Unlangweilige Präsentationen

Science Slam in Schule/Unterricht - Der ultimative Lehrer-Guide 18.07.2015, 23:14

Ausschnitt aus einem Science Slam
Bild: YouTube: Science Slam 'Große Datenmengen'

Science Slam ist eine sehr gute Möglichkeit, elementare Prinzipien des Vortragens und Präsentierens zu üben. Die Herausforderung besteht im Spagat zwischen wissenschaftlichem Anspruch und Unterhaltungswert. Umfangreiche Hinweise zur Unterrichtsgestaltung, Beispiele, didaktische Überlegungen, Unterrichtsmaterialien, Arbeitsblätter, Bewertungsbogen. Sekundarstufe I + II.

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Die folgenden Ausführungen wurden veröffentlicht in der Zeitschrift Planet Schule (Multimediales Schulfernsehen SWR/WDR), Heft 1 (September/Oktober), Schuljahr 2013/2014 (Onlineversion hier: Science Slam im Unterricht). Einige Abschnitte wurden zusätzlich eingefügt (“Kritik”, “Beispiele”) oder minimal verändert.

Wenn man sich einen Science Slam anschaut, könnte man den Eindruck erhalten, dass es sich um eine ganz unorthodoxe, banale und sinnlose Variante des klassischen akademischen Vortrags handelt. Dabei entspricht Science Slam in großen Teilen dem klassischen Vortrag – die wesentlichen Erfolgskriterien sind ähnlich, allerdings ist die Schere zwischen Humorlevel und inhaltlichem Anspruch weiter geöffnet als bei der üblichen Powerpoint-Präsentation. Beim Science Slam soll das Publikum außerdem mitgerissen werden (während das offensichtlich bei wissenschaftlichen Vorträgen kein Erfolgskriterium darstellt).

Am Science Slam kann man unterhaltsam und doch zielgerichtet lernen, wie man gute Vorträge hält, bei denen sich das Publikum nicht zu Tode langweilt. Sie finden hier Anregungen, wie dies im Unterricht zu bewerkstelligen sein kann. Eine sehr typische Veranstaltung kann auf der Website von Planet Schule angesehen und heruntergeladen werden (Science Slam – Wissenschaft mal etwas anders!). Die in den Arbeitsmaterialien genannten Beispiele beziehen sich auf diesen Film.

Science Slam

Was ist “Science Slam”?

Beim „Poetry Slam“ werden eigene literarische Texte vorgetragen, begleitet von mehr oder minder exzessiver Performance. Das Publikum lässt sich unterhalten und bewertet anschließend die Vortragenden und kürt so einen Gewinner. Dieses Format wurde vor ungefähr 25 Jahren in den USA entwickelt und ist in Deutschland sehr populär.

Etwa seit 2006 wird im deutschsprachigen Raum eine Abwandlung des Poetry Slam praktiziert: der Science Slam. Dabei werden ausschließlich wissenschaftliche Themen vorgetragen, der vorgegebene Zeitrahmen beträgt meist gestoppte 10 Minuten. Oft stellen Studierende, Doktorand/innen oder Wissenschaftler/innen ihre Forschungsthemen vor. Im Gegensatz zu traditionellen wissenschaftlichen Vorträgen erwartet das Publikum einen hohen Unterhaltungswert und eine verständliche Darstellung der – oft hoch wissenschaftlichen – Inhalte. Gelingt es dem Science Slammer, das Publikum für sein Thema zu begeistern, erhält er gute Wertungsnoten (in der Regel zwischen 0 und 10). Im Rahmen dieser Science Slams treten mehrere Personen gegeneinander an, am Schluss entscheidet die beste Wertung des Publikums.

Das Interesse am Thema Science Slam hat in den vergangenen Jahren stark zugenommen. In keiner größeren deutschen Stadt muss man lange suchen, um einen Science Slam zu finden; in vielen Städten werden Jahressieger gekürt („6. Science Slam Stuttgart 2013“, „7. Science Slam Karlsruhe“ etc.). Fast immer werden die Veranstaltungen von Studentenorganisationen, Universitäten oder technischen Vereinen organisiert.

Beispiel

Ein beliebter und erfolgreicher Science Slammer ist der Physiker Boris Lemmer, der auch für einige Beispiele im Unterrichtsmaterial unten herangezogen wird. Seine Passion sind Elementarteilchen, inzwischen ist seine Fähigkeit zur anschaulichen Darstellung im Buch Bis(s) ins Innere des Protons kulminiert. Schauen Sie das mal an:

Warum Science Slam so beliebt ist

Während der Poetry Slam eine rein künstlerische Form ist, hat der Science Slam stets einen handfesten wissenschaftlichen Hintergrund. Wer einem Science Slam beiwohnt, der lernt etwas - und zwar auf unterhaltsame, eingängige Art und Weise. Beim Science Slam handelt es sich offensichtlich um eine Gegenbewegung zur statischen und oft quälend langweiligen Powerpoint-Präsentation, wie wir sie zur Genüge aus Schule, Uni und Business-Meetings kennen.

Erklärtes Ziel des Science Slam ist es, das Publikum für ein Thema zu begeistern - die Zuhörer sollen etwas mitnehmen, etwas verstehen. Dieser Anspruch führt zwangsläufig dazu, dass ein wissenschaftliches Thema sehr stark veranschaulicht und damit auf seine Grundlagen reduziert wird. Details, Fachvokabular oder lange Listen haben im Science Slam nichts verloren. Deshalb steht die Disziplin Science Slam selbstverständlich nicht in Konkurrenz zum klassischen Vortrag, in dem komplexe Inhalte und fachwissenschaftliche Details dargestellt werden und einer entsprechenden Form bedürfen.

Kritik am Science Slam

Beim Science Slam entscheidet eine Jury (oft: das Publikum) über den Erfolg. Das verleitet viele Slammer dazu, sich in den zur Verfügung stehenden wenigen Minuten mehr auf Gags als auf Inhalte zu konzentrieren. Cornelius Courts bringt es auf den Punkt:

“Ich sehe einen Trend zur Verflachung des Science Slam. Es gibt einen Trend dazu immer weniger eigene Forschung zu besprechen und immer mehr Gags und Witze und Bildwitze und Katzenbilder und so was zu bringen, weil die tatsächlich vom Publikum honoriert werden. Slams, die mehr davon enthalten werden tendenziell besser bewertet, als die vielleicht etwas ernsteren oder etwas weniger lustigen oder mit etwas komplizierteren Themen besetzen Slams.”

