3 Arbeitsblätter für den Deutschunterricht

Märchen: Gerichtsverhandlung zum Abschluss einer Unterrichtseinheit 29.11.2013, 17:51

Froschkönig vor Gerichtssaal
Bild: Gabriela_Neumeier / MichaelGaida (Montage) [CC0 (Public Domain)]

Im Märchen treffen häufig Gut und Böse zusammen. Eine Gerichtsverhandlung stellt ein gutes Mittel dar, um die Behandlung eines Märchens im Unterricht abzuschließen: Bewertung der Motive der Figuren, moralische Relativierung, genaue Betrachtung des Textes. Drei Arbeitsblätter für die Unterrichtspraxis (Sekundarstufe I).

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Diese Arbeitsblätter wurden bereitgestellt vom Rohr Verlag; sie sind Teil des 54-seitigen Unterrichtsmaterials "Textsorte Märchen: Verstehen und produktiv umsetzen" für die Klassen 5-6 (PDF: 12,50€, Druck: 15,90€).

Die Autorin Ulrike Rohr ist Lehrerin und verwendet ihre eigenen Materialien selbst im Deutschunterricht.

Die meisten Märchen leben von der Polarisierung zwischen Gut und Böse: die böse Hexe, die böse Stiefmutter, die böse Königin machen den armen Hänsel-und-Gretel-Kindern oder dem hübschen Schneewittchen das Leben schwer. Häufig wird am Schluss der/die Böse bestraft, während die Guten "glücklich und zufrieden lebten bis ans Ende ihrer Tage" (siehe auch: Märchen: Anfangs- und Schlussformeln (Arbeitsblatt)).

Die klassische Methode, um im Deutschunterricht moralische Bewertungen auf Grundlage eines genauen Textverständnisses vorzunehmen, ist die Gerichtsverhandlung. Die folgenden drei Arbeitsblätter konzipieren ein entsprechendes Unterrichtskonzept für die Behandlung von Märchen. In der Regel sollte das Märchen genau bearbeitet worden sein und den Schüler/innen gut bekannt sein.

Es ist durchaus möglich, dass die einzelnen Gruppen verschiedene Märchen behandeln. Pro Gruppe sollten drei Schüler/innen zum Einsatz kommen (Richter/in, Ankläger/in, Täter/in).

In einem ersten Schritt sammeln die Schüler/innen Gründe für eine Anklage und halten das Fehlverhalten schriftlich fest. Auf welchem Abstraktionslevel das geschieht, hängt von der Klassenstufe und der Leistungsstärke der Schüler/innen ab ("Sie hat ihre Stieftochter geschlagen." vs. "Sie hat ihre Stieftochter permanent unterdrückt."). Anschließend bilden sich Gruppen mit den Protagonist/innn der Gerichtsverhandlung (Täter/in, Ankläger/in, Richter/in) und es wird eine "Akte" erstellt. Hier kann die Vorlage von Arbeitsblatt 1 verwendet werden, es besteht aber auch die Möglichkeit, hier etwas intensiver zu arbeiten (z.B. Ankündigungsplakat/-flyer im Computerraum gestalten).

Nun wird das Verhalten der angeklagten Figur genauer beleuchtet. Dieser Schritt ist wichtig, damit in der Verhandlung fundiert argumentiert und diskutiert werden kann. Man kann das Ausfüllen der Tabelle auf dem zweiten Arbeitsblatt weglassen, läuft dann aber Gefahr, dass die Gerichtsverhandlung recht oberflächlich verläuft (Ankläger: "Sie hat sie mit einem Apfel vergiftet." Richter: "Ok. Schuldig."). Besonderes Augenmerk sollte man deshalb auf die dritte Spalte legen ("Gründe für das Verhalten"), auf die Rechtfertigung/Verteidigung des/der Angeklagten.

Anschließend wird die Darstellung der Gerichtsverhandlung vorbereitet, v.a. Mimik und Gestik. Evtl. kann man hier Inspiration geben, indem man einen kurzen Ausschnitt aus einer Gerichtsverhandlung zeigt. Zur Not muss eine Gerichtsshow herhalten; die sind inhaltlich zwar meist unterirdisch, oft aber gut choreographiert, wenn die Schauspieler/innen nicht zu schlecht sind.

Für die Durchführung der Verhandlung sollte man das Klassenzimmer schön herrichten. Das kann, wenn man genügend Zeit hat, ebenfalls von den Schüler/innen geplant und durchgeführt werden: Tische sinnvoll anordnen, Deko, evtl. Be-/Verkleidung der Protagnoist/innen, Requisiten (Apfel!) usw.

Wurde am Schluss durch die Geschworenen ein Urteil gefällt, kann diese Entscheidung weiterverarbeitet werden (z.B. in Form eines Zeitungsberichts über den Fall, eine Ergänzung der anfänglich angelegten Akte o.ä.).

