Unterstützen, rumsitzen oder surfen?

Umfrage: Was tun Lehrer tatsächlich, während die Schüler arbeiten? 04.10.2012, 19:44

Lehrer korrigiert, während die Schüler arbeiten.
Bild: Shutterstock/wavebreakmedia

Was machen Lehrer/innen, während die Schüler/innen still einen Text lesen oder ein Plakat gestalten? Die Lehrerfreund-Umfrage zeigt: Die meisten bleiben in den Unterrichtsprozess integriert und gehen bspw. herum und helfen. Nur ganz wenige surfen heimlich mit ihrem Smartphone .

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Im Beitrag Wie Lehrer die Zeit verbringen, während die Schüler arbeiten wurden die Lehreraktivitäten während Phasen der Schülerstillarbeit so eingeteilt:

  1. Warten und die Zeit totschlagen (z.B. im Klassenbuch rumblättern)
  2. Arbeiten (z.B. korrigieren)
  3. Entspannen (z.B. heimlich surfen)

Mehr über die Hintergründe (“Was?? Lehrer sitzen im Unterricht nur rum??!”) im genannten Beitrag.

Die Umfrage

Unter diesem Beitrag war ein kleines Umfrageformular veröffentlicht, das zweistufig abfragte, was die Lehrer/innen in Phasen der Schüleraktivität tun:

Umfrageformular: Was tun Lehrer, während die Schüler arbeiten (Vorschaubild)

Je nach Antwort wurde eine weitere Frage gestellt:

1. AntwortFolgefrage
Herumsitzen. Ab und zu blättere ich im Klassenbuch.Während Stillarbeitsphasen sitzen Sie vor allem herum. Wird das nicht etwas langweilig? Wie fühlen Sie sich währenddessen?
Papierkram erledigen: Klassenbuch, Notenlisten ...Sie tun während der Unterrichtszeit Dinge, die nicht zum Unterricht gehören. Fühlen Sie sich nicht schlecht dabei? Und: WAS tun Sie denn genau?
Arbeiten: korrigieren, Tafelbilder erstellen ...
Ich surfe heimlich mit meinem Smartphone.
Durch die Klasse gehen und helfen.Sie gehen während Stillarbeitsphasen DIE GANZE ZEIT durch die Klasse und helfen den Schüler/innen?
Keine der Antworten trift auf mich zu.Keine der Antworten trifft auf Sie zu. Was tun SIE, während Ihre Schüler/innen schweigend arbeiten?

Die Umfrage war im August und Anfang September 2012 unter dem genannten Beitrag Wie Lehrer die Zeit verbringen, während die Schüler arbeiten veröffentlicht. 242 Personen nahmen daran teil. Wir danken allen Teilnehmer/innen herzlich für Ihre Antwort!

In der folgenden Auswertungen sind die Prozentzahlen gerundet, so dass die Summe nicht immer genau 100% ergibt.

Auswertung

Zwei Drittel der Lehrer/innen (64%) gehen in Phasen der Schüleraktivität (Gruppenarbeit, Stillarbeit ...) herum und helfen den Schüler/innen in der ein oder anderen Form, die meisten allerdings nicht durchgängig. Das andere Drittel verbringt seine Zeit vornehmlich damit, Papierkram zu erledigen oder zu arbeiten (21%), herumzusitzen (7%) oder heimlich im Internet zu surfen (3%).

Umfrageergebnisse. Was tun Lehrer, während die Schüler arbeiten

Es konnte jeweils nur eine Antwort angekreuzt werden. Wenn jemand während Schüleraktivitätsphasen manchmal herumsitzt und manchmal den Schüler/innen hilft, musste eine Entscheidung für eine Antwort getroffen werden. Das wurde im Rahmen der zweiten Frage jedoch von den meisten Teilnehmer/innen angemerkt.