Diesen Aspekt sollten Sie im Unterricht unbedingt thematisieren. Sonst verschwenden Sie nur eine Menge Lebenszeit mit Katzenbildern.

Tatsächlich ist der Gag-Faktor für einen gelungenen Science-Slam-Vortrag gar nicht so relevant. Als Beispiel diene der Science Slam “Energie - Wie verschwendet man etwas, das nicht weniger werden kann?” (YouTube), wo es Martin Buchholz gelingt, ein komplexes Thema auf ein verständliches Niveau zu bringen - ohne viele Witze und ohne viele Folien.

Dies führt zu der Frage: Was ist eigentlich ein “gelungener” Vortrag? (… die auf Dem Lehrerfreund schon intensiv behandelt wurde: Präsentieren und Vortragen)

Kriterien für einen gelungenen Vortrag

Wenn einzelne Personen vor einer Gruppe anderer Personen etwas vortragen und sich dabei irgendwelcher Medien bedienen, spricht man heute von einer „Präsentation“. Dieser Begriff ist verräterisch: Im Mittelpunkt steht nämlich häufig nicht der Vortragende, sondern die Präsentation, bei der es sich in der Regel um mit Präsentationssoftware (beispielsweise Powerpoint) erstellte Folien mit mehr oder weniger Text handelt. Deshalb wird in diesem Beitrag der Begriff „Vortrag“ verwendet - schließlich soll eine vortragende Person im Zentrum der Aufmerksamkeit stehen. Lesen Sie dazu auch

Warum Lehrer/innen den Begriff »Präsentation« nicht mehr verwenden sollten

»Präsentieren« - Das ultimative didaktische Konzept

Science Slam steht zwischen Comedy und wissenschaftlichem Vortrag und bietet damit sowohl der wissenschaftlich Interessierten als auch derjenigen, der Unterhaltung wichtig ist, eine interessante Show.

Grafik: Science Slam zwischen wissenschaftlichem Anspruch und Unterhaltung

Der Erfolg eines Science-Slam-Vortrags kann an zwei Punkten gemessen werden:

  1. Die Inhalte sind dem Publikum vollauf verständlich.
  2. Der Vortragende fesselt auf unterhaltsame Weise das Publikum.

Hier wirken natürlich zahlreiche Einflussfaktoren (fachliche Kompetenz des Vortragenden, Struktur und Vorbereitung des Vortrags, und so weiter – siehe unten Arbeitsmaterial 1). Letztlich läuft jedoch alles auf die zwei genannten Punkte hinaus. Wenn das Publikum nichts versteht oder sich langweilt, war die für den Vortrag verwendete Zeit vergeudet. Denn warum wohnt man einem Vortrag bei? Man möchte sich informieren, und das möglichst auf nicht langweilige Art und Weise. Genau hier hakt das Konzept Science Slam ein.

Zentraler Aspekt ist immer die Orientierung am Publikum. Jedes Publikum hat einen anderen fachlichen Hintergrund, jedes Publikum hat eine andere Motivations- und Erwartungshaltung. Wann immer Menschen kommunizieren, ist das Eingehen auf die Zuhörer/innen notwendiges Kriterium für das Gelingen der Kommunikation. Dies wird bei Vorträgen nicht immer beachtet – zu oft stehen die Inhalte des Vortrags losgelöst von der Kommunikationssituation im Mittelpunkt. Der Anspruch, nichts zu vergessen oder keine Fehler zu machen, frisst den Anspruch an eine gelingende Kommunikationssituation auf. Und deshalb sind die meisten Vorträge – bei aller Vollständigkeit und fachlicher Richtigkeit - langweilig und uninteressant. Wenn inhaltliche Unzulänglichkeiten hinzukommen (was bei vielen Referaten im Schul- und Hochschulbetrieb der Fall ist), ist die Zeitverschwendung für alle Beteiligten perfekt. Mehr über die Frage nach der Wirkung von Vorträgen: »Präsentieren« - Das ultimative didaktische Konzept

In dieser Hinsicht sind sich Science Slam und klassische Vorträge sehr ähnlich: Ihr Erfolg hängt von den oben genannten beiden Punkten ab. Der wesentliche Unterschied besteht im wissenschaftlichen Anspruch (der beim Science Slam unter dem des konventionellen akademischen Vortrags liegt) und dem Unterhaltungsanspruch (der beim Science Slam deutlich über dem des akademischen Vortrags liegt). Hier steckt – in beiden Disziplinen – auch die Gefahr: Zu viel Unterhaltung kann zu inhaltsarmem Slapstick führen, zu viel Wissenschaft zu langweiligem Faktengeleier.

Science Slam im Unterricht

Auf den folgenden Arbeitsblättern wird gelegentlich auf Beispiele Bezug genommen/zitiert. Diese Beispiele können Sie hier bei planet schule anschauen oder als Videodatei auf Ihrem Rechner speichern: Science Slam – Wissenschaft mal etwas anders! (unter dem Videoplayer “Download”).

Science Slam ist nicht nur unterhaltsam, sondern hat auch einen echten Mehrwert als Übung für gute Vorträge. Das Thema eignet sich für die Klassenstufen 6 aufwärts, wobei gerade bei jüngeren Schüler/innen darauf geachtet werden muss, dass die Vorträge nicht zu sehr ins Komödiantische abrutschen.

Mögliche Anlässe

Im schulischen Kontext lässt sich Science Slam auf verschiedenen Wegen betreiben. Im Rahmen einer Einheit „Vortragen/Präsentieren“ können die Schüler/innen kurze Science-Slam-Vorträge vorbereiten und vorstellen. Ebenfalls können beliebige Themen in allen Fächern im Stil des Science Slam durchgeführt werden - das wäre vielleicht einmal eine erfrischende Alternative zu Schülerreferaten. Möglicherweise kann man sogar einen eigenen, richtigen Science Slam veranstalten (abends; auf einer Klassenfahrt; während der Projekttage), dessen Gewinner/innen vom Publikum ermittelt und gekürt wird.

