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'Schulvielfalt'

Hessen: Jedes zweite Gymnasium kehrt zu G9 zurück 16.02.2013, 12:08

Zumindest in Hessen scheint das G8-Experiment gescheitert: Fast jedes zweite Gymnasium nimmt die Option wahr, zum G9 zurückzukehren. Die FDP lobt die "Schulvielfalt" im Bundesland.

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  • (geändert: )

Von insgesamt 107 hessischen Gymnasien kehren 50 ab nächstes Schuljahr zum neunjährigen Gymnasium G9 zurück (11 davon mit parallelem G8), weiß hr-online zu berichten.

Erstaunlicherweise sind das fast ausschließlich Gymnasien im ländlichen Raum - in den größeren hessischen Städten wie Frankfurt, Wiesbaden, Kassel oder Offenbach bleiben fast alle Gymnasien bei G8. Möglicherweise spielen hier gewachsene soziale Beziehungen bei den Entscheidungsträgern eine Rolle - wie bspw. etwas festere Bande zwischen Schulleitungen und Schulämtern ("Komm, das kannst du jetzt nicht machen, ihr bleibt auch bei G8, ist doch egal, was die Eltern wollen. Weißt du, G8, da hat man auch mehr Möglichkeiten, Sachmittel zu beantragen, du verstehst schon." - "Ok.").

Das ist eine Abstimmung mit den Füßen, allerdings sind es diesmal nicht nur die Füße der Eltern, sondern auch die der Schulen vor Ort. Man darf nicht vergessen, dass die Umstellung zurück von G8 auf G9 für die Gymnasien einen immensen Verwaltungsaufwand mit sich bringt - einen Verwaltungsaufwand, der sicherlich viele weiteren Gymnasien von diesem Schritt abhält, obwohl sie gerne würden. Und wer weiß, was in einigen Jahren sein wird - plötzlich darf man dann doch nicht mehr und muss WIEDER zum G8 zurück.

Auf die Häme der Opposition reagieren die Regierungsparteien CDU und FDP so:

Jedes zweite Gymnasium bleibe schließlich bei G8, betonte der bildungspolitische Sprecher Günter Schork. [...]

Hessen verfüge nun über "eine bundesweit vorbildliche Schulvielfalt", betonte der FDP-Fraktionsvorsitzende Wolfgang Greilich.

hr-online 15.02.2013: Fast jedes zweite Gymnasium bietet G9 an

Das sind nun natürlich wirklich unglaubliche Sprüche. Der Föderalismus im Bund ist eines der größten Hemmnisse für eine konstruktive Bildungspolitik, und nun lobt man die "Schulvielfalt" innerhalb eines Bundeslandes?

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Kommentare

4

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  • #1

    Hinzu kommt, dass sich viele Schulen einfach geweigert haben, über eine solche Umstellung ohne genaue rechtliche Informationen (die kamen erst im Dezember) zu entscheiden. Das heißt, es wird sicher noch eine Reihe von Schulen geben, die ab dem Schuljahr 2014/15 zu G8 zurückkehren - z.B. haben alle Gymnasien in Kassel die Entscheidung vertagt. Mein Eindruck ist eher, dass hoher Druck aufgebaut wurde, mindestens die Parallelklassen anuzbieten. Die Anforderungen dafür sanken im Laufe der Zeit von mindestens 2 Parallelklassen auf eine G8-Klasse und diese auch nicht unbedingt mit vielen SuS (z.B: 18).

    schrieb Koa am

  • #2

    @Bert : Ich finde diese Art der Artikel nicht verwerflich, handelt es sich doch hier nicht um eine journalistisch gepflegte Seite, die eine breite Leserschaft neutral informieren soll, sondern um eine Seite für wohl hauptsächlich Lehrer, die sich schon mit der Materie auskennen (und entweder in ihrer Meinung bestätigt oder mal so richtig von Kollege zu Kollege überrascht werden wollen).
    Auch Schulämter und Politik in einen Topf zu werfen halte ich für falsch. Politik schielt auf den Wähler (meist ohne fundiertes Konzept) und verkaufen Versäumnisse und Fehler als positive Nebeneffekte. Dahingegen müssen Schulämter diesen M*** umsetzen und BEZAHLEN.
    Jetzt bin ich mal polemisch : das Wort VIEL und die FDP in einem Satz macht auch keinen Sinn. :)

    schrieb Sisyphos am

  • #3

    Vielfalt ist ja grundsätzlich etwas Schönes. Ein ungewolltes Chaos als schöne Vielfalt zu verkaufen ist jedoch völlig daneben.

    schrieb Der Lehrerfreund am

  • #4

    Sie kritisieren “unglaubliche Sprüche” der Parteien, die eine abweichende Position vertreten (‘Vielfalt’ passt doch zu FDP, ist eine urliberale Forderung?), unterstellen weiter oben aber - vorsichtig ausgedrückt - direkte Beeinflussung durch die Schulämter?

    Vielleicht täte es dem Lehrerfreund ganz gut, sich (wieder) stärker auf inhaltliche (Unterrichts-)Themen – mit anderen Worten auf mehr Substanz und weniger Polemik – zu konzentrieren.

    schrieb Bert am

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