Märchen im Deutschunterricht

Märchen: Anfangs- und Schlussformeln (Arbeitsblatt) 29.10.2013, 20:16

Froschkönig
Bild: Pipsimv/Pixabay [CC0 (Public Domain)]

Die Schüler/innen halten auf dem Arbeitsblatt die Anfangs- und Schlussformeln verschiedener Märchen fest und fassen die Gemeinsamkeiten zusammen.

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Dieses Arbeitsblatt wurde bereitgestellt vom Rohr Verlag; es ist Teil des 54-seitigen Unterrichtsmaterials "Textsorte Märchen: Verstehen und produktiv umsetzen" für die Klassen 5-6 (PDF: 12,50€, Druck: 15,90€).

Die Autorin Ulrike Rohr ist Lehrerin und verwendet ihre eigenen Materialien selbst im Deutschunterricht.

Zu den typischen Merkmalen von Märchen zählen die recht stereotypen Anfangs- (auch: Eingangsformel) und Schlussformeln. Die Kenntnis dieses Elements ist nicht nur dem Wissen über volkstümliches Erzählgut nützlich, sondern hilft auch dabei, schriftsprachliche Kommunikation zu verstehen: Welchen Zweck hat die Verwendung solcher stereotyper Bausteine? Letztlich finden sich solche ja auch in vielen anderen, nicht nur belletristischen Textsorten - in den Nachrichten der Tagesschau, in Gesetzestexten, in Berichterstattung zu bestimmten Themen (z.B. in der Zeitung: Sport, Politik ...) usw.

Anfangsformel im Märchen

Anfangsformeln klingen häufig so: "Es war einmal ...", "In einem großen Walde wohnte ...", "Vor Zeiten war ein König und eine Königin, ...", "Es hatte ein Mann einen Esel, ...", "An einem Sommermorgen ...", "In einem großen, prächtigen Schlosse lebte ...". Sie sind vor allem in sprachlicher Hinsicht stereotyp (Wortwahl, Satzbau, Phrasen).

Die Anfangsformel diente ursprünglich dem Zweck, die Glaubwürdigkeit des Märchens zu belegen; die Handlung findet in einer fernen, geheimnisvollenm aber doch irgendwie realen Vergangenheit statt. Durch den inflationären Gebrauch hat sich die Funktion der Anfangsformel gewandelt: Wer heute eine Erzählung hört, die mit "Es war einmal ..." beginnt, der weiß sofort: das ist ein Märchen.

Schlussformel im Märchen

Bei den Schlussformeln in Märchen werden eher inhaltliche Stereotype bedient. Sie lassen sich unterteilen in positive und negative.

Positive: "Und wenn sie nicht gestorben sind, dann leben sie noch heute.", "... und sie lebten glücklich und zufrieden", "Mit leichtem Herzen und frei von aller Last sprang er nun fort, bis er daheim bei seiner Mutter war.", "... und sie lebten lange vergnügt zusammen.", "... war sein Leid zu Ende und fing seine Freude an."

Negative: "... waren sie also für ihre Bosheit und Falschheit mit Blindheit auf ihr Lebtag gestraft.", "... mußte sie in die rotglühenden Schuhe treten und so lange tanzen, bis sie tot zur Erde fiel.".

Wenn man die Satzgrenze verlässt, verbinden sich sehr häufig beide Varianten, meist in der Reihenfolge Unglück der Bösen, Glück der Guten: "Die Tochter ward in Wald geführt, wo sie die wilden Tiere zerrissen, die Hexe aber ward ins Feuer gelegt und musste jammervoll verbrennen. Und wie sie zu Asche verbrannt war, verwandelte sich das Rehkälbchen und erhielt seine menschliche Gestalt wieder, Schwesterchen und Brüderchen aber lebten glücklich zusammen bis an ihr Ende.", "Und als er an den Brunnen kam und sich über das Wasser bückte und trinken wollte, da zogen ihn die schweren Steine hinein, und er musste jämmerlich ersaufen. Als die sieben Geislein das sahen, da kamen sie herbeigelaufen, riefen laut 'Der Wolf ist tot! Der Wolf ist tot! und tanzten mit ihrer Mutter vor Freude um den Brunnen herum."

Themen der Schlussformel sind meist Hochzeitsfeiern, Heimkehr, Festessen o.ä. Die Schlussformel dient in erster Linie dazu, Bestrafung und/oder Belohnung zu veranschaulichen und damit die Moral der Geschichte. Eine Begrenzung auf den letzten (Halb-)Satz ist bei erster Behandlung deshalb sinnvoll.

Inhalt des Arbeitsblattes

Das Arbeitsblatt können Sie hier als eine PDF-Datei herunterladen: Arbeitsblatt "Märchenbaustein: Anfangs- und Schlussformel" (PDF)

Arbeitsblatt Anfangs-Schlussformel in Märchen - Ausschnitt

 

Märchenbaustein: Anfangs- und Schlussformeln

"Es war einmal ... "- sicherlich kennst du diesen Satz aus Märchen. Märchen fangen fast immer mit ähnlichen Worten an und hören häufig mit ähnlichen Sätzen auf. Das nennt man sprachliche Formeln.

1. Lies dir unterschiedliche Märchen durch.

2. Schreibe nach dem Lesen in die folgende Tabelle deine Beobachtungen:
o Notiere den Namen des Märchens.
o Notiere den ersten und/oder den letzten Satz.

TIPP: ln der Tabelle findest du ein Beispiel.
 

Name des Märchens Anfangsformel Schlussformel
Die Gänsemagd

"Es lebte einmal eine alte Königin (...)."

"Und als das Urteil vollzogen war, vermählte sich der junge König mit seiner rechten Gemahlin und beide beherrschten ihr Reich in Frieden und Seligkeit."

3. Sprich mit einem Partner über Gemeinsamkeiten, die euch bei den Formeln auffallen.

4. Notiere gemeinsam mit deinem Partner mindestens eine Anfangs- oder Schlussformel auf eine Karteikarte für eure Märchenkartei.


Download des Arbeitsblattes: Arbeitsblatt "Märchenbaustein: Anfangs- und Schlussformel" (PDF)

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