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90.000.000 Euro jährlich

3 Prozent aller deutschen Kinder auf Ritalin & Co 15.05.2011, 19:46

Pillen und Geld
Bild: flickr-User epsos.de [CC by]

Rein statistisch gesehen sitzt in fast jeder deutschen Schulklasse ein Kind, das morgens zum Frühstück "eine Ritalin" (= Medikament mit Wirkstoff Methylphenidat) einwirft. Die Pharmaindustrie setzte damit im Jahr 2009 rund 90 Millionen Euro um. Den Krankenkassen schmeckt das gar nicht und sie verweisen säuerlich auf Langzeitfolgen und alternative Therapieformen.

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  • (geändert: )
Aktuelle (2015) Zahlen siehe hier: Ritalin & Co: Weltweiter Verbrauch steigt und steigt

Nachdem die Barmer GEK in einer Pressemitteilung berichtet hatte (Link nicht mehr erreichbar), dass eine “Trendwende bei der ADHS-Behandlung” zu beobachten sei, war in sämtlichen Medien zu lesen, dass 2009 weniger Medikamente wie Ritalin usw. für ADS/ADHS-Kinder verschrieben wurden, von “Entwarnung” war die Rede. Man konnte also aufatmen - das Ende des Pharma-Wahnsinns schien gekommen.

Nun legt die TK (Techniker Krankenkasse) mit ganz anderen Zahlen nach. Der wesentliche Unterschied zur Barmer-Studie: Es wird die Veränderung zwischen 2006 und 2009 betrachtet, bei der Barmer werden dagegen jährliche Veränderungen berücksichtigt (von 2005 auf 2006: plus 43.4%, von 2008 auf 2009: minus 1.2%). Die TK dagegen weist u.a. auf den Anstieg der pro Person verschriebenen Menge hin. Schon der Titel der TK-Pressemitteilung ist ziemlich unmissverständlich: “(Zu) viele Pillen für den Zappelphilipp?! Über 1,7 Tonnen Tabletten für AD(H)S-Kinder” (Link nicht mehr erreichbar). Dort ist zu lesen:

Im Jahr 2009 haben rund 27 von 1.000 TK-versicherten Kindern und Jugendlichen zwischen sechs und 18 Jahren Methylphenidat, besser bekannt unter dem Handelsnamen des Originalpräparates Ritalin, verordnet bekommen. Im Jahr 2006 waren es noch 20 von 1.000. Das entspricht einer Steigerung von 32 Prozent.

Zahlen des Bundesinstituts für Arzneimittel und Medizinprodukte weisen in die gleiche Richtung: Von 2006 bis 2009 ist die Menge des Wirkstoffs, die an die Apotheken ausgeliefert wurde, um 42 Prozent auf 1.735 Kilogramm gestiegen. Das entspricht dem Gewicht eines kleinen Geländewagens. 2006 waren es noch 1.221 Kilogramm.
 
Diesen Trend bestätigen auch die TK-Daten. Die durchschnittlich verschriebene Menge Methylphenidat pro Patient zwischen sechs und 18 Jahren belief sich 2006 auf 195 sogenannte Tagesdosierungen; 2009 waren es schon 213 - ein Anstieg von über neun Prozent.

TK 09.05.2011: (Zu) viele Pillen für den Zappelphilipp?! Über 1,7 Tonnen Tabletten für AD(H)S-Kinder (Link nicht mehr erreichbar)

Bundesländer-Rangliste im Ritalin-Konsum

Medikamente zur Unterdrückung von ADS/ADHS (Ritalin, Medikinet, Concerta, Equasym usw.) werden besonders gerne in den alten Bundesländern verschrieben. Auszüge aus der Rangliste:

  1. Rheinland-Pfalz (3.8% aller Kinder zwischen 6 und 18 Jahren)
  2. Bremen (3.6%)
  3. Hamburg (3.3%)
  4. Bayern (3.2%)

...

  1. Saarland (1.8%)
  2. Brandenburg (1.7%)
  3. Mecklenburg-Vorpommern (1.6%)

Im Mittelfeld liegen Berlin, Nordrhein-Westfalen und Baden-Württemberg mit jeweils 2.5%.

Kostenfaktor

Die Kosten für den Wirkstoff Methylphenidat liegen je nach Präparat bei rund 50 Cent pro 10mg (z.B. adhs-chaoten.net - Preise für Methylphenidat-Präparate, Stand 12/2010 oder onmeda.de - verschiedene Methylphenidat-Präparate im Kostenvergleich).

Die im Jahr 2009 verschriebenen 1.735 kg Methylphenidat kosteten die Krankenkassen also rund 90 Millionen Euro. Kein Wunder, dass die TK in den entsprechenden Pressemitteilungen die Verschärfungen bei der Verschreibung von Methylphenidat des G-BA lauthals begrüßt und deutlich auf die Problematik hinweist:

Doch nicht jedes lebhafte oder auffällige Kind hat das Aufmerksamkeitsdefizit-(Hyperaktivitäts-) Syndrom (AD(H)S) und benötigt Tabletten. “Man muss mit der Diagnose und der Behandlung mit Medikamenten wie Ritalin sehr vorsichtig sein”, sagt Dr. Edda Würdemann, Apothekerin bei der TK . “Ein speziell ausgebildeter Arzt sollte mit Eltern, Lehrern und anderen Betreuungspersonen klären, ob die Symptome der kleinen Patienten nicht doch andere Ursachen haben. Nur mit einer ausführlichen Diagnostik kann man eine geeignete Therapie finden und vermeiden, dass Methylphenidat voreilig verschrieben wird.”
 
Denn die Langzeitfolgen von Ritalin und Co. sind noch nicht erforscht und die Nebenwirkungen sehr umstritten. So kann Methylphenidat bei falscher Dosierung Angstzustände oder Appetitlosigkeit auslösen. Auch zeigen Studien, dass das Medikament Auswirkungen auf das Wachstum der Kinder haben kann.
 
Darauf hat auch die gemeinsame Selbstverwaltung aus Ärzten und Krankenkassen reagiert. Der Gemeinsame Bundesausschuss (G-BA) hat in seinen Arzneimittelrichtlinien im Dezember 2010 festgelegt, dass Ärzte Medikamente wie Ritalin nur noch nach sehr strengen Maßstäben verschreiben dürfen. Laut G-BA muss die Diagnose AD(H)S noch umfassender als bisher gestellt werden und darf nur noch von Spezialisten für Verhaltensstörungen bei Kindern und Jugendlichen erfolgen. Außerdem muss der Arzt die Therapie regelmäßig unterbrechen, um die Auswirkungen auf den Gesundheitszustand der Kinder beurteilen zu können.

