Effi Briest im Unterricht

Gegenüberstellung Effi-Innstetten - Arbeitsblatt und Unterrichtsvorschlag 04.09.2005, 00:53

Bei der Behandlung von "Effi Briest" im Unterricht zeigt die Gegenüberstellung von Effi und Innstetten eine (die?) Wurzel des Konflikts. Ein Arbeitsblatt und Vorschlag zum Unterrichtsverlauf.

Anzeige

Arbeitsblatt zur Gegenueberstellung von Effi und Innstetten

Effi Briest und Geert von Innstetten sind doch zwei recht unterschiedliche Charaktere. Diese Gegensätzlichkeit entpuppt sich im Verlauf der Handlung als Faktor, der das Scheitern bestimmt. Schon auf den ersten Seiten von "Effi Briest" lässt sich bei genauerer Analyse die fatale Anlage der Ehegeschichte erkennen.

Unterrichtsvorschlag

Voraussetzungen

Den Schüler/inne/n sollte der Gesamttext bekannt sein. Sinnvoll wäre, wenn die grundsätzlichen äußeren Bedingungen ebenfalls geklärt wären (Zeitstruktur des Romans, Raumgestaltung Kapitel 1 (Hohen-Cremmen), evtl. Erzählsituation).

Ablauf

  1. Charakterisierung Effi/Innstetten - 4er-Gruppen erarbeiten aus den ersten zwei Kapiteln jeweils eine Charakterisierung der Personen Effi und Innstetten (mit passenden Textstellen). Sinnvollerweise kann die Arbeit innerhalb der Gruppen aufgeteilt werden (2 Effi, 2 Innstetten). Ergebnisse auf dem Arbeitsblatt (pdf) festhalten.
  2. Erarbeitung Gegenüberstellung/Vergleich - Gruppen mischen. Jede Gruppe erarbeitet zwei der Aufgabenstellungen auf dem Arbeitsblatt:
    • Gemeinsamkeiten
    • Unterschiede
    • Welche Eigenschaften könnten für eine Ehe besonders problematisch sein?
    • Welche Eigenschaften könnten für eine Ehe besonders positiv sein?
  3. Ergebnispräsentation - Jeweils ein Gruppenmitglied stellt das Ergebnis zu einer Aufgabe vor; evtl. festhalten an Tafel oder auf Folie (Arbeitsblatt)
  4. Besprechung
    • Was fällt auf?
    • Kann die Ehe halten? Unter welchen Umständen?
    • was gefällt Effi an Innstetten und Innstetten an Effi?
    • Warum konzipiert Theodor Fontane dieses Verhältnis so kontrastiv?
  5. Weiterführung: Vorausdeutungen - Im Text Stellen suchen, in denen das Scheitern schon frühzeitig angedeutet wird. Es bieten sich zwei Textstellen auf S. 9-11 (Ausgabe Hambuger Lesehefte, Umrechnungstabelle -> reclam) an - Effi unterhält sich mit Bertha, Hertha und Hulda über Innstetten:

Vorausdeutungen 1

Also Baron Innstetten! Als er noch keine zwanzig war, stand er drüben bei den Rathenowern und verkehrte viel auf den Gütern hier herum, und am liebsten war er in Schwantikow drüben bei meinem Großvater Belling. Natürlich war es nicht des Großvaters wegen, daß er so oft drüben war, und wenn die Mama davon erzählt, so kann jeder leicht sehen, um wen es eigentlich war. Und ich glaube, es war auch gegenseitig.« »Und wie kam es nachher?«

»Nun, es kam, wie's kommen mußte, wie's immer kommt. Er war ja noch viel zu jung, und als mein Papa sich einfand, der schon Ritterschaftsrat war und Hohen-Cremmen hatte, da war kein langes Besinnen mehr, und sie nahm ihn und wurde Frau von Briest ... Und das andere, was sonst noch kam, nun, das wißt ihr ... das andere bin ich.«

»Ja, das andere bist du, Effi«, sagte Bertha. »Gott sei Dank; wir hätten dich nicht, wenn es anders gekommen wäre. Und nun sage, was tat Innstetten, was wurde aus ihm? Das Leben hat er sich nicht genommen, sonst könntet ihr ihn heute nicht erwarten. «

»Nein, das Leben hat er sich nicht genommen. Aber ein bißchen war es doch so was.«

»Hat er einen Versuch gemacht?«

»Auch das nicht. Aber er mochte doch nicht länger hier in der Nähe bleiben, und das ganze Soldatenleben überhaupt muß ihm damals wie verleidet gewesen sein. Es war ja auch Friedenszeit. Kurz und gut, er nahm den Abschied und fing an, Juristerei zu studieren, wie Papa sagt, mit einem 'wahren Biereifer'; nur als der Siebziger Krieg kam, trat er wieder ein, aber bei den Perlebergern statt bei seinem alten Regiment, und hat auch das Kreuz.

Effi Briest, S. 9f

Vorausdeutungen 2

»Nein, Wilke, nicht so; das mit den Schlusen, das ist unsere Sache... Hertha, du mußt nun die Tüte machen und einen Stein hineintun, daß alles besser versinken kann. Und dann wollen wir in einem langen Trauerzug aufbrechen und die Tüte auf offener See begraben.«

Wilke schmunzelte. Is doch ein Daus, unser Fräulein, so etwa gingen seine Gedanken. Effi aber, während sie die Tüte mitten auf die rasch zusammengeraffte Tischdecke legte, sagte: »Nun fassen wir alle vier an, jeder an einem Zipfel, und singen was Trauriges.«

»Ja, das sagst du wohl, Effi. Aber was sollen wir denn singen?«

»Irgendwas; es ist ganz gleich, es muß nur einen Reim auf 'u' haben; 'u' ist immer Trauervokal. Also singen wir:

Flut, Flut,
Mach alles wieder gut ... «
Und während Effi diese Litanei feierlich anstimmte, setzten sich alle vier auf den Steg hin in Bewegung, stiegen in das dort angekettelte Boot und ließen von diesem aus die mit einem Kiesel beschwerte Tüte langsam in den Teich niedergleiten.

»Hertha, nun ist deine Schuld versenkt«, sagte Effi, »wobei mir übrigens einfällt, so vom Boot aus sollen früher auch arme, unglückliche Frauen versenkt worden sein, natürlich wegen Untreue.«

»Aber doch nicht hier.«

»Nein, nicht hier«, lachte Effi, »hier kommt sowas nicht vor. Aber in Konstantinopel, und du mußt ja, wie mir eben einfällt, auch davon wissen, so gut wie ich, du bist ja mit dabeigewesen, als uns Kandidat Holzapfel in der Geographiestunde davon erzählte.«

»Ja«, sagte Hulda, »der erzählte immer so was. Aber so was vergißt man doch wieder.«

»Ich nicht. Ich behalte so was.«

Effi Briest, S. 11

Anzeige