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PowerPoint ist »betreutes Lesen«

Präsentieren in der Schule - Interview mit Rhetorik-Trainer Matthias Pöhm 18.09.2015, 23:00

Lehrer hält einen Vortrag
Bild: Pixabay [CC0 (Public Domain)]

Die Anti PowerPoint Partei wird im Oktober 2015 bei den Schweizer Parlamentswahlen antreten mit dem Ziel, dem »betreuten Lesen« mit PowerPoint den Garaus zu machen. Interview mit dem Gründer Matthias Pöhm über PowerPoint, Präsentations-Bewertungsraster und die Frage, wie wichtig Präsentationskompetenzen überhaupt sind.

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  • (geändert: )
Mathias Pöhm, Portrait (100 px)Matthias Pöhm ist Rhetorik-Trainer, Business-Coach und Gründer der Anti PowerPoint Partei (3500 Mitglieder, Stand 09/2015). Er hat mehrere Bücher zum Thema Schlagfertigkeit und Rhetorik geschrieben - darunter den Bestseller "Präsentieren Sie noch oder faszinieren Sie schon?". Für ihn ist PowerPoint "betreutes Lesen", das Wirkung verschenkt.

Kurz nach ihrer Gründung berichteten wir über die Anti PowerPoint Partei (APPP), deren Ziel es ist, "beim Dilemma PowerPoint eine sichtbare Verhaltensänderung" zu bewirken. In wenigen Wochen wird die Partei bei den Schweizer Parlamentswahlen antreten. Man mag davon halten, was man will, die Kernaussage des Parteiprogramms ist jedoch absolut zutreffend: Ein Vortrag muss in erster Linie funktionieren (s.a. Lehrerfreund: »Präsentieren« - Das ultimative didaktische Konzept).

Lehrerfreund: Herr Pöhm, sämtliche Schüler/innen lernen in der Schule das Präsentieren mit PowerPoint. Haben Sie schlaflose Nächte deswegen?

Matthias Pöhm: Das Lernen der Bedienung von PowerPoint ist nicht das Problem. Aber das verpflichtende Benutzen davon ist das Drama. In der Schweiz gibt es in den Schulen Punktabzug, wenn PPt beim Präsentieren nicht benutzt wird. In Deutschland wird es von Schülern erwartet. Die Beamten im Kultusministerium wissen nicht, wie Präsentieren mit Hoch-Wirkung wirklich geht, aber sie erstellen Lehrpläne darüber. Ein Mensch aus Fleisch und Blut, der frei spricht oder an der Tafel etwas entwickelt, hat wesentlich mehr Wirkung als einer, der mit PPt betreutes Lesen betreibt.  

Lehrerfreund: Sie haben 30 Minuten, um einer Klasse beizubringen, wie man einen ordentlichen Vortrag hält. Was haben die Schüler/innen nach diesen 30 Minuten bei Ihnen gelernt?

Matthias Pöhm: Etwas zu hören und es zu beherrschen ist eine Dimension an Unterschied. In 30 Minuten kann ich jemanden maximal eine einzige Sache beibringen. Denn sie muss auch noch trainiert werden. Ich würde mich z.B. darauf konzentrieren, wie man eine Botschaft durch Pausen innerhalb der Botschaft so rüber bringen kann, dass das Publikum berührt ist und der Botschaft "glaubt".

Das lässt sich mit geschriebenen Text schwer beschreiben, aber man kann es sich zumindest vorstellen. Bitte sprechen Sie den nachfolgenden Satz so, dass die Einheiten vor dem Ausrufezeichen als ein einziges Wort gesprochen werden und Sie beim Bindestrich jeweils eine Pause machen:
InDeutschland! - WerdenTäglich!  - 300Fussballfelder! – Zubetoniert!
 