TK 09.05.2011: (Zu) viele Pillen für den Zappelphilipp?! Über 1,7 Tonnen Tabletten für AD(H)S-Kinder (Link nicht mehr erreichbar)

Es wird nicht ganz klar, ob die Techniker-Krankenkasse einfach nur Geld sparen möchte oder tatsächlich ein substanzielles Problem in der massenhaften Verschreibung von Methylphenidat sieht.

Wie auch immer: Der größte Teil des Geldes fließt natürlich zu den Herstellerfirmen. Böse Zungen fragen inzwischen in aller Öffentlichkeit, ob es überhaupt noch einen Unterschied zwischen “verschreiben” und “dealen” gibt.

In jeder Klasse eine/r ...

Also: Wenn Sie morgen früh in der Schule sind, können Sie sich bei jeder Klasse überlegen, wer das wohl ist. Um im trägen Schulalltag etwas mehr Ritalin Adrenalin auszustoßen, können Sie sich vorher die Nebenwirkungen vom Ritalin-Beipackzettel durchlesen.

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Kommentare

31

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  • #1

    Hätte nicht gedacht das es schon so schlimm ist. Kennt wer die Zahlen aus anderen EU Ländern wie Österreich, Frankreich oder Schweden? Währe doch sicher von interresse wie hoch der Verbrauch dort ist

    schrieb Dietmar am

  • #2

    Da kann man doch eine Menge vom Leben lernen.
    Wunderbar, dass Du eine echte seelisch-geistige Verbindung zu dem Kind hast. Darüber kannst Du ihm jederzeit alles zudenken, was Geist und Seele brauchen. Du kannst Stärkung schicken, Lebensfreude, Geborgenheit, Interesse für die eigene gute Entwicklung. Die Geistes- und Seelenkräfte brauchen ebenso Stärkung und Pflege wie der Körper. Die kann man sich auch selbst zudenken. Dann wirkt die Ausstrahlung des Gedachten und Gefühlten noch stärker.
    Die Tochter Deiner Frau hast Du unbewusst stets gut versorgt. Dass Deine Frau mit ihren eigenen feinsten un entscheidendsten Lebenskräften verkehrt umgeht und sie verhungern lässt, hast Du wohl gespürt, aber es war Dir nicht bewusst, dass ihre Kräfte Dir ihre Not in Auffälliugkeiten signalisieren, damit Dir was auffällt. Sie brauchen Hilfe und jeder Mensch - auch Du - kann ihnen die zu-denken. Einfach nur GUT von ihnen und für sie (für die Kräfte) denken und ihnen das von Herzen schicken, nur schicken, nicht mehr. Du kannst dann spüren, wie sich die ausgehungerten Kräften vollsaugen, bis sie satt sind. Satt ist jeder Mensch ein anderer Mensch. Das ist Deine Chance. Für die Ich-kann-Schule erprobe ich so etwas seit vielen Jahren; es funktioniert.
    Wenn Du Dir Sorgen machst - stell Dir das mal genau bildlich vor! - dann bist Du voller Sorgen. Was Du denkst und fühlst, strahlst Du ständig aus; Du bist ein mächtiger Sender. Im Gegensatz zu Deinen Worten, die man einfach zurüpckweisen kann, kommen Deine Strahlen überall durch. Wenn sie von den entscheidenden Kräften des Menschen als GUT empfunden werden, werden sie auch angenommen, und dann kann sich alles ändern.
    Stärke die GÜTE in den entscheidenden Kräften aller Beteiligten; nutze Deine göttliche Geisteskraft achtsam!
    Ich freue mich auf Euren Erfolg.
    Franz Josef Neffe

    schrieb Franz Josef Neffe am

  • #3

    Hallo,
    ich bin neu hier und möchte euch mal um eure hilfe bitten.
    Also ich möchte euch mal meine Situation schildern.
    Ich habe vor 8 Jahren meine Exfrau kennen gelernt, welche ein Kind von ihrem damaligen Partner erwartetete. Ich habe die Geburt und alles mitbekommen und somit habe ich dieses Kind auch wie mein eigenes groß gezogen. Mit dem leiblichen Vater hatte das Kind nie Kontakt und von seiner Seite aus besteht auch nicht das geringste Interesse daran, aber dies ist ein anderes Thema.
    Ich war für die Kleine immer da gewesen, hab mit ihr gespielt, ihr vorgelesen und alles was dazu gehört. Die Mutter hat dies eigentlich nie getan, meistens kamen von ihr die Ausreden, dass sie dies oder das noch machen müsse und so hat sie nie eine richtig gute Verbindung mit ihr zustande bringen können. Oft habe ich zum Vorwurf bekommen, dass die Kleine mich viel lieber mag als sie, aber als ich sie dadrauf hin wies, dass sie auch mal etwas anders mit ihr umgehen könne, stieß ich nur auf Ablehnung.
    Mitlerweile leben wir in Scheidung und ich habe mich da auch schon gleich mal bei der Anwältin und beim Jugendamt informiert, wie es da zukünftig aussieht, ob ich auch ein Umgangsrecht habe.
    Ich habe von allen Seiten zugesichert bekommen, dass sie mir dies nicht verweigen kann, da ich für die Kleine eine wichtige Bezugsperson bin. Die ganze Zeit ging das auch gut ohne größere Probleme.
    Doch vor einer Woche habe ich erfahren, dass die Kleine schwere Medikamente bekommen soll, um die Konzentration zu steigern, aber welche müsse sie mir nicht sagen. Heute habe ich dann erfahren, dass es sich um Medikinin handelt.
    Ich mache mir wirklich ernsthafte Gedanken dadrum, ob die Kleine so etwas wirklich brauch. Sie besucht mitlerweile die 2. Klasse und kommt dort auch sehr gut mit. Vorallem Lesen, Schreiben und Sprachen liebt sie. Auch wenn sie bei mir ist, komm ich einwandfrei mit ihr klar. Weder, Bekannte, Nachbarn, meine jetztige Partnerin ( gelernte Kinderpflegerin), noch ich finden, dass die Kleine irgendwie auffällig ist, eher sogar sehr aufgeweckt.
    Doch was kann ich dagegen tun, dass sie dieses Mittel weiterhin bekommt.
    Als ich heute mit ihr telefoniert habe, war sie wie neben sich, da war keine Freude in ihrer Stimme und gar nichts.
    Ich mache mir wirklich Sorgen, dass ein kleiner Mensch von 7 Jahren, Drogen verabreicht bekommt, nur weil die leibliche Mutter anscheinend nicht mit ihrem Kind klar kommt.