Es folgt eine Auswertung der einzelnen Typen. Springen Sie direkt auf dieser Seite nach unten zu der Antwort auf die Frage “Was tun SIE, während Ihre Schüler/innen schweigend arbeiten?”:

Typ 1: Der den Schüler/innen hilft (64%)

64% der Teilnehmer/innen gaben an, während Phasen der Schülerselbstaktivität durch die Klasse zu gehen und zu helfen. Die nächste Frage lautete: “Sie gehen während Stillarbeitsphasen DIE GANZE ZEIT durch die Klasse und helfen den Schüler/innen?”

Rund ein Drittel beantworteten diese Frage mit einem deutlichen Ja - das sind immerhin 20% aller Teilnehmer/innen. Vor allem bei jüngeren Schüler/innen (Grundschule; 5./6./7. Klasse) und undisziplinierterer oder leistungsheterogener Klientel ist das der Fall, wie die Anmerkungen zeigen:

An der Gesamtschule muss man die SuS die ganze Zeit über begleiten, da sonst die Arbeit eingestellt wird.

Meine Schüler sind erst in der 1. Klasse und noch sehr unselbstständig. Wenn es besser geworden ist, erledige ich Papierkram/ Klassenbuch!

Ja! Das ist bei Erstklässlern notwendig.

Vor allem in den unteren Klassen (5-7) ist es aber die Regel. Bei den höheren Klassen gehe ich sporadisch herum, stehen aber für Fragen zur Verfügung, d.h. ich erledige keinen anderen Arbeiten!

Ja, bis die GA [=Gruppenarbeit] endet. Ich mag dieses “Herumstreunern”.

ja, denn in meinem Fachbereich ist immer wieder Hilfe gefragt. Diese Zeit ist fasst stressiger, wie wenn ich etwas der ganzen Klasse erkläre.

Ja, ich gehe von Arbeitsgruppe zu Arbeitsgruppe, setzte Impulse, bringe die Gruppen in Diskussion usw..

Ja. Der Leistungsstand der Schülerinnen/Schüler ist sehr unterschiedlich. Zur Zeit bin ich nicht gut zu Fuß und habe meine Schüler gebeten, zu mir zum Pult zu kommen - einer nach dem anderen. Es wird sehr gut angenommen.

Für die anderen Teilnehmer/innen in diesem Block ist Herumgehen und Helfen zwar die häufigste Tätigkeit, es gibt aber auch immer andere Tätigkeiten. Hier werden vor allem Beobachtung der Klasse/des Arbeitsprozesses und Beschäftigung mit Papierkram genannt. Viele nennen auch eine eher passive Begleitung des Arbeitsprozesses (d.h.: präsente Ansprechpartner/in sein) oder die individuelle Hilfe (z.B. sich zu einzelnen Gruppen/Schüler/innen zu setzen und bei der Arbeit zu helfen).

Ungefähr zwei Drittel der Zeit. Im Rest versuche ich zu entspannen, zum Fenster rauszuschauen etc. Gelingt selten, in der Regel gibt es Fragen.

Zu Beginn gehe ich herum und kontrolliere, ob die Aufgabe verstanden wurde und die SuS ihre Materialien haben.
Zwischendurch gehe ich herum und beobachte, greife aber nicht ins Geschehen ein.
Kurz vor Ende schaue ich nocheinmal herum, ob die Schüler fertig geworden sind oder noch Zeit benötigen und wie die Ergebnisse aussehen, um dann während der Präsentation ggf. eingreifen zu können.

Unter “Helfen” verstehe ich neben der individuellen Anleitung zum Selbst-Verstehen die Aufsicht, dass die Schüler tatsächlich konzentriert arbeiten (Mischung von Motivation und Disziplinhinweisen). Viele Schüler in heterogenen Lerngruppen erfordern individuelles Eingehen auf persönliche Fragen. Ab und zu nutze ich die ““freien”” Unterrichtsphasen, um z.B. Klassenbucheintragungen zu machen, Entschuldigungen zu verwalten, Zubehör von Schülerexperimenten aufzuräumen etc.
Vielleicht liegt es auch daran, dass ich trotz aller pädagogischen Modeerscheinungen von dem Wert einer gut vorbereiteten Präsentation von Lernstoff durch den Lehrer bei aller Offenheit für Methodenvielfalt nach wie vor überzeugt bin.
“Freizeitverhalten” während der Unterrichtszeit ist für unvereinbar mit einer verantwortlichen Wahrnehmung des Lehrerberufs - welchen weltfremden Kollegen/innen gehen die Schüler/innen NICHT über Tische und Bänke, wenn sie so demonstrieren, dass sie ihren eigenen Unterrichtseinsatz nicht ernstnehmen?

