Spickmich expandiert

Spickmich expandiert nach Österreich 21.11.2007, 22:12

Logo von spickmich.de
Bild: spickmich.de (Screenshot)

Das Portal "Spickmich", auf dem SchülerInnen ihre LehrerInnen bewerten können, expandiert nach Österreich - gesponsert von der "Kronen Zeitung". Was haben die österreichischen Lehrpersonen zu erwarten?

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  • (geändert: )

Das Portal Spickmich sorgt seit seiner Geburt im Frühjahr 2007 noch immer für Furore - zumindest in Deutschland (s.a. Lehrerfreund 13.03.2007: Neues Lehrerbewertungsportal ‘Spickmich’). In einer Sponsorenpartnerschaft mit dem Blättchen “Kronen Zeitung”, wo man auch schon mal ein Girl des Tages und ähnliche Proletereien entdecken kann, entert Spickmich nun Österreich (-> www.spickmich.at). Das Konzept von spickmich.de wird vollständig übernommen.

Kritik an Spickmich

Ganz zu Anfang hat Spickmich eine Menge Fehler gemacht. Besonders schmerzhaft war die Tatsache, dass primitive und beleidigende Kommentare und Zitate nicht gelöscht wurden (wir berichteten) - eine wahre Arena für die SchülerInnen, die anonym bewerten durften (und dürfen). Inzwischen gibt es gar keine Kommentare zu LehrerInnen mehr, Zitate werden manuell freigeschaltet. Und da zensierte Zitate oft einfach nur langweilig sind, gibt es zu den wenigsten LehrerInnen Zitate.

Im Kreuzfeuer der Kritik standen auch die Beurteilungskriterien, angeführt von der Kategorie “sexy”. Zu Recht wurde bemängelt, dass die schlechte Benotung einer nicht besonders sexyen Lehrkraft nicht unbedingt die Unterrichtsqualität beschreibt. Auch hier hat Spickmich aufgeräumt, inzwischen sind die Kriterien in Ordnung, als da wären: “guter Unterricht”, “cool und witzig”, “fachlich kompetent”, “motiviert”, “faire Noten”, “faire Prüfungen”, “menschlich”, “gut vorbereitet”, “vorbildliches Auftreten” und “beliebt” (Screenshot: Bewertungsinterface).

Als einziger größerer Kritikpunkt bleibt deshalb die Öffentlichkeit der Bewertung bestehen:

Seit der Gründung des Portals gibt es immer wieder Proteste von Eltern und Lehrern, ob man Pädagogen öffentlich an den Pranger stellen darf. [5] Genau das ermögliche nach Ansicht vieler Lehrer spickmich.de. Manche Datenschützer sehen in der Veröffentlichung personenbezogener Daten ohne ausdrückliche Genehmigung eine Verletzung des Datenschutzes und sehen die „Persönlichkeitsrechte der Lehrer nicht ausreichend geschützt.“[6] Kritik richtet sich außerdem gegen die Art, wie die Bewertung zustandekommt. Es kann jeder anonym und ohne den betreffenden Lehrer zu kennen, eine Benotung vornehmen.

Wikipedia: Spickmich

Allerdings, so muss man hinzufügen, muss bei der Registrierung zwingend die eigene Schule angegeben werden; Lehrpersonen von anderen Schulen können nicht bewertet werden.

Ausblick: Müssen die österreichischen Lehrer/innen zittern?

Die Sicherheitsmechanismen von Spickmich haben dazu geführt, dass ein Großteil der Kritik ins Leere läuft. Als Nebeneffekt ist zu bemerken, sehr viele Lehrkräfte zwar in der Datenbank vorhanden sind, aber aus Mangel an “genügend Bewertungen für eine aussagekräftige Note” nicht öffentlich benotet sind. Der Fun hält sich deshalb für SchülerInnen in Grenzen; zwar versucht das Spickmich-Team geschickt durch Community-Elemente (meine Videos meine Fotos meine Freunde usw.) die Plattform zu einem virtuellen sozialen Treffpunkt auszubauen, ich halte es aber für unwahrscheinlich, dass das gelingen wird; dazu ist die Struktur und Vermarktung der Plattform nicht flexibel genug. Die hohen Nutzerzahlen, die in der Presse kommuniziert werden (250.000 SchülerInnen - orf.at 21.11.2007: ‘Spickmich’), dürften erheblich höher liegen als die Zahl aktiver NutzerInnen.

So denn: Besorgen Sie sich einen Lehrerzugang bei spickmich.at und schauen Sie sich mal um.


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