Worauf man achten sollte

Die Vorbereitung eines gelungenen Science-Slam-Vortrags ist überaus aufwändig. Vorträge sollten auf wenige Minuten begrenzt werden; zum Üben am Anfang kann sich das auf zwei Minuten beschränken. Erfahrungsgemäß sollte man den Schülern zur Vorbereitung eine Doppelstunde Zeit geben.

Wenn Science Slams nicht (nur) als Vortragsübung aufgefasst werden, sondern als Vermittlungsinstrument (beispielsweise als Alternative zu Schülerreferaten), dann muss als Anforderung unbedingt vereinbart werden, dass die zuhörenden Schüler/innen durch den Vortrag etwas lernen. Das Vermittlungsziel sollte von den Vortragenden schon früh während der Vorbereitung schriftlich formuliert werden. Dann kann es nach dem Vortrag überprüft werden. So vermeidet man sinnlose Slapstick-Aufführungen ohne inhaltlichen Wert.
In keinem Fall sollte man Science-Slam-Vorträge benoten. Der Spaß steht ganz klar im Vordergrund, der Erfolg wird durch die Rückmeldung der Zuhörer/innen ausgedrückt (ob sie nun mit Wertungszahlen abstimmen oder im Gespräch ihre Eindrücke schildern; vgl. Bewertungsbogen unten).

Ein wesentliches Element für den Vortrag sind gute Ideen für die inhaltliche Aufbereitung und Veranschaulichung, Medieneinsatz/-gestaltung, Aufbau, Gags und so weiter. Science-Slam-Vorträge sollten deshalb immer von Kleingruppen aus zwei oder drei Schülern vorbereitet werden. Bei Bedarf kann der Vortragende dann unmittelbar vor dem Vortrag ausgelost werden. So müssen alle Gruppenmitglieder bereit sein.

Schüler neigen oft dazu, der Mediengestaltung höchste Priorität zuzuweisen. Wenn man ein Vortragsthema zuweist, setzen sich viele hin, öffnen Powerpoint und einen Browser, um die im Internet blindlings gefundenen Inhalte irgendwie auf die Folien zu pressen. Gerade beim Science Slam ist es jedoch wichtig, eine klare Vorstellung über den Roten Faden zu haben. Deshalb kann man die Vorbereitungsphase stark vorstrukturieren (Lehrermaterial “Einen Science-Slam-Vortrag schrittweise vorbereiten”, s.u.).

Überlegungen zu Unterrichtsverlauf und Methodik; Unterrichtsmaterialien

(1) Einstieg: Hinführung zum Thema Science Slam

Zum Einstieg ins Thema kann den Schüler/innen die Aufzeichnung eines Science-Slam-Vortrags gezeigt werden. Im SWR-Science-Slam eignet sich Vortrag 3 (Teilchenbeschleuniger) hervorragend für alle Klassenstufen. Es sollte besprochen werden, welche Ziele mit Science Slam verfolgt werden und welche Parallelen zum klassischen Vortrag / Schulreferat bestehen (weswegen das Thema ja geübt wird).

Unterrichtsmaterial: “Science Slam Teilchenbeschleuniger” - Viertes Video auf der Seite “Wissenschaft mal etwas anders(Alternativlink)

(2) Was macht einen guten Vortrag aus?

Im weiteren Verlauf werden den Schüler/innen Erfolgskriterien für gute Vorträge vermittelt. Sinnvollerweise erhalten die Schüler/innen die Arbeitsblätter als Kopien. Die Inhalte werden anhand des folgenden Unterrichtsschritts („Gemeinsame Vorbereitung eines Vortrags“) erarbeitet.

Da die einzelnen Punkte separat vorgestellt und erarbeitet werden, kann die Lehrperson je nach didaktischem Geschmack Impulsgebung und inhaltliche Vermittlung übernehmen, so dass keine Kopien verwendet werden.

Unterrichtsmaterial: Was macht einen guten Vortrag aus? (PDF, 5 Seiten) (Alternativlink)

(3) Gemeinsame Vorbereitung eines Vortrags

Die ersten Gehversuche sollten auf jeden Fall sehr kleinschrittig erfolgen. Anhand eines Kurzthemas werden die notwendigen Schritte für die Vorbereitung eines Science-Slam-Vortrags separat geübt. Die Schüler/innen erhalten Zeitvorgaben für die einzelnen Schritte. Der gesamte Prozess wird von der Lehrer/in gesteuert.

Hinter diesem Konzept steckt die Idee, wenige Inhalte zu verwenden, so dass von allen Schülern erwartet werden kann, dass die Inhalte perfekt sitzen. Das sollte bei einem Text aus dem Schulbuch auch bei den meisten Schüler/innen gelingen.

Die Auswertung der einzelnen Arbeitsschritte ist bei größeren Klassen nicht ganz trivial. Entweder werden nach jedem Schritt einige Arbeitsergebnisse im Plenum vorgestellt, oder die Kleingruppen bleiben unter sich und stellen ihr Endergebnis im Plenum vor.

Unterrichtsmaterial: Einen Science-Slam-Vortrag schrittweise vorbereiten [Lehrermaterial] (PDF) (Alternativlink)

(4) Anwendung

Vorbereitung eines kurzen Science-Slam-Vortrags: Die Schüler/innen erarbeiten nun in Kleingruppen einen Science-Slam-Vortrag autonom zu einem eigenen Thema.

Sie sollten dafür genug Zeit bekommen (mindestens zwei Doppelstunden). Die Arbeitsanstrengungen sollte man würdigen, indem man eine entsprechende Situation kreiert und beispielsweise einen Science Slam ausrichtet.