Lehrerfreund: Viele Lehrer/innen bewerten Präsentationen mithilfe eines Bewertungsrasters. Dort macht man Kreuzchen oder Noten für verschiedene Aspekte. Hier einige Ausschnitte von typischen Rastern:

Bewertungsraster Präsentation vom Lehrefortbildungsserver Baden-Württemberg (Ausschnitt)
(Quelle: Landesfortbildungsserver Baden-Württemberg / Direktlink Bewertungsraster Präsentation)

Bewertungsraster Präsentation vom Lehrefortbildungsserver Sachsen (Ausschnitt)
(Quelle: Sächsischer Bildungsserver / Direktlink zum Bewertungsschema Präsentation (PDF))

Bewertungsraster Präsentation vom Landesinstitut für Schule Bremen (Ausschnitt)
(Quelle: Landesinstitut für Schule Bremen / Direktlink Bewertungsbogen (PDF))

Was halten Sie von solchen Rastern?

Matthias Pöhm: Nicht sehr viel. Eine Rede von Martin Luther King oder von Richard von Weizsäcker würde gemäß diesem Raster durchfallen, denn es gab „Keine klare Gliederung am Anfang“, es gab „Keine Zusammenfassung am Ende“ und sie haben auch nichts mit Präsentationshilfsmitteln visualisiert. Diese Raster unterstützen eine verkopfte Vorgehensweise, die versucht, eine kreative Sache, wie es eine Rede darstellt, in Schemen zu beurteilen. Das ist das gleiche wie der Versuch, ein Musikstück mit scharfen, "objektiven" Kriterien bewerten zu wollen. Am besten sogar noch einklagbar. Das kann man nicht. Es sollte dem Lehrer überlassen bleiben, zu beurteilen: Das war jetzt einfach gut, oder auch nicht. Punkt.

Lehrerfreund: Vor 20, 30 Jahren hat man eben ab und zu ein Referat mit einer mittelmäßigen Folie auf dem OHP gehalten - und die Welt steht noch. Ist die Präsentationskompetenz heute wirklich so wichtig?

Matthias Pöhm: Der Overhead hat eine bessere Wirkung als PPt, wenn man auf ihm per Hand etwas entwickelt. Wenn man darauf aber nur eine Fertigfolie legt, dann ist es wieder betreutes Lesen. Präsentieren und freie Rede waren immer wichtig und werden auch immer wichtig sein. Obama wäre ohne seine Redefähigkeit nicht US-Präsident geworden, ohne eine gute Präsentation hätte Steve Jobs sein iPhone nicht so erfolgreich machen können. Ein technisches Hilfsmittel wird niemals in der Wirkung einen Menschen aus Fleisch und Blut schlagen.

Ich hielt kürzlich eine Rede in einem Saal, der zu klein für alle Zuschauer war. Deshalb wurde meine Rede in einem zusätzlichen Saal für die anderen Zuschauer live übertragen. Ich ließ die Leute an einer Stelle aufstehen, um eine Demonstration mit ihnen durchzuführen. In meinem Saal machten alle mit, aber im anderen Saal blieben alle sitzen, wie mir berichtet wurde. Selbst Videos oder Hologramme können keinen echten Menschen ersetzen.

Lehrerfreund: Am 18.10.2015 tritt Ihre Partei bei den Schweizer Parlamentswahlen an. Wir kennen die Bilder aus solchen Sitzungen: Vorne liest einer seine Rede ab, ein Häuflein Abgeordneter lümmelt gelangweilt in den Sesseln, einige lesen Akten oder surfen mit ihren Smartphones. Schaffen _Sie_ es, die von ihren Stühlen zu reißen?

Es wäre nicht glaubhaft, wenn ich als Rhetoriktrainer nicht in der Lage wäre, packend zu reden. Also ich traue mir schon zu, Dinge spannend rüber zu bringen. Aber es ist fast ausgeschlossen, dass ich wirklich ins Parlament einziehe, das ist auch nicht mein Ziel. Ich will durch die Teilnahme an der Wahl nur Aufmerksamkeit auf die Krankheit PPt lenken. Die Tatsache, dass Sie dieses Interview mit mir führen, zeigt mir, dass es funktioniert.