     

    schrieb besorgter Vater am

  • #4

    @mina:
    johnnyPeo meint: “Ich würde all diesen ritalin gebenden Eltern mal sagen…lasst die Drogen weg und kümmert euch um eure Kinder. Spielt nachmittags ... dann ist auch Platz für Lernen, für Ruhe und kein Kind muss (nicht) durch ständiges rumzappeln bei den Lehrerinnen und Lehrern die Aufmerksamkeit einfordern, die sie eigentlich von ihren Eltern bekommen müssten.”

    ein interessanter denkansatz, von einem lehrer???

    da gab´s früher mal welche, die meinten legasthenie gäbe es nicht. das seien kinder von überehrgeizigen eltern, die nicht akzeptieren könnten, dass sie ein minderbegabtes kind hätten. 

    wie auch immer, wer kann schon meinen, dass eltern nachmittags fürs spielen + lernen der kinder da sind. haben alle eltern einen “vater staat” im hintergrund, der ihnen ihre freizeit + die erziehung ihrer kinder finanziert?

    kinder brauchen nicht nur die POSITIVE aufmerksamkeit ihrer eltern, sondern auch die ihrer lehrer. adhs-kinder finden bei letzteren oft nur die negative. die defizit-orientierung ist ein grundproblem in unseren schulen - nicht nur für adhs-kinder.

    schrieb mamabo von schultid am

  • #5

    @mina: “Aber ich habe gelernt, das ab und zu eine Cola und oder ein Kaffee, das gleiche bewirken.”
    ja, weil sie wie ritalin anregend wirken…
    adhs kinder reagieren paradox.

    schrieb mamabo von schultid am

  • #6

    Es gibt immer die Pille, für Behandlungen jeglicher Art. Ursachenforschung rentiert sich weniger. Ich bin Mutter eines ADHS-Kindes und bin weder für noch gegen die Gabe von z.B.Ritalin, denn das muß individuell entschieden werden. Ich hatte mich damals, wo es um die Frage der Medikamentengabe ging dagegen entschieden, aber jediglich aus dem Grund, das ich mit den Verhalten meines Kindes nicht zurecht kahm, wo ich es ihm kurzzeitig verabreichte. Langzeitstudien gibt es nicht, also tut sich mir auch die Frage auf, ob es dadurch Probleme geben könnte, im Senioralter z.B. für den, der das Medikament genommen hatte. Verstehen kann ich die Entscheidung, wenn Eltern sich für eine Medikamentengabe entscheiden, aber die Kompetenz eines Fachartztes ist wichtig und das Wissen um die betroffenen Menschenkinder, die unsere Gesellschaften aushalten müssen.

    schrieb Skipperfont am

  • #7

    Übrigens, zu den Krankenkassen sei bemerkt. Wenn die hier viel zitierten Kosten der Medikation mit Ritalin und Co. so sehr ins Gewicht fallen, verstehe ich in keiner Weise, warum die Kassen sich weigern, die Kosten für eine Nahrungsmittelaustestung und Bluttests zu übernehmen. Für die Kassen ein Klacks, aber für viele Betroffene ein echter Batzen, denn mich hat es damals insgesamt etwa 700 Euro gekostet, bis ich alles beisammen hatte. Auch die Kosten für Zink, Magnesium und Selen, die mein Sohn braucht um annähernd auf normale Werte zu kommen, muss ich selber tragen, obwohl es ein Bruchteil von dem ist, was die Krankenkasse für Ritalin und begleitende Therapien hinblättern müsste. Was ja nicht alles ist.
    Wenn ich unseren Fall betrachte und was es die Krankenkasse bereits gekostet hat, was bei entsprechender Alternativbehandlung und Aufklärung vermieden hätte werden können.
    Übervorderte Mutter wird öffter krank: kronische Kopfschmerzen, Rückenbeschwerden mit Verordnung von Massagen und Fango, Depressionen, mehrwöchiger stationerer therapeutischer Aufenthalt, Tagesmutter für die Kinder, Antidepressiva, mehrjährige therapeutische Behandlung (die sich allerdings sehr bewehrt, wenn der richtige Therapeut/In gefunden wird.
    Betroffenes Kind erhöhtes Unfallrisiko: mit meinem Sohn war ich etwa 5 Mal im Krankenhaus was von Kapselriß bis Gesichtsverletzungen ging, Ergotherapie über 3 Jahre, Frühförderung, Kinderpsychologe, Gruppentherapie über ein Jahr (war ein Witz mit Anlauf), 8 Monate Medikinet Ritard, defekte Brillengestelle.
    Das zieht sich, wenn man vor allem bedenkt, das ADHS genetisch vererbt wird und der Kreislauf, wenn er nicht irgendwann erfolgreich mit alternativen Methoden unterbrochen wird. Denn auch ich war als Kind oft im Krankenhaus, habe über die Jahre unter ADHS eine Persönlichkeitsstörung entwickelt, weil es nie erkannt wurde.
    Also liebe Kassen, Aufklärung und Handbücher, Vorträge an Kindergärten und Schulen statt Diskusionen wieviel Methylphenidat-Präparate jährlich verschrieben werden!
    Irgendwann mache ich mir die Arbeit und werde das mal ausrechnen.
    Sorry, aber ein Aspekt von ADHS ist die Unfähigkeit sich kurz zu fassen ;-)