Wahrscheinlich ist es sinnvoll, den Schülern noch eine Hilfe zum Ablauf auszuhändigen. Verwenden Sie hierzu den folgenden Arbeitsplan:

Unterrichtsmaterial: Arbeitsplan - Vorbereitung eines Vortrags [Schülermaterial] (PDF) (Alternativlink)

(5) Bewertung

Die Bewertung der Vorträge sollte nicht zu pauschal („Es war gut.“) und nicht zu differenziert („Auf der dritten Folie war ein Rechtschreibfehler.“) erfolgen – schließlich sollen die zentralen Aspekte besprochen werden.

Die Schüler/innen können zur Rückmeldung den folgenden Bogen verwenden:

Unterrichtsmaterial: Bewertungsbogen Science Slam (PDF) (Alternativlink)

(6) Weiterführung

Sofern die Zeit es zulässt, sollte die Übung mit klassischen Vorträgen (z.B. Schulreferat) fortgesetzt werden. Die Anwendung der erlernten Erfolgskriterien für Science-Slam-Vorträge dürfte - den Humoraspekt einmal außen vor gelassen - auch für klassische Vorträge überaus fruchtbar sein.

Unterrichtsmaterialien

Alle im Folgenden aufgelisteten Unterrichtsmaterialien wurden oben im Text an den entsprechenden Stellen schon verlinkt. Sie finden hier noch einmal die Links und den Volltext der Materialien.

Arbeitsblätter: Was macht einen guten Vortrag aus?

Unterrichtsmaterial: Was macht einen guten Vortrag aus? (PDF, 5 Seiten) (Alternativlink)

Science Slam als Übung für klassische Referate/Vorträge

Science Slam macht nicht nur Spaß, sondern kann auch die wesentlichen Aspekte guten Vortragens trainieren. Besonders interessant ist die Anforderung, das Publikum mitzureißen, indem man die Situation bewusst gestaltet und kontrolliert. Im klassischen Referat oder Vortrag wird die Situation meistens durch die Folie kontrolliert, die auf der Leinwand zu sehen ist: eine Stichpunktliste, die vom Referenten abgearbeitet wird, gefolgt von einem Bild, das der Referent erklärt, gefolgt von einer Stichpunktliste, die ...

Es folgen einige zentrale Punkte, die für einen erfolgreichen Science-Slam-Vortrag zu berücksichtigen sind.

Eine Botschaft haben

Du hast ein Thema, das du erklärst, oder eine Botschaft, die du übermitteln willst. Dieses Thema lässt sich in zwei bis drei Sätzen prägnant umschreiben (“Fahrstuhlgespräch”). Das ist dein Roter Faden. Du erzählst, zeigst oder erklärst nur Dinge, die diesem Thema oder dieser Botschaft dienen. Alles andere lässt du weg. Natürlich führst du dein Publikum schon zu Beginn deines Vortrags zum Thema hin (siehe auch unten: Aufbau).

Das Thema verständlich rüberbringen

Du willst, dass das Publikum begeistert ist und deine Inhalte versteht. Das ist das Wichtigste! Wörter, die dein Publikum nicht kennt, musst du erklären. Lasse Dinge weg, die für das Verständnis des Themas nicht wichtig sind.

Viele Vorträge sind abstrakt und damit langweilig und unverständlich. Du musst einschätzen können, was dein Publikum verstehen kann und dich entsprechend daran ausrichten. Was dein Publikum nicht weiß oder versteht, musst du veranschaulichen. Verwende Beispiele, Bilder und Metaphern.

Beispiel: Wenn du vor einer Ansammlung von Physikprofessoren redest, kannst du einfach von “Elementarteilchen” reden - sie wissen, was gemeint ist. Wenn du mit einem physikalisch nicht versierten Publikum sprichst, musst du es veranschaulichen. Im dritten Vortrag des SWR-Science-Slam sagt der Physiker über die Elementarteilchen: “Das waren bis Ende der 60er diese drei Jungs:  das Neutron, das Proton und das Elektron.” und hält drei Stofftiere hoch.

Was ist anschaulicher? Stofftiere oder abstraktes Modell?

Unterhaltsam, aber nicht inhaltsleer

Dein Vortrag ist unterhaltsam und bringt das Publikum an verschiedenen Stellen zum Lachen. Vergiss aber nicht: Du willst dein Thema erklären. Lass dich nicht dazu verleiten, den Clown zu geben. Witze reißen können die Comedy-Profis aus dem Fernsehen besser. Dieses Phänomen ist bei vielen Science Slams zu beobachten, wie sie bspw. auf YouTube zu finden sind. Die sind zwar lustig, aber man lernt nichts dabei.

Aufbau

Warum soll das Publikum seine wertvolle Zeit verschwenden, um dir zuzuhören? Die Antwort muss schon mit deinen ersten Sätzen klar werden. Der Anfang deines Vortrags sollte also originell sein und das Publikum gleich fürs Thema interessieren. In jedem Fall muss dem Publikum sofort klar sein, worüber du sprechen wirst und warum sie dir ihre Zeit schenken sollen. Überlege dir einen guten Aufhänger, am besten etwas, was das Publikum betrifft.

Lies dir die transkribierten Anfänge durch. Du erkennst sofort, dass Vortrag 1 schlecht vorbereitet ist; nach mehreren Sätzen ist immer noch unklar, worum es im Vortrag gehen wird. Der Sieger der Veranstaltung (Vortrag 3) dagegen erzählt erst einmal einen Witz, der genau zum Thema führt: “Was ist eigentlich so ein Teilchenbeschleuniger?”

Der Einstieg in Vortrag 4 ist zwar nicht besonders originell, führt aber in äußerst komprimierter Form alle notwendigen Funktionen eines Einstiegs aus: Kommunikation mit dem Publikum aufnehmen, Vorstellung der eigenen Person, Vorstellung der wissenschaftlichen Rahmenbedingungen, verständliche Nennung des Themas in verständlichen Worten - alles in einem Satz!

Transkripte: Einstiege

Vortrag 1 (Wikinger)

“Schönen guten Abend. Und, ähm, ja, Skandinavistik, wenn man also gefragt wird, was man studiert, und man gibt diese Antwort, dann ist das Erste, was einem entgegenschallt, ein unglaubliches “Was??”, und die zweite Frage ist ganz unausweichlich, wie bei allen Geisteswissenschaften, ist ein “Was macht man eigentlich damit?” Und ähm, nun, so eine einfache Antwort kann ich darauf auch nicht geben, das ist wie bei Anglisten oder Germanisten auch, einfach sehr vielfältig ist und nicht so einfach wie, naja, Jurastudenten werden Juristen, Medizinstudenten Mediziner, so einfach ist das da nicht. Dann kann man versuchen abzulenken, was ich jetzt auch tun werde ...” usw.