Am Anfang nicht gleich, erst warte ich und beobachte,wie die Schüler in die Gänge kommen. Wenn ich das Gefühl habe, dass eine Gruppe nicht voran kommt  oder nicht wirklich arbeitet, gehe ich in diese Gruppe und setze mich dazu.

Ich beobachte die Schüler und mache mir Notizen zum Sozial- und Arbeitsverhalten.

Nein, ich beobachte mehr oder weniger unauffällig, was die Schüler tun und mahne zum Weitermachen oder greife auch mal regulierend ein.

Ich beobachte häufig einzelne Schüler, um ihr Arbeitsverhalten differenzierter wahrzunehmen.

Nein, aber meistens. Bei den Kleineren helfe ich manchmal beim Strukturieren/ Disziplinieren etc, die Größeren versuche ich ein bisschen auf den “effizientesten Weg” zu stupsen… Zwischendurch mache ich auch Eintragungen in das Klassen-/ Studienbuch oder nutze die Zeit für kleinere organisatorische Tätigkeiten. Da meine Aufmerksamkeit jedoch primär bei den Schülern ist, wäre z.B. die Korrektur von Klausuren für mich unvorstellbar, ein Surfen mit dem Smartphone hingegen undenkbar.

Nein, das nervt doch auch nur. Aber ein wenig Kontrolle muss sein, Sonst surfen die Schüler mit ihrem Smartphone ;-)

Nein, die restliche Zeit täusche ich Scheinaktivismus vor (Schülerkontrolle, hochhalten der Disziplin, etc.).

Nein, doch durch die bloße Präsenz in der Klasse steigt die Arbeitsquantität und die Störungen vermindern sich.
Sollte die Klasse zur Ruhe gekommen sein, ziehe ich mich zurück und beobachte die Schüler von einem ferneren Platz (z.B. Pult)
Beginnende Unruhe lässt sich dann wieder allein durch die Präsenz der Lehrperson unterdrücken (ohne das Worte nötig wären)

Nein, natürlich nicht.
Ich fülle auch das Klassenbuch aus, lasse mir den weiteren Ablauf durch den Kopf gehen, unterschreibe Entschuldigungen oder lese selber nochmal die Unterlagen zum Arbeitsauftrag.
Manchmal spreche ich auch einen Schüler auf ein anderes Problem an und nehme mir die Zeit für kurze 4-Augen-Gespräche.

Nein, wenn keine Hilfe nötig ist, trage ich im Klassenbuch ein. Ich mache aber nur Dinge, die mit der Klasse / dem Kurs zu tun haben. Ansonsten überlege ich anhand meiner Aufzeichnungen, wie es am besten weiter geht, z.B: ob ich an meiner bisherigen Planung noch etwas ändern sollte ...

Oft schaue ich, wer z.B. sehr langsam arbeitet, wer sehr schnell arbeitet. Ich fördere Schüler als Experten, ich nehme mir die Zeit, mit den Schwächeren mal gemeinsam zu arbeiten. Ich schlichte Gruppenkonflikte, wenn ich sehe, es läuft in der Gruppe nicht. In höheren Klassen (Oberstufe) nutze ich die Zeit z.B. für Beratungsgespräche oder Feed Backs zur Gruppenarbeit, zum Stand der mündlichen Leistung usw. Oder ich führe mein Unterrichtstagebuch und plane die Schülerergebnisse mit ein. Dafür muss ich aber Informationen über den Stand der Gruppenarbeit einholen. Häufig sichte ich in einer solchen Phase auch mit Gruppenmitgliedern das Material aus der Sammlung, um zu sehen, was den Schülern z.B. für ihre Präsentation hilft. Auch dabei bin ich weniger “abseits” als eher “mittendrin”!