Inhalt der Arbeitsblätter

Die Arbeitsblätter können Sie hier als eine PDF-Datei herunterladen: Arbeitsblätter "Gerichtsverhandlung mit den Figuren eines Märchens" (PDF)

Ausschnitt: Arbeitsblatt 'Unterricht - Gerichtsverhandlung zu einem Märchen'

Gerichtsverhandlung 1/3

Sicherlich habt ihr beim Lesen der Märchen Figuren entdeckt, deren Verhalten euch nicht gefallen hat. Ihr habt jetzt die Möglichkeit, eine Märchenfigur in einer Gerichtsverhandlung anzuklagen.

1 Sammelt in Einzelarbeit auf einem Extrablatt in einem Brainstorming Verhaltensweisen, die strafbar sind oder die ihr als negativ empfindet.

2. Notiert in Einzelarbeit eine Figur, die ihr aufgrund ihres Verhaltens anklagen möchtet. Begründet eure Entscheidung in einem Satz.
Ich möchte ......... anklagen, weil ..........

3 Sucht nun Mitarbeiter für eure Gerichtsverhandlung. Tragt anschließend in dem Kasten ein, wer welche Rolle übernimmt.

  • Geht dazu so lange durch euren Klassenraum und führt "Bewerbungsgespräche'', bis ihr zur Gerichtsverhandlung einer ausgewählten Figur eine Dreiergruppe gebildet habt.
  • Versucht in den Gesprächen zu begründen, warum ihr die Figur anklagen möchtet.

Gerichtsverhandlung zur Tat von ........
Mitschüler, der den Täter darstellt: .......
Mitschüler, der den Ankläger darstellt: .......
Mitschüler, der den Richter darstellt: .......
Grund der Anklage: ..........

Gerichtsverhandlung 2/3

Ihr habt ein Team für die Gerichtsverhandlung gebildet. Bereitet euch nun auf die Gerichtsverhandlung vor.

1. Lest gemeinsam das Märchen, in dem die Figur vorkommt. Sammelt dabei in Stichwörtern Beispiele und Argumente, die für die Gerichtsverhandlung hilfreich sind:

  • Notiert beim Lesen in der Tabelle Beispiele, die das negative Verhalten der Figur aufzeigen.
  • Ergänzt in die mittlere Spalte Argumente, warum das Verhalten nicht gut ist.
  • Sammelt in der rechten Spalte jeweils Gründe, die der Täter für sein negatives Verhalten nennen könnte, um nicht bestraft zu werden.
Hilfe für den Richter:
Negatives Verhalten der Figur
Hilfe für den Ankläger:
Begründungen für die Anklage
Hilfe für den Täter:
Gründe für das Verhalten
     
     
     

2. Sprecht über eure gesammelten Stichwörter. Ergänzt in der Tabelle weitere Beispiele und Argumente, die euch während eures Gespräches einfallen.

Gerichtsverhandlung 3/3

Damit die Gerichtsverhandlung auf gerechte Weise zu einem begründeten Urteil kommt, müssen Richter, Ankläger und auch Täter sachlich und überzeugend wirken. Dies gelingt über ihre Sprache und auch Gestik und Mimik.

1 Jeder von euch übt in seiner Rolle, die Beispiele und Argumente in vollständigen Sätzen vorzutragen.
TIPP: Die in der Tabelle gesammelten Stichpunkte und die Satzanfänge in der Ideenkiste helfen euch dabei. Achtet beim Sprechen auch auf die Betonung und die Lautstärke.

IDEENKISTE
Dieses Beispiel ist ein Beleg dafür, dass ...
Das Beispiel zeigt deutlich, dass ...
Für eine Verurteilung spricht, dass ...
Hinzu kommt, dass ...
Ich musste so handeln, weil ...

2 Legt anschließend gemeinsam fest, welche Körperhaltungen, welche Körperbewegungen (Gestik) und welchen Gesichtsausdruck (Mimik) ihr einsetzen wollt, um eure Rolle passend darzustellen.

Rolle Passende Gestik Passende Mimik
Richter    
Ankläger    
Täter    

3. Die Klasse wird zum Gerichtssaal:

  • Der Richter eröffnet die Verhandlung, nennt Beispiele, warum der Täter angeklagt wird und sorgt für eine faire Verhandlung.
  • Ankläger und Verteidiger sitzen sich gegenüber und tragen jeweils ihre Argumente vor.

4. Die restlichen Schüler bilden das Geschworenengericht und entscheiden am Ende über "schuldig" oder "nicht schuldig".

Auch heute gibt es noch Situationen, in denen Menschen dieses negative Verhalten zeigen: Zum Beispiel ...
Wir haben folgendes Argument noch nicht berücksichtigt: ...
Ein klares Urteil zu fällen ist nicht einfach, denn ...

Download des Arbeitsblattes: Arbeitsblatt "Gerichtsverhandlung mit den Figuren eines Märchens" (PDF)

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