    schrieb mina am

  • #8

    zu #20 Beipackzettel,...ich betone noch mal, dass Ritalin, wenn die Situation bereits verfahren ist, als eine Art Krücke zum wieder Gehen lernen nach einem Beinbruch gesehen werden kann. Lehrer dürfen erkennen, dieses Kind kann auch anders und meint es gar nicht böse (leider werden die überzogenen Handlungen der Kinder zu oft persönlich genommen und provokativ aufgefasst). Das Kind realisiert den Umstand, das es ein Problem hat, das man in den Griff bekommen kann und eben NICHT einfach nur verkehrt ist. An unserer Grundschule war zeitweise, was leider mangels Budget wieder eingestellt worden war, zusätzliche Förderstunden mit zusätzlichen Lehrkräften. Das ist Hilfe (gewesen)! Immer wieder wurde betont, dass mein Sohn auffallend höflich und hilfsbereit ist. Was gleichaltrige einer 2. Klasse natürlich neben den Störfaktoren nicht wahrnehmen können.
    Mir sind die strengen konsequenten Lehrer in positivster Erinnerung geblieben. Ich weiß gar nicht, wieviele Strafarbeiten ich in meinem Leben absolviert habe, aber jede hatte ich verdient.
    Leider ist es heute tatsächlich zu verbreitet, dass Eltern mit Beschwerden an die Schule rennen, statt Lösungen zu suchen. Wir haben den Lehrer über Jahrzehnte hinweg die Autorität genommen und wundern uns nun, dass sie mit unseren Kindern überfordert sind. Mitunter verbringen Schüler 50% ihres wachen Tages in der Schule. Wo bleibt da der erzieherische Einfluß, wenn die Lehrer zwar lehren sollen aber keine wirkliche Handlungsfreiheit mehr haben. Unseren Kindern fehlen oft Werte, weil wir glaubten sie müssen unsere Freunde sein, statt untergeordnete (ich weiß so mancher wird sich an diesem Kommentar anstoßen) Familienmitglieder eines Rudels mit straffen hirarchien.
    Ich habe ein beeindruckendes Buch gelesen, als ich mein Abitur gemacht habe und einen Artikel darüber verfasst, der in der Abizeitung veröffentlicht wurde. http://www.amazon.de/Leben-lieben-lernen-Brücken-Barrieren/dp/3442170478/ref=sr_1_2?s=books&ie=UTF8&qid=1306844051&sr=1-2 Heute bin ich überrascht, nach all den Jahren, in denen mir suggeriert wurde, ich sei naiv, lebensuntauglich, verträumt, wie weit ich im Leben war und wie viel ich zu dem Zeitpunkt schon über das Leben wusste. Ich empfehle es jeder Lehrkraft als Pflichtlektüre;-)
    zu #Nebenwirkungen von Ritalin…vergesst den Beipackzettel. Aus meiner Erfahrung nach Selbsttest…Schweißausbrüche, Sodbrennen mit dem ständigen Drang sich zu räuspern, komplette appetitlosigkeit, apartie, man möchte eigentlich niemanden um sich herum haben, lustlosigkeit, LEERE! Klar, im Gegenzug Konzentration auf das Wesentliche, endlich Stille im Kopf, die ohne Zweifel mal gut tut, objektivität. Aber ich habe gelernt, das ab und zu eine Cola und oder ein Kaffee, das gleiche bewirken.
    Auch für alle Lehrkräfte ein interessantes Buch, um ADHS verstehen zu lernen und knapp und präzise Hilfestellungen zu bekommen (ich habe es jedem Lehrer meines Sohnes gekauft). http://www.amazon.de/ADS-stärken-Eltern-wissen-spektrum/dp/3451050951/ref=sr_1_fkmr0_2?ie=UTF8&qid=1306844871&sr=1-2-fkmr0.
    zu #21 Franz Josef Neffe,...Ja, die Lehrer brauchen jede Hilfe, die sie nur irgendwie bekommen können. Denn im Grunde wollen sie alle ja doch ihren Job so gut wie irgend möglich machen. Leider gibt es erfahrungsgemäß nicht genug Aufklärung zu dem Thema, was mir in unzähligen Gesprächen aufgefallen ist. Wenn dann statistisch belegt ist, das in jeder Klasse mindestens ein betroffenes Kind sitzt…!? Wobei hier auf gar keinen Fall die ADS Kinder vergessen werden dürfen, die leider kaum auffallen und so unter den Tisch fallen, aber genauso leiden.
    Hier noch ein Buchtip für alle, die die einsame Kinderseele verstehen wollen, geschrieben von einem betroffenen Jugendlichen http://www.amazon.de/Wenn-doch-aufmerksam-sein-könnte/dp/3933067111/ref=sr_1_1?ie=UTF8&qid=1306845599&sr=1-1. innerhalb von 1 bis 2 Stunden gelesen!
    Ich könnte niemals Lehrerin sein und bin froh, dass andere dazu bereit sind.

    schrieb mina am

  • #9

    aus den 50 tipps von mark:
    “Diese Kinder sind weit talentierter und begabter, als man oft denkt. Sie sprühen oft vor Kreativität, Spontaneität, Witz und
    Fröhlichkeit. Sie sind kleine “Steh-auf-Männchen” und großherzig und glücklich, wenn sie irgendwo helfen können. Sie haben normalerweise ein “gewisses Etwas”, dass ihnen die Kraft gibt, sich für etwas voll einsetzen zu können.”
    Ja, wenn sie auf menschen treffen, die diese stärken wahrnehmen und schätzen. in einem staat, in einer gesellschaft, die “normalität” bevorzugt, statt “besonderes”, haben sie schlechte chancen. dabei sind sie das salz in der suppe… mit der die gesellschaft gut wird.

    schrieb mamabo von schultid am

  • #10

    Zu Mina: Find ich einen super Beitrag. Mina hat sich nicht allein auf die Schulmediziner verlassen, sondern die Verantwortung selbst in die Hand genommen. Das ist sicherlich mit einem erheblichen Energieaufwand verbunden und viel schwieriger als es vornherein bei der Tablette zu belassen.

    schrieb Karin am

  • #11

    Wenn die Situation in der Schule eskaliert. dann ist nicht nur das Kind maßlos überfordert sondern ebenso der/die Lehrer.
    “Die Kleinen hängt man, die Großen lässt man laufen.” so ist auch unsere Pädagogik. Pädagogik heißt “Kinder-führung”; die löst aber in dem Fall noch nicht einmal das halbe Problem. Man kann nicht immer ungestraft doppelt soviel für das Kind tun und sich um den Lehrer überhaupt nicht kümmern. Was uns existentiell hier fehlt ist neben der Kinder-führung (Pädagogik) eine Didaskalagogik (Lehrer-führung).
    Wenn zwei Kinder was verkehrt gemacht haben, ist es ja auch nicht die Lösung, dass man sich um eines doppelt kümmert und das andere gar nicht. Lehrer sind auch Kinder.
    Ich grüße freundlich.
    Franz Josef Neffe

    schrieb Franz Josef Neffe am

  • #12

    #19 schrieb: “Nach einem 2 oder 3tägigen Selbsttest mit ebenfalls der geringsten Dosis habe ich das Medikament umgehend abgesetzt.”
    Deshalb habe ich einen Teil des Beipackzettels veröffentlicht.
    Ritalin ist kein Hustenbonbon. Das ist ein Psychopharmakon.

    “Die größten Erfolge habe ich in der Tat erzielt mit einer rigorosen Nahrungsumstellung. Es ist viel Arbeit, aber der Aufwand hat sich gelohnt!”
    2 von 3 Kindern hilft das lt. Studie! Bereits nach 5 Wochen keine AD(H)S Symptome mehr.
    Wenn sich viele Eltern daran nur ein Beispiel nehmen würden.
    Sie tun da ihrem Kind einen riesigen Gefallen, den es nie mehr vergisst.