Auf der Website der APPP gefunden: "Flipchart gegen PowerPoint", z.B. die Vorstellung eines neuen Logos:

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(Direktlink: Flipchart gegen PowerPoint - vol 3)

Inspirativ ist auch die Vorstellung eines Messestandes (YouTube-Link), einmal mit, einmal ohne PowerPoint.

Der Vortragende ist in beiden Videos nicht Matthias Pöhm, den können Sie z.B. hier sehen:

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(YouTube-Direktlink: Matthias Pöhm zeigt die Alternative zur PowerPoint Krankheit - Teil 1)

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Kommentare

8

Zum Artikel "Präsentieren in der Schule - Interview mit Rhetorik-Trainer Matthias Pöhm".

  • #1

    Ein (politischer) Redner will mich überzeugen, ein referierender Schüler bzw. Lehrer informieren.

    Diese Unterscheidung ist absolut richtig und sinnvoll. Aber vielleicht gibt es einen Schnittpunkt zwischen “reden” und “referieren”: Ordentliche Wissensübermittlung zwischen Referent/in und Zuhörer/in findet nur dann statt, wenn die Zuhörer/in erkennt, dass die Inhalte wichtig, interessant, nützlich … sind und motiviert ist, zuzuhören und die Vortragsinhalte vielleicht mit eigenem Vorwissen zu verknüpfen.

    Wenn eine Lehrer/in Wissen vermitteln möchte, warum benutzt sie dann bunte Folien zum Einstieg und erfindet Beispiele und alle machen ein Tänzchen und malen kreative Bilder? Weil die Sache mit dem Herunterleiern einfach nicht _funktioniert_.

    Aber völlig richtig ist: Man muss aufpassen, dass man nicht ins andere Extrem abgleitet. Auf der einen Seite steht das Geleiere (PowerPoint-Folien vorlesen), das jegliches Interesse abtötet - auf der anderen Seite inhaltsleere rhetorische Tricks, bei denen außer heißer Luft mit etwas Meinung nichts rüberkommt. Lernt man in der Lehrerausbildung denn nicht, hier (abhängig von Unterrichtsziel) den richtigen Kompromiss zu finden?

    schrieb Der Lehrerfreund am

  • #2

    Jeder Durchschnittsgebildete kennt die Unterschiede zwischen Rede und Präsentation, der Herr Rhetorik-Trainer aber nicht. Den kann man doch nicht ernst nehmen.

    Eben! Hier werden Äpfel mit Birnen verglichen. Ein (politischer) Redner will mich überzeugen, ein referierender Schüler bzw. Lehrer informieren.

    Meine Aufgabe als Lehrer ist es, SuS etwas beizubringen, was sie vorher noch nicht konnten. Die Aussage des Schweizers am Ende eines Vortrages, entweder “Das war jetzt einfach gut!” bzw. “Das war nicht gut!” ist die Absage an jede Didaktik! Das heißt nämlich ganz einfach: “Du kannst das eben.” bzw. “Du kannst das eben nicht. “, und wir beide, Lehrer und Schüler, können nichts daran ändern.
    Mit Hilfe eines vorher bekannten Kriterienrasters wissen die SuS, worauf bei einem guten Referat zu achten ist.

    schrieb Das DeuLe am

  • #3

    Den Beitrag: “Auf der Website der APPP gefunden: “Flipchart gegen PowerPoint”, z.B. die Vorstellung eines neuen Logos” finde ich SEHR aufschlussreich.
    Die zweite Präsentation, als “Flipchart” angepriesen, ist ja wohl auch eine PPt-Präsentation!!!!
    Jedenfalls sind meine Präsentationen ähnlich aufgebaut. Hier gilt ja nicht unbedingt: Ein Bild sagt mehr als 1000 Worte.
    In die selbe Richtung weist das Buch, Herr Böhm sicher bekannt, “ERzählen statt AUFzählen” von Cliff Atkinson.

