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Arbeitszimmer

Verwaltungsgericht Mannheim: Kein Anspruch auf eigenes Arbeitszimmer in der Schule 14.12.2008, 17:14

Ein Lehrer aus Baden-Württemberg wollte gerichtlich ein Arbeitszimmer bzw. Büro in der Schule einklagen - und ist jetzt natürlich aufgelaufen.

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  • (geändert: )

Die Problematik ist bekannt: Lehrer/innen dürfen ihr Arbeitszimmer seit 2007 steuerlich nicht mehr absetzen, obwohl sie einen Großteil ihrer Arbeitszeit dort intensiv schaffend verbringen.  Unterschiedliche Reaktionen auf diesen Missstand sind erörtert und ausprobiert worden, außerdem laufen aktuell sechs Musterverfahren, in denen eine Rücknahme der umstrittenen Regelung erfochten werden soll (zwei davon beziehen sich auf die Zielgruppe Lehrer/innen).

Nun hat ein Realschullehrer aus Baden-Württemberg gerichtlich ein Büro an der Schule mit Einrichtung und Internetzugang gefordert. Natürlich wurde sein Ansinnen jetzt auch in zweiter Instanz abgeschmettert (Aktenzeichen 4 S 659/08):

Ein höchstrichterliches Urteil des Verwaltungsgerichtshofes in Mannheim erspart es dem Land somit, knapp 85.000 Lehrern eigene Büros an den Schulen einzurichten. [...] Außerdem stehe dem Lehrer jederzeit Raum in der Schule zum Vor- und Nachbereiten des Unterrichts zur Verfügung. “Der bloße Wunsch eines Lehrers, einen räumlich abgegrenzten Arbeitsplatz zu nutzen, zwingt den Dienstherren nicht, einen solchen bereitszustellen”, so die Karlsruher Richter [erstes Verfahren im Februar am Karlsruher Verwaltungsgericht.

Spiegel Online 12.12.2008: Urteil - Lehrer haben keinen Anspruch auf Schulbüro

Das Urteil ist völlig berechtigt - die Forderung nach einem gemütlichen Arbeitsraum in der Schule ist dekadent und realitätsfremd; der Kläger hat das wohl auch irgendwie auch gefühlt (“Ernstliche Zweifel an der Richtigkeit des Urteils [= keine Zulassung einer Berufungsklage] habe der Kläger nicht dargelegt.” - juris.de). Außerdem beschädigen solche überzogenen Spinnereien ein weiteres Mal das Lehrerimage in der Öffentlichkeit.

Die meisten Lehrer/innen schuften (je nach Fach/Schulform) zu Hause mehr als in der Schule. Die wenigen KollegInnen, die ihre Arbeit im Wohnzimmer verrichten (wie z.B. der frische Referendar C. Herburg), leiden bitterlich. Die Problematik ist anschaulich illustriert in unserem Beitrag Lehrerfreund 30.11.2006: Fotos von Lehrerarbeitszimmern (GEW). Der Gesetzgeber weiß das, pfeift jedoch darauf und brüskiert damit die Lehrerschaft.

Dieser politischen Unverschämtheit gilt es die Stirn zu zeigen, indem die Änderung im Steuergesetz angefochten wird. Wir hoffen also weiter auf den Erfolg der Musterprozesse und raten dringend davon ab, als Korrekturfachlehrer/in einen heimischen Masseur einklagen zu wollen.

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Kommentare

6

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  • #1

    Alle meine VorrednerInnen haben Recht. Ich unterstreiche hier die wichtigsten Aussagen:
    - Wir haben ein saumäßiges Ansehen in der Gesellschaft, verschuldet durch Teile von uns selbst.
    - Die LehrerInnen-Verbände aller Couleur kann man vergessen. Entweder ideologisch verblendet oder nur darauf erpicht, gute Posten zu ergattern.
    - Wer noch LehrerIn wird, hat nicht alle Tassen im Schrank.

    Die Lehrerin / der Lehrer ist der Arsch der Gesellschaft. Schlimm genug. Schlimmer ist, dass ein Großteil es verdient hat.
    Utopische Lösung: Alle NeueinsteigerInnen dreimal so hoch bezahlen wie jetzt, damit sich die Besten der Gesellschaft melden. Aber: Gleich am Anfang knallhart auf Eignung aussieben.