Vortrag 2 (Proteine)

“Ähm ... Ich beschäftige mich mit dem Screening und Optimierung von Linkern zur spezifischen Immunisierung von Biomolekülen. Jahahaa - das findet ihr gut. Ja, dachte ich mir. Ja, ist nicht ein ganz griffiger Titel, ich habe versucht, das ein bisschen griffiger zu verpacken, ähm: Wie man Proteine glücklich macht.”

Vortrag 3 (Teilchenbeschleuniger)

“Meine Mama hat gesagt: 'Fang mal an mit einem Witz, damit die Leute ein bisschen lockerer werden am Anfang”, dann probieren wir das mal aus. Was sind zwei Physiker, die sich eine Rosinenschnecke zuwerfen? Ein Teilchenbeschleuniger. Ja ne, aber jetzt genug gelacht, der Typ hier links auf dem Moped [Bild auf Folie], der weiß Bescheid, was es wirklich ist, nämlich das blaue Riesenrohr auf der rechten Seite, und das ist auch ziemlich viel in den Zeitungen.  Leider, wenn man die Bild liest, z.B. im Zusammenhang mit schwarzen Löchern und Weltuntergang, das ist natürlich schlecht, das macht schlechte Laune, deshalb möchte ich euch heute kurz erzählen: Was ist eigentlich so ein Teilchenbeschleuniger?”

Vortrag 4 (Geistesblitze)

“Ein interessantes Willkommensgeräusch. Verehrtes Auditorium, mein Name ist Henning Beck, ich beende derzeit meine Doktorarbeit in Ulm zum Thema Biologie der Nervenzellen und deswegen möchte ich auch darüber sprechen, wie in unserem Gehirn Nervenimpulse in geradezu geistesblitzartiger Geschwindigkeit weitergeleitet werden.”

Am Schluss brauchst du eine klare Zusammenfassung, evtl. einen Ausblick oder eine abschließende Pointe. Deine wesentlichen Thesen werden noch einmal dargelegt, das Publikum kann noch einmal erfahren, was es bei deinem Vortrag gelernt hat. Außerdem bietet der Schluss die Möglichkeit, den Kommunikationskanal zum Publikum noch einmal zu öffnen (z.B. durch eine Verabschiedung) - oft neigt man im Eifer dann doch dazu, seinen Vortrag durchzuziehen und dabei gar nicht zu beachten, dass vor einem noch echte Menschen sitzen.

Im Kasten “Transkripte: Schlüsse” wurden die letzten beiden Sätze der vier Vorträge aus dem SWR-Science-Slam transkribiert. Hier zeigen sich ganz unterschiedliche Möglichkeiten, den Schluss zu gestalten:

  • Witzige Zusammenfassung des Themas (Vortrag 1)
  • Die schwer verständliche Thematik aufgreifen und auf einen anderen Kontext transferieren (Vortrag 2)
  • Ausblick auf mögliche zukünftige Entwicklungen des Themas (Vortrag 3)
  • Thema ist abgeschlossen, zum Abschied Kommunikation mit dem Publikum (Vortrag 4)

Transkripte: Schlüsse

Vortrag 1 (Wikinger)

“So kann man auch als Kulturwissenschaftler auf sehr guter Datenbasis sagen: Hätte sie sich einen Bart wachsen lassen, dann hätte man sie auch nicht so schnell enttarnt und sie hätten weiter zusammenleben dürfen. Nichtsdestotrotz gilt aber: Lasst euch als Frauen bloß nicht unterkriegen.”

Vortrag 2 (Proteine)

“Einen Satz habe ich noch: Unser Protein Doro hier [die Frau, die während des Vortrags ein Protein dargestellt hat] sucht übrigens noch einen Bindungspartner für die eine oder andere spezifische Wechselwirkung. Vielen Dank, schönen Abend.”

Vortrag 3 (Teilchenbeschleuniger)

“Und weil wir das alles so spannend finden, setzen sich 3000 Physiker rund um die Uhr hin und sagen: “Nein Mann, ich will noch nicht gehen, ich will noch ein bisschen forschen” - und zwar so lange, bis irgendwann auf unseren Bildern [Folie] vielleicht die Antwort auf eine von diesen krassen, fundamentalen Fragen erscheint, wie z.B. das Hicks-Teilchen, und dann lassen die 3000 Physiker richtig die Sau raus, ziehen die Pantoffeln aus, machen sich zwei Zucker in den Kaffee, trinken Becks free Lemon und schmeißen eine Riesenparty und dann seid ihr alle eingeladen, vielen Dank.”

Vortrag 4 (Geistesblitze)

“Ja, ich danke natürlich Falko (?) von dem Science Slam für die Super Veranstaltung, ich fand mich auch ganz gut, aber am besten war das Publikum! Ich hoffe, man hat ein bisschen was verstanden, schönen Abend noch, Ciao.”

Aufmerksamkeit fokussieren

Im Mittelpunkt stehst DU - nicht eine beleuchtete Leinwand. DU erklärst den Zuhörern die Inhalte. Medien benutzt du nur, um schwierige oder schwer vorstellbare Zusammenhänge abzubilden.

Überlege dir, wo du die Aufmerksamkeit des Publikums hinlenken möchtest. Auf dich, auf die Leinwand oder sonstwohin? In den meisten Vorträgen, die man zurzeit sieht, scheinen die Vortragenden ganz froh zu sein, dass sich die Aufmerksamkeit der Leinwand zuwendet und nicht ihnen - das nimmt Nervosität, man ist nur Statist neben dem Hauptdarsteller: der Leinwand, man fühlt sich nicht verantwortlich für die Inhalte. Um das Publikum mitzureißen ist das jedoch der falsche Weg.