Auch. Und ich kümmere mich um die Disziplin - Gesamtschule in Neukölln…

Nicht die GANZE Zeit, aber immer wieder. Des Weiteren erinnere ich daran, den Lautstärkepegel einzuhalten und halte allgemein die Disziplin aufrecht (wäre schön, wenn dies nicht erforderlich wäre - leider sind meine SuS weder leistungsbereit noch untereinander sozial, was GA sehr erschwert).

80% der Zeit… Oft bereite ich auch den nächsten Schritt vor.

Ich stehe die ganze Zeit über auf Abruf bereit. Meistens stehe ich auch, oder lehne mich irgendwo an, um bei Bedarf schneller reagieren zu können.

Ich hätte gern auch “Arbeiten” und “Herumsitzen” angeklickt. Abhängig von Klasse, Aufgabenstellung und persönlicher Kondition passe ich halt meine Aktivität an. ;)

Überwiegend schon, ansonsten blättere ich im SChulbuch und überlege mir, was ich demnächst machen könnte.

Oft sitze ich auch bei Kindern, die Probleme haben, um zu helfen oder arbeite mit kleinen Gruppen.

Typ 2: Papierkram erledigen (19%)

Jede/r fünfte Teilnehmer/in gab an, während Arbeitsphasen der Schüler/innen Papierkram zu erledigen - also kurze, kognitiv nicht fordernde Arbeitsaufgaben zu erledigen. Auf die weitere Frage “Sie tun während der Unterrichtszeit Dinge, die nicht zum Unterricht gehören. Fühlen Sie sich nicht schlecht dabei? Und: WAS tun Sie denn genau?” zeigte sich, dass kaum einer, der das tut, ein schlechtes Gewissen hat:

Notizen zu mündlichen Leistungen notieren, weiteren Unterrichtsverlauf planen, als Klassenlehrer Klassenbuch pimpen und Entschuldigungen eintragen - das macht mir KEIN schlechtes Gewissen.

Ich fühle mich dabei nicht schlecht, da ich die mündliche Note unmittelbar machen kann, was zu eine faireren und objektiveren mündlichen Note insgesamt führt. Zu dem muss ich dann den Papierkram (z.B. Klassenbuch) nicht in der Pause machen. In dieser kann ich dann direkt zur Erholung übergehen und bin frischer und konzentrierter im darauf folgenden Unterricht…

Nein, der Verwaltungskram ist auch Arbeit - die eher ungeliebte!

Klassenbuch, Vorbereitung auf nächste Phasen im Unterricht

Nein. Papierkram hat mit klassen- bzw. schulbezogenen Dingen zu tun (z.B. Entschuldigungen abheften).

In der Regel Klassenlehreraufgaben wie Listen führen, Milchgeld zählen, Klassenbucheinträge, Aufgaben der Kinder nachsehen, Leistungen der mündlichen Phase im Einstieg bewerten

v.a. Teachertool

Administratives, zu dem ich sonst nicht komme, wegen Pausenaufsicht, wie: Präsenzliste kontrollieren, für Abwesende Material bereitlegen, Mitteilung an Eltern in Schülerheft schreiben…

“Nein, ich fühle mich nicht schlecht dabei. Schließlich befreit es mich von dieser Aufgabe in meiner restlichen Arbeitszeit.
Eintragung von Unterrichtsthemen in Klassen/Kursbuch, Anwesenheitskontrolle, Kontrolle von Unterschriften, Einsammeln von Belegen, HA-Kontrolle etc. Selten auch einmal Planung von Unterricht, wenn einen spontan ein Geistesblitz erwischt. Arbeiten kontrolliere ich nur als absolute Ausnahme, da wie schon angesprochen die Konzentrationsphasen meist zu kurz sind für eine solche Aufgabe.
Außerdem ist dies ja auch nicht immer der Fall. Je nach S-Auftrag bin ich auch mit Beobachtung und/oder Hilfestellung beschäftigt.”

Im PC-Raum: E-Mails checken. Warum schlechtes Gewissen? Wenn ich “dem Schüler/der Schülerin” dann zur Verfügung stehe, wenn ich wirklich gebraucht werde und das den Unterrichtszielen nicht widerspricht (eigenständiges Arbeiten)?