    Das nächste Schuljahr ist mein Letztes. Im nächsten Leben werde ich ..., jedenfalls kein Lehrer!

    schrieb ego am

  • #2

    Sie sind eben doch unpolitisch. Wenn von 85000 Lehrern sich nur 10% wehren würden, sehe die Schullandschaft ganz anders aus. In den ostdeutschen Bundesländern sind die meisten Lehrer nicht verbeamtet. Doch die machen erst recht nichts.
    Die Pisaergebnisse sind nur die notwendige Konsequenz des gesamtdeutschen kollektiven Lehreverhaltens und es wird schlimmer. Es fällt nur im internationalen Vergleich weniger auf, weil die anderen Industriestaaten die gleichen Probleme haben. Siehe unter:http://www.dgtb.de/index.php?id=5 den japanischen Beitrag.
    Schulreformen müssten sehr schnell greifen, aber da sind ja noch die Länderhoheiten.

    schrieb Volker Torgau am

  • #3

    Ganz klar: Ich halte dieses Urteil für einen himmelschreienden Skandal! Als doppelte Korrekturfachlehrerin mit Englisch und Deutsch habe ich ein 11qm-Arbeitszimmer, das bis unter die Decke vollgepackt ist mit Schulbüchern, Aktenordnern, Heften, Computer, Drucker, Arbeitsutensilien, DVD, CDs, CD-Player und noch vieles mehr! Wo sollte ich die Dinge lagern? Vielleicht im Lehrerzimmer, in dem ich noch nicht einmal einen festen Platz beanspruchen kann? Und ich kann beeiden, dass ich dieses Zimmer fast ausschließlich aus beruflichen Gründen nutze. Dass LehrerInnen sich nicht wehren, hat mit ihrem Beamtenstatus zu tun: Wir dürfen nicht streiken. Ansonsten sind unseren Protestmöglichkeiten rigide Grenzen gesetzt. Wer hört denn heute schon auf LehrerInnen, wenn man einen Herrn Bueb im Studio hat - mit lauter tollen Ideen aus Sicht des pensionierten Schulleiters -  der jetzt Zeit hat, seine spinnerten Ideen an den Mann / die Frau zu bringen, für deren Umsetzung es Jahrzehnte und Unmengen von Geld braucht, oder den Typen von spickmich, der auch noch seinen Senf dazu gibt? Wo sind unsere Berufsverbände? Was tun die eigentlich für uns? Ich bin aus dem Philologenverband ausgetreten, weil dieser noch nicht einmal in der Lage war, dem Schulministerium klar zu machen, dass eine Deutschstunde in welcher Stufe auch immer z.B. nicht mit einer Kunststunde in der Unterstufe gleichzusetzen ist. Prompt gibt es eine Deputatserhöhung (alle Fächer sind gleich!) um 2 Unterrichtsstunden. Da gibt es ein großes Geschrei um die PISA-Ergebnisse! Kein Wunder, wenn ein Schulministerium noch nicht einmal in der Lage ist, die LehrerInnen zu unterstützen und entlasten, die in besonderem Maße gefordert sind! Es geht in PISA nicht um sportliche Spitzenleistungen oder kleine Möchtegernkünstler, sondern um feststellbare Leistungen in ganz speziellen Bereichen, nämlich im Wesentlichen in den Hauptfächern!—- Will sagen: Das Schulministerium fischt immer mehr im Trüben, begibt sich in einen schädlichen Aktionismus, verkennt die Realität (man denke nur an den banalen Bereich Arbeitszimmer)oder ist einfach nur korrupt. Solche Leute als PolitikerInnen können wir nicht gebrauchen!

    schrieb tintenklecks am

  • #4

    Nein, Lehrer sind nicht unpolitisch.
    Es ist nur so, dass dieses Urteil nach den Zumutungen der letzten Jahre keinen Lehrer mehr wirklich überrascht.
    Das einzig Neue ist vielleicht, dass jetzt jedem Lehrer / jeder Lehrerin klar sein müsste, dass er nicht nur
    a) keine Unterstützung durch die Medien,
    b) keine Unterstützung durch die Parlamente
    c) keine Unterstützung durch die Kultusministerien

    sondern neuerdings auch

    d) keine Unterstützung durch die Gerichte hat.

    Wer heute noch Lehrer wird, hat nicht mehr alle T… im Schrank oder er hat keine andere Wahl.

    schrieb Mister M. am

  • #5

    Es erstaunt mich, dass es zu diesem Urteil - und damit einem Schlag ins Gesicht für alle Lehrer - kaum Kommentare gibt.

    Sind Lehrer so unpolitisch oder arbeiten sie wirklich nicht außerhalb der Schule und brauchen deshalb keinen Arbeitsplatz.

    Haben die Richter des VGH Mannheim eigentlich auch keine Arbeitsplätze am Gericht? Ein netter Gerichtssaal für 5-7 Richter wird doch wohl genügen, oder?

    schrieb Michael Schmidt am

  • #6

    Bleibt zu hoffen, dass sich der Gesetzgeber ähnlich umstimmen lässt wie bei der Pendlerpauschale. Dein Arbeitszimmer gleicht ja beinahe einer Bücherei :-)

    Frohes Schaffen,

    Michael Bertl

    schrieb Steuerberater Regensburg am

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