Der dritte Vortragende im SWR-Science-Slam erzählt diesen Witz: “Was sind zwei Physiker, die sich eine Rosinenschnecke zuwerfen? Ein Teilchenbeschleuniger.” Dazu zeigt er ein Bild, auf dem sich zwei Personen eine Rosinenschnecke zuwerfen. Als er die Antwort “Ein Teilchenbeschleuniger” verrät, wird der Text “Ein Teilchenbeschleuniger” eingeblendet. Nach der Pointe lacht der Vortragende und blickt - wie alle anderen - zur Leinwand. Kurz: Die Aufmerksamkeit des Publikums teilt sich zwischen ihm, dem Rosinenschneckenbild und dem Text. Warum macht er den Beamer nicht aus und erzählt den Witz? Wird der Witz witziger dadurch, dass man das Bild und die Antwort auf der Leinwand sieht?

Beamer aus!

In 99% aller Vorträge läuft der Beamer die ganze Zeit. Wer kennt nicht das Bild, dass ein Vortragender vor einem Windows-Desktop mit Papierkorb und Arbeitsplatz sitzt und über die Vorteile der Inklusion spricht?

Medien sind dazu da, den Vortrag zu unterstützen: Sie veranschaulichen komplexe Inhalte, unterstreichen zentrale Punkte oder schaffen Atmosphäre. Vermeide Situationen, in denen die Folie nichts mit dem zu tun hat, worüber du gerade redest. Im Zweifel schalte den Beamer einfach kurz schwarz. Jede Beamerfernbedienung hat eine Taste dafür (“A/V Mute”, “Black” o.ä.), da lohnt sich das auch für 30 Sekunden. Ist die Leinwand schwarz, bekommst DU die Aufmerksamkeit - zu 100%.

Das oben genannte Beispiel (“Rosinenschnecke”) zeigt aber, dass man auch anders erfolgreich sein kann. Der Physiker in Vortrag 3 ist überaus eloquent, charismatisch und außerordentlich gut vorbereitet. Sein Vortrag verläuft in Hochgeschwindigkeit. Für ihn ist es kein Problem, dass ein Teil der Publikumsaufmerksamkeit sich auf die Leinwand fokussiert, da seine Bühnenpräsenz sehr stark ist. Wer jedoch über eine etwas zurückhaltendere Persönlichkeit verfügt, der sollte nicht noch einen Teil der Aufmerksamkeit an die Leinwand abgeben.

Mehr dazu:
3 Tipps zum Umgang mit dem Beamer
7 einfache Tipps für den Umgang mit PowerPoint

Dynamik

Mit einem Vortrag, der öde vor sich hin plätschert und irgendwann nach 10 Minuten eben fertig ist, weil die Zeit um ist, wirst du das Publikum nicht mitreißen. Ein Vortrag braucht Dynamik, Entwicklung, Höhen und Tiefen - wie ein guter Film: Hier wechseln sich Gespräche, Action und Liebesszenen ab.

Dabei geht es nicht nur darum, dem Publikum Abwechslung zu verschaffen (obwohl das gerade beim Science Slam ein wichtiger Aspekt ist!). Frage dich, welche kommunikative Absicht du mit den einzelne Phasen deines Vortrags verfolgst: Möchtest du, dass die Zuhörer etwas Kompliziertes verstehen? Möchtest du ihnen eine kurze Phase der Entspannung gönnen, damit sie etwas zu lachen haben? Möchtest du (DU!) sie von etwas überzeugen?

Tricks, um Dynamik im Vortrag zu erzeugen:

Medienwechsel
Du hast sicher schon Vorträge gesehen, bei denen du die ganze Zeit auf Folien gestarrt hast, bis dein Genick steif wurde. Wechsle das Medium - bei einem Science-Slam-Vortrag von 10 Minuten Dauer vielleicht zwei oder drei Mal. Als Medium kommt alles in Frage, was man zeigen oder tun kann: Bilder, Texte, Filmausschnitte, Animationen, Gegenstände, Personen, ein Lied singen …

Der Vortragende zum Thema “Proteine” sagt nach einer zweiminütigen Einführung mit Folien: “Deswegen dachte ich mir, ich bringe einfach mal ein Beispielprotein mit: die Doro.” Der Beamer wird schwarz, die Aufmerksamkeit schwenkt zu der Frau, die die Bühne betritt und in den folgenden fünf Minuten das Verhalten eines DNS-Moleküls darstellt. Anschließend wechselt die Aufmerksamkeit wieder zur Leinwand, wo Folien mit Aufzählungspunkten gezeigt werden.

Sprechtempowechsel
Beim Science Slam ist jeder Vortrag auf eine bestimmte Zeit begrenzt (i.d.R. auf 10 Minuten). In den meisten Vorträgen sind die Vortragenden ziemlich in Eile und versuchen, die Zeit möglichst gut auszunutzen. Dabei ist es ein wirkungsvolles Mittel, das Tempo zu variieren. An Stellen, die besonders wichtig sind, kann man das Sprechtempo bewusst herunterziehen und ganz langsam und eindrücklich formulieren, eine lange Pause machen und das Publikum fixieren.

Ortswechsel
Um den Vortrag erkennbar in unterschiedliche Phasen einzuteilen, braucht man nicht unbedingt explizite Hinweise (z.B. den Satz: “Ich komme jetzt zu Punkt 2: Die Auswirkungen des Sauren Regens”). Das wirkt oft langweilig und statisch.
Wechsle deinen Standort während des Vortrags einige Male. Das darf man natürlich nicht zu oft machen, um keine allzu große Hektik aufkommen zu lassen. Sich einmal zum anderen Ende der Bühne zu bewegen und später wieder zurück fällt dem Publikum kaum ins Bewusstsein - dennoch findet auf der Bühne Veränderung statt. Diese Veränderung muss natürlich mit inhaltlichen oder emotionalen Veränderungen im Vortrag übereinstimmen.

In Vortrag 4 (Nervenimpulse) erklärt der Vortragende einige Grundlagen zur Übertragung von Schmerzimpulsen. Er benutzt dabei das Beispiel zweier Boxer. Als er dazu übergeht, über Emotionen zu reden, bewegt er sich ans andere Ende der Bühne. Unterschwellig wird beim Zuschauen ganz klar, dass nun ein neuer Abschnitt kommt.