    Ich hätte damals, als ich zur Schule ging, auch so Zeugs bekommen, denn ich machte manchmal Probleme, streckenweise sicher viel mehr, als mir bewusst ist. In der 9. Klasse legte ich mich mit 3 Lehrern gleichzeitig an. Darauf folgte eine Lehrerkonferenz in der es darum ging, ob man mich von der Schule verweisen sollte. Ich konnte bleiben. ... Nachdem ich diese Schule abgeschlossen hatte, war einer dieser Lehrer mein Freund und er nahm mich mit dem Auto zu seinem engsten Studienfreund mit. Wir verbrachten 2 Tage zusammen mit seiner Familie und das war eine sehr aufbauende Atmosphäre (klassische Musik, Kultur, See, Schloss). So spielt das Leben manchmal.

    Heute kann ich meine Meinung mitteilen, und hoffe damit, dem einen oder anderen Kind, diese chemische Zwangsjacke zu ersparen, so dass es “die Welt” erobern kann – so wie ich.

    schrieb zum_bleistift am

  • #13

    Nun möchte ich mich gerne der Meinung von Herrn Neffe anschliessen. Fakt ist, die Kinder brauchen Hilfe, Verständnis, viel liebevolle Konsequenz. Die Frage ist nicht ob Ritalin gut oder schlecht ist. Ich kann aus Erfahrung sagen, dass es sicher eine Art Krücke zum wieder Laufen lernen sein kann, wenn die Situation in der Schule bereits eskaliert, das Kind maslos überfordert ist. Durch ständige Ermahnungen des meist einzig auffallenden Kindes in einer Klasse durch eine Komplet überforderte Lehrerin ( tut mir leid, aber meist sind es die Lehrerinnen, die mit einem Treibauf heute nicht mehr klar kommen), gleitet das Kind in die Außenseiterrolle und bietet wegen des bereits geschwächten Selbstwertgefühls eine nur all zu gute Basis für Mobbing. Das Kind lernt immer und immer wieder, so wie ich bin, bin ich nicht OK. Diesen Kreislauf gilt es zu durchbrechen!!!
    Mein Sohn hat ein paar Monate Ritalin bekommen. Unter Tranen habe ich nach einem langen Harten Weg seiner ersten 8 Lebensjahre zugestimmt, nachdem ich mit meinem
    damaligen Mann beim Kinderpsychologen saß und die Antworten meines Sohnes auf diverse Fragen vorgelesen bekam, die deutlich zeigten, wie einsam und ausgegrenzt er in der Schule ist. Letztendlich ist die Schule keine Therapeutische Institution, klar, aber es gilt Pädagogen auf die schwierigen Bedingungen vor zu bereiten. helfen kann hier nur das direkte und ständige Gespräch und die Zusammenarbeit von Eltern und Lehrern. Wenn Lehrkräfte schon vorher wissen was auf sie zukommt, hilft das sehr. Es gilt, den Lehrer zu unterstützen und zu entlasten. Es hilft auch, wenn sie öfter mal eins-zu-eins Situationen mit dem Kind erleben können, um in den Genuss der Leistungsinseln dieser Kinder zu kommen.
    Mit dem Ritalin war die Situation entschärft. Schriftbild, Noten, Mitarbeite sofort besser und das Mobbing hörte auf…ABER mein Kind war nicht glücklicher, im Gegenteil. Appetitlosigkeit, Schweißausbrüche, Letargie und am Nachmittag der Schock, wieder in sich selber aufzuwachen. Der Arzt wollte ihn immer länger still stellen, um auch den Nachmittag abzudecken. Von Einstellen war die Rede, damit er auch Nachmittags mit Freunden spielen könne und unsere Reibungspunkte aufhören. Da wurde ich hellhörig. Wozu habe ich ein Elterntraining bei eben diesem Spezialisten gemacht, wenn ich trotzdem mein Kind stillstellen soll!? Nach einem 2 oder 3tägigen Selbsttest mit ebenfalls der geringsten Dosis habe ich das Medikament umgehend abgesetzt. Habe mich um ein Legastenieattest bemüht und noch mehr Zeit in die Hausaufgaben mit ihm gesteckt. In der 3. Klasse bekam er einen sehr strengen aber gerechten Lehrer. Konsequent eben. Mein Sohn lernte eigentlich fast mehr aus den Fehlern anderer Kinder, weil er eine bessere Beobachtungsgabe hat, als das er aus Fehlern lernen würde.
    Grundsätzlich habe ich kennen gelernt, dass alle Lehrer bei direktem und offenen Kontakt sehr hilfsbereit und verständig sind und auch die eine oder andere Alternative Methode eingehen.
    Ich muss mich hier so kurz wie möglich fassen und möchte hier nur noch eines bestätigen. Ich habe meinen Sohn auf Lebensmittelunvertraglichkeiten testen lassen. Festgestellt wurde ein, trotz ausgeglichener Ernährung, überdurchschnittlicher Zink, Magnesium und Kaliummangel, der vieles erklärt. Zucker muss aus dem Haus verschwinden, was auf alle ADHS Betroffenen zutrifft. Er hatte speziell Überempfindlichkeiten gegen Hafer, Ingwer, Geschmaksverstärker, Äpfel und Chili. Alles Nahrungsmittel, die in unserem Haushalt vorher häufig verzehrt wurden. Die größten Erfolge habe ich in der Tat erzielt mit einer rigorosen Nahrungsumstellung. Es ist viel Arbeit, aber der Aufwand hat sich gelohnt!
    Selber kann ich sagent, dass für Erwachsene das gleiche gilt, kein Zucker aber auch selten Alkohol und auf gar keinen Fall Geschmacksverstärker.
    Allen direkt und indirekt betroffenen kann ich nur Kraft wünschen, mit der Situatiion dennoch glücklich zu werden. Es geht!

