Das letzte Wort hat der Staat

Schulverweigerer der »Gemeinde Gottes« müssen Zwangsgeld zahlen 17.11.2009, 14:05

Ausschnitt: Screenshot der Website der Gemeinde Gottes
Bild: diegemeindegottes.com (Screenshot)

Die "Gemeinde Gottes" in Neuenstadt-Stein hat ohne Genehmigung Kinder an einer eigenen Schule unterrichtet. Nach dem offiziellen Verbot dieser Schule weigern sich die Mitglieder dennoch, ihre Kinder auf eine staatlich zugelassene Schule zu schicken. Jetzt wurde ein Zwangsgeldbescheid über 1000 Euro pro Kind verhängt - mit Luft nach oben.

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Die “Gemeinde Gottes” aus Neuenstadt-Stein (Baden-Württemberg) hat 22 Kinder selbst unterrichtet - ohne staatliche Zulassung und ohne ausgebildete Lehrer/innen. Im Juli 2009 trat das durch das Regierungspräsidium Stuttgart ausgesprochene Schulverbot für die Gemeinde Gottes in Kraft:

Der Verein Evangeliums Posaune, der aus tiefreligiöser Weltanschauung rund 25 Kinder in Eigenregie mit nicht ausgebildeten Lehrern unterrichtete, darf seine Schule nicht mehr öffnen.

stimme.de 03.09.2009: Schwere Vorwürfe gegen Gemeinde Gottes

Damit waren die Eltern gehalten, ihre Kinder an staatlich zugelassenen Schulen anzumelden. Da sie dies bisher nicht getan haben, wurde ein Zwangsgeld in Höhe von 1000 Euro/Kind verhängt - die Grenze kann sich bei weiterer Widerborstigkeit leicht nach oben verschieben:

Sollten die Eltern weiterhin die Schulpflicht verletzen, könne das Zwangsgeld noch erhöht werden. Bis zu 50 000 Euro seien möglich. Das Geld soll die Landesoberkasse einziehen.

bild.de 10.11.2009: «Gemeinde Gottes» muss Zwangsgeld zahlen

Nach Angaben der Heilbronner stimme.de hat die Gemeinde Gottes inzwischen einige staatlich ausgebildete Lehrkräfte eingestellt und wartet auf eine Anerkennung als Privatschule - was ein aussichtsloses Unterfangen sein dürfte, da viele Privatschulen schon in der Gründungsphase über die behördliche Hürden stolpern (Der Fall der Gemeinde Gottes kann stellvertretend für die Diskussion um die Schulpflicht und Homeschooling stehen: Anhänger/innen der privaten, heimischen Ausbildung (“Homeschooling”) kritisieren - nicht ganz zu Unrecht - grundsätzliche Mängel an Vermittlungsmethoden und -inhalten des Schulsystems und fordern deshalb die Erlaubnis, ihre Kinder privat zu Hause auszubilden. Dagegen kritisieren die Gegner/innen dieses Konzepts, dass in solchen Kontexten Indoktrination und unvollständiger Inhaltsvermittlung drohen.

Tatsächlich bemängelt das Regierungspräsidium im Falle der Gemeinde Gottes, dass die Lehrpläne nicht eingehalten werden und die Lehrer/innen nicht staatlich ausgebildet sind. Außerdem wurden von Ex-Schüler/innen schon schwere Vorwürfen wegen knastartiger Schulumstände geäußert. 

Wie immer dem sei: Das letzte Wort hat Vater Staat. Und dem werden sich die Mitglieder der Gemeinde Gottes letztendlich beugen müssen, ob es ihnen einleuchtet oder nicht.

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