Kognitive / emotionale Ebene ändern
Ein Vortrag, der nur aus Witzen besteht, ist genau so langweilig wie einer, in dem nur wissenschaftliche Fakten aufgezählt werden. Wechsle ab und zu die Ebene: von sachlich zu traurig, von lustig zu ernst, von einfach zu schwierig etc. (und natürlich jeweils wieder zurück oder anderswo hin).

Das Publikum versteht so, dass nun eine neue Aufmerksamkeit gefordert ist: Kann man sich zurücklehnen und die Gags genießen, oder kommt der zentrale Inhalt? Ist es nun, nach einer Vorstellung der Fakten, erforderlich, sich auch einmal emotional ins Thema einzufühlen? So erzielst du Wirkung.

Vortrag 3 (Teilchenbeschleuniger) ist hochgradig originell und witzig - das Publikum kommt aus dem Lachen gar nicht mehr hinaus, obwohl der Vortragende anschaulich und verständlich die Grundlagen der Teilchenphysik erklärt. Als er damit fertig ist und zur Erklärung seiner Forschungsarbeit übergeht, wird er plötzlich relativ seriös - das Feuerwerk an Gags wird zurückgefahren, nun wird es ernst: Das ist MEIN Thema, das ist etwas Wichtiges. Das Lachen im Publikum verstummt, und man hängt an seinen Lippen, als er die Probleme der Protonenkollision erklärt. Der Vortragende hat das Publikum im Griff.

Vorbereitung

Du musst dich fachlich im Thema auskennen. Wenn du nicht genau weißt, worüber du redest, wenn du nicht alle Punkte frei und fundiert erklären kannst, dann erspare deinem Publikum den Vortrag. Möchtest du, dass dir jemand etwas erklärt, von dem er selbst keine Ahnung hat?

Was du an Medien benutzt (Bilder, Sounds, Textfolien, Animationen; Anschauungsgegenstände, verkleidete Komparsen ...) muss perfekt ausgearbeitet und auf deinen Vortrag abgestimmt sein. Du weißt immer, was als nächstes kommt und hast die Situation unter Kontrolle.

Wenn du zu Lampenfieber und Nervosität neigst, kannst du die kritischen Stellen besonders gut vorbereiten. Möglicherweise schreibst du deine ersten und deine letzten drei Sätze, die du sagen wirst, auf und lernst sie auswendig. Dann riskierst du nicht, an den wichtigen Stellen Anfang und Schluss auszurutschen und etwas Unklares daherzustottern.

Beachte, wie gut der Gewinner des SWR-Science-Slams mit Vortrag 3 (Teilchenbeschleuniger) vorbereitet ist: Er redet in hoher Geschwindigkeit, ohne ein einziges Mal den Faden zu verlieren; die verwendeten Medien (Folien, Stofftiere) kommen sekundengenau an den richtigen Stellen zum Einsatz; alles passt zusammen.

Arbeitsblatt: Einen Science-Slam-Vortrag schrittweise vorbereiten [Lehrermaterial]

Unterrichtsmaterial: Einen Science-Slam-Vortrag schrittweise vorbereiten [Lehrermaterial] (PDF) (Alternativlink)

Hier finden Sie Vorschläge, wie die im Aufsatz genannten Erfolgskriterien für einen guten (Science-Slam-)Vortrag geübt werden können. Am Ende der Übungen steht ein Vortrag mit einer Länge von maximal zwei Minuten.

Da sich das Übungsmaterial je nach Schulform und Schulstufe stark unterscheiden wird, wird vorgeschlagen, diese Übungen mit Lehrmaterialien aus den Schulbüchern durchzuführen. Ob man sich dabei auf ein bestimmtes Fach beschränkt oder Themen aus allen Fachbereichen zulässt, ist Frage des didaktischen Geschmacks. Alternativ können auch immer Materialien von der Lehrer/in vorgegeben werden.

Da Science Slam unterhaltsam und witzig sein soll, sollte man auf ernstere Themen (wie bspw. “Judenverfolgung”) verzichten.

1) Eine Botschaft haben

Die Schüler suchen sich ein Thema aus, das sich bspw. am aktuellen Stoff ihres Lieblingsfachs orientiert. Alternativ können auch vom Lehrer Themen vorgegeben werden. Grundlage ist ein anspruchsvoller Text aus einem Schulbuch. Nun sollen die Schüler nach einer kurzen Einarbeitungszeit in der Lage sein, das Thema in etwa drei Sätzen vorzustellen: Worum geht es, was ist daran wichtig?

2) Das Thema verständlich rüberbringen

Die Schüler fassen ihren Text für die anderen Schüler kurz mündlich zusammen, und zwar so, dass JEDER diese Zusammenfassung versteht. Diese mündliche Zusammenfassung ist die Erweiterung der Kurzvorstellung aus Schritt 1.

3) Unterhaltsam, aber nicht inhaltsleer

Hier wird das Ergebnis von Schritt 2 verwendet. Die Zusammenfassung soll bspw. auf ein witziges Beispiel übertragen werden oder durch kurzweilige Formulierungen oder groteske Analogien kurzweilig gemacht werden. Der Inhalt darf dabei nicht verloren gehen!
Dieser Schritt ist der schwierigste, da er den Schülern ein gehöriges Maß an Abstraktion und Originalität abverlangt. Man sollte explizit klar machen, dass es NICHT darum geht, dass die Zuhörer vor Lachen Zwerchfellkrämpfe bekommen. Es geht darum, ein trockenes (wissenschaftliches) Thema ansprechend und verständlich zu machen.

4) Aufbau (Einleitung , Schluss)

Zu den bisher erarbeiteten Inhalten erstellen die Schüler eine Einleitung und einen Schluss. Die Schüler können ihr Konzept an den im Aufsatz vorgestellten Beispielen ausrichten - möchte ich am Schluss einen Ausblick geben? Mit dem Publikum kommunizieren? Mein Thema einfach noch einmal zusammenfassen?

