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Corona und Prüfungen

Soll die Abiturprüfung 2020 in Deutschland stattfinden? Brief eines Vaters an die KMK 10.04.2020, 12:39

Bild: 12019/Pixabay [CC0 (Public Domain)]

In zahlreichen europäischen Ländern (u.a. Frankreich, Großbritannien) fallen Abschlussprüfungen aus, in Italien bleibt dieses Jahr niemand sitzen. In Deutschland dagegen sollen die Abiturprüfungen stattfinden. Ein verständnisloser Vater hat einen Brief an die KMK geschrieben, den wir hier abdrucken.

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Die KMK (Kultusministerkonferenz) vertritt augenblicklich noch die Position, dass die Abiturprüfungen stattfinden werden. Nachdem Karin Prien, die Bildungsministerin von Schleswig Holstein, Ende März ihren Plan verkündet hatte, die Abiturprüfungen ausfallen zu lassen, explodierten die anderen Kultusminister/innen; in Eile fasste die KMK den gemeinsamen Beschluss, dass man geschlossen an der Durchführung der Abiturprüfungen festhalten würde - »soweit dies aus Infektionsschutzgründen zulässig ist« (KMK.org 25.03.2020: KMK: Prüfungen finden wie geplant statt).

Mundschutz und Abstandsregelung hin oder her - ganz sicher dürfte sich als ein zentrales Problem für die Abiturient/innen die Motivationslage herausstellen. Wilfried K.(*) hat der KMK deshalb die folgende E-Mail geschrieben:

Sehr geehrte Damen und Herren,

nach 13 Jahren auf der Schule soll nun allen Ernstes unter diesen Umständen eine Abiturprüfung erfolgreich abgelegt werden? Nach Wochen kurz vor der Prüfung relativ unmotiviert zu Hause, die Schule digital genauso überfordert wie das Lehrpersonal – und dann soll vier Wochen später geprüft werden? Ist das fair gegenüber anderen Jahrgängen?

Dabei spreche ich gar nicht von dem psychischen Druck, unter denen manche stehen – auch aufgrund der massiven existenziell bedrohlichen Umstände, die manche der Eltern haben. Jede Schülerin, jeder Schüler möchte gerade im Abschlussjahrgang möglichst gute Leistungen erbringen.

Wir haben Jahre verschwendet, die wir die Schulen und das Lehrpersonal nicht auf eine digitale Notsituation vorbereitet haben und jetzt geht das zu Lasten derer, die dieses Jahr eigentlich Abitur machen wollten.

Ich finde es unverantwortlich und plädiere eindeutig für eine andere Lösung wie beispielsweise ein Durchschnittsabitur auf Basis der bisher erbrachten Leistungen in der Oberstufe.

Zur Information: Mein Sohn besucht aktuell das Theodor-Storm-Gymnasium (*) in Heilbronn (**). … Ich bitte Sie um eine überlegte Lösung und keinen Schnellschuss, der dann eine Prüfungssituation gestaltet, die das Bemühen der letzten 12,5 Jahre mit den Füßen tritt.

Für Fragen stehe ich sehr gerne zur Verfügung.

Mit freundlichen Grüßen
Wilfried K. (*)

(*) Name geändert (**) Ort geändert

Wir sind gespannt auf die Antwort und halten Sie auf dem Laufenden.

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Kommentare

4

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  • #1

    Meines Wissens ist während der Abiturprüfungen in Deutschland kein einziger Schüler durch Corona zu Schaden gekommen. Die Verhätschelung der Jugendlichen nimmt schon groteske Züge an.

    schrieb D.K. am

  • #2

    In ein paar Jahren fragt niemand mehr nach der Abiturnote!
    Und wenn ein Arbeitgeber irgendwann mal fragen sollte… dann wird er sehen, dass es ein „Corona-Abitur“ ist und entweder nachsichtig sein oder anerkennend pfeifen….

     

    schrieb L. Müller am

  • #3

    Hallo MB,
    die Motivationsleistungen der Lehrpersonen sind in der ‘echten’ Unterrichts- und Prüfungsvorbereitungssituation nicht unerheblich. Das ist doch auch mal schön für diesen häufig wenig geschätzten Berufsstand, oder?
    LG Wilfried K.

    schrieb Wilfried K. am

  • #4

    Guten Tag,
    das tut mir natürlich Leid, dass der Filius unmotiviert ist. Aber das kann natürlich dazu führen, dass bei 12,5 Jahren der Schulzeit 3-4 Wochen der verstärkten Eigenverantwortung mit Blick auf eine Reifeprüfung ins Gewicht fallen.
    LG

    schrieb MB am

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