Unterrichtsmaterial Deutsch, Sozialkunde ...

Das Ende der Hypergamie? (Arbeitsblatt zur Lesekompetenz) 27.11.2012, 14:33

Hochzeit
Bild: Pixabay [CC0 (Public Domain)]

Interessanter, nicht ganz einfacher Text über Hypergamie (Frauen heiraten "nach oben") und Hypogamie (Frauen heiraten zunehmend "nach unten"). Arbeitsblatt mit Fragen zum Lesekompetenztraining, außerdem Vorschlag für ein Erörterungsthema. Niveau Sekundarstufe I und II.

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Der Text ist im Original beim Online-Magazin telepolis erschienen: Das Ende der Hypergamie?. Wir danken für die Erlaubnis zur Verwendung und empfehlen aus Überzeugung, den telepolis-Newsletter zu abonnieren.

Der leicht gekürzte Text (s.u.) umfasst 389 Wörter (ohne Überschrift). Das Leseverständnis wird erschwert durch die Verwendung von Fremdwörtern (Hypergamie, Hypogamie, Erosion, Implikation, Symmetrie in der Paarbildung ...), wobei die zentralen Begriffe (Hypergame, Hypogamie) im Text erklärt werden. Der Text kann in späteren Klassen der Sekundarstufe I verwendet werden, ebenso in sämtlichen Klassen der Oberstufe.

Neben der Verwendung zum Training von Lesekompetenz kann der Text sehr gut auch in sozialwissenschaftlichen Fächern (Gemeinschaftskunde / GGk, Sozialkunde ...) eingesetzt und diskutiert werden.

Anmerkungen zu den Arbeitsaufträgen

1. Arbeitsaufträge Textbearbeitung/Textverständnis

Bevor die Schüler/innen den Text lesen, sollen sie sich Gedanken über die zentralen Begriffe Hypogamie und Hypergamie machen. Anschließend sollte der Text auch in der Sekundarstufe I einigermaßen gut zu verstehen sein.

Ein grobes Verständnis und das Nachvollziehen der Textstruktur wird angestrebt, wenn in Aufgabe 2 Überschriften zu den einzelnen Absätzen erstellt werden.

Das Leseverständnis wird in der dritten Aufgabe überprüft. Die Schüler/innen sollen ihre Antworten belegen, indem sie passende Stellen im Text heraussuchen und in die Tabelle eintragen (Zeilennummern genügen).

In Aufgabe 4 wird nach der Bedeutung des folgenden Satzes gefragt:

Es sei jedoch zu erwarten, dass der ansteigende Bildungsgrad der Frauen, die hier die Männer in den nächsten Jahrzehnten deutlich überholen werden, "wichtige Implikationen für die Erosion der traditionellen Muster der Partnerfindung" habe [...]

Hier könnten die Fremdwörter Schwierigkeiten machen. Vielleicht kann das mit einem kurzen Blick in die Wikipedia gelöst werden (Screenshots auf dem Arbeitsblatt), zumal der Kontext relativ eindeutige Schlussfolgerungen zulässt.

In Aufgabe 5 sollen die Schüler/innen erkennen, dass der Autor den schwer verständlichen Satz aus Aufgabe 4 nur zitiert, für die Verwendung der Fremdwörter also nicht belangt werden kann (höchstens für die Auswahl des Zitats).

2. Erörterung/Diskussion

Hier sollen die Schüler/innen ihre eigene Meinung zum Thema darstellen. Wie eng der Text einbezogen wird, ist freigestellt (entsprechend kann die Aufgabe je nach Unterrichtskontext etwas variiert werden, z.B. "... und beziehe dabei die Inhalte des Textes in deine Ausführungen ein."

Inhalt des Arbeitsblattes

Das Arbeitsblatt "Das Ende der Hypergamie?" (PDF) enthält den folgenden Text und die Arbeitsaufträge:

Florian Rötzer:
Das Ende der Hypergamie?

Mit steigender Ausbildung überholen hier die Frauen die Männer, was auch bedeutet, dass sich nun vermehrt die Männer hoch- und die Frauen herunterheiraten

In den Geschlechterverhältnissen tut sich einiges. Die Emanzipation kommt an, die Frauen sind zunehmend besser ausgebildet, machen Karriere in Gesellschaft, Wirtschaft und Wissenschaft. Während früher in aller Regel die Männer in den Beziehungen dominanter waren, weil sie besser ausgebildet waren oder höhere Stellungen hatten, so kehrt sich das allmählich um. Zumindest wächst die Zahl der Paare, bei denen die Frauen die höhere akademische Bildung haben. In manchen Ländern ist das schon die Regel.