    schrieb Mina am

  • #14

    #JohnnyPeo, ich war erst mal sprachlos, dann schockiert und inzwischen, 2stunden nachdem ich den Kommentag gelesen habe bin ich stinksauer.
    Haben Sie ADHS? Was macht Sie zu einem solchen Experten in dem Gebiet?
    Ich lebe seit 43 Jahren damit, mit bedingt starker Ausprägung der Hyperaktivitat. Ich habe meine Jugend mit einer völlig normalen Schwester (die gleichen Eltern ;-)), einem ADHS Bruder, ohne einem in den frühen Morgenstunden beginnenden Unterhaltungsprogramm diverser Medien und mit vielen Verletzungen, die ich mir beim ausgelassenen Spielen im Freien wegen der Unfähigkeit aus Erfahrung zu lernen zugezogen habe (und alle überstanden habe, ohne dass meinen Eltern Aufsichtspflicht Verletzung nachgesagt wurde). Ich hatte immer anständige Kleidung und meine Zähne sind absolut in Ordnung! Ich habe dank dem Ehrgeitz meiner Eltern Abitur gemacht, später eine Schneiderlehre, und als ich dann selber soweit war, habe ich Bekleidungsingenieurin studiert! Heute bin ich Unternehmerin mit einem eigenen Versandhandel.
    Es ist nicht leicht den täglichen Kampf gegen Ablenkungen zu bestehen und eine wirkliche Routiene konnte ich mir nie angewöhnen. Ich komme aber zurecht.
    Auch ich habe eine sehr organisierte, wenn man es so nennen möchte “normale” Tochter und einen leider ebenfalls betroffenen ADHS Sohn.
    Wenn Sie einen Monat unseres Lebens aus den ersten Lebensjahren meines Sohnes gelebt haben, einen Tag gefühlt haben, was eine Mutter fühlt, wenn ihr 4 Jahre alter Sohn sagt:“Mama ich wünschte ich wäre nicht geboren worden!”, weil er das Leben zu diesem Zeitpunkt schon als anstrengend empfand. Wenn er traurig fragt, warum die Dame auf der anderen Strassenseite, die meine Tochter nicht einmal bemerkt hat, denn so traurig drein schaut, wenn sie realisieren, dass er keinen Sport geniessen kann, keine Freunde findet, weil er durch die Unfähigkeit sich auf eine Sache zu konzentrieren immer und immer wieder aus der Reihe tanzt…und so gerne aufmerksam wäre, dann können Sie mir gerne ihre Meinung mitteilen!
    Setzen Sie sich mal in Ruhe in ein Restaurant und achten darauf, was Sie für Geräusche wahrnehmen, als jemand, bei dem der Filter für Wichtig und Unwichtig funktioniert. Ich kann Ihnen versichern, das mein Sohn und ich Ihnen danach noch etwa 10 zusätzliche Geräusche nennen können, die Ihnen gar nicht aufgefallen sind. Das Rauschen des Getränkekühlschranks, der Ventilator an der Decke, das klappernde Geschirr der Umsitzenden, das Gespräch am Nachbartisch, das Kugelschreibericken des Kellners, der am Nachbartisch die Bestellung aufgenommen hat, das Abreißen des Zettels auf den er sie notiert hat, das Zapfen der Getränke aus dem Hahn. Stellen Sie sich vor, wie all diese Geräusche ungebremst und mit gleicher Intensität auf Sie einfließen, dann haben Sie eine wage Vorstellung, wie Hyperaktivität entsteht. Das dann noch gepaart mit den ständigen Ermahnungen, endlich still zu sitzen und warum Sie immer noch nicht wissen, was Sie essen wollen…raubt einem den Verstand und hinterlässt ein Gefühl des nicht “normal” seins, das einem nach ein paar Jahren dann jegliches Selbstvertrauen raubt. Schlimmer noch, jedes Selbstwertgefühl stirbt. Es bleibt nur noch eine Gefühl der Einsamkeit, der Unruhe, bis dann endlich jemand kommt, nach Jahrzehnten dieses Gefühlschaos und ihnen ADHS näher bringt (bei mir war es ein Buch von Ulla Reimann Höhn) und die Erkenntniss, ich bin gar nicht verrückt oder gestört, ich habe lediglich ein Problem bei der Informationsweiterleitung und Reitzfilterung in meinem Gehirn.

    schrieb Mina am

  • #15

    Niemals würde ich mein Kind mit Psychopharmaka zudröhnen - wirklich nur dann, wenn gar nichts mehr geht. Erst würde ich alle Alternativen ausschöpfen, die möglich sind und mich nicht allein auf den Schulmediziner verlassen. Folgender Film des Saarländischen Rundfunks beleuchtet die herkömmliche Therapie mit Psychopharmaka kritisch, und zeigt auch mögliche Alternativen auf:

    http://blog.adhs-ernaehrung.com/2011/04/19/filmtip-aktuell-„ruhig-gestellt-und-angepasst“/

    schrieb Karin am

  • #16

    Wenn die im Eindhovener ADHS-Forschungszentrum getestete Diät mit allen Ritalin-Kindern gemacht würde, würde das für die Pharma allein in Deutschland 60 Mio. Euro Umsatzeinbuße bedeuten http://www.lehrerfreund.de/in/schule/1s/adhs-diaet/3852/.

    Und die Krankenkassen würde viele Jahre lang fast 60 Mio. pro Jahr einsparen. Das ergibt eine nette Summe.

    schrieb zum_bleistift am

  • #17

    … mit teilweise sehr schlimmen Folgen,
    wenn das mit Ritalin & Co. behandelt wird (siehe Ritalin-Beipackzettel).

    schrieb zum_bleistift am

  • #18

    Als IKS-Lehrer bin ich not amused, dass die Diskussion und Praxis sich immer nur um ADHS dreht. Es geht immer um den Menschen und seine Potentiale. Die scheinen aber niemand zu interessieren; die Energie wird immer nur für oder gegen ADHS verbraucht. Davon werden weder der Mensch noch seine Kräfte stärker, im Gegenteil.
    Not amused
    Franz Josef Neffe

    schrieb Franz Josef Neffe am

  • #19

    ADHS ist eine Krankheit. Eine mit teilweise schlimmen Folgen, wenn sie unbehandelt bleibt.

    Kinder und Erwachsene, die kein ADHS haben, sind unter Ritalin nicht ruhiger, sondern sogar hektischer. Konzentrieren kann sich jeder etwas besser, aber die beruhigende Wirkung hat Ritalin nur auf diejenigen, die wirklich den entsprechenden Dopaminmangel im Gehirn haben, der die Ursache von ADHS ist.
    Es ist also Quatsch zu behaupten, dass man mit Ritalin die Kinder “ruhig stellt”.
    Wenn ich mir anschaue, was für negative Folgen (Depressionen, Selbstwertprobleme, Schulabbrüche etc) unbehandeltes schweres ADHS hervorrufen, machen mich die Kommentare von Leuten, die sich nie viel mit der Problematik befasst haben, sondern das “ruhig stellen” Argument nachplappern, sehr traurig.
    Dadurch entgehen sicher einige Kindern der notwendigen Behandlung.
    Unter anderem war ich so ein Kind. Und leide nach wie vor an ADHS auch als Erwachsene. Der Unterschied in meinem Leben mit (psychisch stabil, konzentrations-und arbeitsfähig) und ohne (am Rande des Selbstmordes, schwer depressiv, arbeitsunfähig nach 25 Jahren Leidens) ist enorm.
    Der Kampf gegen die Vorurteile gegen dieses Medikament, welches mein Leben erst wieder lebenswert gemacht hat, macht mich schon sehr traurig.

    Was ich hier auch immer wieder faszinierend finde, ist das die Diskussion nur im deutschsprachigen Raum so kontrovers ist. Im englischsprachigen Ausland ist die Krankheit und Behandlung als solche akzeptiert und angewandt.

    schrieb Monika am

  • #20

    Danke an die Redaktion!