Nach Bearbeitung der ersten vier Schritte sollte der Kurzvortrag stehen. Nun wird an diesem gefeilt, Punkte 5 und 6 können in einem Schritt bearbeitet werden. Je nach zur Verfügung stehender Zeit können die folgenden Schritte weggelassen werden.

5) Aufmerksamkeit fokussieren

Die Schüler sollen sich in ihrem Vortrag für eine Stelle entscheiden, an der SIE SELBST ganz im Zentrum der Aufmerksamkeit stehen. Dazu könnte bspw. die Einleitung ohne Medieneinsatz vorgetragen werden.

6) Dynamik

In den vorhandenen Kurzvortrag wird genau ein Dynamikwechsel eingebaut, gleich welcher Art. Wichtig ist dabei, dass dieser Wechsel an einer sinnvollen Stelle erfolgt. Dies kann auch - bei sehr kurzen Vorträgen - die Scharnierstelle zwischen Einleitung und Hauptteil oder zwischen Hauptteil und Schluss sein.

7) Vorbereitung

Nun wird mit allem bisher erarbeiteten Material eine Endversion erstellt und der Vortrag geübt. Ziel dieser Übung ist es, dass alle verwendeten Medien/Materialien perfekt gestaltet sind und der Vortrag richtig sitzt.

Arbeitsplan: “Vorbereitung eines Vortrags” [Schülermaterial]

Unterrichtsmaterial: Arbeitsplan - Vorbereitung eines Vortrags [Schülermaterial] (PDF) (Alternativlink)

Phase 1: Einarbeitung ins Thema

Arbeite dich inhaltlich ins Thema ein. Benutze dazu Bücher, das Internet, befrage Leute, die sich damit auskennen. Wende bisher gelernte Lese- und Arbeitstechniken an (z.B. Exzerpte anfertigen; Mindmapping; Texte bearbeiten mit Unterstreichen, Stichworten; S4QR-Methode nach Francis Robinson: Survey, Question, Read, Reflect, Review, Recite).

Phase 2: Ziele des Vortrags formulieren

Was sollen die Zuhörer durch deinen Vortrag lernen? Formuliere dein Hauptziel schriftlich als Fragen (z.B.: “Was ist ein Teilchenbeschleuniger und wie funktioniert er?”). Je nach Umfang deines Vortrags kannst du auch mehrere Ziele und/oder Unterziele formulieren. Gib dir hier besonders Mühe - an diesen Fragen kannst du deinen Erfolg messen. Denn dein Vortrag hat nur dann funktioniert, wenn alle Zuhörer hinterher deine Fragen beantworten können!

Phase 3: Gliederung

Erstelle eine Grobgliederung für deinen Vortrag. Welche Grundlagen/Fakten müssen die Zuhörer kennen, um dein Thema zu verstehen? In welcher Reihenfolge wirst du sie vortragen? Behandelst du deine Hauptfragen getrennt oder zusammen?
Als Ergebnis dieser Phase steht eine Liste, die den ungefähren Ablauf deines Vortrags abbildet.

Übrigens: Diese Liste müssen deine Zuhörer nicht sehen - wenn du zwischen den einzelnen Punkten deines Vortrags eine Pause einlegst, dein Sprechtempo änderst, dich von einem Ende der Bühne zum anderen bewegst, erkennen die Zuhörer diese Phasen von selbst.

Phase 4: Umsetzung

Jetzt wird es ernst: Was genau wirst du in den einzelnen Gliederungsphasen erzählen, zeigen, beschreiben ...? Überlege dir, womit du deine Inhalte am besten erklären oder veranschaulichen kannst. Besorge diese Medien (z.B.: eine Stoffpuppe; ein Bild; eine Animation ...) und mache dir Notizen dazu, was du dazu erzählen wirst.

Überlege dir auch, an welchen Stellen du den Beamer schwarzschalten kannst und wo eine Dynamikänderung durchführen kannst (z.B.: deinen Aufenthaltsort auf der Bühne verändern; langsamer und bedeutungsvoller reden).
Berücksichtige beim Planen die Zeitvorgabe, die für deinen Vortrag angesetzt ist!

Phase 5: Einstieg, Schluss

Überlege dir, womit du beginnst. Wichtig ist dabei, das Publikum von Anfang an für dein Thema zu begeistern. Überlege dir auch einen guten Schluss, der deinen Vortrag zusammenfasst, vielleicht einen Ausblick gibt oder in dem du dich dem Publikum noch einmal sympathisch machst.

Phase  6: Übung

Jetzt heißt es: üben, üben, üben. Du musst deinen Vortrag im Griff haben und deine Worte perfekt auf deine Medien (sofern du welche hast) abstimmen. Wenn du glaubst, du kannst deinen Vortrag perfekt durchführen, zeige ihn anderen Menschen (deinen Gruppenmitgliedern, deinen Freunden, deinen Eltern) und bitte sie um ehrliche Rückmeldung, ob sie alles verstanden haben und wo du es besser machen könntest.

Beim Science Slam ist eine Zeit vorgegeben. Übe auch, die Zeitvorgabe einzuhalten.

Bewertungsbogen Science Slam

Unterrichtsmaterial: Bewertungsbogen Science Slam (PDF) (Alternativlink)

Ausschnitt: Bewertungsbogen Science Slam

[Für alle Items ist eine sechsstufige Skala “trifft voll zu …” bis “… trifft gar nicht zu” gegeben.]

  • Ich habe verstanden, was vorgetragen wurde.
  • Ich könnte die Inhalte des Vortrags spontan zusammenfassen.
  • Der Vortrag hat mich unterhalten (d.h.: Er war lustig, kurzweilig, spannend ...)
  • Der Vortrag war gut vorbereitet.
  • Der Vortrag war inhaltlich anspruchsvoll.
  • Der Einstieg hat mich gleich gefesselt.
  • Der Schluss hat den Vortrag gut zusammengefasst.

[Freitext-Rückmeldung:]

  • Was mir besonders positiv aufgefallen ist:
  • Was mir besonders negativ aufgefallen ist:

[Gesamtbewertung von 1 bis 10:]

  • Meine Bewertung von 1 (schlechteste) bis 10 (beste)
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