Es werden mittlerweile so viele Papierkriegsarbeiten von einem erwartet, dass man ja irgendeinen Weg finden muss, dieses Pensum überhaupt noch bewältigen zu können…

Keine privaten Aktivitäten. Es kann allerdings vorkommen, dass ich eine to-do-Liste o.ä. schreibe. Dabei habe ich kein schlechtes Gewissen.

Ich fühle mich nicht schlecht dabei, da ich genau weiß, dass ich außerhalb des Unterrichts genug arbeite. Ich tue es dennoch nicht offensichtlich.

Einkaufsliste schreiben

Ich gehe zum Kopierer

Nein, Papierkram muss auch erledigt werden. Da ich dafür keine Extrastunden bekomme und trotzdem wegen der Fülle noch länger in der Schule bleibe bzw. eher komme, habe ich kein schlechtes Gewissen dabei.

Organisatorisches gehört auch zu meinem Job!

Nein, ich fühle mich nicht schlecht, da alles mit der Arbeit in der Schule zu tun hat. Meine Arbeiten:
- Regale putzen
- Hausaufgaben nachschauen, bei Bedarf Einzelgespräche mit Schülern dazu führen
- Elternbriefrückläufer ordnen, Listen dazu vervollständigen
- Material reinigen, wegräumen, präsentieren
- Tafel putzen
- schönen Tafelanschrieb vorbereiten
- usw.

Wenn meine SchülerInnen tatsächlich selbstständig arbeiten, d.h. nicht alle 2 Min was nachfragen, dann erledige ich gern ein bisschen Papierkram. Oder ich beobachte sie “einfach” bei der (Gruppen-/Partner-/Einzel-)Arbeit und mache mir Notizen für die kommenden Gespräche.
Irgendjemand fand das satirisch - warum? Ich soll doch die SchülerInnen zu mündigen BürgerInnen erziehen helfen, die selbstständig arbeiten können und nicht für jeden i-Punkt eine Assistentin brauchen, oder?? :-)

Nein, Schüler fühlen sich ja auch nicht schlecht, wenn sie antiunterrichtliche Tätigkeiten ausüben.

Doch, fühle mich schlecht dabei… Aber die Arbeit kommt letztlich auch wieder dem Unterricht zugute. Ich achte darauf, dass die Schülerinnen und Schüler nicht sehen, was ich mache…

Ich fühle mich nur schlecht, wenn ich wirklich mal im Internet surfe. Das ist aber selten. Die Pflege des Klassenbuches gehört zu meinem Job.

nein, Orgakram gehört zu meinen Aufgaben. Es ist nur logisch, dass ich die Zeit sinnvoll und effizient nutze. Außerdem lässt sich das immer mit Schülerfragen und Unterbrechungen vereinbaren.

Ich fühle mich großartig, weil ich später meinen Feierabend genießen kann!
Ich korrigiere, bereite Unterricht vor, ergänze das Klassenbuch, räume den Klassenraum auf, ...
Bei Schwierigkeiten oder Fragen der Schüler stehe ich selbstverständlich zur Verfügung.

Typ 3: Herumsitzen und aus dem Fenster schauen (7%)

Nur 7 Prozent der Umfrageteilnehmer/innen gaben an, während der Schülerarbeitsphasen nur herumzusitzen. Die Nachfrage “Während Stillarbeitsphasen sitzen Sie vor allem herum. Wird das nicht etwas langweilig? Wie fühlen Sie sich währenddessen?” zeigt, dass bei den Herumsitzer/innen das gesamte Gefühlsspektrum vertreten ist: Manchen fühlen sich schlecht und nutzlos, andere genießen die Phase der Entspannung, wieder andere langweilen sich:

Entspannt bis genervt.

Ich versuche zu entspannen. Die Phasen sind ohnehin kurz, da Schüler oft unterbrechen. Damit fühle ich mich ganz gut. Bei den Versuchen, währenddessen zu arbeiten ärgere ich mich über Unterbrechungen. Dabei geht es mir nicht gut. Also bleibt es bei Kurzmeditationen.