    Leider nimmt kaum einer wahr, wie Scientology metastasiert. Ich unterstelle den Wenigsten, dass sie Scientology-Material verbreiten, aber sie lassen sich zu leicht beeinflussen und instrumentalisieren.

    Wenn schon immer gefordert wird, die Dinge kritisch zu beleuchten, dann müssen auch die gegenteiligen Positionen gehört werden.

    Kritisch zu sein, heißt nicht, immer nur gegen etwas zu sein.

    Scientology-Material sollte man sich durchaus mal anschauen, aber dann bitte auch mal hinterfragen und sich mal über deren Ziele und Strukturen schlau machen. Manch einer wird feststellen, dass er viel zu gutgläubig und naiv damit umgeht.

    Leider gibt es auch reichlich Redakteure, die zwar nicht mit Scientology sympathisieren, aber unbewusst deren Lehren verbreiten… bis niemand mehr weiß, woher sie eigentlich kommen.

    Also bitte mal wirklich kritisch sein. Das wäre schon ein echter Fortschritt.

    AD(H)S ist übrigens keine “Modekrankheit”! Die gab es schon lange bevor es Fernsehen und Videospiele gab.

    schrieb Schülerfreund am

  • #21

    Chemie (Ritalin) hinein in Kinderkörper geht gar nicht. Der Körper ist doch biologisch. Allergien auf Nahrungsmittel oder eine schlechte Essensqualität sind das Naheliegendste. Das Nächste ist doch mangelnde Bewegung an der frischen Luft, - und natürlich ein entspanntes kinderfreundiches Umfeld und ausreichend Schlaf. Und die Eltern als Freund. Glaube nicht, dass es mehr braucht.

    schrieb Rainer Fischer am

  • #22

    Dieser Artikel gefällt mir sehr gut.

    Nun soll – nachdem kürzlich ein Methylphenidat-Präparat für Erwachsene zugelassen wurde – AD(H)S als lebenslange Störung propagiert werden. Passend dazu wird jetzt die Trommel gerührt:
    Ende Mai 2011 findet der “3. Internationale ADHS Kongress” in Berlin statt. Der Kongresspräsident sagte u.a. in seinem Vorwort: “Dieser Kongress zielt darauf ab, unser Verständnis von ADHS als ... lebenslange Störung zu propagieren ...“  Der Kongress wird von den Herstellern dieser Psychopillen unterstützt …

    Psychopharmaka sind ein Fass ohne Boden. Keine Heilung, dennoch teuere Dauerbehandlung!

    Die gesetzlichen Krankenkassenbeiträge liegen dieses Jahr bei 15,5% für den Arbeitnehmer und 7,3% für den Arbeitgeber. Also zusammen 22,8% des Bruttogehalts. D.h. viele arbeiten derzeit mehr als einen Tag die Woche (9 h bei 40 Wochenstunden, oder 46 Arbeitstage im Jahr) nur für die Krankenkassenbeiträge.
    … und Obiges hat letztlich eine noch größere Schröpfung zur Folge.

    schrieb zum_bleistift am

  • #23

    Ich würde mir wünschen, dass die Krankenkassen- Ärzte-Eltern zusammen arbeiten und nicht die Ärzte-Psychaiter-Pharmaindustrie.
    Jeder der hier wirklich etwas tun möchte, sollte sich erst mal 2 DVDs anschauaen: “Die Vermarktung erfundener Krankheiten” “Ein Milliardengeschäft”.

    Achtung: Die beiden erwähnten DVDs sind Scientology-Material, von dem sich der Lehrerfreund ganz deutlich distanziert.
    Anmerkung der Redaktion, 19.05.2011

    Wenn sie das gesehen haben, dann verstehen sie sehr klar, wer mit welchen Absichten hier arbeitet. Aber wir sollten es nicht zulassen es sind unsere Kinder und unsere Zukunft.

    schrieb daniel am

  • #24

    Es mag schon sein, dass auch der Spargedanke die Stellungnahme der Techniker-Krankenkasse beeinflusst, aber auch das ist legitim. Deutschland hat eines der drei teuersten Gesundheitssysteme des Planeten (neben Schweiz und USA), aber nicht eines der drei besten. Die bei Politikern übliche jubelnde Verschwendung des Geldes anderer Leute finde ich ohnehin nicht gut.
    Aber die Probleme mit Methylphenidat existieren tatsächlich. Es gibt bereits Länder, wo die Substanz als Straßendroge gehandelt wird und Kinder sich durch den Verkauf ihrer Ritalinpillen ein Taschengeld verdienen.

    schrieb Walter am

  • #25

    Zu diesem Thema passt der Film der vor kurzem im SR-Fernsehen lief: “Ruhig gestellt und angepasst”. Ein sehr interessanter und kritischer Film über Ritalin und Co. Es werden unter anderem Ursachen von AD(H)S diskutiert und auch alternative Behandlungsmöglichkeiten aufgezeigt. Schaut doch einfach mal rein. Sehr zu empfehlen.

    http://sr-mediathek.sr-online.de/beitrag_Video.php?id=5448

    schrieb Michi am

  • #26

    Damit diese Eltern mit ihren Kindern nachmittags Fußball spielen, müsste erst mal jemand mit ihnen Fußball spielen. Erkennen ist zu wenig, es muss auch jemand die Probleme LÖSEN, und wer sollte das sein, wenn nicht der, der weiß, wie nes geht?
    Ja, die Seele hungert aber: Wann hat welche Seele ganz konkret von Dir was zu essen bekommen? Wer hat ganz konkret von Dir gelernt, dass und wie er seiner Seele selbst was zu essen geben kann?
    Aus der IKS-Perspektive muss ich auch sagen, dass sich die heutigen Eltern ihre manchmal haarsträubende Pädagogik nicht selber ausgedacht haben. Viele haben sie von uns und unseren Vorgängern gelernt.
    Da ich konkret ausprobiert habe, wie ein 7jähriges Kind sich selbst gerettet hat, indem es die Probleme seiner Lehrerin für sie löste - nur durch Zu-denken dessen, was ihr dafür Gutes fehlte - meine ich zu erwarten können, dass auch die beteiligten Erwachsenen, egal ob Profi oder Laie, Ihres lernen, ihre Probleme zu lösen.
    Guten Erfolg!
    Franz Josef Neffe

    schrieb Franz Josef Neffe am

  • #27

    mark, du (ich erlaube mir mal einfach das “du”) sprichst mir wieder mal aus der Seele!