    schrieb Manfred am

  • #4

    Ich bringe meinen Schülern seit längerem bei wie man ansprechende und informative Präsentationen erstellt. Nachwievor mit PowerPoint. Und damit fahre ich sehr gut. Es muss eben klar sein, daass nicht vorgelesen werden daarf, und das jede Folie sehr genau ausgearbeitet werden muss. Hierfür bedarf es eines detaillierten Durchdringens des Stoffes - damit der Schüler überhautp weiss, wie er eine bestimmte botschaft nun hinreichen komprimiert und zugleich anschaulich auf eine Folie bringt.
    Die Präsentationen sind qualitativ deutlich besser geworden, es gibt mehr Nachfragen und insgesamt deutlich positivere Rückmeldungen auch von den offenbar gequälten Zuhörern.
    Dieses ständige PPT “gebashe” geht mir ziemlich auf den Keks. Zumal sie oft gerade von denen kommt, die in Ihren vorbagen weißén Hintergrund schwarzen text, 5 STICHPUNKTE usw verlangen.
    Stichpunkte und Listen sind für Einkaufszettel. Wenn das klar ist, hat PPT auch einen Sinn.

    schrieb Alex am

  • #5

    Ich würde wirklich gerne als Lehrer hinterher einfach sagen können, dass das gut gewesen ist oder eben nicht - Punkt. Allerdings muss heute ja alles von den Eltern auch ‘kontrolliert’ werden… Und im Zweifel wird dann bei der Prüfungspräsentation im Abitur ja tatsächlich geklagt…
    Weiterhin werden wir als Lehrer von übergeordneter Stelle des Landes sogar ‘genötigt’, innerhalb eines Faches für jeden verpflichtende Kriterien zu erstellen und diese Schülern und Eltern transparent zu machen. Das ist also etwas, was nicht gerade auf unserem Mist gewachsen ist…
    Wir haben dann auch ein solches Raster - mit Smileys, ohne direkte Punkte. So können wir uns zumindest noch die Freiheit lassen, zu sagen, dass zwar viele Dinge nicht so gut waren, aber eine Sache so überragend war, dass sie den Rest überstrahlt und wir können dennoch eine gute Note geben - oder eben auch umgekehrt. Das ist mit konkreten Punkterastern immer schwieriger.
    Und uns ist es im Übrigen auf den Rastern auch völlig egal, welche Form der Visualisierung genutzt wird, solange sie sinnvoll und nur als Hilfsmittel eingesetzt wird.

    schrieb Alex am

  • #6

    Jeder Durchschnittsgebildete kennt die Unterschiede zwischen Rede und Präsentation, der Herr Rhetorik-Trainer aber nicht. Den kann man doch nicht ernst nehmen.

    schrieb Benno Piller am

  • #7

    Könne Sie Ihre Aussage, „Punktabzug in der Schweiz“ und „in Deutschland erwartet“ bitte durch entsrpechende Quellen belegen?

    schrieb Alex am

  • #8

    Auch wenn viele diese Checklisten nicht so gut finden, so benutze ich sie doch bei jedem Vortrag und Referat. Warum? Weil sie Transparenz schafft. Die Kriterien werden im Vorhinein an die Schüler ausgeteilt, so dass diese wissen, worauf ich Wert lege. In der Regel ist das ein doppelt bedrucktes Papier - vorne Aufgabestellung, hinten die Kriterien.

    Allerings hätte ich bei den obigen Listen ein Problem: Wie erfolgt aus der Vergabe von Smilies eine Note? Daher habe ich ein Raster mit Bruttopunkten, so dass ich aus der Summer der durch den den Vortrag erreichten Bruttopunkte gleich eine Note aus einer Tabelle ablesen lässt. Andernfalls bräuchte man in meinen Augen kein Raster, sondern kann gleich nach dem Bauchgefüht benoten.

    schrieb Ingo am

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