Völlig unproduktiv und oft auch mit einem schlechten Gewissen, weil die Schüler während meiner “Freizeit” arbeiten müssen.

Gut. Nutze die Zeit zum Durchatmen.

Nein, nicht langweilig. Ich bin noch in der Ausbildung und im Unterricht oft hoch konzentriert - da kommt eine Pause gerade recht. Und irgendwas ist ja eh immer, lange sitzt man doch nie herum!

Ich bin froh, endlich eine kurze Phase der körperlichen und geistigen Entspannung zu haben. Langweilig ist das nicht, denn ich beobachte die Schüler.

tote Zeit. Leichtes Unwohlsein

Gelangweilt.
Für ein paar Minuten gehe ich auch kurz ins Lehrerzimmer zum Kopieren. Schlechtes Gewissen wegen möglicher Verletzung der Aufsichtspflicht.

Sehr gut!

Langweilig? > Nein! Ich beobachte sehr genau und stelle hinterher gezielt Fragen zum ABLAUF der Gruppenarbeitsphase (nicht zu den Ergebnissen oder Inhalten!), um klarzustellen, dass Gruppenarbeit keine Spaßveranstaltung ist.

Doch. Fühle mich nicht entspannt, eher wie in der Warteschleife am Telefon.

Etwas “überflüssig”. Aber das zeigt wohl, dass der Arbeitsauftrag gut formuliert war, sonst würden die Schüler sich melden bzw. unruhig werden.

Typ 4: Heimlich surfen (3%)

Etwa 3 Prozent der Befragten gaben an, heimlich mit ihrem Smartphone zu surfen, während die Schüler/innen arbeiten. Die Folgefrage “Sie tun während der Unterrichtszeit Dinge, die nicht zum Unterricht gehören. Fühlen Sie sich nicht schlecht dabei? Und: WAS tun Sie denn genau?” wurde von den meisten eher kaltblütig beantwortet, zumeist mit Hinweis auf die Kompensation der zahlreichen außerunterrichtlichen Verpflichtungen:

Nein. Ich fühle mich ja auch nicht schlecht, wenn ich nach 20.00 Uhr noch korrigiere, vorbereite etc.

Nein, schließlich werden so auch die Schüler weniger durch mein in der Klasse herumschleichen gestört.

Shoppen auf Ebay oder Amazon !

Ja, fühle mich sehr schlecht. Aber mein Smartphone macht mehr Spaß als Korrigieren.

SMS schreiben

kein schlechtes gefühl, surfen ist doch ok, manchmal sogar weiterbildend

Ich nutze z.B. gerade eine Stillarbeitsphase um Ihre Frage zu beantworten.

Typ 5: Arbeiten (2%)

Lediglich 2 Prozent der Teilnehmer/innen gaben an, während Phasen der Schülerselbstaktivität “richtig” zu arbeiten, also zu korrigieren, Tafelbilder zu erstellen usw. Auf die Folgefrage “Sie tun während der Unterrichtszeit Dinge, die nicht zum Unterricht gehören. Fühlen Sie sich nicht schlecht dabei? Und: WAS tun Sie denn genau?” wurde bspw. geantwortet:

Nein, ich fühle mich gut dabei. Vor allem das Ergebnis zählt. Auch wenn ich nicht immer so konsequent bin, für alle Schüler Noten einzutragen, so gelingt es mir doch ungefähr jede 3. Stunde.Wahlweise kann ich Noten für ein vorhergehendes Unterrichtsgespräch oder für das Lern- und Arbeitsverhalten während der (Gruppen-)Arbeitsphase geben.

Wenn es nichts mit der aktuellen Klasse zu tun hat, habe ich ein schlechtes Gewissen. Meist bezieht sich meine Tätigkeit aber auf die gerade arbeitende Klasse, z.B. weiteres Vorgehen strukturieren, Tafelbild erstellen, HA korrigieren…

Unterrichtsvorbereitung für die nächste Stunde

Die nächsten Lektionen vorbereiten, korrigieren, Klassenadministration, das entlastet und darum fühle ich mich sehr gut dabei.