    schrieb Schülerfreund am

  • #28

    Das Praktische an Ritalin und Co ist doch, dass es endlich eine Krankheit gibt, die mit Pillen zu behandeln ist. Diese Krankheit hieß früher Verwahrlosung der Kinder, man sah es an äußerlichen Faktoren, wie Kleidung, Zähne etc. Heute sieht man die Verwahrlosung nicht mehr so einfach. Äußerlich ist alles tip top, neueste Mode, beste elektronische Ausstattung, meist reichlich Geld. Aber innerlich ist die Leere nicht gefüllt. Zuwendung gibt eigentlich nur das Handy, der Fernseher oder der PC mit allen social Networks, man hat 2000 Freunde bei Facebook, aber wenn’s mir scheiße geht und ich ne Schulter zum Ausheulen brauche, ist da keiner.
    Ich würde all diesen ritalin gebenden Eltern mal sagen…lasst die Drogen weg und kümmert euch um eure Kinder. Spielt nachmittags Fußball, geht in den Zoo, tobt rum, lest Geschichten vor, denkt euch Geschichten aus, macht Unsinn, malt zusammen Bilder und tobt. Das muss der kindliche Alltag sein, dann ist auch Platz für Lernen, für Ruhe und kein Kind muss nicht durch ständiges rumzappeln bei den Lehrerinnen und Lehrern die Aufmerksamkeit einfordern, die sie eigentlich von ihren Eltern bekommen müssten.

    schrieb johnnyPeo am

  • #29

    schon seltsam, erst die trendwende, da titeln die zeitungen, nach einer Auswertung von Daten der Barmer GEK-Krankenkasse:

    “weniger adhs-medikamente verordnet”,

    dann kommt die techniker krankenkasse mit einer pressemitteilung und schon heißt es wieder

    “mehr adhs-medikamente verordnet”

    aha! es gibt also da verschiedene Ansichten. Nur was tut das zur Sache? Hilft es denn beim Umgang mit dem Syndrom? Verbessert sich die Situation von den Beteiligten und Betroffenen dadurch? Haben die Kinder und Jugendlichen was davon, wenn alle nur noch über irgendwelche Verkaufszahlen quatschen und sich in die Hose machen, weil ja sooo viele falsch diagnostiziert sind und am Ende ja sowieso alle zu Zombies werden wegen dem Ritalin? Macht das überhaupt irgendwas besser? Sieht die Welt dann besser aus, wenn alle wissen, wie gefährlich alles ist, was wir nicht kennen und dass es dann am besten ist, überhaupt gar nichts darüber zu lernen, weil man ja dann schon sozusagen seine Seele dem Teufel verkauft hat, der sich schon den nächsten ADHS-Fall vorknöpft?

    Tatsache ist, dass die Eltern vor ADHS bei ihren Kindern statistisch gesehen sogar mehr Angst haben als vor Diabetes. Wenn das mal nicht an der ständigen Katastrophierung liegt. So sind se eben, die mit der großen Angst. Bloß keine wissenschaftlichen Fakten. Der Rest ist ja sowieso alles eine Verschwörung der Pharmaindustrie. So lässt sich die Verantwortung auch prima auf irgendwas böses “da draußen” abwälzen und man muss dazu auch wirklich nur ab und zu mal seine Augen und Ohren zuhalten. Das geht dann immer nach ner Weile wieder, wenn die mit den wissenschaftlichen Fakten wieder ruhig sind. Puh…

    schrieb mark am

  • #30

    hier finden sie 50 tipps bei ADHS im Klassenzimmer:

    http://bit.ly/k2O6zM

    schrieb mark am

  • #31

    Ritalin würde ich als Ich-kann-Schule-Lehrer versuchsweise akzeptieren, wenn a) der verschreibende Arzt, b) die Eltern und c) die beteiligten Pädagogen und Therapeuten jeweils dieselbe Dosis nehmen wie das Kind. Dann könnten die Erwachsenen jedenfalls endlich mal aus der Praxis mitreden.
    In den meisten Problemfällen, die ich kenne, wäre allein die angewandte Pädagogik schon hinreichend Grund gewesen, hyperaktiv, gestört, unkonzentriert u.ä. zu reagieren. Pädagogik alsd Ursachenfasktor wird aber immer noch ausgeblendet. Seit jahrzehnten sind IATROGENE (durch den Arzt bedingte) Erkrankungen als Realität bekannt, PÄDAGOGENE (durch Pädagogenm verursachte) werden immer noch als TABU behandelt.
    Als ich vor 30 Jahren meine sonderpäd. Hausarbeit über Autosuggestion und Hyperaktivität schrieb, erstaunt mich schon die Sturheit, mit der Medikamente als Basis des Lebens durchgedrückt wurden. Was immer Schlimmes beim möglichen Medikamenteneinsatz passierte, zählte nicht: dann hatte man ja “alles versucht”. Dann war man “abgesichert”.
    Wies man dagegen auf andere Missstände hin als auf Medikamentenmangel, so konnte einem schnell geschehen, dass man so hingestellt wurde, als wolle man den Kindern schaden und ihnen die rettende Droge vorenthalten. Dabei: Was ist denn in den letzten 30 Jahren geschehen? Wo sind denn die konkreten, durch Ritalin gesunden Erwachsenen?
    Sind nicht die Probleme insgesamt nur immer gewachsen, gewachsen, gewachsen?
    In der neuen Ich-kann-Schule habe ich mit dem “Fall Peter” eine mögliche Problemlösung durch Autosuggestion in der hohen Qualität von E.Coué aufgezeigt. Ich habe inzwischen aber u.a. auch darauf hingewiesen, dass allein ein Standard-Schüerlstuhl die lebendige Schwingung, in der unser Stoffwechsel stattfinden sollte, sofort und permanent von 100 % auf ca. 5% drosselt; bei 0% ist man eine Leiche. Dass die fürs Überleben zuständige Instanz im Menschen sich da was einfallen lassen muss, den extremen Mangel an Bewegung auszugleichen, sollte doch wohl der Dümmste verstehen und die daraus resultierenden Hyper-Aktivitäten nicht bloß als Unterrichtsstörung beiseiteschieben können.
    Wir machen Pädagogik so, dass die Pädagogen - was früher anders war - in der Krankheitsstatistik inzwischen ganz an der Spitze stehen. Da wird es einfach tödlich, wenn man glaubt, Probleme nur immer dadurch lösen zu können, dass man die abstrakten Förderprogramme für die Kinder weiter perfektioniert.
    Pro-bleme (von griech. “ballein”) sind Bälle, die uns das Leben zuspielt, um uns zu zeigen, dass wir noch im Spiel sind. Es geht nicht darum, den Ball zu vernichten sondern mit ihm spielen zu lernen.
    Ich grüße freundlich.
    Franz Josef Neffe

    schrieb Franz Josef Neffe am

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