bei der Berechnung von Termen zu geben und andere dazu zu bringen, einen Stift in die Hand zu nehmen und damit eine Matheaufgabe zu versuchen und nicht dem Sitznachbarn das Heft zu verschmieren, sofern der überhaupt eins hat. Währenddessen tröste ich ein Mädchen, dass nach einem Suizidversuch alles gibt, um “auf Spur” zu kommen, aber von einem Jungen, dem es eine Freude ist, sie regelmäßig zum Heulen zu bringen, geärgert wird. Zu amüsant ist es für ihn, wenn er den Applaus für seine Leistung von wieder anderen Schülern einheimsen kann.
    (Selbstredend investiere ich die Zeit über meine Unterrichtsverpflichtung hinaus und behalte diesen Jungen nach dem Unterricht da und führe ein Gespräch mit ihm, rufe evtl. seine Eltern an und auch die Mutter des Mädchens.)

    Die Unterrichtsstunde läuft natürlich weiter und damit auch jede Menge andere Konflikte, auf die ich spontan reagieren muss.
    Manchmal fällt mir erst in der Mittagspause ein, dass ich schon seit der 2. Stunde auf die Toilette muss.
    Ich weiß nicht, ob das Dienst nach Vorschrift ist, aber etwas, was mich auszeichnet ist es auch nicht, denn das machen alle Kollegen, die eine Klassenleitung haben. Bei uns ist sowas gängiger Alltag.

    Ich fühle mich gemessen am zeitlichen Aufwand UND an der emotionalen Arbeitsbelastung mit knapp 2000€ als angestellte Lehrerin zu schlecht bezahlt, viel zu schlecht!
    Mit einer Leistungsprämie für zusätzliche Leistungen kann mich keiner locken, weil ich nicht in der Lage bin, noch mehr zu leisten.
    Angesichts des “normalen” Schulalltags ist es demütigend, wenn man dann auch noch Gefahr läuft als nicht belastbar bezeichnet zu werden.

    schrieb Schülerfreund am

  • #17

    Ich bin Mitglied bei der Vereinigung der KorrekturfachlehrerInnen (korrekturfachlehrer.de), die schon gerichtlich gegen die Ungleichbehandlung von LehrerInnen vorgegangen ist - mit Teilerfolgen. Du kannst dich unter ihrer Homepage schlau machen. Es lohnt sich! In Hamburg ist ein neues Arbeitszeitmodell eingeführt worden und in NRW befindet sich das Mindener Modell in der Erprobung mit guten Chancen flächendeckend eingeführt zu werden!

    schrieb tintenklecks am

  • #18

    Ok, der Ansatz in dieser Form ist sicher nicht optimal, aber zumindest ein guter Anfang. Die Lehrerschaft teilt sich doch schon jetzt in zwei Gruppen:
    1, Ich arbeite genau mein Soll runter, Pflicht ist erfüllt, fertig!
    2, Ich bringe mich weit über Plan ein - aber es wird nicht anerkannt.

    Soll doch Gruppe 1 das gewohnte Gehalt behalten - und Gruppe 2 soll sich über eine kleine Anerkennung freuen.

    Wichtig ist natürlich eine neutrale, anerkannte Beurteilung von zusätzlichen Leistungen, die zu mehr Kohle (um das gehts ja) führen.

    Als Seiteneinsteiger aus der freien Wirtschaft kann ich Ihnen versichern, dass Leistungsprämien tatsächlich zu mehr Leistung führen.

    Wie gesagt, es muss nun nur noch ein ECHTES Konzept her!

    schrieb kummerkasten am

  • #19

    @tintenklecks
    Gerne, aber wie? Bist du organisiert oder hast du eine Idee, wie das geschehen kann? BLLV oder das Ministerium haben offensichtlich noch nicht bemerkt, dass es hier Handlungsbedarf gibt (siehe neues Abitur in Bayern wo im Jahre 2011 zwei Abiturjahrgänge innerhalb von 3 Monaten hauptsächlich von Korrekturfachlehrern gewuppt werden müssen).

    schrieb Anonymus am

  • #20

    @ Anonymus
    Deshalb müssen wir (stark korrekturbelasteten LehrerInnen) unbedingt Arbeitszeitmodelle einfordern, die unsere tatsächliche Arbeitszeit besser abbilden! KorrekturfachlehrerInnen wehrt euch gegen Überforderung und Ausnutzung!

    schrieb tintenklecks am

  • #21

    Allerdings werden solche Aufgaben sicher nur für die Haupt-/Kernfächer gelten. Allerdings nur dann, wenn sie pädagogisch sinnvoll sind (eine “Aufgabe” könnte ja auch sein: Schließe jeden Abend die Schule ab, kontrolliere die Fenster und ob das Licht aus ist. Dann hätte man einen billigen Hausmeister gefunden.)

    schrieb Rq am

  • #22

    Hm, ich bin da skeptisch. Wie sieht es da mal wieder mit den Korrekturfachlehrern aus, die außerhalb ihres täglichen Geschäfts (bis zu 25 Schulaufgaben pro Jahr, möglicherweise ebensoviele Stegreifaufgaben) keinerlei Zusatzaufgaben mehr schaffen, weil sie sowieso schon am Limit gehen? Die kriegen dann vermutlich nix, da sie sich ja nirgendwo “engagieren” , wobei der andere Teil der Kollegien, der sich durch Aufgaben “Fleißkärtchen” verdienen kann, sich zusätzlich zu mehr Freizeit und Anerkennung auch noch mehr Gehalt sichert. Ich bin da Zyniker und Pessimist (aus Erfahrung)...

    schrieb Anonymus am

Anzeige
Nach oben

 >  1682 Einträge, 14796 Kommentare. Seite generiert in 0.5661 Sekunden bei 107 MySQL-Queries. 311 Lehrer/innen online (3 min Timeout / 1674) |