Typ 6: Sonstiges (3%)

Diejenigen, die sich mit keiner der vorgeschlagenen Antworten identifizieren konnten, hätten gerne mehrere Antworten angekreuzt, da sie je nach Situation mehrere dieser Tätigkeiten ausüben. Eine/r gab an, während der Schülerarbeitsphasen zu lesen.

Zusammenfassung

Die zentrale Frage dürfte sein, ob es mit einem pädagogischen Anspruch vereinbar ist, dass Lehrer/innen während Schülerarbeitsphasen etwas tun, was nicht direkt mit dem Unterricht zusammenhängt.

Diese Frage hat zwei Dimensionen. Einmal die moralische - Ich bekomme Geld für meinen Job, ich bin verantwortlich für die Bildung meiner Schüler/innen. Darf ich es mir erlauben, während der Unterrichtszeit einfach nur herumzusitzen oder etwas anderes zu tun?

Dann die pragmatische Dimension. Lehrer/innen arbeiten außerordentlich viel außerhalb der Unterrichtszeit, das Unterrichten selbst ist - bei großen Klassen, schwierigen Schüler/innen ... - häufig enorm anstrengend. Was spricht dagegen, die Zeit, in der die Schüler/innen vollkommen und sinnvoll beschäftigt sind, zur Erholung oder zur Erledigung von irgendwelchem Verwaltungskram zu nutzen?

Eine Teilnehmer/in erregt sich darüber, dass diese Frage überhaupt gestellt wird:

Nettes Beispiel für Lehrer als die „faulen Säcke“ der Nation! Falls das nicht als Karikatur gemeint sein sollte, hier mal ein realistischer Praxisbericht: Phasen von EA [=Einzelarbeit] sind – genauso wie die der PA [=Partnerarbeit] und GA [=Gruppenarbeit] - Phasen der intensiven Beobachtung! Welche/r Schüler/in arbeitet wie, kommt wie klar mit dem Arbeitsauftrag, weiß sich welcher Hilfsmittel zu bedienen, zeigt durch welche Fehlleistung welchen Gedankengang („Fehler als Fenster auf den Lernprozess“) – kooperiert wie in der Gruppe (Rollenübernahmen geglückt, Kommunikationsfähigkeiten, Status in der Gruppenstruktur, wer wird wie von den anderen unterstützt, dominiert die anderen, versucht, sich auszuklinken (trotz konkreter Arbeitsaufträge und Rollenzuweisungen) - d.h.: Hier bin ich mit der anspruchsvollen Aufgabe der Diagnose - auch von  Personal- und Sozialkompetenzen - beschäftigt, deren Ergebnis mir sowohl spontan als auch anschließend einiges an Kreativität abverlangt, um mir passgenaue Förderstrategien einfallen zu lassen.—> Kein Frontalunterricht = Zeit für die einzelnen SuS!
Falls es die Kollegen, die während der Unterrichtszeit Zeitung lesen oder im Internet surfen wirklich (noch) geben sollte: Ihnen seien Artikel zum kooperativen Lernen und zur Individualisierung von Unterricht empfohlen. Ganz sicher brauchen gerade wir auch wirksame Erholungspausen, aber sicherlich nicht während des Unterrichts und nicht auf so imageschädigende Art, die zudem den Schülern/innen signalisiert, dass ihr Arbeiten den Lehrern herzlich gleichgültig ist.

Wie auch immer: Die Umfrage zeigt, dass die meisten Lehrer/innen einen gesunden Mix praktizieren. Sie stehen während Schülerarbeitsphasen als Ansprechpartner/in zur Verfügung, gehen hier und da mal herum und helfen, nehmen sich aber auch eine kurze Auszeit, in der sie im Klassenbuch nachtragen oder Entschuldigungen abheften. Extreme Typen, die eine Gruppenarbeit anstoßen und dann ungehemmt 20 Minuten lang mit ihrem Smartphone surfen oder die Klassenarbeiten der Parallelklasse korrigieren, scheint es eher weniger zu geben.

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