Schüleraktives Konzept

Korrekturentlastung: Schüler korrigieren ihre Klausuren selbst 10.01.2010, 22:52

Eine unorthodoxe Art der Korrektur von Klausuren besteht darin, das die Schüler/innen selbst übernehmen zu lassen: Jeweils zwei Schüler/innen korrigieren ihre Klausuren/Klassenarbeiten, woraufhin die Lehrperson nur noch eine abschließende Kontrollkorrektur vornimmt. Erklärung des Vorgehens und Tipps zur Umsetzung von Rüdiger Borrmann.

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Vorbemerkung: Der Autor hat diese Korrekturmethode bereits selbst mit Erfolg in naturwissenschaftlichen Fächern erprobt. Eine Adaption des Konzepts für geisteswissenschaftliche Fächer steht noch aus. Besonders apart an dieser Methode ist die Tatsache, dass die Schüler/innen (auch) ihre eigenen Klausuren bewerten und das Ergebnis der Lehrer/in mitteilen, was die Anzahl der Streitereien um Noten stark minimieren dürfte.

Es folgt ein Gastbeitrag von Rüdiger Borrmann - vielen Dank!

Ich arbeite aktuell systematisch daran, meine Schüler selbst die Arbeiten korrigieren zu lassen. Dieses hat große Vorteile. Ich komme wieder weg von Multiple Choice und kann sinnvollere Textaufgaben stellen. Der Nachkorrekturaufwand nach mehreren Anläufen ist minimal. Ich kann statt Korrekturen durchzuführen mich besser auf den Unterricht vorbereiten.

Und so geht’s:

Klausurkorrekturen durch Schüler

Warum macht man so etwas? - Didaktischer Mehrwert

Durch die Korrektur verarbeiten die Schüler den Stoff erneut, festigen das neue Wissen und erwerben sogar noch neue Kompetenzen - nämlich das Bewerten ihrer eigenen und fremder Arbeitsergebnisse.

Wie funktioniert es? - Vorgehen

  • Damit die ordnungsgemäße Durchführung vom Lehrer ggf. bewertet werden kann, erhält die Klausur ein Feld ‘korrigiert von: ‘, in das sich der jeweilige Korrektor einträgt. Zusätzlich bekommt die Klausur einen Randstreifen für Anmerkungen und Punkte des Korrektors, denn die Farben der verwendeten Stifte der Schüler könnten gleich sein.
  • Die geschriebene Klausur wird sofort nach dem Schreiben der Arbeit zweimal kopiert. Das Original verbleibt beim Lehrer. Eine Musterlösung kann gleich zur Korrektur ausgeteilt werden bzw. die Erwartungen an die Klausurergebnisse zusammen mit den Schülern an der Tafel nach Schreiben der Klausur erarbeitet werden.
  • Jeder Schüler bekommt zur Korrektur die Kopie seiner Klausur und die eines anderen Schülers ausgeteilt, d.h. jeder Schüler korrigiert zwei Klausuren, wobei sichergestellt sein muss, dass ein Schüler nicht beide Exemplare seiner Klausur erhält bzw. das Exemplar des Korrektors seiner Klausur.
  • Die Schüler vergleichen anschließend die Korrekturen und einigen sich durch Diskussion auf gleiche Punktezahlen, so dass ein unstrittiges Endergebnis erzielt wird.
  • Das Punkte-Endergebnis wird zusammen mit der Note dem Lehrer mitgeteilt.
  • Der Lehrer sammelt alle Korrekturen ein zur Durchsicht, ob die Korrekturen ordnungsgemäß durchgeführt worden sind und überträgt das Ergebnis in das Original.

Folgende Dinge sollten zusätzlich bedacht werden:

  • Es bietet sich an, die Korrektur als Teil der Gesamtnote zu berücksichtigen, z. B. 0,3 Abzug bei schlechter bzw. keiner Korrektur.
  • Es werden u. U. nicht immer beide Exemplare korrigiert, wenn Schüler sich sofort zusammensetzen, anstatt die Klausur erst einmal unabhängig durchzuführen. Unterbinden!
  • Es werden manchmal Korrekturen mit unterschiedlichen Punktzahlen abgegeben. Zurückweisen!
  • Manchmal wurden gar keine Punkte zusammengerechnet bzw. ins vorgesehene Feld notiert. Nachfordern!
  • Es bietet sich an, schwarz als Farbe beim Schreiben der Klausur nicht zu benutzen. Dann sind die Kopien leichter erkennbar.

Ich denke, auch im Deutschunterricht sollte es eindeutige Kriterien geben, nach denen die Schüler ihre Arbeiten selbst korrigieren können. Ein Nebeneffekt dürfte sein, dass die Arbeiten nach einiger Zeit aufgrund transparenter Kriterien besser ausfallen dürften, da die Schüler diese Kriterien dann auch bereits beim Schreiben berücksichtigen.

Viel Spaß beim Ausprobieren. In meinen technischen Fächern (Elektrotechnik und Informatik) funktioniert’s!

Rüdiger Borrmann

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