Eine im Population Development Review erschienene Studie des Centre for Demographic Studies of the Universitat Autònoma de Barcelona (CED-UAB) hat die Auswirkungen dieser Rollenumkehr in 56 Ländern untersucht. In Ländern, in denen es mehr Frauen mit höhere Bildungsabschlüssen als Männer gibt, tritt ein bislang ungewohnter Effekt ein. Die Frauen gehen häufiger Beziehungen nach unten ein (Hypogamie), als nach oben. Frauen können sich dann nicht mehr gesellschaftlich hoch heiraten (Hypergamie), wohl aber Männer.

Nach der Studie hat dies offenbar aber nicht die Folge, dass Beziehungen schwieriger werden und mehr gut gebildete Frauen Singles bleiben: "Die Zusammensetzung der Paare passt sich ganz gut den strukturellen Veränderungen an", sagt Albert Estve, einer der Autoren der Studie. "Wenn diese Veränderungen stattfinden, werden sie früher oder später einen Effekt auf dem Heiratsmarkt haben." Hervorgehoben wird hier China, wo es möglicherweise bald 140 Studentinnen auf 100 Studenten geben wird. Allgemein scheint es mit der Emanzipation der Frauen seit den 1970er Jahren in den Industrieländern und in den Entwicklungsländern eine Abnahme der Hypergamie zu geben. In Industrieländern wie den USA oder Frankreich, aber auch in Brasilien heiraten schon mehr Frauen abwärts als aufwärts. In diesem Jahrhundert verzeichnen 26 von 51 Ländern, darunter Frankreich, Jordanien, Slowenien, die Mongolei oder Südafrika, einen Trend zur Bildungs-Hypogamie. So gab es in Spanien 2001 auf hundert Paare mit Hypogamie 67, bei denen ein Aufstieg stattfand.

Ob dieser Trend aber zu mehr Gleichheit zwischen Männer und Frauen in anderen Bereichen wie Entscheidungsfindung, Aufteilung der Hausarbeit, Scheidung etc. führen wird, müsse erst abgewartet werden. Es sei jedoch zu erwarten, dass der ansteigende Bildungsgrad der Frauen, die hier die Männer in den nächsten Jahrzehnten deutlich überholen werden, "wichtige Implikationen für die Erosion der traditionellen Muster der Partnerfindung" habe, was zu einer "Symmetrie in der Paarbildung" führen könne. [...]

 

(Quelle: telepolis 02.11.2012 ( http://www.heise.de/tp/blogs/3/153110 ))

Arbeitsaufträge zur Bearbeitung des Textes"Das Ende der Hypergamie?":

  1. In dem Text geht es um "Hypergamie" und "Hypogamie". Versuche die Begriffe zu erklären. Du hast herausgefunden, dass
    • "hypo-" etwa "unter", "hinunter" bedeutet;
    • "hyper" etwa "über", "über hinaus" bedeutet;
    • "-gamie" irgendetwas mit Ehe zu tun hat.
  2. Lies den Text einmal durch und gibt den einzelnen Absätzen (mit Sternchen + Ziffern markiert: *1, *2 ...) Überschriften.
  3. Welche der folgenden Aussagen sind richtig, welche falsch? Schreibe die Zeilnnummern auf, die als Beleg für deine Antwort dienen können.
  falsch richtig
a) Frauen heiraten vermehrt in höhere Schichten ein. Z. 1-2  
b) In immer mehr Beziehungen haben Männer das höhere Bildungsniveau.    
c) Der Artikel ist ein Hirngespinst des Autors, er hat das alles frei erfunden.    
d) Hypogamie bedeutet, dass Frauen nach unten heiraten (also schlechter ausgebildete Männer).    
e) Bisher war Hypergamie häufiger als Hypogamie.    
f) Seit 1970 ist Hypergamie häufiger als Hypogamie.    
g) Die Folge der zunehmenden Hypogamie ist, dass Beziehungen schwieriger werden.    
h) Die zunehmende Hypogamie führt erwiesenermaßen dazu, dass Männer auch mehr im Haushalt mithelfen.    
  1. Im Text steht, dass die Entwicklung hin zur Hypogamie möglicherweise "wichtige Implikationen für die Erosion der traditionellen Muster der Partnerfindung" haben könnte. Was könnte das bedeuten? In Wikipedia hast du die Wörter "Implikation" und "Erosion" nachgeschlagen, siehe unten.

Wikipedia: Erosion, Implikation

  1. Jemand hat zu Aufgabe 4 gesagt: "Der Autor F. Rötzer sollte besser deutsche Worte verwenden, damit man ihn auch versteht." Nimm Stellung zu dieser Aussage.

Erörterung/Diskussion

Bewerte die Entwicklung, dass immer mehr hypogame Beziehungen entstehen. Stelle auch deine eigene Vorstellung dar, ob du gerne in einer hypogamen Beziehung leben möchtest.

Download: "Das Ende der Hypergamie?" (PDF)

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